Asperger Syndrom - Umgang mit Menschen und Probleme

31. Mai 2011

@DieCharlotte
Wenn man zu einem "Fachmann" geht, dann ist das ein relativ einfaches und gar nicht mal so zeitraubendes Verfahren.
Es gibt standardisierte Tests, man hat zwei, drei Termine und dann weiß man mehr.
Reines Asperger zu diagnostizieren, so wie es auf dem Blatt Papier steht ist nicht weiter schwer. Dann reichen im Prinzip auch die Internet Ankreuz Tests. (Ich weiß, ich übertreibe stark)
Wenn ADHS und Asperger zusammenspielen, dann wird es schwer das Eine vom Anderen abzugrenzen. Meist kommen dann noch Depressionen hinzu. Dann herauszufinden, was die primäre Krankheit und was die Komorbidität ist kann durchaus länger dauern.

@Ludivine
Wenn Du Tipps dazu für Deutschland brauchst oder im speziellen Hilfe beim Thema AD(H)S, dann kann ich Dir
Links nur für Mitglieder
empfehlen.
Das ist ein privat betriebenes Forum, wo unter anderem auch Dr. Martin Winkler ab und an mitschreibt und liest. Der Mann ist ein Experte auf dem Gebiet und in dem Forum ist man insgesamt sehr um Objektivität bemüht.
31. Mai 2011
@Ludivine

Bei meiner Jüngsten ging das Abklären schon mit ca. 3 Jahren los. Da sie eine massive Sprachstörung hatte, zuerst logopädisch, als die Logopädin merkte da steckt mehr dahinter kam sie zu weiteren Abklärungen in den Kinder und Jugendpsychiatrische Abteilung des Uni-Klinik wo man das ADHS diagnostizierte verbunden mit einem hohen IQ.
Das sie auch eine enorme Aufmerksamkeitsstörung hatte konnte sie die Regelschule nicht besuchen und kam zuerst in einen Sprachheilkindergarten und später in die Sprachheilschule bis zur 5.Klasse.

Da sich bis dahin die Probleme noch nicht grossartig gebessert hatten, entschossen wir, das heisst wir Eltern, Lehrkräfte Therapeuten und Kinder-und Jungendpsychiater, dass es an der Zeit war die Therapien zu intensivieren. D. war damals 12 Jahre alt und wir machten uns alle Sorgen wegen einer späteren Berufswahl bzw. Chance.

Wir hatten das Glück gleich in unsere Nähe ein wirklich gutes Internat zu finden, das darauf spezialisiert ist auf Kinder mit schweren Lernbehinderungen das Fachlich und auch Menschlich absolut Top ist.
D. ist inzwischen bald 16 Jahre alt, und leider sind gewisse Probleme geblieben. Sie hat immer noch Mühe mit dem Sozialverhalten, zieht sich Stundenlang in ihr Zimmer zurück und kann nur sehr schlecht Freundschaften schliessen.

Bezahlt wir das ganze durch die Invalidenrente der Schweiz und wir Eltern müssen ein gewissen Protzentsatz des Vermögens noch dazu zahlen.
Das finde ich eine gute Regelung, somit haben auch Kinder aus sozialschwachen Familien, die Möglichkeit auf dieses Internat zu kommen
31. Mai 2011
@Ludivine

Was ich noch vergessen habe.

Die Unterschiede von Schweiz zu Deutschland sind riesig, mein Mann ( bin zum 2. mal verheiratet und er ist nicht der Vater meiner Kinder) kommt aus NRW, seine Nichte hat auch ein ähnliches Problem wie meine Tochter und da lief das ganze Verfahren völlig anders ab!

Du kannst da also keine Vergleiche ziehen.
31. Mai 2011

@mustang
wenn du deine erkenntnisse über adhs und asperger diagnostik aus diesem link hast: muß ich den ganz sicher nicht kennen.

@amedisli

Danke für die ausführliche Antwort. Das liest sich, als sei man in der Schweiz deutlich kooperativer, was die in solchen Fällen grundlegend wichtige interdisziplinäre Zusammenarbeit betrifft.
Man scheint zu begreifen, dass die symptomatische Behandlung im entsprechenden Entwicklungsfenster enorm wichtiger ist.

Und frühzeitig mit einer dem Störungsbild angemessenen Beschulung begonnen werden sollte.
31. Mai 2011

Was ich noch vergessen habe.

Die Unterschiede von Schweiz zu Deutschland sind riesig, mein Mann ( bin zum 2. mal verheiratet und er ist nicht der Vater meiner Kinder) kommt aus NRW, seine Nichte hat auch ein ähnliches Problem wie meine Tochter und da lief das ganze Verfahren völlig anders ab!

Du kannst da also keine Vergleiche ziehen.

Oh doch, deshalb habe ich Dich ja gefragt.

Wir arbeiten seit einiger Zeit nebenbei an einer Petition, die sich auf dringend notwendige Änderungen ... in diesem Bereich bezieht.
Auf die Idee mir anzusehen wie EU Staaten (und europäische * g *), die medizinisch auf einem vergleichbaren Niveau agieren, damit umgehen, hast Du mich erst gebracht.

Danke *zwinker*
31. Mai 2011
@Ludivine

Danke für die ausführliche Antwort. Das liest sich, als sei man in der Schweiz deutlich kooperativer, was die in solchen Fällen grundlegend wichtige interdisziplinäre Zusammenarbeit betrifft.

Leider ist das hier auch recht schwer! Die meisten Kinder rutschen durch das System und keiner reagiert.

Mein Glück war, dass ich dieses Problem schon bei meinem 2. Ältesten hatte und damals einen super Neurologen hatte ( er hatte wie zwei seiner Schwestern auch noch eine Epilepsie) der mich in der Thematik ADHS und Hochbegabung voll unterstützt hat. Ich habe Ordner voll mit Briefen, bin von Amt zu Amt gelaufen, biss sie ihm eine Privatschule bezahlt hatten. Ohne meinen lieben Dr. B. hätte ich das nie geschafft.
Und der Vorteil bei meiner Jüngsten war, dass ich schon wusste wie der Hase läuft..

Ganz wichtig ist glaube ich für die Schweiz wie auch für Deutschland.., nicht locker lassen, sich nicht abwimmlen lassen. Und ganz wichtig sich gut zu informieren.

Leicht machen sie es einem nirgends!
31. Mai 2011

Hm. Das liest sich als sei es wirklich wie bei uns: Wenn die Mütter nicht schon Bescheid wissen haben die Kinder schlechte Karten.

Hier wird eine Menge kostbarer Zeit und Geld verplempert und die "komorbiden" Störungen, die man verhindern möchte, werden teilweise sogar durch das System befördert.
31. Mai 2011

@Ludivine
wenn du deine erkenntnisse über adhs und asperger diagnostik aus diesem link hast: muß ich den ganz sicher nicht kennen.
Ich weiß zwar nicht, worauf Du damit anspielen willst, aber wenn Du es besser weißt, warum fragst Du dann?
Meine Kenntnisse über ADHS habe ich von meiner eigenen Diagnose, die weitaus umfangreicher als so ein paar Ankreuz Tests war. Zudem hatte der große Sohn meiner ehemaligen Freundin ADS und der Kleine wahrscheinlich ADHS. Er kommt in der Schule und mit dem Umfeld gut zurecht, daher hat sie ihn nicht diagnostizieren lassen. Wenn bei ADHS gründlich diagnostiziert werden soll, dann geht das fast nur über ein vernünftiges Ausschluss Verfahren und umfangreiche Anamnese. Im Moment gibt es noch ein bildgebendes Verfahren auf Basis einer CT (wenn ich mich recht erinnere) aber das ist noch in Wiesbaden in Erprobung.

dass die symptomatische Behandlung im entsprechenden Entwicklungsfenster enorm wichtiger ist.
Die reine Behandlung der Symptome ist das schlimmste, was man machen kann. Wenn die ursächliche Krankheit außer Acht gelassen wird, dann wird in eine völlig falsche Richtung therapiert. Erst in einer ganzheitlichen Betrachtung kann ein optimaler Verlauf erfolgen.
31. Mai 2011

guggstu differentialdiagnostik und multimodale therapie.

nicht entweder - oder, sondern sowohl als auch.
und in den meisten fällen ist keines der störungsbilder wirklich eindeutig zu diagnostizieren, dazu findet sich irgendwo einige seiten zurück ein beitrag von mir.

das thema ist hochkomplex.
31. Mai 2011
Unterstützung in Deutschland :(

Ja, Deutschland ist in Bezug auf Förderung und Unterstützung von hochbegabten, aber sozial "inkompatiblen" Kindern und Jugendlichen (ich weiß, dass das eine starke Vereinfachung des breiten Asperger/Autismus-Spektrums ist) noch totales Entwicklungsland. Oder sagen wir mal: Es gibt noch sehr viel Entwicklungspotential *ja*

Ich erlebe das gerade direkt in meiner Arbeit, da ich seit 5 Jahren eine hochbegabten Aspie durch den Schulalltag begleite. Gestern habe ich nun erfahren, dass 2 Jahre vor dem Abitur die Förderung nicht weiter finanziert wird, da ja die 10-jährige Schulpflicht absolviert wurde.

Das heißt im Umkehrschluss, dass der Junge, der durchaus das geistige Potential für ein Abitur und auch ein (naturwissenschaftliches) Hochschulstudium hat, dieses nicht ausschöpfen kann, da er unter normalen Bedingungen kaum in der Lage ist, das Abitur zu absolvieren. Da hätte man sich letztlich auch die Förderung vorher sparen können.
Aber wohl typisch für "Beamten-Denke": wenn Schluss ist, ist Schluss - egal, ob das Ziel schon fast erreicht ist oder nicht. Der "Feierabend" ist heilig *snief*
31. Mai 2011

@sorbas. schreibst du mich mal per cm an bitte?
01. Juni 2011

guggstu differentialdiagnostik und multimodale therapie
Willst Du Dich ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen oder ist Dein Deutsch einfach nur schlecht?
Von Differentialdiagnostik habe ich bereits geschrieben und eine multimodale Therapie wird immer häufiger propagiert, ist aber leider noch immer kein Standard. Ich wurde selbst multimodal behandelt, bin was MPH angeht aber ein sogenannter Non-Responder. Angeschlagen haben erst Medikamente 2er Wahl. Inzwischen komme ich ohne Medis auch im Berufsleben und im Alltag recht gut klar. So viel zu dem Thema.

in den meisten fällen ist keines der störungsbilder wirklich eindeutig zu diagnostizieren
Das ist absolut falsch. Die Störung ist eindeutig zu identifizieren. Sie lässt jedoch keinen direkten Rückschluss auf die Krankheit zu.

das thema ist hochkomplex.
Gerade aus dem Grund hätte ich gerne etwas tiefer gehend darüber diskutiert.
@sorbas. schreibst du mich mal per cm an bitte?
erweckt bei mir leider den Eindruck, dass Du nicht an einer Diskussion, sondern an einer Bestätigung Deiner manifestierten Meinung interessiert bist.

Davon ab bin ich nicht der Ansicht, dass unsere Erfahrungen bezüglich der ADHS so sehr divergieren.
01. Juni 2011

Willst Du Dich ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen oder ist Dein Deutsch einfach nur schlecht?
Von Differentialdiagnostik habe ich bereits geschrieben und eine multimodale Therapie wird immer häufiger propagiert, ist aber leider noch immer kein Standard. Ich wurde selbst multimodal behandelt, bin was MPH angeht aber ein sogenannter Non-Responder. Angeschlagen haben erst Medikamente 2er Wahl. Inzwischen komme ich ohne Medis auch im Berufsleben und im Alltag recht gut klar. So viel zu dem Thema.

*liebguck*

In welchem Alter wurde bei Dir der V.a. AD(H)S diagnostiziert?
Ist es ein ADS, ein ADHS oder ein HKS?

Bei Erwachsenen werden normalerweise weder Methylphenidat noch Atomoxetin eingesetzt. Zumal Erwachsene ohnehin meist nur noch von geringen Dosierungen profitieren reicht oft schon regelmäßiges Joggen, was den gleichen Effekt hat.

Bei schweren Verlaufsformen mit den entsprechenden komorbiden Störungen wie Depression und Impulskontrollstörung, kann man herkömmliche Psychopharmaka einsetzen, die ebenfalls unmittelbar das dopaminerge System aussteuern oder indirekt über Serotonin ansetzen. In den USA waren Versuche mit Dronabinol erfolgreich, ein neurochemisch komplett anderer Ansatz.

Hier (in Bezug auf Dronabinol) weiß man noch weniger, warum manche Patienten von der Medikation profitieren. Es gibt verschiedene Ideen und Modelle, von denen lediglich manche als wahrscheinlicher gelten als andere.
Am Versuch ADHS über EEG und MRT zu diagnostizieren wird schon seit Jahren gearbeitet: Vergebens.

Recht zuverlässig sind mittlerweile verschiedene sorgfältig ausgearbeitete Testverfahren. Nicht nur die zum Ankreuzen * g *


in den meisten fällen ist keines der störungsbilder wirklich eindeutig zu diagnostizieren

Das ist absolut falsch. Die Störung ist eindeutig zu identifizieren. Sie lässt jedoch keinen direkten Rückschluss auf die Krankheit zu.

Nein. Das ist absolut richtig.
Was bedeutet "keinen Rückschluß auf die Krankheit"?


das thema ist hochkomplex.

Gerade aus dem Grund hätte ich gerne etwas tiefer gehend darüber diskutiert.

Wenn Du über ADHS diskutieren möchtest, eröffne die entsprtechende Diskussion, aber führe sie nicht im Asperger Forum.

Über was wir hier diskutieren können sind die unzähligen Grenzfälle, bei denen fast nie wirklich zu klären ist, ob es sich um ein ausgeprägtes ADHS oder um HKS mit autistischen Tendenzen handelt.

@sorbas. schreibst du mich mal per cm an bitte?
erweckt bei mir leider den Eindruck, dass Du nicht an einer Diskussion, sondern an einer Bestätigung Deiner manifestierten Meinung interessiert bist.

Mamamia, Du nimmst Dich ungeheuer wichtig, was?
Setz mal dein Hirn ein. Vielleicht geht Dir ein Licht auf.
Was schreibt sorbas? Hm?

Davon ab bin ich nicht der Ansicht, dass unsere Erfahrungen bezüglich der ADHS so sehr divergieren.

Keine Ahnung. Ich kann Dir nur sagen, dass sich unser Wissens- und Erfahrungshorizont in Bezug auf ADHS und Asperger enorm unterscheiden.
01. Juni 2011

Keine Ahnung. Ich kann Dir nur sagen, dass sich unser Wissens- und Erfahrungshorizont in Bezug auf ADHS und Asperger enorm unterscheiden.
Kann ich beides unterschreiben.
HKS ist ein Teil der ADHS nach ICD-10 (ICD-10, F90.1). HKS wird nach ICD-10 der WHO klassifiziert und AD(H)S wird in DSM IV nicht gleichartig eingeteilt. Ab und an wird von HKS bei der ADS / ADHS Mischform gesprochen, was weder richtig, noch falsch ist, da man von einer Klassifikation in die andere wechselt, beide jedoch auf dasselbe Krankheitsbild aus sind. Dabei sind die Abgrenzungen zu anderen Krankheiten wie eben Asperger, Asperger/Autismus in Teilen unterschiedlich.

In welchem Alter wurde bei Dir der V.a. AD(H)S diagnostiziert?
Ist es ein ADS, ein ADHS oder ein HKS?
Im Alter von 28 Jahren und danach noch einmal mit 30, sowohl nach ICD-10 und DSM IV. Es trifft beides zu und man würde es als Mischtyp bezeichnen.

Bei Erwachsenen werden normalerweise weder Methylphenidat noch Atomoxetin eingesetzt.
Das ist nicht richtig. Auch bei Erwachsenen sind MPH, D-Amphetamin und Atomoxetin Mittel der ersten Wahl. Das MPH ist nur bis 18 Jahre zugelassen und muss danach vom Arzt 'Off-Label' auf eigene Rechnung verschrieben werden. Die Wirkung bei Erwachsenen ist dieselbe wie die bei Kindern. Sonst wäre MPH das erste Medikament, das sofort mit 18J aufhört zu wirken oder eine andere Wirkungsweise hätte.

Zumal Erwachsene ohnehin meist nur noch von geringen Dosierungen profitieren reicht oft schon regelmäßiges Joggen, was den gleichen Effekt hat.
Gut, wahrscheinlich reichen meine zehn Stunden Sport die Woche immer noch nicht. In der Reha habe ich ADHSler kennengelernt, die Einzeldosen von 30mg und 100mg am Tag benötigt haben. Der große Sohn meiner Ex war bei 18mg (Retard) als Tagesdosis.
Im Mittel brauchen Erwachsene weniger. Daraus Rückschlüsse auf den Einzelnen zu ziehen ist schon rein mathematisch absolut sinnlos. Und auf der Basis Empfehlungen zu geben erst recht.

Bei schweren Verlaufsformen mit den entsprechenden komorbiden Störungen wie Depression und Impulskontrollstörung, kann man herkömmliche Psychopharmaka einsetzen, die ebenfalls unmittelbar das dopaminerge System aussteuern oder indirekt über Serotonin ansetzen.
Außer Bupropionhydrochlorid (Elontril, etc.) gibt es so gut wie keinen Wirkstoff im Repertoire der 'klassischen Psychopharmaka', der sich um Dopamin schert. Und auch das nur bei höheren Dosierungen. SSRI und SSNRI werden auch teilweise zusätzlich zum MPH verschrieben, wenn das MPH die komorbiden Störungen nicht in den Griff bekommt. Sie können das MPH jedoch nicht ersetzen. Mit den klassischen Psychopharmaka kann man an den Symptomen, aber nicht an der eigentlichen neurologischen Stoffwechselerkrankung ansetzen, die ADHS nun einmal ist. Diese basiert auf dem dopaminergen System im Präfrontalen Kortex.

Wenn Du über ADHS diskutieren möchtest, eröffne die entsprtechende Diskussion, aber führe sie nicht im Asperger Forum.
AFAIR warst Du diejenige, die mit dem Thema ADHS hier wieder eingestiegen ist. Ich zwinge Dich nicht dazu auf meine Beiträge zu antworten. Und den Mund lasse ich mir nicht verbieten.
01. Juni 2011
@amedisli

Danke für Deine Antworten.

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