Sex und Lust - wirklich immer zeitgleich bei Paaren?

26. Mai 2008
Sex und Lust - wirklich immer zeitgleich bei Paaren?

Letzte Woche Freitag hatte ich mit einer erfahrenden Freundin ein Gespräch über Zeiten in der Partnerschaft, in der die Lust auf Sex unterschiedlich vorhanden ist. Anfangs kommt man kaum voneinander los - irgendwann schleicht sich da so etwas ein, wo man glauben könnte, liegt da etwa Unlust (kein Begehren mehr) vor?

Ergebnis unseres Gespräches:

Eines der größten Irrtümer einer Partnerschaft ist, dass angenommen wird, beide ob Mann oder Frau müssten zeitgleich Lust auf Sex verspüren.

Doch wie handhabt man nun wirklich dieses nicht zeitgleiche Lust haben?

Die Freundin sagte zu mir, dass viele Frauen oft dazu neigen, so zu agieren, als würden sie sich etwas vergeben, wenn sie dem Partner zuliebe, einfach mal mitmachen. Anstatt sich zu entspannen, womöglich dann doch Spaß an der Sache zu bekommen, verweigern sie sich und sind empört, dass der Partner will, obwohl sie keine Lust haben.

Dazu meinte ich, dass ich allerdings auch als Frau erwarten könne, selbst wenn Männe keine Lust verspürt, er mir dennoch ein wenig gut tun könne.

Nun sind viele Männer ja oft darauf aus, dass der Partnerin gut zu tun, gleichbedeutend ist, eine Erektion haben zu müssen. Das ist doch kein Muss. Der Partnerin könnte man ja auch anders gut tun (oral, fingern, kuscheln, kissenschlachten usw.) Dies wäre doch mehr als gerecht.

Erfolgt dies jedoch von beiden Seiten jedoch nicht, kann eine schreckliche Spirale entstehen. Gerade, weil man sich nah ist, mag die seelische Verletztheit größer ausfallen. Bekommt ein Partner einmal nicht seinen Willen, könnte er in Versuchung geraten, bei der nächsten Anfrage seitens des Partners zu sagen: nun will ich nicht. Dann ist wieder dieser Partner verletzt usw. - tja, und dann liest man all die unglücklichen Threads hier: meine Frau/mein Mann will nicht . . .

Also: wie handhabt ihr dieses meist nicht zeitgleiche sexuelle Begehren und Wollen eurer Partner - gebt ihr nach (aus Liebe) oder was lässt euch das Gegenteil tun (ablehnen)?
26. Mai 2008

Hach, was für ein schönes Thema, zudem ich doch gleich mal meinen Senf dazu geben muss, da wir ja nun auch nicht mehr erst seit gestern zusammen sind und daher durchaus auch schon unsere Zeiten hatten und haben, wo wir halt mal nicht zeitgleich Lust haben *ggg*

Wenn ich mal keine Lust habe, er aber schon gibts bei uns einfach mehrere Varianten, damit ich doch noch Lust kriege:

A) Er machts mir oral und mit dem Finger, das führt bei mir meistens schon zu einem richtig schönen Feuchtbiotop.

ODER, wenn A) nicht gleich fruchtet, was durchaus mal sein kann

B) Er machts mir Anal, dabei werd ich dann schon beim "Eindringen" so geil, dass wir nicht selten nen Vibro mit dazu nehmen, den vorne rein schieben und anmachen, was mir dann oftmls einen Anal-Vaginal-Klitoral-Orgasmus beschafft.

ODER Variante

C) Ich mache einfach mit, erfreue mich seiner Lust und genieße es, ihn mal so richtig aktiv spüren zu können.

Selten kommt es also vor, dass ich mal nicht mitmache, wenn er will.

Naja, und wenn ER mal nicht will, ich aber schon, gibt es auch mehrere Varianten, nämlich:

A) Ich machs ihm Oral, darauf wird er nämlich fast immer mega geil, sodass wir - falls wir dann noch wollen - weiter sexeln können.

ODER

B) Er machts mir einfach oral und/oder mit Finger und befriedigt mich auf diese Art und Weise.

Auf jeden Fall machen wir nicht nur dann Sex, wenn beide Lust haben, sondern eben auch, wenn mal keine Lust da ist. Die Last mit der Lust haben wir so gut umschifft.

Klar ist aber eines, dass wir ganz oft auch nur Schmusen und Knuddeln, ohne danach Sex zu haben. Das ist für uns sehr wichtig, da wir gerne auch einfach mal nur die Nähe zwischen uns spüren wollen. Ausserdem finden wir es ziemlich abtörnend, wenn jede zärtliche Berührung gleich im Sex endet.
26. Mai 2008
@ L4E

Genau so wie du es beschreibst: Auch mal mitmachen ohne eigenes Begehren. Oft kommt die Lust beim Sex. Sicherlich ist das kein Dauerzustand aber gerade in einer langjährigen Beziehung bricht sich niemand einen Ab wenn er dem Partner zuliebe mitspielt.

Das das keine orgiastische Glanzleistung sein wird - na so isses eben.

Auf Selbstbefriedigung ausweichen wenns wirklich nicht passt - tut ja auch keinem weh.

Lust immer zur gleichen Zeit? Gibts dass in wirklich langjährigen Beziehungen überhaupt? Gerade wenn man Kinders hat will man manchmal die "Gelegenheit" nicht der Gelegenheit wegen nutzen.

Hauptsache Mann/Frau hört nicht gänzlich mit dem Sex auf.

LG Er von aficionados
26. Mai 2008

Wie sagt man doch so schön "Der Appetit kommt beim Essen" *ja* !!! Ich denke auch man muss nicht immer Lust haben und sollte einfach mal alles auf sich zukommen lassen, am Ende hat zumindest einer von beiden etwas davon. Und mir bringt es auch ein riesiges Hochgefühl meinen Mann einfach nur entspannt und befriedigt neben mir zu sehen, ich freue mich dann ihn so sehr beglückt zu haben *engel2* ! Was kann es schöneres geben...?
26. Mai 2008

Doch wie handhabt man nun wirklich dieses nicht zeitgleiche Lust haben?
Ist das nicht die Kunst der Verführung?

Wenn meine Partnerin weiss, was sie Entspannendes, Erholsames, Befriedigendes erwartet, warum sollte sie dann über längere Zeit diesen Verführungsversuchen widerstehen?

Kurzzeitige Lustlosigkeit kann sicher immer mal vorkommen.
Das wird normal auch jeder Partner verstehen.
Wird es jedoch zu einem Dauerzustand, dann muss man dagegen angehen.
Viel zu oft ist das nämlich der Anfang vom Ende.

Al
26. Mai 2008

Hm, ich habe da noch nie so wirklich drauf geachtet... Aber da wir Sex nie "planen", haben wir wohl auch nie wirklich zur gleichen Zeit Lust - wenn man es mal so betrachtet. Meistens ergibt es sich aus der Situation, dass entweder beide Lust bekommen oder der eine den anderen anregt *zwinker*
Sicherlich gibt es auchmal Situationen, wo der eine oder sogar beide keine Lust hat/haben. Bisher gab es damit aber noch keine Probleme.
26. Mai 2008
...nun...

Bekommt ein Partner einmal nicht seinen Willen, könnte er in Versuchung geraten, bei der nächsten Anfrage seitens des Partners zu sagen: nun will ich nicht.

wir finden nicht, dass in einem solchen fall von "lust" gesprochen werden kann. viel mehr würde es sich um "triebbefriedigung" handeln, zumindest in unserem verständnis. lust kann, wie von einigen vorschreibern schon beschrieben, auch durch verführung entstehen - was einer partnerschaftlichen verhaltensweise entsprechen würde. klingt furchtbar schrecklich nüchtern, ja.

das gegenteil wäre dann eher, die eigene lust dem partner "aufzuzwängen", quasi im sinne von "ich will jetzt, also musst du auch wollen". die oft besprochene und diskutierte leistung und gegenleistung. viele threads hier sprechen diese sprache.

ein liebevoller umgang miteinander schliesst ein solches missverständnis eigentlich von anfang an aus. selbstverständlich hat jeder mensch eine "tagesform", anscheinend ist oft nach der ersten "verliebtheitphase", während der man/frau nicht voneinander lassen kann, eine gewisse ratlosigkeit vorhanden. und leider wird da oft viel mehr hinein interpretiert, als sache ist.

wir für unseren teil tauschen sehr, sehr oft auch zärtlichkeiten aus, ohne sex im kopf zu haben. streicheleinheiten gehören für uns einfach dazu. und nicht selten kommt die lust, auch wenn vielleicht gerade die stimmung nicht unbedingt danach war, fast wie von selbst. das kann, muss aber nicht so sein.

ein allgemein entspannter umgang miteinander ist da ganz bestimmt mehr als nur hilfreich. eine lieb formulierte "abweisung" hat noch nie geschadet. auf der anderen seite hat ein ebenso lieb gestarteter verführungsversuch oft grosse chancen, dass man gemeinsam geniessen kann. "nachgeben" und "lustlos" dem partner zuliebe "mitmachen" muss nicht sein.

lg!
26. Mai 2008

@Love4eva

Das läßt man(n) oder Frau sich verführen.
Und wie Cerberus es bereits geschrieben hat, gibt es da eine Menge Möglichkeiten.
Besonders wenn man weiß, daß man sich danach gut und ausgeglichen fühlt.

WiB
26. Mai 2008
Das

zärtliche entspannte Miteinander gefällt mir sehr gut @tictac.

Wieviele Paare wissen um diese wohlige Gefühl wirklich?

Besonders wenn man weiß, daß man sich danach gut und ausgeglichen fühlt.

. . .wissen das wirklich alle oder liegen da große Mißverständnisse vor?

Dass so mancher denkt, er vergibt sich was, wenn er "mitmacht"?
26. Mai 2008
ja @l4e

Dass so mancher denkt, er vergibt sich was, wenn er "mitmacht"?

selbst schon ein paar mal erlebt und seltsamerweise bei jenen Frauen, die gleichzeitig die besten (erotischen) Verführkünste (zumindest nach meinen/m Erfahrungen/Empfinden) hatten. Die wollten dann weder verführt werden noch selber verführen ...

Über etwaige Zusammenhänge grübelnd ...
Erwin
26. Mai 2008

Über etwaige Zusammenhänge grübelnd ...

Also Erwin, sehr ppööhhsseeee Zungen würden jetzt behaupten, dass diese super Verführerinnen dann auch einen super Verführer erwarten, wen sie denn mal keinen Bock haben und sich dann halt entsprechend zieren, wenn der Verführer halt blos ne lasche Nummer abliefert...

... aber das würden halt blos sehhrrr pööhhseeee Zungen behaupten *gg*

Irgendwas muss das mit der Qualität des Sexes zu tun haben, denn sonst würde doch kein halbwegs intelligenter Mensche sich zieren, wenn er wüßte, dass er richtig geil befriedigt werden würde, wenn er sich halt mal auf Sex einlässt, auch wenn die Lust halt grad mal zu Wünschen übrig lässt.... naja, oder mit der Intelligenz und der damit verbundenen Unfähigkeit logisch zu kombinieren.

Don´t know... sorry.
26. Mai 2008
@cerbi

Also Erwin, sehr ppööhhsseeee Zungen würden jetzt behaupten ...
jajaja *crazy*

Irgendwas muss das mit der Qualität des Sexes zu tun haben ...
hmmmmm - jein ! Da ich ja nun mal kein ganz unbeschriebenes Blatt bin, sind meine Erfahrungen da etwas andere. So wie ich das erlebt habe, hatten jene "Verführerinnen" von ihrer eigenen Lust eigentlich wenig bis keine Ahnung. Sie wurden von ihr quasi immer überrascht und sie stellte sich (was man sonst ja eher Männern nachsagt) zB. auch "automatisch" ein, wenn sie einen Mann "erobern" wollten. (und sei es nur für einen ONS) *zwinker*

Das was jene in der Beziehungsanfangsphase tatsächlich "besser" konnten als die meisten anderen, verebbte, sobald der Mann "erlegt" war. Es kam mir vor wie "Lust zum Zweck", aber nicht wie "Lust zum Selbstzweck".

Das ganze korrelierte auch noch damit, daß ich bei diesen Frauen wenig echte Genußfähigkeit bemerkt habe, um (sich) zu spüren und zu genießen mußte es meist ein besonderer Kick sein, bzgl. Hemmungslosigkeit auch (leider) oft Sachen wie (eher zu viel) Alkohol bzw. auch "Koks" o.ä....

Erwin
26. Mai 2008
das "Wild" erlegt

und das seitens jagender Frauen *schock* um danach das Interesse zu verlieren.

Seltsam, dieses Phänomen unterstellte ich bis eben den männlichen Jägern, aber es soll ja auch Göttinnen der Jagd geben.

Die Feststellung "mangelnde Genussfähigkeit" und "mangelndes Nähe zulassen können" kann durchaus damit zusammenhängen, dass so mancher nicht erleben will, wie entspannend hingebungsvoller Sex sein kann!?!
26. Mai 2008

@Love4eva

Oder es könnte so sein, wie mit einer Fete, wo man erst nicht hinwill.
Die sond meistens die Besten!
Wieso? Weil man es nicht erwartet........

WiB
26. Mai 2008

Möchte hierzu einfach mal einen Artikel einfügen:

Neulich kam eine Patientin, Anfang 30, zu mir in die Praxis. Bereits zum dritten Mal in Folge erlebte sie, dass sie nach einem halben Beziehungsjahr ihre sexuelle Lust verloren hatte. Sie war verzweifelt, denn sie hatte Angst um ihre Beziehung.
Im Verlauf unseres Gesprächs sagte sie: „Wenn dieses ganze Theater mit der Lust nicht wäre, dann hätte ich, glaub ich, wirklich Lust.“ Dieser Satz machte mich nachdenklich. Ich stellte mir die Frage, inwieweit wir eigentlich alle dem Mythos „Lust“ erlegen sind.

Der Mythos Liebe = Lust
Sexuelle Lustprobleme sind immer auch Liebes- und Beziehungsprobleme, und damit sind sie existenzielle Probleme. Sie bedrohen die Liebe. Und wer kennt sich damit schon aus? Wer hat nicht schon die ein oder andere Blessur in Sachen Liebe? Und wer sehnt sich nicht nach einer dauerhaften Beziehung? Wie geht das? Und was hat das mit Lust zu tun?

Wenn wir das Thema sexuelle Lust betrachten, fällt auf, dass das Konzept von sexueller Lust noch
nie richtig hinterfragt wurde. Es gibt eine ganze Reihe Mythen, die besagen, Lust hat man einfach, Lust ist spontan, wer sich liebt, hat auch Lust aufeinander, und zwar gleichzeitig. Lust bedeutet: „Ich finde dich attraktiv“, und das bedeutet: „Ich liebe dich.“ Oder: „Er hat Lust auf mich, er liebt mich, er findet mich attraktiv.“ Der „Lustmythos“ ist gnadenlos. Er diktiert nicht nur, dass Liebe gleich Lust bedeutet, sondern auch, dass ein gut funktionierendes Paar eines ist, das Lust spontan, zur gleichen Zeit und auch noch auf dasselbe hat. Ist das nicht der Fall, ist man ein gestörtes Paar, so der Lustmythos.

Lust ist kein Muss

Dieser Mythos und seine Regeln sind alles andere als Lust machend, sondern klingen vielmehr nach Lusttyrannei und Reglementierung – also nach einem guten Rezept, auf diese Art von Lust schnellstens wieder verzichten zu wollen. Vielleicht geht es ja gar nicht um einen Verlust des sexuellen Begehrens, an dem so viele Paare leiden. Möglicherweise drückt sich in diesem vordergründigen Verlust lediglich das Aufbegehren gegen die Normierung von partnerschaftlichem sexuellem Begehren aus. Dafür sprechen übrigens auch die Masturbationsquoten. Diese machen deutlich, dass die so genannten lustlosen Paare allein plötzlich alles andere als lustlos sind.

Wer hat eigentlich bestimmt, dass Lust immer die Voraussetzung für sexuelles partnerschaftliches Handeln sein muss? Muss man wirklich immer Lust haben, bevor man sich sexuell miteinander beschäftigt? Woher kommt eigentlich das Postulat, nicht mit ihm oder ihr zu schlafen, wenn man keine Lust hat? Warum eigentlich nicht? Warum darf partnerschaftliche sexuelle Aktivität nicht Geschenk sein, nicht freiwilliges Tauschobjekt oder nicht Experimentierfeld?

Warum hat der Satz „Ich habe keine Lust“ mehr Wert als „Gemeinsamer Sex würde uns vielleicht gut tun“? Was wäre, wenn der Beziehungsaspekt genauso gewertet würde wie die Unantastbarkeit der persönlichen Gefühle?

Denken Sie doch einmal an die letzte Einladung oder Verabredung, zu der Sie überhaupt keine Lust hatten. Sie wären viel lieber zu Hause geblieben und hätten gern den Abend gemütlich mit einem Glas Wein vor dem Fernseher verbracht. Sie sind natürlich trotzdem gegangen. Sie hatten Ihren Freunden ja auch zugesagt und schließlich hatte sich ja auch Ihr Partner darauf verlassen, dass Sie mit ihm dorthin gehen würden. Außerdem wussten Sie, dass Sie diese Freitagabends-Unlustkrankheit oft haben und dass es trotzdem meistens ein netter Abend wird. So auch das letzte Mal. Warum können wir das eigentlich bei der sexuellen Lust nicht ebenso handhaben?

An die gültigen Lustnormen zu glauben oder besser sich ihnen zu unterwerfen, führt nicht selten dazu – aus lauter Überdruss an ihnen –, den Sex völlig zu vermeiden. Wie machen wir das eigentlich? Unsere Lustvermeidungsstrategien sind meistens top. Wie haben Sie in der vergangenen Woche sexuelle Lust vermieden? Schnell noch mal im Bett den Fernseher angemacht, lieber noch ein Glas Wein getrunken oder dafür gesorgt, dass die Kinder lange mit im gemeinsamen Ehebett schlafen? Und … tut das der Liebe gut? Tragisch an unseren so genannten unbewussten Lustvermeidungsstrategien ist, dass sie uns als solche nicht bewusst sind. Wenn sie das wären, könnten wir uns dafür oder dagegen entscheiden. So aber glauben wir vielmehr, irgendetwas stimme mit uns nicht, wir seien nicht normal oder was auch immer. Stattdessen geht es vielleicht vielmehr darum, Gefühle in uns zu betäuben wie „Der ganze Lustzirkus geht mir auf die Nerven“ oder „Ich habe keine Lust darauf, wie man heutzutage Lust haben muss“. Diese Botschaften klingen doch eigentlich ziemlich gesund, oder? Warum können wir sexuelle Lust nicht ein wenig entheiligen und so mit ihr umgehen wie mit anderer Lust auch?


Wenn noch ein kleines Stückchen Leben hinter Ihren Lustvermeidungsstrategien steckt und Sie wirklich Lust auf Lust haben, dann rate ich Ihnen: Pfeifen Sie auf die Lust. Klar, Sie müssen Ihren Partner schon mögen, vielleicht auch lieben. Dann – wenn die partnerschaftliche Ebene stimmt – können Sie ruhig einmal ignorieren, ob Sie Lust haben oder nicht. Stellen Sie einfach den Kontakt zu Ihrem Partner her, schaffen Sie Rituale und Zeiträume, wo Sie sich anfassen, stimulieren oder experimentieren. Sie können auch – obwohl das unmöglich klingt – Sex-Tauschgeschäfte abschließen: eine Stunde Sex gegen eine Stunde Sprechen, eine Stunde Kultur oder eine Stunde Massage gegen eine Stunde Stimulieren. In einer gleichberechtigten liebenden Beziehung ist das völlig okay. Es ist auch völlig okay, wenn nur einer oder mal keiner Lust hat. Wichtig ist es, im intimen Kontakt zu bleiben oder ihn – falls unterwegs verloren – wieder aufzubauen.

Es muss nicht gleich schön oder geil sein, es muss auch nicht gleich Spaß machen. Es darf öde sein, langweilig, peinlich und sogar vielleicht auch mal traurig. Pfeifen Sie auf die Lust, pfeifen Sie auf das Gefühl „Ich habe keine Lust“, gestalten und riskieren Sie Intimität, lassen Sie uns einfach lässig lustlos, schamlos intim sein.

Vgl. Brandenburg, U.
Quelle:
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