Heißt zu suchen auch finden? Unser User Pandora war unterwegs im Netz, immer auf der Suche nach dem anderen Geschlecht, einem Abenteuer und eventuell sogar einer Beziehung. Hier könnt ihr seine Erlebnisse nachvollziehen.

Vorsicht Falle oder Garantie für Spaß und Vergnügen?
Zart saugende Küsse bedeckten meinen Körper, der sich vor Lust aufbäumte. Sanfte Finger umschlossen meinen harten Schaft und bewegten sich auf und ab. Oh wie sehr ich es genoss. Leise vernahm ich mein eigenes Stöhnen und das Blut pochte in meinen Adern. Ich keuchte, schwitzte, bäumte mich auf, so sehr sehnte ich mich nach Erlösung. Ja, ich war kurz davor zu... dann klingelte der Wecker.
Verdammt! Ich sah an mir hinunter. Meine eigene Hand umklammerte meinen verfickten Schwanz, als gäbe es kein Morgen, und ein danach sowieso nicht. Eigentlich gab es gar nix, also auch nix mit Übermorgen. Scheisse! Fuck! Verdammt!
So konnte das nicht weiter gehen. Ich meine, hey! Ich bin ein einundvierzigjähriger Kerl in einem fünfundzwanzigjährigen Körper. Nunja, zumindest fühle ich mich so.
Erste Schritte
Also tat ich, was unausweichlich schien. Ich betrat die sexte Dimension, und zwar mit Volltrash. Zunächst durchforstete ich das Netz der Netze (für die neuro-labilen unter Euch: das Internet!) nach einem geeigneten Spielplatz für meine DNA - und war sichtlich erstaunt. Nicht nur, dass uns das Internet die neuesten Nachrichten, frisch garniert mit Werbung für das Jamba-Spar-Abo, auf den Monitor bringt, nein, das was ich hier geboten bekam, war Real Life vom Allerfeinsten.
So beschloss ich, mich auf mein Herzgefühl (ja doch, ich habe tatsächlich ein Herz, ob Du es nun glaubst oder nicht!) zu verlassen und meldete mich bei der Plattform meines Vertrauens an. JOYclub.de leuchtete strahlend weiß wie die Unschuld, auf schwarz-roter Sünde. Irgendwie lecker - und anspruchsvoll dazu. Yeehaaaw!
Angemeldet und schon drin. Nunja, zumindest in diesem Reitverein. Meine Selbstbeschreibung beschränkte ich auf das Nötigste und das Bild kann warten, dachte ich überschwänglich. Tatsächlich schaute ich mich erstmal auf diversen Profilen, welche zumeist mit relativ einfach gestrickten Arsch- und Tittenbildchen garniert waren, um.
Was mir gleich zu Beginn auffiel, waren die relativ einfallslos gestalteten Texte zu den Bildern (Herrgottnochmal, was erwartest Du? Ich habe Eier! Natürlich sehe ich mir zuerst die Bilder an, bevor ich den Text lese!). Beispiel gefällig? Aber gerne doch! Wie kommt ein vierunddreissigjähriges Wildpferdchen dazu, ihren (bemerkenswert hübschen) Hintern abzulichten und darüber einfach nur "ich" zu schreiben? Was soll das? Bedeutet das, dass sie ein Arschloch ist? Gleiches Dilemma bei den Titten. Ich, die Titte - na Klasse!
Erste Niederlagen
Schon am ersten Abend, der Regen prasselte leise an das Fenster meines Apartments und trockener Rotwein funkelte verheissungsvoll in meinem Rosenthal-Glas, gab ich mir den interdimensionalen Overflow. Das Raubtier auf der Jagd. Durstig und sehnsüchtig. Dann die erste Ernüchterung. Frohen Mutes schrieb ich ein zartes Wesen Namens "GeileDrecksau69" an, ob sie Lust auf einen scharfen Camchat hätte (dabei hätte ich sie gerne real, naja, Du weisst schon...) und garnierte die Mail mit einem pixeligen Schwanzbildchen, welches ich in wahrlich sportlichem Einsatz mit dem Handy von mir gemacht hatte.
Prompt bekam ich die kalte Dusche, von wegen, ich müsste mir schon was einfallen lassen, sie sei wählerisch, und überhaupt und so, und blablabla. Damned! Geht‘s eigentlich noch? Ich meine, wenn eine Lady sich schon "GeileDrecksau69" nennt, dann liegt meine Erwartungshaltung nicht wirklich darin, ihre persönliche Agenda 2010 zu besprechen.
Ergo ließ ich mich fortan nicht weiter von Nicknames wie "feuchteStute2000" oder "immerWillig" blenden und zog meines Weges. Erhobenen Hauptes natürlich. (Ich könnte heulen...)
Der Wahnsinn bekam Methode und ich klickte mich durch hunderte von Profilen, immerzu auf der Pirsch, ein wirklich passendes Puzzle-Teilchen zu entdecken. Oftmals musste ich ernüchtert feststellen, dass ich mir um den Fortbestand der menschlichen Rasse echte Sorgen machen sollte.
Warum? Das fragst Du? Herrgottnochmal, die meisten wirklich coolen Weibchen da draussen wollen ihre zarten Lippen nur auf dieselben pressen. Und ich rede hier nicht von denen im Gesicht. "Ich suche eine süße Bi-Maus" hier, "ich suche eine süße Bi-Maus" da. "Wir Jungs haben es irgendwie echt nicht leicht!" dachte ich gefrustet nach mittlerweile zwei Flaschen feinstem Cabernet Sauvignon. Dann wankte ich in‘s Bett.
The Day After
Kopfschmerzen. Aber ich gab nicht auf, denn trotz erhöhtem Wein-Konsums kam mir die zündende Idee: Rivalen checken! Also loggte ich mich bei einem doppeltem Espresso und einer Flasche stillen Mineralwassers abermals ein. Irgendwas musste ich bei meinem nächtlichen Streifzug, der von Hunger und Gier nach zartem Fleisch getrieben wurde, übersehen haben.
Ich klickte das erste Profil eines Mannes, dessen Bild mit einem ziemlich dämlich aussehenden schwarzen Streifen unkenntlich gemacht worden war, freudig an. Genau so uninteressant wie das Bild war auch der von ihm dargebotene Text und seine Besucherzahlen von unter Hundert in sechs Monaten sprachen ein deutliches Statement aus. No Go! Der nächste bitte.
Dann, nach etlichen Versuchen das Geheimnis des Erfolgs zu lüften, entdeckte ich ein wahrlich herzerfrischendes Stück männliche DNA. Phantastische Worte, die hin und wieder mit kleinen, subtilen Seitenhieben gewürzt wurden, vermittelten selbst mir als Kerl, dass da ein echtes Sahneschnittchen die X-Chromosomen der Weibchen in Wallung bringt. Garniert mit einem netten Bildchen, das nicht mehr, aber auch nicht weniger die Aussage trifft: Catch me if you can.
So läuft das also, dachte ich bei mir und nippte an der mittlerweile dritten Tasse Espresso. Ich begann an meinen Plan zu arbeiten. Drei Tage später kehrte ich zurück...
Ein neuer Anlauf
Ich hatte mich von einem Amateur-Fotografen, den ich in eben jenem Forum entdeckt hatte, in ganz netten Posen ablichten lassen - und ja, ich kam mir mehr als dämlich vor, mit nur spärlich bedeckten Schniedel vor seiner Linse herumzuhüpfen. Aber Mann muss eben Opfer bringen. Nach und nach lud ich die Bilder per Mausklick auf den Server des Erotikportales. Dann machte ich mich an den Text.
Ich schrieb, bis mir die Finger weh taten. Humorvoll betrachtete ich mich selbst, lachte teilweise über die von mir zu Papier, pardon, Monitor gebrachten Zeilen, achtete aber darauf, nicht zu übertreiben. Dann klickte ich auf "Profil speichern".
Am darauf folgenden Abend, nachdem ich mein Tagewerk vollbracht hatte (ja, ich habe einen Job!), loggte ich mich erneut in meiner virtuellen Knuddelbude ein - und konnte meinen Augen kaum trauen. Zwei erhaltene Nachrichten hüpften fröhlich auf dem Screen, welche ich zugegebenermaßen mit einem etwas flauen Gefühl öffnete. Ein "ZartesWesenBX" hatte mein Profil gelesen und teilte mir mit, dass meine Worte sie tief berührt hätten.
Wow! Ich war den Tränen nah und bedankte mich freundlich. Natürlich besuchte ich ihr Profil, sah mir ihre Bilder an und las ihren Text. Dann schrieb ich ihr ein kleines Statement zu ihren Bildern, hinterfragte vereinzelte Dinge interessiert und schickte die Nachricht auf die Reise. Die zweite Nachricht war ein Kompliment über eines der von mir eingestellten Bilder, was mich zwar freute, die Worte hierzu aber nicht wirklich passten. Ein einfaches "tolle Bilder" konnte mich an dieser Stelle einfach nicht vom Hocker reissen. "ZartesWesenBX" hatte mich in ihren Bann gezogen.
An dieser Stelle kann man sich denken, wie es weitergeht. "ZartesWesenBX" und ich werden wohl noch ein paar nette Nachrichten austauschen, und wenn ich mich nicht komplett dämlich anstelle, könnte ich mich vielleicht auch wirklich einmal mit ihr treffen.
Treffen?
Und hier wird es interessant. Nach dem ersten Austauschen von Nachrichten, Gedanken, Sehnsüchten und Phantasien kommt bei Gefallen die erste wirklich schwere Hürde. Der erste Schritt. Virtualität ist das Eine, das Ganze jedoch in die Realität zu projizieren ist das Andere. Hier scheiden sich oftmals die Geister.
Schon klar, Erotik-Forum und so. Natürlich gehen die Nutzer wesentlich offener mit der Materie um, als beispielsweise im Häkelforum von Tante Frieda. Aber tatsächlich ist es selbst in dieser Virtualität nicht anders als da draussen auch. Eine gewisse Eloquenz und ein Niveau auf der Stufe, auf der man sich selbst befindet, sind die Knackpunkte, an dem sich viele anfänglich viel versprechende virtuelle Parallelen schnell wieder relativieren.
Realität contra Virtualität
Der Single-Mann sollte sich immer bewusst sein, dass er auf allen Linien überzeugen sollte. Die Optik spielt zunächst und oftmals eine unterlegene Rolle. Die meisten Nutzer eines Erotikportales suchen wohl kaum jemanden für's Leben. Vielmehr dient solch ein Forum dem Informationsaustausch zwischen Interessierten oder eventuellen Treffen zwecks Ausleben von sexuellen Phantasien. Die meisten User/innen haben bereits einen festen Partner und suchen zusätzlich einen bestimmten erotischen Kick.
Dennoch, für eine sexuelle Dauerfreundschaft ist bei der Wahl des Bettgenossen die gleiche Grundlage zu beachten, wie bei einem zwanglosen Treffen in der Kneipe um die Ecke. Damen sind zumeist sehr wählerisch und benötigen weniger visuelle Reize als viele ihrer männlichen Gegenstücke. Frau sollte sich vorstellen können, den Single-Herren auch als eine Art Freund anzuerkennen. Ein Schwanzbildchen ist oftmals das Letzte, womit sich eine Frau berechtigterweise zufrieden gibt.
Viele Damen in Erotikportalen klagen vor allem darüber, dass viele Männer sie als Freiwild oder gar Prostituierte ansehen. Den Herren der Schöpfung sollte jedoch klar sein, dass die Ladies, ebenso wie sie selbst, aus sexueller Lust oder eben einfachem Informationsaustausch in den Forenbereichen angemeldet sind.
Dies brachte mich nun auf die Idee, all diese Anbahnungsversuche aus der Sicht der Weibchen, zu beleuchten. Da ich partout nicht in der Lage war, mich auch nur im Entferntesten in die Gehirnwindungen einer Frau hineinzuversetzen (kein Mensch braucht mehr als drei paar Schuhe!), wagte ich ein paar wenige Interviews, deren Ergebnis mich wirklich faszinierte.
Suchen Frauen anders?
Unterscheiden sich einige Aussagen so gar nicht von denen der Männer, gehen andere wiederum in eine völlig andere Richtung. Hierbei muss nun erwähnt sein, dass sich bei all meinen Interviewpartnerinnen drei klare Verhaltensweisen herauskristallisierten.
Suchen manche Damen auf der einen Seite ihren Prinzen (nein, nicht den vom Albert!), tummeln sich andere nur aus Spass an der Kommunikation oder zum Zeitvertreib in allerlei rein virtuellen Betten. Die dritte Facette hierbei war, dass es durchaus Mädels da draussen gibt, die sich für eine schnelle Nummer, jenseits von Gefühlsduselei und Beziehungs-Wahn interessieren.
Wie sucht Frau denn nun eigentlich - vor allem, wie findet Mann heraus, was sie eigentlich möchte? Wie schon in meinem Erfahrungsbericht angedeutet, ist es für uns Jungs wahrlich nicht so leicht, hinter einem Avatar mit dem verheissungsvollen Titel "GeilesLustloch" eine wirklich emphatische Dame ausfindig zu machen, die tatsächlich bereit ist, eine dauerhafte, von Emotionen geprägte Beziehung einzugehen.
In der Prozedur der Profilgestaltung unterscheiden sich die Weibchen kaum von ihren männlichen Artgenossen, wobei unsere Ladies in der Auswahl ihrer Worte oftmals um einiges direkter sind. Frau von heute gibt sich nicht länger mit weniger zufrieden, so sind in deren Profilen oftmals klare Ansagen von "Männer bleibt mir weg" (Autsch!) bis zu "ich würde mich gerne von mehreren Männer gleichzeitig durchvögeln lassen" zu lesen.
Problematisch gestaltet sich dahingegen die Kontaktaufnahme, da unsere Gottesgeschöpfe zwar selbstbewusst genug sind, ihre sexuellen Neigungen in Form von multiple choice Antworten offen zu legen, sich dann aber doch lieber per Nachricht ansprechen lassen.
Auf meine Frage, warum Frau hierbei seltenst Eigeninitiative zeigt, bekam ich oftmals die lapidare Ausre...ähemm Antwort "dann bekomme ich schnell den Bitch-Stempel auf die Stirn".
Aha. So läuft das also! Mann wird faktisch (fucktisch?) genötigt, die Dame seines Herzens anzusprechen - um dann entweder, da er so gar nicht ihr Typ ist, in die offene Klinge ihres Hantaro Hanzai Schwertes zu springen, oder aber er ist der Lucky Guy und darf sich fortan mit ihrer Gegenwart schmücken.
Man kann es drehen und wenden wie man will, einen angenehmen Abend in der Realität zu erleben, ist kein Hexenwerk, sondern ein geschicktes Zusammenspiel aus Gepflegtheit, Charme, Mut und Respekt. Höflichkeit und auch mal ein Satz auf Kumpelbasis machen sympathisch und Sympathie ist der erste Schritt zum Erfolg. Authentizität ist das Zauberwort.
Wie dem auch sei, nach Jahren des virtuellen Austausches habe ich mir nun folgenden Notizzettel an den Monitor geklebt:
Merksatz: Verwechsle nie das Modell mit der Realität!
In der Praxis: Versuche nie, die Speisekarte zu essen.
Doch nun meine Lieben gehe ich Schuhe kaufen ... zusammen mit meinem Schatz.
© Bob Michaels aka Pandora










