![]() | 18. Februar 2010 Unser erwachsenes "Kind" ist seit längerem eingeweiht. Wir diskutieren nun zwischen uns, ob wir das auch für das jüngere Kind tun sollen. Der Grund ist, dass wir unser liebevolles und offenes Verhältnis zu den Kindern nicht durch die Konstruktion von irgendwelchen "Geschichten", wo Mama oder Papa heute Nacht denn sind oder woher wir xy denn kennen, belasten wollen. ich würde es "natürlich" lassen... keine konstruktionen/lügen/ausreden, aber auch keine offensive offenheit.. soviel wie nötig... wenn sich dann nachfragen ergeben, kann man schrittweise darauf eingehen... |
![]() | 18. Februar 2010 es gab einmal, vor langer, langer zeit, einen wunderbaren auskleber, wahrscheinlich gab es diesen auch damals als postkarte und so weiter... auf jeden fall, in meinem besitz, besser gesagt, auf meiner alten rostlaube, prangte einmal ein besagter aufkleber... der folgendes aussagte/darstellte... man sah ein typisches hippie-ehepaar, das auf einem bürgersteig entlang ging. im schlepptau, hatte die beiden ihren sohnemann dabei... jener in anzug und mit aktenkoffer... es folgte jene textzeile: was haben wir nur bei unserer erziehung falsch gemacht? das war der erste gedanke, an den aufkleber, als ich diesen tread las... |
![]() | 18. Februar 2010 Ich denke, wichtig für Kinder ist, daß sich zwischen Papa und Mama nichts ändert. Solange Ihr vermitteln und vorleben könnt, daß zwischen Euch alles in Ordnung ist, dürfte das ok sein. Die Kids übernachten ja auch schonmal bei Freunden, warum also nicht Ihr auch mal? Und, da halte ich es wie cioccolata: Je selbstverständlicher und offener Ihr damit umgeht, um so einfacher ist es wahrscheinlich für das Kind. Ist eben so, und es ändert sich in der Familie nichts. Vielleicht nicht groß erklären, sondern einfach leben. "Ciao, ich bin dann bei ..." "Viel Spaß, Schatz, bis morgen." Zärtlicher Kuß an Partner und Kinder, und locker zur Tür raus. Wenn dann Fragen kommen, kann man sie ja beantworten. Und wenn ein erwachsenes Kind schon im Boot ist, dann können die Geschwister auch viel untereinander besprechen. |
![]() | 19. Februar 2010 Ein sehr interessantes Thema, sodass ich mich gerne einmischen möchte, auch wenn es für mich noch Zukunftsmusik ist. Offenheit schön und gut, aber erhöht sich dadurch nicht der Druck auf die Kinder? Heute ist der Druck, sexuelle Erfahrung vorweisen zu können, unter Jugendlichen doch sowieso sehr hoch, gar nicht vergleichbar mit früher. Was ist, wenn dann noch dazukommt, dass sie denken, nur "erwachsen" zu sein, wenn sie offene oder polyamore Beziehungen führen? Führt das nicht zu einer Überforderung, wo noch die einfachen Grundlagen-Erfahrungen in Liebesdingen fehlen? Nicht falsch verstehen, für mich wäre es schön, offen sein zu können, weil ich es im Freundeskreis auch bin. Ich frage mich nur, ob man es sich als Erwachsener damit nicht einfach macht und aus falsch verstander Ehrlichkeit heraus den Kindern mehr zuschiebt, als fair ist? |
![]() | 19. Februar 2010 dito! Auch ich schlage mich auf die Seite der „Verschweiger“, zumindest „Verzögerer“. Daher volle Zustimmung zu Taishar. Ein wesentliches Ziel unserer Erziehung ist – im weitesten Sinne verstanden – Treue: Erkenne, wer Deine Freunde sind, setze Dich für sie ein und setze Dich mit Ihnen auseinander, tu was für Deine Geschwister und für Deine Freundschaften, wenn Du in eine Handballmannschaft bist, dann denk nicht daran, Fußball zu spielen, solange Du Dir nicht klar darüber bist, dass Deine Handballer möglicherweise auf Dich angewiesen sind, usw. Vor diesem Hintergrund: Ich glaube nicht, dass Jugendliche in der Lage sind, zwischen emotionaler und körperlicher Treue zu differenzieren. Da eröffnet sich ein ganzer Sack von Problemen, dem sie schlichtweg noch nicht gewachsen sind. Das ist ein Sack für Meister – nicht für Lehrlinge. Oder, um im Bild zu bleiben: Wie sollte ich meinem Sohn beibringen, dass er seine Handballjungs am Samstag Vormittag nicht im Stich lassen darf, wohl aber am Abend seine neue Flamme? Ich ahne, was Antaghar sagt: Treue bedeutet nicht körperliche Monotonie. Klar, d´accord. Das wissen wir - die Jungs und Mädels müssen aber erstmal die Basics ihrer Gefühle kennen- und erlernen. Überfordert sie nicht und schützt sie, so lange es geht! ... meint Rückenwind. |
![]() | 19. Februar 2010 Tja.. Überfordert sie nicht und schützt sie, so lange es geht! ..da sind wir mittendrin im Dilemma! Genau der Grund für unseren Thread. Ab einem bestimmten Alter geht es eben nicht mehr, ohne Kollateralschäden an der Eltern-Kind-Beziehung zu riskieren. Ich denke, es kristallisiert sich heraus, dass es vor der Pubertät vermutlich zu früh ist und wenn sie erwachsen sind sicher nichts schadet. Das ist auch unsere Erfahrung. Das ganze hat einen Praxisaspekt, den bekomme ich nicht durch feste Standpunkte gelöst. Es sei denn, man geht so weit und fordert von Eltern aus Erziehungsgründen strikte Monogamie bis zum Erwachsenenalter Ihrer Kinder. Die Vorschläge, das Thema sozusagen "nebenbei" abzuhandeln ("Tschau, ich bin dann bei xy", während der Partner dabei ist) klingen zwar charmant, aber unseres Erachtens nicht sehr praxisnah. Damit ist ja nicht "alles klar". Man telefoniert ja auch mal, das Kind hört was mit, fragt, nur als Beispiel. |
![]() | 19. Februar 2010 Puh... Was für eine Frage, in der Tat. Ich finde sie überhaupt nicht leicht zu beantworten. Denn ich möchte ja meinen Entschluss, offen zu leben, nicht meinem Partner gegenüber umsetzen, meinem Kind aber trotzdem weiterhin Lügengebilde konstruieren und es in dem Glauben lassen, seine Eltern lebten eben "ganz gutbürgerlich und monogam". Ich bin meinem Kind nur dann ein Vorbild, wenn ich nicht schauspielere. Ein Vorbild in Offenheit und Aufrichtigkeit. Und ich selbst bin ja überzeugt von meiner Lebensweise, wieso also sollte ich meinem Kind etwas vorenthalten, was ich für richtig halte? Es ist also eine Frage des Alters. Mit 14 Jahren ist ein Kind gerade in der schlimmsten Zeit der sexuellen und allgemeinmenschlichen Selbstfindung angekommen. Es SUCHT ja noch sich selbst und seine eigene Form von Sexualität und ist damit auch noch ein paar Jahre beschäftigt. Ist das jetzt also genau deshalb der RICHTIGE oder genau der FALSCHE Zeitpunkt, um so einem Kind, einem Teenager, aufzutischen, dass man selbst da eine Einstellung hat, die immer noch als recht unkonventionell gilt? Ich habe dafür keine allgemeingültige Antwort, glaube ich. msurprise und ich werden uns da in so ca. 12 Jahren, wie er ganz richtig schreibt, wohl verstärkt Gedanken drüber machen müssen. Und ich denke, dann kommt es auch darauf an, was Junior für Fragen stellt, welche Art von Gedanken er sich selbst macht. Ich denke, wir werden wohl diesen Weg beschreiten. Wir werden ihm nicht ungebeten die volle Wahrheit auf den Tisch knallen, in einem unverdaulichen Riesenbrocken, wir werden das so präsentieren, wie es uns situativ richtig erscheint. Wenn mein Sohn mich einmal explizit danach fragt, was für eine Rolle sexuelle Treue in einer Beziehung spielen sollte oder bei uns spielt, dann werde ich ihm diese Frage so beantworten, wie ich es jederzeit vor ihm und vor mir vertreten kann. Ich werde ihm sagen, dass für mich und für seinen Vater sexuelle Treue kein entscheidendes Kriterium ist für das Glück unserer Beziehung und dass wir es tolerieren, wenn der Partner ab und zu eigene Wege geht. Für übergeordnet halte ich aber den schon erwähnten Gedanken, dass ein Kind spürt, dass sich die Eltern lieben und dass es sich auf die Stabilität seines Elternhauses verlassen kann. Und DAS ist ja nun unbestritten (zumindest von MIR unbestritten |
![]() | 19. Februar 2010 Es ist eine Frage des Alters. Ja: Es ist eine Frage des Alters! (Und mein Votum für ein Verschweigen erstreckt sich nur auf die Zeit „davor“.) Wer das Handwerkszeug der Liebe, der Freundschaft und der Treue erlernt hat, der kann sich an die Brechungen heranmachen. (Das ist wie mit der Sprache: Ihre Meister bedürfen nicht mehr des engen Korsetts der Hergebrachten, sie können mit ihr spielen.) Ich meine nur, dass man die ersten Schritte hier lieber „behütet“ gehen muss, sonst sind die Irritationen zu groß und ein fester Kompass kann möglicherweise nicht entstehen. Gerade weil ich will, dass die Kinder zunächst ein verlässliches stabiles Elternhaus erfahren, sollte ich dieses Erfahren so schlicht und unerschütterlich gestalten wie möglich. Bis die Kinder (dann wohl als Jugendliche oder junge Erwachsene) auch mit gewissen Erschütterungen umgehen können. Denn dann sind das nur kleine Schlaglöcher – der Weg bleibt klar und fest. Im übrigen denke ich, dass Authentizität zwar ein wichtiger Wert ist – der aber in der Kindererziehung ganz natürliche Widerparts findet, die sich aus dem Verständnishorizont der Kleinen ergeben. Kollateralschäden hingegen würde ich eher nicht befürchten. Für unsere Kinder sind wir die Welt. Wenn wir sie ihnen anders vorleben – dann ist sie (für die Kinder) eben eine andere. |
![]() | 19. Februar 2010 Für unsere Kinder sind wir die Welt. Wenn wir sie ihnen anders vorleben – dann ist sie (für die Kinder) eben eine andere. Hier vermag ich einen kleinen Widerspruch festzustellen. Entweder sind wir für unsere Kinder die Welt, was ich übrigens genauso erfahre, dann ist unsere Welt die ihre. Oder sie sehen unsere Welt anders, dann ist sie eben aus ihrer Sicht anders. Beides in einem haut schon Logikmäsig nicht hin, finde ich. Ganz abgesehen davon, versuche ich meine Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten zu erziehen. In diesem Zusammenhang von Treue zu sprechen, ist für mich abwegig. Deshalb brauch mein Söhnchen auch seine neue Flamme nicht im Stich lassen, nur weil ich z.B. ne Freundin habe. Ich verlange auch nicht von meinen Kurzen, daß sie sich vegetarisch ernähren nur weil ich das tue. Sollen sie zu gegebener Zeit mal selbst entscheiden. gruß, |
![]() | 19. Februar 2010 Mit 14 Jahren ist ein Kind gerade in der schlimmsten Zeit der sexuellen und allgemeinmenschlichen Selbstfindung angekommen. Es SUCHT ja noch sich selbst und seine eigene Form von Sexualität und ist damit auch noch ein paar Jahre beschäftigt. Ist das jetzt also genau deshalb der RICHTIGE oder genau der FALSCHE Zeitpunkt, um so einem Kind, einem Teenager, aufzutischen, dass man selbst da eine Einstellung hat, die immer noch als recht unkonventionell gilt? Ja, genau das meinte ich. Vielleicht ist die rückhaltlose Ehrlichkeit, dem Kind alles zu sagen, damit man es nicht anlügt, eine zu strenge Sichtweise. Ich würde in dem Fall "Unehrlichkeit" eher durch "Rücksichtnahme" ersetzen. Das gleiche machen wir doch mit anderen auch jeden Tag, dass wir ihnen aus Rücksicht nicht die brutale "Wahrheit" ins Gesicht klatschen, mit der sie nicht umgehen können. Treue bedeutet nicht körperliche Monotonie. Klar, d´accord. Das wissen wir - die Jungs und Mädels müssen aber erstmal die Basics ihrer Gefühle kennen- und erlernen. Wer das Handwerkszeug der Liebe, der Freundschaft und der Treue erlernt hat, der kann sich an die Brechungen heranmachen. Ich möchte mein Kind nicht mit der für mich bigotten Sexual- und Liebermoral aufwachsen lassen, die gesellschaftlich üblich ist. Aber vielleicht reicht es schon, ihm nicht meine Art der Sexualmoral zu vermitteln, sondern vielmehr ihm das andere NICHT zu vermitteln, sodass es nicht mit einem Berg an festgetackerten Vorstellungen in die ersten Erfahrungen startet? Ich denke, dass dann die Möglichkeit, während des Entwicklungsprozesses mit der Wahrheit über mich/uns herauszurücken, immer noch zu einem fruchtbaren Ergebnis führt, ohne dass es "zu spät" ist. |
![]() | 19. Februar 2010 sondern vielmehr ihm das andere NICHT zu vermitteln, Und daß meine ich ehrlich ehrlich. Obwohl wir uns eigentlich nicht auf einer (esoterischen) Wellenlänge befinden Selber bin ich ja eher so in der linksradikalen Ecke, oder was so bezeichnet wird. Aber ich will meinen Kindern einfach nur eine humane, soziale, liebevolle Sichtweise der Dinge vermitteln. Deshalb muß ich sie nicht zu Vegetariern wie mich machen ( gestern hab ich Schweinerollbraten für sie gekocht War jetzt bloß ein Beispiel, daß gleiche geht mit Kirche, Sexualität usw. Fällt mir grad noch ein, letzte Woche schwärmte Sohnemann ( 7 ) so von seinem alten Kumpel dem Lukas. Darauf sagte ich "kannst ihn ja heiraten" ( ja, daß geht sogar in Bayern mittlerweile, aber das ist eine andere Geschichte...). Er voll entsetzt, " daß ist doch ein Junge!" , worauf ich nicht näher einging und nur erklärte, daß auch Männer heiraten können, dürfen, wollen. Diese Antwort stellte ihn dann offenbar zufrieden, jedenfalls sah er so aus. gruß, |
![]() | 19. Februar 2010 @ Grisu oT Ich habe eine esoterische Wellenlänge? lol, das hat mir bisher noch niemand gesagt. Beim Thema Vegetarier kann ich nicht zustimmen, das ist für mich nicht vergleichbar. Ok, sie könnten Fleisch essen, aber dann würde ich ihnen vorher den lebendigen Hasen zum Schlachten hinlegen. back to Topic: |
![]() | 19. Februar 2010 Wir trennen unser privates und natürlich öffentliches Leben ganz strikt von unserem SExualleben/Swingen. Was wir dort tun oder nicht ist unsere Sache, die teilen wir weder mit unseren "normalen" Freunden noch mit unserem Nachwuchs. Wir sehen da auch keine Doppelmoral. Wir haben unsere Erziehung immer möglichts weltoffen und lieberal gestaltet und versucht unsere Werte und Normen als Orientierung, aber nicht als Kathechsimus zu vermitteln. Insofern ist die Sexualmoral unseres Nachwuchses auch durchaus anders als unsere und das ist auch ok so. Schon allein deshalb denken wir, dass es Bereiche im Eltern- wie im Kinderleben gibt, die wahrsten Sinne des Wortes privat sind. |
![]() | 19. Februar 2010 aber dann würde ich ihnen vorher den lebendigen Hasen zum Schlachten hinlegen siehste, aber genau das meine ich mit Wellenlänge. Wenn ich Dein Beispiel jetzt auf meine wie auch immer geartete offene Beziehung umlege, müsste ich sie zwingen mir mit meiner Freundin beim Schnackseln zuzusehen... um es mal adäquat zu vergleichen. Ganz abgesehen davon gibt es wesentlich wichtigere Probleme, als das für und wider der fleischlosen Ernährung. Ist wie mit Gott. Laut Ausweis bin ich o.B., aber nix schlimmeres als Atheisten die ständig über Gott reden... gruß, |
![]() | 19. Februar 2010 @ Grisu Ich finde deinen Vergleich ziemlich abstrus, um es deutlich zu sagen. In dem einen Fall geht es darum, ihnen beizubringen, sich der Tragweite IHRER Entscheidungen bewusst zu sein. Im anderen Fall bis DU derjenige, der die offene Beziehung lebt, der sich dazu entschieden hat, warum sollten deine Kinder dir also beim Schnackseln zusehen?? |
