Warum sollen Beziehungen halten?

04. März 2008
Warum sollen Beziehungen halten?

Wie kann es sein, dass unsere Gesellschaft die Erwartung hat, dass Beziehungen langfristig halten und die Partner nicht fremdgehen oder sich trennen, wenn Sexualität keine Konstante ist und ihre Entwicklung auch nicht vorhersehbar?

Wenn ich mir überlege, wie und wohin sich meine Sexualität entwickelt hat, dann hätte ich mir dies vor Jahren so niemals vorstellen können.

Der Mensch ist neugierig und entwickelt sich in allen Bereichen weiter, persönlich, beruflich und auch sexuell. Die Moralvorstellungen verändern sich gesellschaftlich und auch individuell. Viele Mythen der Sexualität verlieren ihren Mythos durch die eigenen Erfahrungen.

Wenn ich hier im Joy so querlese, fällt mir immer wieder auf, dass Ansichten über bzw. Grenzen der eigenen Sexualität verschoben werden, sei es bsplweise dass man:

- sexuelle Praktiken ausübt, die man noch vor einiger Zeit für sich selbst abgelehnt hat
- Lust hat seine Sexualität nicht nur mit dem eigenen Partner auszuleben
- Grenzen überschreitet um zu erkennen, dass man sich wieder auf einen Rückweg macht
- plötzlich erkennt, dass man sich als Paar sexuell auseinander entwickelt und trotzdem "unbefriedigenden Sex" akzeptiert

Nicht jeder hat das Glück mit dem eigenen Partner durch Reden diese Entwicklung in Einklang mit der Beziehung zu bekommen.

Wie soll man dann dem gesellschaftlichen Anspruch entsprechen?
Ist das der Grund der Doppelmoral unserer Gesellschaft, so tun als ob die Beziehung noch funktioniert?
04. März 2008

Wie soll man dann dem gesellschaftlichen Anspruch entsprechen?


Ähhmmm... wieso soll ich dem GESELLSCHAFTLICHEN Anspruch entsprechen? Und wieso soll ich das auch noch WOLLEN?

Ich muss allenfalls MEINEM und NUR meinem Anspruch entsprechen und wenn ich WILL dann auch noch dem von anderen, aber eben NUR wenn ich WILL.

Wie kommst Du drauf, dass man dem gesellschaftlichen Anspruch entsprechen sollte?

Man lebt doch für SICH und NICHT für die Gesellschaft.

Ist das der Grund der Doppelmoral unserer Gesellschaft, so tun als ob die Beziehung noch funktioniert?

Das ist nur dann der Fall, wenn ich eben dem GESELLSCHAFTLICHEM Anspruch entsprechen will und NICHT meinem persönlichem Anspruch.

Wenn ich mir selbst wirklich treu bin, werde ich auch keine Doppelmoral leben müssen, sondern kann ganz einfach authentisch sein.

Wer sich aber um die Moral und den Anspruch der GESELLSCHAFT schert/sorgt - also mal Ansichten und Tätigkeiten im illegalen Bereich ausgenommen - kann ja gar nicht wirklich SICH SELBST treu sein, denn er wird ständig damit beschäftigt sein es dieser großen, mächtigen Gesellschaft recht machen zu wollen. Das führt dazu, dass man sich selbst belügen und verbiegen muss und auf die Dauer ziemlich unzufrieden wird, was sich dann wiederum in dem Verhalten und den Äußerungen zeigt.

Wieso sollte ich DAS also wollen?

Fällt mir ja nicht im Traum ein.
04. März 2008

Die "Gesellschaft" prägt einen Menschen, aber jeder Mensch lernt in seiner Gesellschaft...daß er auch gern in Gesellschaft ist...
04. März 2008

Wie kann es sein, dass unsere Gesellschaft die Erwartung hat, dass Beziehungen langfristig halten und die Partner nicht fremdgehen oder sich trennen....

Die "Gesellschaft" hat keine Interesse daran, ob du glücklich bist oder nicht.
04. März 2008

Das dumme ist, dass sich die sexuellen Ansprüche geändert haben, aber nicht die Sicht der Beziehungen.
Da wäre das Umdenken erforderlich...eine Beziehung gründet sich nicht in dem Anspruch den Partner zu besitzen.
Eine Beziehung ist viel mehr.
Bisher war es aber so, Beziehung=sexuelle Monogamie.

Ist es nicht viel wichtiger emotional der/die einzige zu sein?
Ist schwierig ich weiss.

Eigentlich wäre es ja fast so als würde ich mit einer Beziehung fordern...
wir sind ein Paar..also sprech nicht mehr mit anderen.
Ich denke oftmals wird das Sexuelle auf einen so hohen Stellenwert gehoben, den es gar nicht verdient.

Das ist aber in einer Entwicklung auch ziemlich normal...es geht an einer Stelle vorwärts, an anderer hakt es, oder ist 'Stillstand.

Wird spannend wie es sich weiter entwickelt...
rubia
05. März 2008

Sorry, aber wir vertstehen die Frage nicht ganz. Warum sollte nur die Sexualität entscheidend sein, ob eine Beziehung funktioniert? Sex ist eine angenehme Nebenerscheinung in einer Beziehung, aber sicher nicht deren Hauptbestandteil. Selbst wenn uns sexuell nur wenig verbinden würde, gäbe es ja noch die Liebe, die Partnerschaft und das Gefühl als Team gegen und in der Welt zusammen zu stehen.

Die Gesellschaft ist dabei abssolut unerheblich. Andere Paare poppen 4 mal die Woche mit einander, wir in manchen Wochen 7 mal, in manchen MONATEN 1 mal. Sind wir deshalb besser oder schlechter als andere? Nein, sicherlich nicht.

Ob eine Beziehung hält sieht man als letztes am sexuellen Verhalten. Diese These stellen wir mal kühn so auf.
Wer sich für eine Woche trennt und keinen Abend ohne den anderen einschlafen kann, wer Sehnsucht empfindet nach einem Partner und nicht nach seinem Schwanz oder seiner Muschi, der hat eine Beziehung die diesen Namen auch verdient. Und diese Beziehung wird auch halten.

OK, wir sind hier in einem erotischen Board. Aber Sex ist nun wirklich nicht der Dreh- und Angelpunkt einer Beziehung. Als wir beim 1.JC Köln neben einander gesessen haben, hatte ich große Lust auf Dich (sagen wir mal) aber darum liebe ich Dich ja nicht und vor allem liebe ich meine Frau deshalb nicht weniger.

Die Liebe ist immer der Hauptbestandteil. Und die verbietet fremdgehen, belügen und betrügen. Man will das gar nicht. Schon gar nicht wegen einer unwichtigen Sache wie Sex. Sex kann ich an jeder Ecke haben wenn ich will, aber eine Frau wie meine nie wieder.

Legacy (m) Stephan
05. März 2008
da kommen mir schon wieder ...

ein paar Bedenken:

...und das Gefühl als Team gegen und in der Welt zusammen zu stehen.

Die Gesellschaft ist dabei abssolut unerheblich.

bei ersterem, "der Welt" (= Gesellschaft ) ist sie ein Grund für den Teamgeist, hat also Auswirkungen und im nächsten Satz wird das für das erotische Empfinden völlig abgetan. Ist aber sicher nicht so - bzw. wäre wieder mal sehr blauäugig den sozialen, gesellschaftlichen Einfluß zu negieren.

Man kann sich davon versuchen zu lösen, aber eine völlige Negierung ?!? Und ich meine jetzt nicht jene simple schwachsinnige Beeinflussung, daß es mich interessiert wie oft Nachbar Mustermann es in der Woche treibt o.ä.......

Ob eine Beziehung hält sieht man als letztes am sexuellen Verhalten. Diese These stellen wir mal kühn so auf.
Theratalk.de kommt da in Studien zwar zu einer anderen Auffassung - aber egal ...

Wer sich für eine Woche trennt und keinen Abend ohne den anderen einschlafen kann ...
der sollte sich überlegen inwieweit seine "Liebe" pathologische Abhängigkeitsformen aufweist. Sehnsucht kann wunderschön sein, aber wenn es mehr zu Sucht als zum Sehnen tendiert, dann würde ich den Auslöser nicht als Liebe bezeichnen.

Die Liebe ist immer der Hauptbestandteil. Und die verbietet fremdgehen, belügen und betrügen. Man will das gar nicht.
Verbieten ist das falsche Wort, aber sonst stimmt das !

Erwin
05. März 2008

Ich denke bei der Eingangsfrage nicht so sehr über gesellschaftliche
Erwartungen und Normen nach, sondern über die Maslowsche
Bedürfnispyramide. Und da gibt es neben sexuellen Bedürfnissen
noch eine Unmenge anderer, die sich in einer stabilen Partnerschaft
nunmal am besten befriedigen lassen.
05. März 2008
Erstmal eine harmlose Frage

Wer oder was ist das, die Gesellschaft, dass dieses "Ungetüm"
sich erdreistet, etwas von Dir zu erwarten?

Sind es nicht eher Eltern, Verwandte, Nachbarn und Freunde,
denen keiner gerecht werden muss, es aber aus Angst vor
eventuellen Konsequenzen selbst will?

Mir ist jedenfalls noch niemals "die Gesellschaft" begegnet und
hat gesagt, ich solle doch gefälligst dies oder das tun ...

(Der Antaghar)
05. März 2008
nein @anthagar

andersrum wird ein Schuh d'raus:
Wer oder was ist das, die Gesellschaft, dass dieses "Ungetüm"
sich erdreistet, etwas von Dir zu erwarten?
sich gegen die Erwartungen von Onkel Hansi und Tante Trude (o.ä.) zu stellen, fällt ab einem gewissen Level nicht so schwer. Ok - manche scheitern sogar daran, wenn Opa Emil in Form von "Obrigkeit" auftritt ...

Aber sich der Sachen bewußt zu werden, die u.U. "die Gesellschaft" erst in dir so geprägt hat, daß du selber Erwartungen (an dich) und Vorstellungen (von dir) hast, ist schon viel schwieriger.

in diesem Sinne begegnet dir "die Gesellschaft" in dir selbst ! Verständlich ?

Erwin
05. März 2008
Ach so ...

"Na, dat muss einem aber ooch mal jesacht werden ...."

Schon klar, lieber Erwin! Wollte doch nur die Fragestellerin zum Nachdenken bringen - dass ich die angeblichen oder vermeintlichen Erwartungen anderer so sehr verinnerlichen kann, dass es letztlich mein eigener Anspruch an mich selbst wird - klar, das zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt. Aber ein sehr notwendiger!

(Der Antaghar)
05. März 2008
hehehe ...

"Na, dat muss einem aber ooch mal jesacht werden ...."

hab' ich doch erledigt - oder ...

Halt - Mist - jetzt müssen die anderen erst wieder nicht selber nachdenken ... *zwinker* *g*

Erwin
05. März 2008

@ER_Win_Iva

Wenn man eine Beziehung lebt, die etwas aus der Norm ist, lernt man das schon kennen. Aber es stärkt eben auch, sich gegen diese Vorstellungen durchzusetzen.
Und wer beauptet, daß das heutzutage in der "aufgeklärten Welt" nicht mehr stattfindet, der irrt sich.
Und dann sind es eben nicht die Nachbarn oder Freunde, sondern auch Widerstände in der eigenen Familie.
Letztlich muß man sich klar sein, was man will und was man bereit ist "einzustecken", denn schließlich lebt man mit dem Partner und nicht mit dem "Rest der Welt".


Früher war das alles allerdings noch wesentlich schlimmer.
Wer kennt denn die blöden Sprüche noch vom "später Mädchen" oder vom Muttersöhnchen...............
und es wird doch immer noch geredet, wenn Ehen auseinander gehen. Man hat die Erwartung nicht erfüllt, wenn eine Ehe schief geht.

Erwartet wird immer noch von der Gesellschaft
z.b. Ehe und lt. Statisitk 1,5 Kinder (wobei naja das sagt doch schon alles)
Gesetzte sind doch immer noch so ausgelegt, daß Partnerschaften/oder Singlehaushalte die Normal sind. Für alles andere muß man sich erst mühsam Informationen suchen.
Es heißt zwar immer man trennt sich vom Partner, aber es wird selten berücksichtigt, daß da noch Kinder sind (Fahrtkosten/Verpflegung usw entstehen) die nicht unerheblich sind und manches Mal verhindern, daß Elternteile noch für ihre Kinder so da sein können, wie sie es wollen.


Und man vergißt oft, daß man sich eigentlich gar nicht kennt und sich dazu noch ständig verändert, was eben auch bedingt, daß es nicht mehr so paßt, wie man es am Anfang erhofft hat.
Auch eine andere Sichtweise der Sexualtität ist da mit einzubeziehen.
Also so schnell würde ich die Fakten nicht von der Hand weisen!

WiB
05. März 2008
@WiB

Also so schnell würde ich die Fakten nicht von der Hand weisen!

genau deshalb ja auch meine Bedenken gegen legacys Aussage:
Die Gesellschaft ist dabei abssolut unerheblich.

Erwin
05. März 2008

Die Gesellschaft stellt heute doch beinahe unumkehrbare Regeln auf:

- Die erste Liebe hält nie
- Eine Beziehung hat IMMER ein Anfang und ein Ende
- Sex ist ein Gradmesser für die Intensität der Beziehung.
- Selbstverwirklichung ist auch in der Beziehung unerlässlich - auch auf Kosten des Partners
- Keiner feiert mehr goldene Hochzeit
- Jeder geht fremd

Die meisten dieser Gesellschaftsregeln haben zumindestens uns immer kalt gelassen. Bis auf die goldene Hochzeit haben wir all unsere Ziele bisher erreicht. *gg*

Der Druck der aber ausgeübt wird ist hoch. Aber er interessiert uns nicht da wir als Team der Welt beweisen, das wir unsere Leben leben und "die" das ihre.

Mehr zu Warum sollen Beziehungen halten?


Interessante Gruppen zum Thema

  • Liebe

    Liebe

    Hier dreht sich alles um das stärkste, elementarste und wohl auch schönste Gefühl, das Menschen empfinden.
  • JOYclub-Paare

    JOYclub-Paare

    Die große Liebe im Joyclub gefunden? Hier ist die Gruppe für alle wahren JOYclub-Paare!
  • Cougar

    Cougar

    Cougar - Austausch über Ansichten, Probleme, Beziehungen
  • Neu hier? Kein Problem!