Das ganz eigene BDSM

09. November 2007
Das ganz eigene BDSM

Hallöle! *ggg*

Wie schon so viele Male ist mir in den letzten Tagen wieder durch den Kopf gegangen, dass jeder Dom und jeder Sub seine bzw. ihre ganz eigene Auffassung von BDSM hat.

Manchmal gleichen sich die Sichtweisen, manchmal klaffen sie sehr weit auseinander...

Mir und auch anderen weniger erfahrenen Subs wird oft von so manchen Doms deren Sichtweise als die einzig Wahre aufgetischt und alles andere sei falsch.

Nun wurde in dem parallel laufenden Thread

Lieber gefesselt

vom "ganz eigenen BDSM" gesprochen...

(Ganz herzliches Dankeschön an die netten Herren dort, die uns so geduldig immer wieder von neuem Mut machen...)

Jeder hat für sich so seine eigene Vorstellung, sein eigenes BDSM...
Ich fände es interessant und hilfreich zu erfahren, wie sich das jeweils immer entwickelt hat, wie habt Ihr euer eigenes BDSM "aufgebaut", welchen Rat könnten so manche erfahrene BDSM'ler uns Anfängern geben???

Liebe Grüße

Sissi
09. November 2007
Der eigene BDSM und der Weg dorthin

Jeder von uns SM´ler hat sein eigenes BDSM, welches aus Vorlieben , Abneigungen und Phantasien besteht. Am Anfang steht erstmal das große Entdecken und Staunen, manchmal auch Verwirrung, Angst und das Zurückschrecken vor der eigenen Persönlichkeit. Dann kommt, ich möchte, ich will und man fängt an seinen Weg zu gehen. Erste Phantasien werden vorsichtig umgesetzt und ganz langsam fängt man , diesen Teil seiner Persönlichkeit kennenzulernen ,auszuleben und zu schätzen. Man stellt fest, das mag ich, jenes nicht so sehr, anderes war in meirer Phantasie viel schöner und wieder anderes kostete mich Überwindung und war wunderschön und manches geht hingegen gar nicht. Es gibt Momente, da glaubt man zu Versagen, stellt sich und seine Persönlichkeit in Frage, dann wieder gibt es Augenblicke, da wächst man über sich hinaus. Es ist ein schwieriger und doch wunderschöner Weg , der sich zu gehen lohnt . Er beinhaltet viele Fragen und die Suche nach Antworten, er beschert uns die Fähigkeit absolut zu vertrauen und lehrt Verantwortungsbewußtsein, auch sich selbst gegenüber, er zeigt uns, wie verschiebbar etliche Grenzen sind und wie unverrückbar andere, macht verwundbar und stark, zeigt uns Achtung und Respekt.
Lg, Birgit
09. November 2007
Die wahre Sichtweise

- "Halllöle" – Gell, mir Schwoba kenned hald elles ausser Hochdeidsch –

"Mir und auch anderen weniger erfahrenen Subs wird oft von so manchen Doms deren Sichtweise als die einzig Wahre aufgetischt und alles andere sei falsch."

Der Grund hierfür ist ein einfacher: Dom spürt in sich ein tiefes sexuelles Bedürfnis, dessen Erfüllung aber nicht ganz so einfach ist, da er einen Partner oder eine Partnerin braucht, deren Bedürfnisse spiegelsymmetrisch sind. In dieser Situation ist Dom geneigt, durch Verweise auf die "wahre Art" von BDSM Druck auf Sub auszuüben, wenn ihre Bedürfnisse eben nicht ganz spiegelsymmetrisch sind. "Wenn du das nicht magst oder dies nicht aushältst, bist du keine echte Sub!" – Wir hatten die Diskussion ja bereits hier im JC in aller Ausführlichkeit.

Die Methode ist uralt und nicht auf BDSM beschränkt. Früher etwa versuchten Männer ein normiertes Ehefrauenbild zu erzeugen, um damit ihre Frauen unter Druck zu setzen, wenn sie mal nicht willig waren, die Beine breit zu machen, wenn der Wasserstand des Ehemannes zu sehr gestiegen war. "Du kommst deinen ehelichen Pflichten nicht nach!"

So verständlich Doms Haltung ist, so sehr ist sie aus Not geboren und vom Unverständnis gegenüber Sub geprägt. Das kann nicht gut gehen und nicht gut sein. Also Finger weg!

"Ich fände es interessant und hilfreich zu erfahren, wie sich das jeweils immer entwickelt hat, wie habt Ihr euer eigenes BDSM "aufgebaut"?

Ich glaube, mein Initialgefühl für BDSM-artige Erotik entstand lange, bevor ich die vier Buchstaben kennen lernte. Da ich in meiner Jugend mit meinen sexuellen Vorlieben, die hauptsächlich im Fetischbereich lagen, immer scheiterte, träumte ich früh davon , wie schön es doch wäre, eine Frau zu haben, die mir so sehr ergeben ist, dass sie mir jeden Lustwunsch erfüllt. Also, mit meinem heutigen Sprachschatz, eine "Submissive". Ich hatte den Traum, dass eine solche Frau mich vom Leiden an meinen unerfüllten Sehnsüchten befreien würde.

Als ich zum ersten Mal eine Peitsche benutzte, war dies für mich eine Art "Beweismittel": eine Frau, die sich von mir peitschen lässt, muss doch submissiv sein, sprich: die Erfüllung meiner erotischen Wünsche mir garantieren.

Es dauerte viele Jahre, bis ich mich aus solchen Krampfgedanken lösen konnte, die zu einer Menge Liebesleid führten. Ich begann, erstens mir klarzumachen, dass ich solche "perversen Lüste" haben darf (für die Unterstützung dieses Prozesses bin ich den Medien, früher Papier, heute Internet, sehr dankbar), mir zweitens klar zu machen, dass es Frauen gibt, die "auf so etwas stehen", und drittens mir zu sagen, dass ich eine solche Frau finden will.

"Mein" BDSM ist also um meine Bedürftigkeiten herum gebaut, und ich wette, dass das bei jedem so ist. Da ich eine starke, intelligente Partnerin brauche, ist meine Geliebte keine Dauer-Sub. Wir gehen nur zu Zeiten "ins Spiel". Da es mich kickt, meine Sub auch vor anderen vorzuführen, brauche ich eine Partnerin, die die Öffentlichkeit nicht scheut. Da es mich kickt, wenn andere Männer sich den Kopf verdrehen, wenn sie meiner Süssen begegnen, brauche ich eine Frau, die sich aufdonnern kann. Da es mich kickt, zu erleben, wie eine gefesselte Frau durch meine Manipulationen zum Orgasmus fliegt, brauche ich eine Geliebte, die Gefallen daran findet, wehrlos gefesselt zu sein. Da ich von Zeit zu Zeit eine Demonstration ihrer Hingabe brauche, will ich ihr Schmerzen zufügen können. Also muss sie dies kicken.

Aus solcherlei Selbstklärung konnte ich meine Geliebte suchen und – dank "Vorsehung" (Hank) auch finden.

Charmedlady, du frägst nach Rat.

Mein Rat ist, die eigenen Bedürftigkeiten vor sich selbst schonungslos und offen zu klären. Dazu gehören auch die Widersprüche in den eigenen Gefühlen ("Beim Gedanken, geschlagen zu werden, werde ich nass – aber nie würde ich es zulassen, dass ein Mann mich schlägt!"). Alsdann ist es gut, solche Dinge einem potentiellen Partner auch offen aussprechen zu können. Meist scheitern Liebschaften nicht am Partner, sondern an den eigenen ungeklärten inneren Widersprüchen und ungeprüften Vorerwartungen. Oft stockt Kommunikation, weil die eigenen Ängste oder Scham einem die Kehle zuschnürt. Wenn dann auch noch das Kopfkino des Gegenübers Purzelbäume schlägt, ist die Katastrophe schon fast vorprogrammiert.

Weiterhin lohnt es sich, über die seelische Struktur des Gegenübers sich ein wenig Klarheit zu verschaffen. Männer denken oft mit dem Schwanz. Das darf man ihnen nicht verübeln, aber man muss es wissen. Oft versuchen Menschen, Rollenbildern gerecht zu werden, denen sie nicht gewachsen sind (Stichwort: Möchtegern-Doms).

Wesentlich ist die Übung in der scheinbar einfachen Frage: "Wie fühlt es sich für mich an?" – Unser "Bauch" hat immer Recht, aber unsere Sehnsüchte machen oft solchen Lärm, dass wir seine zarte Stimme nicht hören.

Bei Subs empfinde ich oft ein weiteres Hemmnis auf dem Weg zum Glück: Sie wollen genügen, um von Dom geliebt zu werden. Damit lassen sie sich oft zu Dingen drängen, die ihnen nicht entsprechen und auch nicht gut tun. Zudem haben sie oft das Bedürfnis, Verantwortung für sich selbst an Dom abzugeben. Das mag im erotischen Spiel gelingen, aber im Leben hat jeder umumgeh- und unabgebbar für sich selbst die Verantwortung.

Sub hat oft das Bedürfnis, Dom möge mit ihm oder ihr "einfach machen", aber natürlich nur das, was in den eigenen Wünschen enthalten ist. Sub erwartet also von Dom Gedankenlesen. Das geht zwar, die allermeisten Doms haben das aber nicht geübt. Insofern muss Sub Wege finden, Dom ihre Bedürfnisse mitzuteilen, ohne dass es gleich nach "Dienstvorschrift" oder "Handlungsanweisung" riecht. Hier gibt es tausend subtile Möglichkeiten (mal einen SM-Roman offen 'rumliegen lassen und ein paar Stellen angestrichen haben) ohne den Zauber der Lust auf Dominanz zu zerstören.

Aber selbst all die Ratschläge führen zu keinerlei Garantie eines geglückten Auslebens von BDSM- und zwar deshalb, weil es in der Dynamik des Lebens für nichts eine Garantie gibt. Jedes Scheitern, das grosse wie das kleine, ist ein Zeichen, dass wir unser Bewusstsein erweitern sollen. Ob wir die Kraft dazu haben, ist dann unsere Sache.

stephensson
art_of_pain
09. November 2007
Begriffe

Ich scheitere schon an den vier Buchstaben. BDSM hat mit Schmerzen zu tun und die machen mir Angst. Es kickt mich, hilflos und ausgeliefert zu sein, nichts dafür zu könnnen, was mit mir geschieht, unterworfen zu werden und gehorchen zu müssen. Mehr habe ich noch nicht herausgefunden. Schon das Wenige ist mir immer noch meist peinlich. *rotwerd*
09. November 2007
Hallo Duchess,

Du hast doch schon eine Menge herausgefunden und fängst langsam an , Deinen Weg zugehen. Es kickt Dich , hilflos und ausgeliefert zu sein, unterworfen zu werden und gehorchen zu müssen, das muß Dir überhaupt nicht peinlich sein ! Im Gegenteil, es gehört eine Menge dazu, sich jemanden so zu überlassen und sich auszuliefern. Dieses Geschenk, das Sub seinem Dom bereitet, dieses Ich liefere mich Dir aus , tu mit mir , was Du willst , das beeindruckt mich immer wieder. Es beeindruckt mich und hält mir als Dom aber auch vor Augen, welche Verantwortung ich jetzt trage.
LG, Birgit
09. November 2007
Achtung

Ich stehe mir selbst im Weg, praktisch gleichzeitig auf dem Gaspedal und auf der Bremse, Stolz und Selbstachtung sowie der nüchterne Verstand versus Neigung. Nun hatte ich das Glück, eine kurze Beziehung mit einem sensiblen und erfahrenen Dom zu haben, der genau diesen Respekt immer wieder ausgedrückt und mich sehr ermutigt hat. Mit Erleichterung stelle ich fest, dass es von dieser Sorte gar nicht so wenige zu geben scheint, das macht Mut.
09. November 2007
Vielen Dank

für Eure langen Beiträge...sie sind wirklich sehr aufschlussreich geschrieben und ich kann da einiges mit meinen eigenen Gedankengängen vereinen...

Also bin wohl ich doch nicht so ne Idiotin oder wie duchess von sich selbst glaubt, Versagerin....dann sind es doch die Doms die oft daran schuld sind, dass wir uns dann so schlecht fühlen und an uns als echte subs verzweifeln...

Es macht dann wirklich eine gewisse Angst, sich dann weiter auf die Suche zu machen...

Wie steht Ihr zu der Definition von Dominanz und Submission...?

Ich musste mir erst vor zwei Monaten und jetzt vor ein paar Tagen wieder "durch die Blume" sagen lassen, dass ich doch froh sein könnte, wenn mich derjenige als Sub anerkennen würde...aber ich finde er müsste doch genauso froh drum sein, wenn ich gerade ihn als meinen Dom wählen würde...

Was ich gewiss nicht tun werde...wer solch eine Einstellung an mich ran trägt, beißt nämlich auf Granit bei mir....
09. November 2007
@charmedlady

Als Versagerin fühle ich mich absolut nicht! Es ist keine Schande, Anfängerin zu sein und erst alles lernen zu müssen. In dieser Hinsicht hatte ich Glück, solche dummen Sprüche habe ich nie zu hören bekommen. Im Gegenteil, der einzige Dom, mit dem ich bisher Erfahrung habe, hat immer wieder ausgedrückt, dass er es als Ehre und große Verantwortung empfindet, mir dabei zu helfen, mich langsam aber stetig zu der Sub zu entwickeln, die meiner Persönlichkeit entspricht.
10. November 2007
Domschuld

Charmed,

"....dann sind es doch die Doms die oft daran schuld sind, dass wir uns dann so schlecht fühlen und an uns als echte subs verzweifeln... "

So kommst du nicht weiter. Niemand kann dich zwingen, dich schlecht zu fühlen, wenn DU es nicht zulässt. Schuld auf Doms abzuschieben heisst, von sich selbst abzusehen, sich hilflos, wehrlos und klein zu machen. Das hemmt die innere Weiterentwicklung.

Doms mögen oft die Auslöser sein, dass "ihr" Subs euch schlecht fühlt, aber sie sind nicht die "Schuldigen". Auch sie gehorchen nur ihrer inneren Not.

stephensson
art_of_pain
10. November 2007
Falsch ausgedrückt...

sorry, dass hab ich falsch ausgedrückt... *snief*

Dieses DIE war auf diese ganz bestimmten Doms bezogen...die gemerkt haben, dass ich mich darüber aufrege und schon längst davon absehen wollte, mich weiter mit ihnen zu befassen..und einer ganz speziell hatte sich einerseits voll drauf verbissen, mich unbedingt haben zu müssen, allerdings verbunden mit der Taktik, dass ich dankbar sein solle...usw...und ich leide da jetzt noch ein wenig darunter, was es wiederum schwer macht für nachfolgende Doms, die es mehr wert wären....

Leider ist es manchmal auch so, dass meine ganz spezielle psychische Verfassung da mit einwirkt...
Sorry, ich wollte das nicht so verallgemeinern auf alle Doms, und ich weiß auch, dass es einige gibt, die ganz anders handeln...und eher so denken wie ich...
10. November 2007

da ich auch noch etwas am anfang von bdsm stehe würde es mich auch mal interessieren, wie andere es sehen...

in manchen sachen bin ich mir ja auch noch net so ganz schlüssig...

jedoch a kompletten anfänger würd ich mich auch net bezeichnen... grins

lieben gruss.... devo
10. November 2007
@charmedlady

Solidarisch von einer verwaisten Sub zu anderen: Denk positiv! Wir sehen doch, dass es sie gibt, die Doms von der Art, die wir brauchen, wir müssen nur klug wählen. Wenn ich meine Angebote zu Grunde lege, wirst du doch garantiert in Bewerbungen ersticken! Wir haben die Wahl!
10. November 2007
Willkommen im Club!

Nicht ganz schlüssig trifft es ziemlich gut! Einige Erfahrungen habe ich inzwischen durchaus und ich bewerte diese positiv. Trotzdem bin ich weit davon entfernt, mich als erfahren zu bezeichnen.
10. November 2007

hab mich ja auch net als erfahren bezeichnet... grins
aber nen anfänger bin ich halt auch net...
kann man halt net beschreiben...
bin halt einzigartig... lach... ironisch gemeint...

lieben gruss... devo
10. November 2007
Einzigartig

sind wir alle, deshalb muss auch jeder seine ganz persönliche Form finden, denke ich. Was ich mag oder nicht kann ich erst sagen, wenn ich es versucht habe.

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