Ist Prostitution unethisch?

17. April 2008
Ist doch Klar,...

... das hier im jc fasst niemand ein ( moralisches) Problem mit Prostitution hat. Anders sieht es da schon z.B. bei mir zu hause (bay. Kleinstadt!) aus. Da herrschen die Konservativen und der Klerus.
Ich denke, die Fragen über Moral und Ethik muß man gesellschaftlich betrachten. In einer Gesellschaft wie der unseren, wo es Moralisch in Ordnung ist ungeheuere Reichtümer anzuhäufen, während es der Mehrheit der Menschen immer schlechter geht ( und über 2 Mio. Kinder in Armut leben/ müssen), wo " das Recht des Stärkeren/ Frecheren" als moralisch gilt, wo Rassismus, Rechtsradikalismus und Antisemitismus auf dem Vormarsch sind, wo beinahe täglich neue Einschränkungen der Bürgerrechte folgen usw. ...
wird die Luft für Randgruppen ( z.B. Prostituierte,Linke, Homosexuelle,Punks,Ausländer,Behinderte...) immer dünner! Bin selber Subkultur.
Ansonsten habe ich nur ein paar Verbesserungsvorschläge :

* nieder mit dem Patriarchat!
* Puffs in (selbstverwaltete) Frauenhände!
*Schutz vor Gewalttätern!
*Vollkommene berufliche und rechtliche Gleichstellung!
*Umfassende Gesundheitsvorsorge
* festgelegte ( angemessene ) " Mindestlöhne"!
*Hilfe für Opfer von Menschenraub,Vergewaltigungen( gerade im Puff!),Drogen- und Kinderstrich; und zwar Hilfe nicht Repression!


Friede den Puffs- Krieg den Palästen!
Rebells forever!
eine *blume* für alle Huren!

gruß,
17. April 2008

Das älteste Gewerbe unethisch ? Oh Gott ja , selten so gelacht .

Vorallem wenn man bedenkt , daß so manche Ehe einer mit Trauschein legalisierten Prostitution gleicht .

Nur das es da um Pelzmäntel , nette Autos und mehr Haushaltsgeld geht .

Legacy`s Meining fand ich da recht interessant . Zumal im Zusammenhang mit der Bibel .

Ich kann mich entsinnen , daß da auch was von : Du sollst nicht Ehebrechen stand und ebenso : Du sollst nicht begehren Deines nächsten Weib ....

Nur mal so als Denkansatz !

LG,

Birgit
17. April 2008

Aha. Und woher weisst du es? Weil die Hure es Dir gesagt hat? Kleiner Tip: Die Damen sagen sowas weil es zum Service gehört.
Und woher weisst du, dass er die Hure durch ihren Service kennengelernt hat und/oder dass die Bekanntschaft nicht über die Service-Ebene hinausgekommen ist?

Die Antwort, die sich bei euch leider aufdrängt, ist: "Weil alles Andere nicht in unser Weltbild passt". *flop*
17. April 2008
Der Ansatz

des @Sleepers gibt mir nach Lektüre der letzten Seiten am meisten zu denken:

@Sleeper: Du legst in Deinem Eingangsposting unserer Gesellschaft immer noch eine christlich geprägte Pauschalethik zugrunde. Das kann ich so nur begrenzt nachvollziehen. Sicher gibt es immer noch in gewissen Kreisen eine herzerfrischende Bigotterie, die nach außen verurteilt was sie nach innen dann um so schamloser selbst praktiziert. Aber das hat es in vorchristlicher Zeit auch gegeben. Es ist mehr eine Charaktersache des Menschen an sich als eine Angelegenheit der religiösen Prägung.

Ich gehe einfach mal von mir als Individuum aus und spekuliere gleichzeitig, dass viele Menschen sich selbst heute ähnlich wahrnehmen: meine Ethik ist meine Ethik. Ich fühle mich heute, im Jahr 2008, nicht als Mitglied einer Gesellschaft, die Menschen eine Pauschalethik von außen aufdoktriniert. Das kommt mir doch sehr mittelalterlich vor.

Mag sein dass mir ein Hauch dieses Mittelalters noch entgegenweht wenn ich in ein niederbayrisches 200-Seelen-Dorf fahre. Doch auch dort werden junge Menschen geboren, die eine solche Gesellschaft als einengend empfinden und die dann einfach mal ihre Koffer packen und von dort verschwinden wenn sie alt genug sind.

Was ich damit sagen will? Ich denke heutzutage besitzt jeder Mensch so viel persönliche und gesellschaftliche Freiheit, um eine Frage wie die der Threadstellerin aus seiner ganz eigenen Sicht beantworten zu können und auch zu MÜSSEN. Zu müssen, weil ein Mitglied einer modernen Gesellschaft m.E. geradezu die Verpflichtung zu einer eigenen, reflektierten Meinung besitzt. Die Begründung für eine bestimmte Handlung darin zu finden, dass die Bibel oder die christliche Lehre es so verlangt, ist unmündig und nicht zeitgemäß.

Die These, Prostitution sei unethisch weil es so in der Bibel steht und weil wir in einer christlich geprägten Gesellschaft leben halte ich für mich persönlich daher für unhaltbar.
17. April 2008

Und wenn schon die Bibel , dann würde ich Maria-Magdalena nicht vergessen , die Hure , die Jesus die Füsse wusch ...

Jesus Ausspruch zu der Frage seiner Jünger ist da auch hochinteressant .

Birgit
17. April 2008
naja

ich denke, was ich vielmehr sagen wollte ist dass es mich grundsätzlich erschreckt dass tatsächlich noch jemand die Bibel als Bedründung dafür heranzieht, dass Prostituation unethisch sein soll...

"WIR leben in einer christlich geprägten Gesellschaft." Aha... Komisch, in meinem Alltag spielt das tatsächlich überhaupt keine Rolle. Zum Glück, wenn ich das noch anführen darf ohne zu weit vom Thema abzukommen...

Das fühlt sich für mich einfach sehr nach Mottenkiste an.
17. April 2008
Mit der christlich geprägten Gesellschaft

hab ich auch so meine Probleme .

Genauso mit der Doppelmoral der Gesellschaft .

Und wenn sich ein Mann bei einer Professionellen das holt , was er zuhause nicht bekommt - Mein Gott , ich kann da nichts verwerfliches dran finden !

Wie schon gesagt : In meinen Augen ist so manche Ehe eine mit Trauschein legalisierte Prostitution .

Liebe Grüsse,

Birgit
17. April 2008

Ich persönlich finde Prostitution nicht unethisch, solange sie die Menschenrechte nicht verletzt.

Huren decken einen Bedarf, den Freier haben. Sie sind Diensleisterinnen und bekommen dafür ihr Geld.

Ist das unmoralisch? Ich denke nicht. Unmoralisch wird es erst wenn Freier Menschenrechte für billigen Sex und die Not von Prostituierten ausnutzen. Dagegen gibt es auch Hilfsorganisationen, die Unterstützung brauchen.

Die Doppelmoral, woher auch immer sie kommt, kann man ja laut beschreien, ändern wird man sie nur, wenn man sie offen anspricht, sich über sein Denken und Handeln Gedanken macht.

Naja und aufgeklärte Menschen, die wir doch hier alle sind, haben entweder kein Problem mit Prostitution oder eben doch eins ...

wenn der eigene Mann/Bruder, Freund zur Prostituierten geht
wenn die Freundin ihr Haushaltsgeld aufbessert/ sich ihr Studium damit verdient
wenn die Nachbarin eine Hure ist
wenn eigene moralische Werte ins Wanken geraten
wenn man als Hure beschimpft wird

Da könnten dann vielleicht doch die eigenen ethischen Werte Verunsicherungen auslösen.

Lg belana
17. April 2008
@belana

Da könnten dann vielleicht doch die eigenen ethischen Werte Verunsicherungen auslösen.

Du meinst, die, von denen man dachte dass man sie hätte, bis man dann merkte dass es sich anders anfühlt wenn man selbst mittelbar oder unmittelbar betroffen ist?

*g*
17. April 2008

ich selber würde es nicht tun aber das muss jeder für sich selber entscheiden.

lg kinny
17. April 2008
Religion ist...

... "Opio para el Pueblo" ( Opium fürs Volk; anm. d. Red. *engel* )

grüße,
17. April 2008

Als Hostess begegnen mir auch im JC, in dieser Community für stilvolle Erotik, viel Skepsis, Aversion und sogar offene Feindseligkeit. Der Zugang zu bestimmten Gruppen wird mir aufgrund meiner Tätigkeit verweigert oder man unterstellt mir in Diskussionen unlautere Absichten, ohne auf meine Beiträge einzugehen.

Dies fand ich persönlich besonders bemerkenswert, kaum einer ist auf diesen Passus der TE eingegangen.

Das gerade Männer hier sagen "Nö, brauch ich nicht für Geld" liegt meines Erachtens vielleicht daran,das man hier ja relativ leicht sexuelle Kontakte knüpfen kann, und das sie dann nicht für eine Dienstleistung bezahlen wollen,die ihnen abgeboten wird,weil es das ja anderweitig " für laue Nüsse" gibt ,respektive geben kann,
kann ich nachvollziehen.

Das der Threaderstellerin Aversion,offene Feindseligkeit entgegenschlägt und man ihr unterschwellig und offen unlautere Absichten unterstellt, so sie sich denn in Beiträgen äußert,finde ich schlichtweg unverschämt.

Kommen diese Dinge eher von Frauen oder eher von Männern? Das würde mich brennend interessieren.

Unethisch würde ich es nur im Bezug auf Ausnutzung und Zwang betrachtent,allerdings nicht den Beruf an sich.
Dann dioh wohl eher den Beruf des Luden/derPuffmutter,sofern sie Zwang ausüben,was wohl im überwiegenden der Fall sein dürfte.

Im übrigen sollte jeder der eine Prostituierte verurteilt, mal kurz innehalten,denn jeder von uns ist eine, egal ob Männlein oder Weiblein,denn ich wage mal zu behaupten,jeder von uns hat sich in seinem Leben schon mal irgendwie prostituiert, alles nur eine Frage des Preises, vielleicht nicht jeder gegen Bares,aber anderweitig auf jeden Fall.

Die gesellschaftliche Akzeptanz des Berufstandes hat seit
Domenica' s Wirken Gott-sei-Dank in Deutschland zugenommen,
vor allem die Möglichkeit der sozialen Absicherung im Alter und der Krankenkassenzugehörigkeit.

Es tut sich also was,wenn gleich auch noch nicht genug.

Verurteilenswert finde ich natürlich Menschen ,die andere dazu zwingen,Sex als Dienstleistung abzugeben,und solche,die diese Zwangsumstände bewußt wahrnehmen, aber das nicht boykottieren.


Nun kann sich nicht jeder leisten, zu einer Edelhure zu gehen(immer davon ausgehend,das diese nicht unter Zwang arbeiten geht).
Rechtfertig aber meines Erachtens nicht,als Argument, diese Zwangsdienstleistung trotzdem in Anspruch zu nehmen.

Mich wundert übrigens,das noch nicht mit der Argumentation gewunken wurde" Gäbe es keine Huren,gäbe es mehr Vergewaltigungen".Könnte dies so sein? Allerdings würde dies widerum ja implizieren,das wenn Männer nicht irgendwo die Möglichkeit haben,ihre Lust mit Prostituierten auszuleben, gleich zu Sexualstraftätern werden, die alles vergewaltigen was ihnen vor die Flinte kommt.Das bestreite ich vehement.

Oft höre ich auch aus Frauenmund " Wäre ich in Geldnöten,würde ich lieber Klos putzen gehen ,als die Beine für Geld breit machen!".
Heißt ja nix anderes,als wäre diese Dienstleistung weniger achtenswert,als die andere.

Nö,sehe ich nicht so.

Ich habe Achtung vor beiden .Der Hure und der Klofrau.Nicht weil ich der Ansicht bin,das hier jemand mit " Dreck" arbeitet,sondern weil ich den Menschen wahrnehme,der eine Tätigkeit ausübt, die die meisten nicht machen möchten und der sich dadurch auch der Verachtung durch die Gesellschaft aussetzen muss.
Das bewundere ich.Und dem Umstand zolle ich meinen Respekt.
17. April 2008
@sina, sleeper:

auch mir ging sleepers posting beim autofahren im kopf herum *g*

1. beweisen solche diskussionen wie hier eher, daß diese spezielle doppelmoral an stärke, an durchschlagskraft verliert - vor 100 jahren wäre sie wohl nicht möglich gewesen.

2. glaube ich, daß - auch wenn wir in mitteleuropa leben - es kurzsichtig ist, sich auf die christlich-humanistische ethik & moral einzuschießen.
begründung:
jede gesellschaft stellt zielvorgaben auf. es kann kein zufall sein, daß so viele werte & normen in jeder mir bekannten gesellschaft sich auf sexualität beziehen.

3. könnte der grund sein, daß sexualität ein so starker (an)trieb ist, daß er sehr schwer kontrollierbar ist.
aus ziemlich offensichtlichen gründen ist es nicht wünschenswert, daß in gesellschaften unkontrollierbarem nachgegeben wird.

4. doppelmoral - auf welchen trieb auch immer bezogen - wird es geben, so lange es die menschheit gibt.
doppelmoral entsteht doch immer, wenn der mensch an seinen hohen zielvorgaben scheitert.
sie ist (als phänomen) an kein weltbild gebunden, sondern es ist etwas sehr menschliches, das eigene scheitern nicht aushalten zu können & die "schuld" auszulagern, anderen zuzuschieben.

5. ich halte es nicht für unwahrscheinlich, daß gerade die sexuelle doppelmoral an wichtigkeit verliert.
fürchte aber, daß sie durch andere arten der doppelmoral ersetzt werden wird.
17. April 2008
@lil

Dass die sexuelle Doppelmoral an Bedeutung verliert, glaube ich auch nicht, Lil. Dazu - und da gebe ich Dir recht - ist Sex eine zu wichtige Komponente unseres Daseins, ein zu wichtiger Motivator.

Allerdings glaube und hoffe ich dass die christlich fundierte Doppelmoral an Bedeutung verloren hat und stetig weiter verliert.

Damit will ich sagen, wenn heute einer sich über seine anschaffende Nachbarin das Maul zerreißt und sich dann unten im lackfolienausgekleideten Keller von der Gattin zwei Stündchen ans Andreaskreuz binden und beschimpfen lässt dann ist das verlogen aus tausend Gründen, aber ich bezweifle dass davon welche christlich motivert sind.
17. April 2008
sina,

auf der schiene bin ich empfindlich *g*
es erscheint mir recht unwahrscheinlich, daß einer durchgeprügelt vom andreaskreuz steigt & sich über die anschaffende nachbarin ereifert (obwohl man schon pferde hat kotzen sehen).

will aber keine erbsen zählen, sondern weiß, was du meinst:
die institutionalisiert religiös fundierte sexuelle doppelmoral wird sich auflösen.
wird ersetzt werden durch esoterisch/politisch/gesellschaftsmoralische bigotterie.

so in etwa?

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