Wer von Euch fotografiert noch analog?

Daß die analoge Fotografie ein sterbender Ast ist, mag wohl niemanden hier überraschen, dennoch interessiert mich, ob...

22. Januar 2010
digi-log

irgendwie bin ich digital auf dem halben weg von analog stecken geblieben. einerseits fotografiere ich immer noch mit meiner pentax 110, der kleinsten je gebauten spiegelreflex, die mit den pocketcassetten, weil die ganze ausrüstung von ultraweitwinkel bis mittleres tele in die parkatache passt, inklusive blitz und motorwinder, andererseits hab ich mir vor 2 jahren ne oly 410 gekauft, weil sie den ganzen tinnef wie is und so nicht hat. die beiden kit-optiken sind grandios, keine frage, aber der spiel- und drehtrieb wurde nicht befriedigt, also kamen analogobjektive und adapterringe her. die brennweite deckt jetz von 15mm kb-äquivalent bis 500mm kb-äq. alles ab, nur in festbrennweiten. da sind ein sund etliche schätze von zeiss drunter, die es für kleines geld auf dem flohmarkt gab. bei den blitzen das selbe, vier alte metze, 2x 32 ct3 auf x-kontakten, einmal 40mz2, einmal 45 ct 3. bis auf den 40er alle manuell einzustellen. scherze wie live-view nute ich allenfalls bei macro, denn moderne sucher sind zu klein, um bei sowas den focus zu finden.
durch den gebrauch der analogen hab ich nicht verlernt, eine digitale als werkzeug der gestaltung ernst zu nehmen und weiter old-fashioned zu fotografieren, statt ein spiegel-und blitzlichtgewitter vom zaun zu brechen und zu hoffen, das eines der 300 bilder aus der serie schon was geworden sein wird.
allzeit gutes licht!
20. März 2010
aber hoppela!

Höre ich da analoges Gemurmel?

Im Grunde ist es doch vollkommen egal, ob analog oder digital ein Bild entsteht. Es kommt doch sowieso nur auf das Bild an. Und da fängt dann die Sache mit dem Geschmack an.

Seit über 30 Jahren in der Fotografie, habe ich einen kurzen Ausflug in das Digitale gewagt, bin irgendwann am ständigen Aufrüstungszwang hängen geblieben, habe mir wieder meine analogen Schätzchen geschnappt und bin seither glücklich.

Zum Thema Ökologie, Chemiegepansch und Stinkerei möchte ich ganz bewußt keine Stellung beziehen. Irgendwie ist es bei mir so, daß ich mittlerweile sogar die hybride Verarbeitung nicht mehr mag. Aber auch hier taucht wieder die Geschmacksache auf. Ich denke, es gibt für jede Art der Fotografie gute Gründe, die jedoch alle subjektiv sind.

Zum Thema Filmmaterialien möchte ich noch anmerken, daß wir gerade wieder so viele unterschiedliche Filme am Markt haben, wie zuletzt vor 20 oder 30 Jahren. Genau das macht ja auch den Reiz aus. Und ich kenne sehr viele Fotografen, die digital fotografieren aber vom Analogen nicht lassen möchten. Mehr sogar ... es gibt haufenweise Einsteiger/Zurückkehrer ins Analoge. Das finde ich stark! Beide Arten der Fotografie haben ihre Berechtigung und stehen gleichberechtigt nebeneinander. Jepp, so macht das wieder Spaß!

Grüße, Michael
26. März 2010
und noch ein Dinosaurier

Hallo zusammen,

eher per Zufall habe ich diesen für mich sehr tröstlichen Thread entdeckt und mit Genugtuung gelesen, dass ich wohl doch nicht der einzige Dinosaurier bin. Es ist ja mittlerweile fast ein gesellschaftliches Ding, ich trau mich kaum noch zu sagen, dass ich analog fotografiere, und das aus mehreren Gründen. Was wird man da manches Mal mit Mimiken von müdem Lächeln bis zum mitleidigen Gesicht einer Krankenschwester bedacht, wenn man heute zugibt, noch analog zu fotografieren. Danke nochmals an viele Vorschreiber.

Und warum fotografiere ich noch analog? Zum einen hat es bei mir wirtschaftliche Gründe. Ja, richtig gehört, denn wollte ich eine neue digitale SLR mit zum Tauchen unter Wasser nehmen, bräuchte ich dafür ein neues Gehäuse. Und wenn ich mir das anschaffen wollte, dann sprechen wir von einem satten vierstelligen Betrag für die Anschaffung. Der zweite Grund liegt bei mir in meiner Motivwelt vergraben. Ich fotografiere viel und oft und gerne bei diffusen, um nicht zu sagen ungünstigen Lichtbedingungen, sowohl unter, als auch über Wasser. Und hierbei hat sich mir schon mehrfach gezeigt, dass meine analogen Apparate bessere Ergebnisse hervor bringen, als es eine digitale mal getan hat, denn ich hatte mal eine.

Zu guter Letzt: ich finde die Zügellosigkeit, mit der man sich und seine Umwelt zuweilen, ja ich möchte fast sagen, terrorisiert, wenn man digital jeden Sch*schweig* fotografiert, zumindest unangenehm. Da ist es mir lieber, weniger aber dafür überlegter und gezielter zu fotografieren. Nach dem Motto "Kost ja nüscht" wird bei digital gern von manch einem abgedrückt bis zum geht-nicht-mehr, und anschließend????

LG, querfeuer
26. März 2010

Querfeuer, mittlerweile ist es gar nicht mehr so, daß man als Analogist (hübscher Begriff) müde/mitleidig belächelt wird. Immer mehr Fotografen sehen es als parallelen Weg. Im Grunde dreht sich doch alles "nur" um Bilder/Fotos. Mit dem einen Werkzeug kann ich das Eine besser machen, mit dem anderen eben das Andere. Es gibt mittlerweile sehr viele Leute die das begreifen und für sich nutzen.

Ich will ja keine Schleichwerbung machen, aber seit längerer Zeit arbeite ich in einem Fachladen mit, der seit über einem Jahr nur noch das Analoge bedient. Es ist eine helle Freude zu sehen, wie sogar ganz junge Kunden "um die Ecke kommen" (bewußt in Tütelchen gesetzt, weil der Laden voll im Internet agiert) und wieder so Bilder machen wollen, wie es "früher einmal war". Der Entweder-Oder-Streit mit religiöser Anmutung scheint zum Glück vorbei zu sein.

Auffallend ist auch, daß viele Fotografen einfach müde sind, ständig ihre Fotografie im Wettlauf mit der voranschreitenden Technik zu gestalten. Vor zwei Wochen habe ich einen Vortrag in einem der größten Fotoclubs gehalten. Logisch, über analoge Fotografie und logisch, ich habe digital an die Wand projiziert. Zuhörerschar 95% Digitalfotografen. Als mein (5 Monate alter) Laptop zunächst nicht mit dem knatschneuen Beamer "kommunizieren" wollte, wurde mir um die Ohren gehauen, daß ich mit veralterter Technik arbeite und so Bilder niemals die volle Beamer-Auflösung bekommen. Pfffff ... es wurde dann doch noch ein schöner Abend. Aber es zeigt, wie schnell Technik alt wird und ich habe gar keine Lust, daß meine Bilder in diesem Tempo mitaltern.

Analoge Grüße, Michael
26. März 2010
Wettlauf oder Wettkauf

Hallo und guten Morgen Trout aka Michael,

nun ja, wie gesagt, ich habe diesen Thread gerade erst entdeckt, und empfand ihn als tröstlich. Ich erlebe es noch, und immer wieder, möglicherweise liegt es an meinem Umgang, das ich als analoger Fotograf eben als Brontosaurus be- oder gehandelt werde. Du hast da auf Grund deines beruflichen Umfelds gewiß den weit besseren Überblick. Es würde mich also nichts mehr freuen, wenn der Wettlauf und auch Wettstreit um analoge oder alternativ digitale Technik nicht zum berühmt-berüchtigten 30jährigen Krieg würde.

Analogist *haumichwech* wirklich ein hübsches Wort, danke so also auch für diesen Lacher. Ein Brontosaurus, noch immer mit Lichttisch ausgestattet, gibt analoge Grüße zurück *wink*.

LG, querfeuer aka Daniel
26. März 2010

Ja, ja, ja, Lichttisch ... und dann rein in den Focomat IIc. Wundervolle Technik, 30 Kilo Stahl und zwei nahezu überirdische Objektive am Vergrößerer ... hinterher müde aber glücklich, schweißgebadet aber befriedigt. Das sind feuchte Träume, die sich so nur in der Entwicklerchemie verwirklichen lassen *analoglyrik*

Diesem Worterguß konnten gerade eine Vielzahl Menschen nicht folgen. Ich bitte um Verzweiflung *zwinker*

Grüße, Michael
26. März 2010
wieso immer entweder oder?^^

In vielen Bereichen macht es einfach mehr Sinn auf digitale Werkzeuge zurückzukreifen. Ich gehe z.B. oft Texturen Jagen (ja, ich bin einer der Bekloppten die mit dickem Objektiv auf den Rasen halten und abdrücken), da würde es sich finanziell, als auch praktikabel, gesehen nicht lohnen eine meiner analogen auszupacken.
Auch in der Sportfotografie oder für Bewegungsstudien, Belichtungsreihen usw. schnapp ich mir lieber die digitale, man hat einfach den direkteren Zugriff.

Allerdings bin ich auch einer dieser Dinos die versuchen so oft es geht die analoge Kamera zu nutzen... es ist einfach ein ganz anderes Gefühl.
Bei der digitalen hat, für mich persönlich, selbst das durchtachteste Bild immer den beigeschmack eines Schnappschusses, wenn was nicht klappte einfach löschen und nochmal.
Bei den analogen hingegen geht das nicht, abgesehen von dem Nervenkitzel beim Entwickeln ob das Foto etwas geworden ist oder nicht, habe ich das Gefühl das man geduldiger ist.
Zumindest geht es mir so, man versucht genau den richtigen Moment abzufangen... hat den reiz zwischen "noch nicht" und "zu spät" und genau daher überlässt man, sofern möglich, absolut nichts dem Zufall.
Hinzu kommt, es ist irgenwie mit Vinylplatten und CD's... die kleinen unsauberen Geräusche der LP haben irgendwie mehr "herz" als die CD, ebenso ist es irgendwie mit analog vs. digital Fotographie, die Bilder mit einer analogen haben durch ihre Art ein ganz anderes flair.
Klar, man kann es nahezu nicht erkennen aber dennoch ist ein un das selbe Motiv ein anderes wenn man es analog, als auch digital, knippst.

Ich selber habe bisher nur Semi-& Amateur Modelle vor der Linse gehabt und muss echt sagen, die reaktion ist ganz anders.
Vielleicht ist das nur ein subjektiver Eindruck aber ich glaube das analoge Kameras die professionalität des Modells fördern, man merkt richtig wie aus dem "wenn das foto nix wurde löscht er's einfach" ein "blos nichts falsch machen" wird. Vergleichbar mit der Aktmalerei, bei einer 2min studie Wackeln und Zucken die Damen und Herren gewaltig (is ja nur ne studie), kaum sollen sie eine Pose 10min+ halten, werden sie zu Statuen bzw. versuchen fehler zu kompeniseren um dem Zeichner das optimum zu bieten.
Es ist eben ein "Qualitätsunterschied" der entsteht, dadurch das wir alles mit einer gewissen Wertigkeit verbinden.
Natürlich ist das im professionellen Bereich wieder anders, da wird ein Modell von einer analogen, aufgrund des nicht mehr up-to-date, status, abgeschreckt... allerdings führt das auch zum letzten:

Wenn jedoch Geld im Spiel ist wirds mit den analogen auch wieder schwirig... da ich das eher sekundär mache habe ich hier noch freiheiten, ein professioneller Fotograf hingegen hat heutzutage eigentlich keine Wahl mehr und aus der sicht eines Grafikers muss ich auch sagen, ich habe lieber eine Bilddatei als ein Negativ/Druck, durch das zusätzliche einscannen bringt man eine weitere Fehlerquelle ins Spiel die nur zusätzlich Arbeit macht.

Sogesehen muss ich sagen, beides hat seine Vor- und Nachteile aber sofern ich die wahl habe, werde ich persönlich immer zu den analogen Greifen;)
27. März 2010

Analog ist hier ein anderer Lebensstil geworden- einigen Diskussionen in Fachforen, wo auch Händler mit anwesend sind, sagen, dass seit ca. 2006 analog S/W wieder im Aufwind ist, die Verkaufszahlen steigen.
Es sind hier viele Wiedereinsteiger zu verzeichnen, die entweder einen Ausflug ins Digitale hatten, und sich dort für ernsthaftes Arbeiten nicht wohl fühlten, oder aber einfach der digitalen Hektik bewusst entgehen wollten (sozusagen gewollte Entschleunigung), oder aber komplette Neueinsteiger, die einfach neugierig sind, wie es ist, einen Film wirklich noch selbst zu entwickeln.


Ja, ich mache S/W auch als Lebensstil- dass man bewusst versucht, mal anders zu sehen, und sich dem Material anpasst. Digital fotografiere ich auch, aber da sind dann meine Zielsetzungen anders.

Zum mitleidigen Lächeln: Wenn man dann solchen Leuten mal erklärt, dass die angeblich soo billigen Digitalbilder dann doch richtig Geld kosten, wenn man einfach mal den Preis der Digiknipse umlegt auf die Zahl der gelungenen! Aufnahmen, so relativiert sich hier schnell vieles.
Umweltfreundlichkeit: Die Kamera, die ich analog habe, ist mit wenig Elektronik (eigentlich nur Verschluss/Belichtungsmesser) aufgebaut, Rest Mechanik und 25 Jahre alt. Die kann noch weitere 20 Jahre halten. Digitale habe ich in den letzten 6 Jahre zwei defekte Kameras gehabt, meine jetzige DSLR ist meine 4. Digitale, Nr. 3 habe ich an Bekannte verkauft. Wenn man sich jetzt anschaut, was die Dinger (2 defekt, eine neu) an Energie bei der Herstellung und bei der Halbleiterproduktion (Sensor, LCD, sonstige Elektronik) für Chemieabfälle produziert haben, dann dürfte es die dazu verhältnismässig harmlose S/W-Chemie locker übertreffen...
27. März 2010
.

und sich dort (im Digitalbereich) für ernsthaftes Arbeiten nicht wohl fühlten

Ich kann mir nicht vorstellen dass man mit Analog "ernsthafter" arbeiten kann, als mit Digital :). So ist vermutlich die Digitalfotografie mit all ihren vielschichtigen Möglichkeiten (Photoshop & Co.) im Profibereich kaum mehr wegzudenken,....wogegen auf Analoges in Säurebäder eher verzichtet werden kann.

Für Kunstschaffende wird es jedoch immer und ewig ein spannendes Experimentierfeld bleiben.
27. März 2010

Im Profibereich (= da, wo Leute täglich ihre Brötchen mit verdienen wollen/müssen) ist Digital nicht mehr wegzudenken.
Mit "ernsthaft arbeiten" bezog ich mich auf die Leute, die aus welchen Gründen auch immer bestimmte Dinge erreichen wollen (analog S/W wird seit einiger Zeit ja bevorzugt künstlerisch benutzt, da für viele andere Dinge seit einiger Zeit bessere und schnellere Dinge bereitstehen).
Hier gibts einige, die gerade bei künstlerischen Dingen z.B. sehr stark mit Kontrasten in Schatten etc. spielen wollen, wo oftmals eine Digitale nicht mehr mitkommt, oder ein Papierabzug mangels Kontrastumfang des (Farb)Fotopapiers doof ausschaut, oder wo einfach ein Negativ mehr Informationen transportieren kann als eine aktuelle bezahlbare Digitalkamera- ein S/W-Negativ Kleinbild kann locker 20 Megapixel beeinhalten, Mittelformat (der alte "Rollfilm") bringts auch auf bis zu 100 Megapixel.

Ich selbst habe Beides, und mit der Analogen Kamera habe ich nur die wirklich wesentlichen Elemente dran, fokussiere manuell und habe die volle Kontrolle über alles, was abgeht- bei der Digitalen merke ich immer wieder, dass ich entweder von vielen Automatismen abhängig bin, oder sehr viel Arbeit habe, wenn ich alles manuell einstellen will.
Da macht Analog schon Spass, weil es ein anderer Blickwinkel auf die Sache ist.
01. April 2010
Sofortbildfilme für SX70!

Falls jemand Interesse hat:
Es gibt sie wieder, die Filme für die Polaroid SX70!
Nächste Woche bekomme ich einige Packs, um für die "Art Collection" von "impossible project" meinen Beitrag zu leisten.
Wer näheres über die Filme erfahren möchte, kann mir eine CM schicken.

Grüße, Michael
02. April 2010
Werden hier wirklich Äpfel verglichen?

Nur so als Anmerkung:

Wenn man vergleicht, so sollte man die gleiche Klasse wählen. Also Spiegelreflex mit Spiegelreflex, Mittelformat mit Mittelformat usw.

Kurzum: ich denke, daß es ganz ohne Zweifel auf allen Ebenen überlegene Digitale gibt (DSLR, Messucher und Mittelformate). Und zwar mechanisch und optisch überlegene Systeme.
02. April 2010
Wahl des richtigen Werkzeugs

Die Frage ist doch, welches Werkzeug für welche Anforderungen das Richtige ist. Wenn man einfach unbeschwert ne kleine Kamera immer dabei haben möchte, ist ne Spiegelreflex der falsche Ansatz.

Zur technischen Überlegenheit: die Kamera (eigentlich hier das Gehäuse mit dem Verschluss) ist eigentlich das unwichtigste Teil dabei- wichtig ist das Objektiv und der Fotograf, der sich damit auseinandersetzt, wie sein Bild nachher aussehen soll. Wenn einer dieser Faktoren nix taugt, wird das Bild nachher, egal wie gut die Kamera technisch sein mag, nix sein.
(Ja, die tollen teuren Kameras sind etwas besser darin, zu erraten, was der Bediener wohl gemeint oder gehofft haben mag, aber in dem Moment wird nur an Symptomen herumgedoktort)

Da ich auch analog fotografiere, habe ich mich auch mit den technischen Spezifikationen beider Welten auseinandergesetzt. Die Meinung, dass digitale Dinge besser sind/sein müssen, ist nicht so. Hier gilt obiger Satz vom richtigen Werkzeug.

Grundlegend kann man sagen:
- Der Gelegenheitsknipser, der sich nicht mit der Technik auseinandersetzen will, und das Bild schnell sehen will, ist mit ner kompakten Digitalen bestens bedient

- Wer wirklich damit arbeitet (auch künstlerisch), sollte egal ob anaog/digital verstanden haben, wie die Technik mit Belichtungssteuerung funktioniert. Und hier ist dann das Objektiv wichtiger als eine tolle Elektronik

- die tolle Hilfselektronik wie Autofokus oder Belichtungsmessung (die es ja auch an analogen Kameras gibt) sind Hilfsmittel, die einem auch mal im Weg sein können, wenn die partout andere Meinung haben als man selbst. Nur durch solches Zeugs wird ne Kamera nicht automatisch besser. Die besten Fotografien sind meist von Fotografen gemacht, die ganz ohne solches Zeug fotografierten und alles manuell einstellten und eben noch überlegen konnten, wie sowas funktioniert.

- Das Problem einer Spiegelreflex ist ihr Spiegel- nach Auslösung dauert es etwas, bis der aus dem Weg ist, und der Spiegelschlag lässt das Gehäuse vibrieren, so dass keine langen Verschlusszeiten möglich sind oder minimal verwackelt werden, was sich in geringerer Schärfe äussert. Durch die Grösse einer SLR ist sie auch auffällig, also für Fotografie von Leuten nur bedingt geeignet

- Messsucherkameras (prominentes Beispiel die Leica M) sind hier kleiner, unauffällig, und haben einen leisen Verschluss, der kaum hörbar ist. Bevorzugtes Werkzeug von Fotojournalisten, die Strassenfotografie machen oder da, wo man unauffällig sein muss.

- Dynamik: Im Farbbereich sind die Digitalen allmählich da, wo Farbfilm ist, was den Kontrastumfang betrifft. Wobei guter Farbfilm immer noch besser und präziser auflösen kann, wenn man ihn mit einem guten Scanner nachbearbeitet. Im S/W-Bereich hat Film immer noch incl. der Abzüge auf Barytpapier eine viel höhere Dynamik und Kontraste incl. räumlichem Eindruck als eine Digiknipse es liefern kann.

- Wenn hohe Auflösungen gefordert sind, wird auch gerne Mittelformat oder Grossformat fotografiert, und die Negative nachher gescannt. Eine Kamera, die Mittelformatfilm (6x6 etc.) benutzt, istgebraucht für unter 500 Euro zu bekommen, und aus einem Mittelformatnegativ werden ohne Probleme 100 Megapixel rausgeholt. Eine Rolle Film mit 12 Aufnahmen drauf kostet 3-5 Euros... Bis man da dann die Kosten einer digitalen Vollformatkamera, die mehr als 20 MP hat, drin hat, kann man viele Filme vollmachen... MF digital geht so bei ca. 20.000 Euros los, wenn man die Ausrüstung neu kauft, und bringt ca. 60 MP
Hier ist die Analoge Welt nach wie vor im Vorteil.
03. April 2010
Digital versus Analog? Warum?

Pauschale Aussagen, ob oder wer überlegene Technik aufweist, mag interessant für Datenblattleser sein, aber dann sollten nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Ich kenne kein digitales Medium, das über 250 Linienpaare bringt. Andererseits kenne ich nur wenige Fotografen, die tatsächlich über 250 Linienpaare unbedingt benötigen. Ähnlich verhält es sich mit dem Vergleich von Digital-Print zu Analog-Print.
Warum können wir es nicht dabei belassen, daß jeder für sich das richtige Werkzeug (Dank an Nachtwind für das Posting) wählen soll ... besser gesagt kann.

Wer professionell Bilder in Umsatz wandeln muß, wird am Digitalen nicht vorbei kommen. Schließlich ist Zeit Geld und da muß eben bei sinkenden Preisen das Bild innerhalb von wenigen Minuten fertig sein.
Wer künstlerische Fotografie betreibt, wird im digitalen Prozess aufwändiger arbeiten müssen. Wenn er den Aufwand tragen kann, dann soll er es tun. Ich jedenfalls bin damit auf die Schnauze gefallen und habe erst wieder Erfolg, seit ich zum Analogen zurückgekommen bin. Aber wie gesagt, alles Geschmacksache.

Auch ist es noch immer so, daß Digital einige Defizite im künstlerischen Bereich hat ... insbesondere in der Unikatkunst. Aber auch das ist egal. Ich denke, wir sind seit geraumer Zeit darüber hinweg die Positionierung Digital versus Analog betreiben zu müssen. Wer dies noch macht, ist irgendwie von Gestern.

Wenn ich die analogen Möglichkeiten von Redscale-Technologie heute anseh, die Vielfältigkeit der Schwarzweißfilme, zurückgekehrte Entwicklerchemie mit außergewöhnlichen Eigenschaften, Lochkamera, Lomografie, Edeldruckverfahren, ect, ect. (die Liste ließe sich ellenlang fortsetzen), ist für mich der Griff zum Analogen unausweichlich. Ähnliches mögen Digitalfotografen sagen, wenn sie auf neue Tools und Softwareerrungenschaften verweisen.

Die für mich sinnentleertesten Argumente sind die der Modernität, Ökologie und Preis-Leitung. Gibt es nicht auch in der Fotografie die ach so häufig beschworene Toleranz? Schließlich kommt es am Ende nur auf das Endergebnis an: Das gute Bild!

Grüße, Michael
03. April 2010
ju

Digitalfotografie ohne Bild-Entwicklungsarbeiten in Photoshop und Co, ist wie schwarzweiss Analog-Fotografie ohne eigenes Labor, ….unpräzise & unbefriedigend.
Aber es gibt wohl nichts was ich mit Photoshop nicht genauso gut realisieren kann wie mit der Analog-Fotografie. Ob eine digitale oder analoge „Redscale-Technologie“, es wird wohl keine wirklich grossen Unterschiede geben. Körnung und Farbgebung ist noch wesentlich differenzierter steuerbar.

Im Gegenteil zur analogen schwarz-weiss Fotografie habe ich mit digitalen Daten (besser noch RAW), dank der zusätzlichen Farbinformation, wesentlich mehr Möglichkeiten zur Stimmung & Kontraststeuerung. So kann ich gezielt, z.B. blaue Farbtöne (Himmel) abdunkeln, aufhellen Kontrast steuern etc…..
(Anmerkung; das Bild bleibt schwarz-weiss.)


Aber wie auch Trout schon schreibt ……
„das Digital einige Defizite im künstlerischen Bereich hat ... insbesondere in der Unikatkunst.“
Ich kann auch im Digitalbereich diverse Effekte anwenden, Solarisationen und Co, sogar noch einige mehr,….aber sie werden wohl nie diese Eigenständigkeit besitzen, wie die in der Analogfotografie. Digitale Effekte entpuppen sich schnell als billige Filter Kombinationen. Wenn man nicht aufpasst, entgleist man mit Digitalen schneller zum Kitsch.

Mehr zu Wer von Euch fotografiert noch analog?


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