Männer und Frauen – sind sie wirklich nicht in der Lage, sexuelle Begierden außen vor zu lassen, und eine rein platonische Freundschaft aufzubauen?
Wir gehen dem alten Harry & Sally-Problem auf die Spur…
Einfach nur Kumpels
"Eine rein platonische Beziehung zwischen Männern und Frauen ist ein Ding der Unmöglichkeit!" Das sagt zumindest meine Freundin Anja. Und will mir partout nicht abnehmen, dass ich mit Alex wirklich nur befreundet bin.
"Wir sind einfach nur Kumpels", versuche ich ihr zu erklären. "Ja, klar", grinst sie wissend, "wer’s glaubt wird selig".
Seit fünf Jahren sind Alex und ich befreundet. Kennengelernt haben wir uns an der Uni, da wir – wie praktisch – dasselbe Fach studiert haben. Seitdem sind wir quasi unzertrennlich. Wir diskutieren nächtelang, betrinken uns mit Rotwein und helfen uns gegenseitig durch das ein oder andere Tränental.
"Wie der dich immer anguckt", verdreht Anja die Augen, "der steht bestimmt auf dich." Sie versteht einfach nicht, dass es auch eine Freundschaft ohne sexuelle Anziehung zwischen Mann und Frau geben kann! Und dass es sie zwischen Alex und mir gibt, davon bin ich überzeugt!
Zielgehemmte libidinöse Beziehung?
Ich lebe ja auch nicht hinterm Mond. Dass sich aus der Trennungs-Standardfrage "Können wir Freunde bleiben?" keine platonische Freundschaft ergibt, daran besteht kein Zweifel.
Ebenso klar ist, dass es nicht funktioniert, wenn man sich endlich an seinen all-time-favourite Schwarm herangearbeitet hat, der aber gerade eine lange Beziehung hinter sich hat und "nur eine Freundschaft" will.
Statt Komplettabfuhr eine Freundschaft, mit einer Perspektive, dass irgendwann doch mal was gehen könnte – egal ob Beziehung oder Bettgeschichte? Na, kommt euch das irgendwie bekannt vor?
Hallo! Das ist eine zielgehemmte libidinöse Beziehung, das heißt eine sexfreie aber sexuell motivierte Beziehung, und damit KEINE gute Basis für eine Freundschaft. Hier ist es angebracht, seine Hormone zu zügeln und zur Abwechslung mal wieder sein Hirn einzuschalten. Finger weg!
Die Lösung: Fehlende Attraktivität
Daraus folgt: Eine so genannte "gegengeschlechtliche" Freundschaft funktioniert nur dann, wenn man einfach nicht der Typ des anderen ist – und umgekehrt.
Das Aussehen spielt keine Rolle, weil der Freund oder die Freundin nicht ins Beuteschema passt: Es interessiert nicht, ob "Mann" mit einer total dämlichen Frisur ankommt oder "Frau" sich schon fünf Tage nicht mehr die Beine rasiert hat.
Was nicht heißt, dass darüber nicht ausführlich gequatscht werden darf – auch wenn ich selbstverständlich niemals fünf Tage Wildwuchs zulasse. Das ist jedenfalls die Art von Freundschaft, die ich zu Alex pflege. Und, mal ganz unter uns, es ist sogar schon so weit, dass ich Alex eher als asexuelles Wesen sehe! Mit dem was anfangen? Unvorstellbar!
Gegengeschlechtliche Freundschaft: Ein Thema für die Wissenschaft
Ganz unrecht hat meine Freundin Anja wohl dennoch nicht, denn auch Wissenschaftler sehen Probleme in platonischen Freundschaften zwischen Männern und Frauen. Sie sind der Meinung, dass soziale Normen gegengeschlechtliche Freundschaften verhindern.
Aber Hoffnung naht: Durch den Wandel der Geschlechterrollen und der Angleichung männlicher und weiblicher Lebensgestaltungen sehen die Wissenschaftler die Chancen für Freundschaften zwischen den Geschlechtern steigen. Obwohl sie einschränken: Untersuchungen zeigen, dass Freundschaften zwischen Männern und Frauen weniger stabil sind als gleichgeschlechtliche.
Mann + Frau = Freundschaft?
Also, was ist dran an Anjas These, dass wahre Freundschaft zwischen Weiblein und Männlein unmöglich ist? Doch alles nur Hysterie? Egal ob Mann-Mann, Frau-Frau oder Mann-Frau, beim "Befreundetsein" gibt es keine Unterschiede? Vielleicht hilft ein Blick in einige Internetforen. Was denken denn andere darüber? Einiges macht mich stutzig.
Peter fragt zum Beispiel:
"Männer und Frauen sind einfach nicht für eine Freundschaft gemacht. Das klappt nicht! Also, ich bin ein Mann und ich hab’s echt versucht mit Frauen NUR befreundet zu sein, aber irgendwann ist doch immer was gelaufen oder es gab Eifersuchtsdramen."
Es muss doch noch andere Meinungen geben! Besteht denn noch Hoffung? Ja!
Susanna hat nur positive Erfahrungen gemacht:
"Ich habe viele männliche Freunde und wieso sollte ich mit denen nicht ‚nur’ befreundet sein? Eine Frau will NICHT mit jedem Mann ins Bett hüpfen, daher ist es gar kein Problem mit Männern rein platonisch befreundet zu sein."
Naja, wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen: Diesen Schluss lässt zumindest folgender Beitrag von der Forumsbesucherin Summserum zu:
"Ich hatte ungefähr vier Jahre nen besten Freund, der
- im ersten Jahr was von mir wollte (ich aber nicht von ihm),
- im zweiten Jahr war’s bei ihm vorbei und wir wurden dicke Freunde,
- dann im dritten Jahr war Funkstille (er hatte auf einmal ne Freundin...) und nun,
- im ausgehenden vierten Jahr sind wir besser denn je befreundet und können über alles reden,
nur dass wir dann "aus Versehen" im Bett gelandet sind.
Und das, obwohl ich dachte, dass die Phase vorbei wäre (bei mir sowohl als auch bei ihm). Aber wir verstehen uns immer besser! Trotzdem weiß ich, dass wir nie ein Paar werden, und das ist ok.
Ergo: Männer können DOCH mit Frauen befreundet sein.
Juchhu!"
Ob das jetzt eher meine oder Anjas Theorie bestätigt? Ich bin mir nicht sicher.
Habt Ihr schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht? Und zu welchem Schluss seid Ihr gekommen? Ist eine rein platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau möglich?










