Fetisch. Wenn die Lust zur Last wird

13. Juni 2008
Die andere Seite

Also lieber knatschi...

mal aus der anderen Perspektive...

Ich bin seit 12 Jahren mit meinem Mann zusammen (verheiratet seit 8 Jahren).

Ganz zu Anfang unserer Beziehung waren wir in einem Sexshop und mein Mann fragte mich, ob ich DAS (er zeigte mir einen getauchten roten Latexrock von Latexa) tragen würde. Ich sagte: "Warum nicht?" sah ja auch niedlich aus und ich entdeckte gerade selber die Anziehungskraft meine weibliche Seite.

Die Jahre zogen ins Land und das Leben lief und läuft...

Nach wie vor ist es so, dass mein Mann es geil findet, wenn ich beim Sex Latexkleidung trage. Es muss weiblich und geschmackvoll sein.
Er selber trägt es nicht und distanziert sich ganz wehement von den Männern, die keinen Spiegel zu Hause haben (bitte nicht übel nehmen - doch ehrlich .. schöne Männer in Latexsachen habe ich noch nicht gesehen).

Das ist alles auch ok und ich finde Latexkleidung auch super. In den letzten 10 Jahren hat sich auf dem Markt viel getan und Latex steht nicht ausschließlich in der SM- oder Sexecke - sprich es ist schon Salonfähig - sucht man das passende Outfit.
Ich würde über mich selber auch behaupten, dass es mir gut steht.

Wir hatten neulich nur gerade erst wieder eine Unterhaltung, weil ich dummerweise einen Satz als Vorwurf formulierte. Ich sagte: "Du machst ja eh nie Sex mit mir!" Der Satz war unbedacht und als ich die Worte ausgesprochen hatte, dachte ich mir nur: "Na jetzt geht es gleich wieder zur Sache!"
Schlussendlich behielt ich auch Recht.

Wenn mir das alles nicht passen würde, würde es mir ja frei stehen zu gehen. Soweit so gut - sehe ich auch so. Und auch weiß mein Mann, dass er mich nicht dazu zwingen kann und weiß auch, dass ich oft Latex FÜR IHN anziehe.

Es ist auch nicht so, dass ich keinen Spaß habe mich "zu verkleiden" "in Rollen zu schlüpfen" - also Frau zu sein.

Mein Mann hat dann im weiteren Verlauf gesagt: "Du weißt doch, dass ich gerne nehme!"

So und da ist dann (BEI MIR) des Pudelskern. Ich ziehe Latexsachen an.. ich bin fantasievoll.. im Rahmen der finanzellen Möglichkeiten kaufe ich Latexsachen.. ich hole ihm im Komplettoutfit einen runter und ziehe mich danach wieder aus.. schaut er sich Bilder oder Videos im Netz an, frage ich, was er gerne umgesetzt haben möchte ... dann wird es ihm unangenehm und er weiß, dass ich es für ihn tun würde und winkt dann ab. Ich tue alles gerne und kann mich bestimmt beim Sex auch fallen lassen....

Äh ja... ich hoffe, es nervt nicht, dass ich so weit aushole...

Da mir daran gelegen ist, meinen Mann zu VERSTEHEN, habe ich mich schon des öfteren vors Netz gesetzt und versucht herauszufinden, was einen Fetisch auslöst und wie ICH damit umgehen kann.

Herausgefunden habe ich:
Ein Fetisch hat oft damit zu tun, dass die betreffende Person keine Verantwortung für die eigenen Sexualität übernehmen möchte. Es ist sicherlich nicht in allen Fällen so - ich schehre es auch nicht über einen Kamm.

Nur mein Mann sagt ganz klar, es gibt keinen Sex ohne Latex - ich weiß aber, dass er auch ohne Latex "einen hoch" bekommt.

Fetisch hin oder her - es ist doch nicht so, dass ich, möchte ich mal Sex ohne Latex nie wieder Sex mit Latex mit ihm mache.

Ich müsste das eben akzeptieren und er könnte dann auch auf Sex verzichten und würde ich ihm nicht geben, was er möchte, würde er es sich eben irgendwann mal woanders holen.

Ganz ehrlich für mich hört sich das eher nach einem verzogenen Jungen an und nicht nach einem Fetischisten.

Haben wir nicht auch alle einen Fetisch?? Ich stehe total auf Männer in Uniformen - die Matrosen sind besonders süss.
Ich habe ihn gefragt, ob er nicht mal im Karneval ein Kostüm kaufen würde - er wäre doch kein Schauspieler!!!

Was soll ich da machen?? Ich bin ja schon SEHR OFFEN, was die Sexualität angeht, doch ich komme mir vor, als wäre ich mit einem "schwarzem Loch" verheiratet.

Sicher sollte ich geben und das gerne und auch nicht verlangen, dass ich etwas zurückbekommen. Auch wenn ich das so sage, dass es für mich doch kein Problem ist, Latex anzuziehen - läufte es trotzdem ja nie so wie mein Mann es möchte und überhaupt hätte... ich ja ein Problem.

Ehrlich gesagt, ich bin der Meinung, dass ich mit meiner Offenheit (in unserer Gegend zumindest) schon ein seltenes Exemplar bin und sicher eine gesunde Einstellung zum Sex habe - aber ich bin da schon ziemlich ratlos ....

Und sooooo sieht mal die andere Seite aus lieber knatschi!!!

Vielleicht ist das ein Extrem- oder Einzelfall.. ich weiß es nicht wirklich und bin da auch wirklich ratlos, weil ich eben keinen ausgeprägten Latexfetisch habe und sicher auch nicht entwickle, ich leugne ja auch nicht, dass ich Latex schön finde - doch nicht mehr und nicht weniger.

Äh ja... ich hoffe, dass Dir das vielleicht mal "eine andere Perspektive" aufzeigt und Dir etwas weiterhilft... wenn nicht - hoffe ich, Du hast Dich vielleicht etwas über mich amüsiert *g*

Gruß
Latex_Lady
16. Juni 2008

Tja, die verschiedenen Seiten.

Ich habe mir auch schon verschiedenste Gedanken gemacht. Vielleicht dreht es sich hier auch um die Frage nach Toleranz, Demut, Stolz, Erziehung, ob jemand introvertiert oder extrovertiert ist...

Es gibt sicher unzählige Facetten und Sichtweisen.

Für mich würde ich es mal auch in dieser Form zusammenfassen:

Damit das von beiden Seiten funktioniert müssen beide Beteiligten / Partner vollkommen offen und ehrlich sein. Ich denke auch mal so weit offen für den anderen mal etwas über seine Grenze hinausgehen.
Mir wäre wichtig auf einen Vorschlag keine negative Reaktion zu bekommen. Der Partner muss ja nicht Alles machen und man merkt ja alleine schon am Interesse und wie oft der Partner das unaufgefordert aufgreift wie richtig man liegt.

Vielleicht liege ich auch falsch.
Ich denke mir oft, für meine Frau würde ich Alles machen. Wahrscheinlich denke ich da jetzt wieder nur an meine Fantasien.

Wie ich reagieren würde, wenn meine Frau im Schlachthof mit rosa Wollstrümpfen mit mir kuscheln wollte? Da würde ich wohl auch wieder ausweichen... (Mir ist kein unpassenderer Gedanke aufgekommen, diese letzte Fantasie ist ohne Bezug).

Ob ich mich jemandem anderen so öffnen könnte wüsste ich jetzt auch nicht.
17. Juni 2008
Auch mal was von der anderen Seite

Auch ich lebe mit meinem Mann seit neun Jahren zusammen und habe inzwischen ein Problem mit seinem Fetisch, obwohl ich mich eigentlich auch immer als sehr tolerant und offen empfunden habe..
Mein Mann steht zwar auch auf Lack, Latex, etc..aber am meisten auf Kleider und Unterwäsche aus Satin oder Seide, und am Anfang unserer Ehe habe ich auch gerne mitgespielt, denn welche Frau zieht nicht gerne schöne Nachthemden und kleider an??
Im Laufe der Zeit fiel mir aber immer mehr auf, das mein Mann auch hinter meinem Rücken die Sachen anzieht und sich selbst befriedigt, was ja acu noch nicht wirklich das Problem gewesen wäre, hätte er mich darüber nicht auch noch angelogen...
Hinzu kam dann noch, das wir beim Sex irgendwann nur noch seine Wünsche berücksichtigt haben, und ich mit meinen Vorlieben sprich einfach mal Sex unter der Dusche oder im Freien etc total auf der Strecke geblieben bin...
Inzwischen sind wir an einem Punkt angelangt, wo wir zusammen gar keinen Sex mehr haben, da ich mich irgendwann nur noch betrogen gefühlt habe..und ja, es kommt jetzt gleich wieder dann trennt euch eben, aber mein Mann will sich partout nicht trennen, da er mich ja soo liebt.
Neulich habe ich ihm nun vorgeschlagen, seine Vorlieben ggf bei einem Clubbesuch auszuleben, sprich unsere Ehe in dieser Beziehung zu öffnen, da ja eigentlich alles andere passt, aber das will er auch nicht..
Ich für meinen Part denke einfach, das es für den Nichtfetischisten zwar noch irgendwo vom Kopf her nachzuvollziehen ist, aber rein gefühlsmässig habe ich definitiv ein Problem damit, das wenn ich ehrlich bin, über kurz oder lang unsere Ehe kaputt machen wird..
Übrigens, ich komme auch aus einem Elternhaus, in dem Sex zu den ganz normalen Gesprächsthemen gehört hat, allerdings kommt Er aus einem Elternhaus, wo Sex ein absolutes Tabuthema ist, darum hat er wohl auch ein problem damit, zu seinen Vorlieben zu stehen...
17. Juni 2008
Bikepetzi

...wir Fetisch`ler haben es nicht leicht - aber noch mehr Probleme haben damit unsere Partnerinnen.
Wenn erst mal die Partnerin den Fetisch akzeptieren kann, ist es für uns fast unmöglich, ohne unsere Neigung Sex zu haben.
Ich kann dich voll und ganz verstehen; aber, wenn Er dich wirklich liebt, schafft Er es auch mal ohne seine Neigung Sex mit dir zu haben.

In diesem Fall hilft meiner Meinung nach nur ein offenes Gespräch.

Sag ihm: wenn er auf deine Wünsche eingeht, wirst auch du keine Probleme mit den Seinigen haben.
19. Juni 2008
@fastimmerlust

Das ist ja das Problem, wir haben ganze Wochenenden und auch diverse Abende damit verbracht zu reden...über seine Vorlieben, über meine..bis er irgendwann, als ich die ganzen Spielchen nicht mehr mitgespielt habe, versucht hat mich mit aller Gewalt (nicht körperlicher) dazu zu zwingen und damit unsere Ehe auf´s Spiel zu setzten.
Das tut ihm zwar inzwischen leid, aber mich hat er damit einfach zu sehr verletzt
19. Juni 2008
Bikepetzi

mir scheint, das ist äußerst verfahren, und läßt sich wohl nur noch durch eine(n) Psycholg(i)(e)n beheben.

Ich fürchte, da helfen unsere gutgemeinten Ratschläge nicht mehr weiter.
20. Juli 2008

Hallo,

sehr interessantes Thema um ein oft wesentliches Problem: Der Partner und der Fetisch.

Bei mir ist es auch so: Meine Frau ist eine Nichtfetischistin im wahrsten Sinne des Wortes. Wir sind schon seit über 20 Jahren zusammen und sie akzeptiert es, daß ich die meiste Zeit in Lack, Latex und hochhackigen Stiefel herumlaufe, aber ihr persönliches Ding ist es einfach nicht.

Uns verbindet kein Fetisch, kein SM usw. sondern Liebe, Zusammengehörigkeit und ich beschränke das Ausleben weiterreichender Fantasien auf Kopfkino, Fetischparties und so.

LG Mudman

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