Als Sozialtherapeut und natürlich auch als Privatperson beschäftigt sich Felix Ihlefeldt seit einiger Zeit mit besonderen Aspekten des Themenfeldes "Liebe, Partnerschaft, Sexualtität". So veröffentlichte er bereits das Buch "Abenteuer Hure", in dem er Frauen interviewte, die sich nebenberuflich prostituieren. In seinem neuen Buch "Wenn man mehr als einen liebt" beschäftigt er sich nun mit Lebensentwürfen fernab der "üblichen" monogamen Beziehungen.
Der Autor

Felix Ihlefeldt hat ursprünglich Theologie, später dann Sozialtherapie studiert und
arbeitet seit einigen Jahren in Berlin in unterschiedlichen Bereichen der Psychiatrie und als Krisenberater, hauptsächlich für Menschen mit Beziehungsproblemen.
Sein Interesse als Autor gilt dem Thema "Befreiung der Lust" aus dem Korsett von Konventionen und Moral. 2003 erschien sein Buch "Abenteuer Hure" in dem er Frauen interviewte, die sich nebenberuflich prostituieren und das interessante Einblicke in die Beweggründe dieser Frauen bietet.
Der Inhalt

Ist Monogamie das einzig wirklich funktionierende Beziehungskonzept? Schaut man sich die Realität an, so weiß jeder, dass es mit der so genannten "Treue", unter der in der Regel monogames Verhalten zu verstehen ist, oft nicht weit her ist. Das liegt an einer Vielfalt von Gründen, zu denen nicht nur solche wie ein "Mangel an Bindungsfähigkeit" gehören, sondern auch die Überfrachtung vieler Beziehungen mit Wünschen und Sehnsüchten, die auf Dauer von einem Partner allein nicht zu erfüllen sind.
Wie aber sind Alternativen auf Dauer lebbar? Um diese Frage zu beantworten, hat Felix Ihlefeldt 26 Frauen und Männer, die funktionierende und tragfähige Alternativen leben, gesucht und gefunden. Einige leben mehr oder weniger "Offene Beziehungen" zu zweit, andere verstehen sich als Trio, wobei die Zahl "drei" dann aufgrund weiterführender Vernetzungen eher das "Kernteam" beschreibt. Mit diesen hat er biografisch angelegte Interviews in Gegenwart des oder der Partner geführt und diese "Protokolle" in lesbare Erzähltexte umgearbeitet.
Kritik
Unser Mitglied kikkert hat sich ein paar Minuten freigeschaufelt und ihre Eindrücke zu dem Buch niedergeschrieben:
Hier geht es um Beziehung und Vertrauen. Es geht um Freiheit und Verbindlichkeit. Es geht um Verwechslungen und Irrtümer, was wie notwendig oder nur aus Konvention zusammenhängt. Es geht um Aufbruch und Erweiterung der uns seit Jahrhunderten vertrauten Monogamie, die für etliche Menschen nicht mehr lebbar ist. Und vor allem geht es um Ehrlichkeit und Offenheit – mit mir selbst und mit meinem/n Partner/n.
Und dann geht es darum, mitzuerleben, daß solche – noch – ungewöhnlichen Lebensformen bereits seit vielen Jahren erprobt werden und funktionieren können!
Ein Mut machendes Buch! Ein Zuversicht weckendes Buch!
- für alle, die suchen...
- für alle, die haben...
- und auch für alle anderen!
Denn den eigenen Horizont zu erweitern, tut jedem Menschen gut und verjüngt auf nachhaltige Weise... Es ist eine Einladung zu vorurteilsfreiem Begegnen und urteilsfreiem Zuhören.
Hier kommen mehr als zwei Dutzend Menschen zu Wort, die alle schon längerfristig als Paare oder Trios oder in größerem Geflecht besondere Lebensformen verwirklichen. Teils, weil sie schon immer etwas anderes suchten, als in der Umgebung vorgelebt wurde, teils, weil sie irgendwann unterwegs merkten, daß die zunächst von außen übernommenen Beziehungsmuster nicht länger für die eigene Entwicklung paßten.
Der Autor hat für die Wiedergabe dieser Erzählungen das biographisch angelegte Interview gewählt, in dem besonders gut der Aspekt der Entwicklung und Veränderung deutlich wird. Was mich sehr berührt hat beim Lesen, ist eben diese Tatsache, daß die Menschen direkt zu Wort kommen, ohne Kommentar, Zwischentext, Beurteilung.
Es ist, wie wenn ich selbst dem Erzählen zuhören würde – ganz unmittelbar. Lauter intensive Begegnungen. Lebendige Menschen erzählen von ihren Erfahrungen, von ihren Wegen, Irrwegen, Umwegen, neuen Wegen – wie sie immer mehr offen werden konnten für das Stimmige.
- Soll denn das Leben wirklich immer einfach, schnell und bequem ablaufen? Wäre das wirklich gut?
- Muss es Utopie bleiben, daß die Beziehungen zwischen Menschen zugleich stabil, elastisch und wandlungsfähig sein können?
Doch! Es geht! Zusammen leben! Miteinander die jetzt beste Lebensform zu entwickeln, ist möglich. Auch bei schwieriger Ausgangslage ist gute Lebensqualität schaffbar. Authentische Kommunikation ist lernbar. Es braucht allerdings viel Einsatz: intensives Engagement im Hören und Sprechen und die tiefe Bereitschaft, Krisen und Fehler als Chancen und Tore mit einzubeziehen.
Dem Autor gebührt hohe Anerkennung, daß er dieses wichtige Thema aufgreift und eine ihm adäquate Darstellungsform gefunden hat, die sowohl individuell, authentisch, lebenserprobt als auch zukunftsorientiert ist.
Mein Fazit: uneingeschränkt lesenswert!
P.S. Der kleine Dreckfuhlerkobold auf S.8 ist dabei besonders erheiternd: er hat statt "zweimal" "einmal" hingedruckt... selber nachlesen!
Leseproben
Kapitelauszug: "Wenn wir unsere Freiheit nicht hätten, könnten wir nicht heiraten."
Marina (25, Studentin) und Johannes (28, Programmierer)
Marina: Wir haben eine gute Gesprächsbasis. Ich bin so, dass ich Probleme einfach direkt anspreche. Und dann streitet man halt, aber es ist dann auch wieder gut, weil man irgendeine Lösung gefunden hat. Und das Problemlösen bin ich ja aus meiner Familie gewöhnt. Johannes brauchte mehr Zeit, sich zu öffnen und sich einzulassen. Insgesamt empfinde ich unsere Gesprächskultur als einen großen Reichtum. Von daher war es auch ein logischer Schritt, irgendwann über das Maß an Öffnung gegenüber anderen zu reden. Die Lösung lautete für uns: Mach was du willst, Grenzen sind Unsinn, aber wenn du mit jemand anderen schläfst, dann nicht in der eigenen Wohnung und auf jeden Fall verhüten. Sei ehrlich, erzähle davon und verhalte dich nach außen so diskret wie möglich. Damit ist gemeint, dass andere, die uns als Paar kennen, uns auch weiter so wahrnehmen sollen und nicht, dass dann jemand von uns auf der nächsten Party mit jemand anderem aufkreuzt. Es sollen also nur Leute erfahren, die das auch verstehen. Das hat auch ein gutes Jahr so funktioniert. Ich hatte zwei kleinere Affären, und mit einem Mann habe ich auch wirklich geschlafen. Das war so einer, der mal kurz durch mein Leben gestolpert ist und es war total easy. Wir haben uns gemocht und es war klar, dass das in keiner Konkurrenz zu meiner Beziehung mit Johannes steht.
Johannes: Ich war zu der Zeit eine Woche geschäftlich weg. Als Marina mich dann vom Flughafen abgeholt hat, war sie einigermaßen übernächtigt, denn sie hatte die Nacht mit ihm auf einem Dach verbracht und sich Berlin angeguckt. Da hatte ich das Gefühl, kaum bin ich eine Woche weg, da ist sie mit einem anderen zu Gange. Da kam schon ein bisschen Eifersucht auf. Ich fing an, mich mit dem anderen zu vergleichen. Natürlich war er größer und stärker, konnte Marina beim Tanzen auch besser heben und war insgesamt temperamentvoller. Da hat mich dann schon die Frage beschäftigt, in wie weit sie mit ihm etwas hat, was sie mit mir nicht hat. Aber umgekehrt konnte ich natürlich auch entdecken, dass sie mit mir auch vieles hat, was ihr der andere nicht geben kann. Und das wiegt viel schwerer. So wurde mir klar, dass ich keine Angst haben muss und dass Eifersucht gar nicht nötig ist. Ich glaube auch, dass ich insgesamt ziemlich wenig eifersüchtig bin. Soll es ihr doch gut gehen, solange ich nichts vermissen muss und sowieso, wenn ich verreist bin.
Marina: Wir haben natürlich immer wieder Gespräche gehabt über die Frage, wie geht es dir damit, wenn ich mich mit dem Mann treffe. Als ich dann wirklich mit ihm geschlafen hatte, bekam ich schon Schwierigkeiten bei der Überlegung, wie erzähle ich jetzt davon. Da hatte ich schon Angst, es könnte zu viel für Johannes sein. Ich selbst konnte die Dinge wunderbar voneinander trennen. Aber die Konventionen, dieses „oh Gott, ich bin jetzt fremd gegangen“, waren doch ein Stück weit in mir. Nur empfand ich das eigentlich alles ganz anders.
Johannes: Wir hatten es ja vereinbart, keine Grenzen gegenüber anderen. Aber für das Gefühl war es noch einmal etwas anderes, wenn der Fall dann wirklich eintritt. Da hat es schon etwas in mir gegrummelt. Ich fand für mich sehr gut, dass es mit den beiden langsam ging und sie nicht so schnell miteinander im Bett gelandet waren. So konnten wir uns beide emotional auch besser daran gewöhnen.
Marina: Die Affäre war auch schnell wieder vorbei. Nach einem dreiviertel Jahr habe ich dann Michael kennen gelernt. Der hat mich ziemlich beeindruckt und ich habe mich in ihn verliebt. Es kam zu etlichen Begegnungen. Das war heftig, weil von meiner Seite auch sehr viel Gefühl dabei war. Das fiel in eine Phase unserer Beziehung, die etwas schwierig war, weil es mir zu der Zeit nicht gut ging und ich überlegte, das Studium abzubrechen. Ich fühlte mich kraftlos und hatte keine Orientierung, was ich will. Und kaum ging es mir besser, begegnete mir Michael. Wir haben uns aber damit auseinandergesetzt und die Situation gut hingekriegt, denn ich habe gemerkt, wie wichtig mir Johannes ist. Wir waren ja zu dem Zeitpunkt schon ein paar Monate verlobt. Ich habe versucht mit Michael ein Stück Freiheit zu leben und bin hier ganz schnell an meine Grenzen gekommen, weil er meine Beziehung zu Johannes nicht akzeptiert hat. Er wollte mich allein für sich. Mit Johannes war es zwar auch teilweise nicht ganz einfach, aber durch unsere gute Gesprächsbasis sind wir dran geblieben. Und er hat auch von sich aus Interesse, weil er angefangen hat, sich mit „Polyamorie“ auseinanderzusetzen. Da war er auch das erste Mal ohne mich zu einem Treffen der Gesprächsgruppe und hat sich auch auf eigene Initiative in deren Mailingliste eingetragen. Dadurch hat er sich aktiv mit der neuen Situation beschäftigt. Ich habe es ganz gut geschafft, Johannes zu vermitteln, dass ich ihn liebe und dass ich die Beziehung nicht in Frage stelle. Die Frage war nicht, ob ich berichte, sondern wie viel erzähle ich. Wann ist es dem anderen genug? Wie viel Details kann ich erzählen? Das waren die Themen. Michael hat es aber überhaupt nicht für nötig gehalten, sich mit Johannes Existenz auseinanderzusetzen. Letzen Endes ist diese Beziehung genau daran gescheitert.
Johannes: Marina konnte mir in der Zeit glaubhaft machen, dass sie mich auch immer noch liebt. Ich habe dann herausgefunden, dass es blöd für mich ist, wenn sie spät abends noch nicht da war, mich mit der Frage zu beschäftigen, ob ich jetzt auf sie warten soll. Ich habe dann eben entschieden, nicht mehr zu warten.
Marina: Es ging um die Frage, wie organisieren wir es so, dass es für uns beide okay ist. Das haben wir ganz gut hingekriegt.
Johannes: Ich habe lernen müssen, auch nachzufragen, wenn mich etwas interessiert. Zum Beispiel hatte ich die Vorstellung, dass sie jedes Mal, wenn sie bei Michael war, Sex mit ihm hätte. Wogegen ich nur ein- bis zweimal die Woche mit ihr Sex hatte. Das fand ich irgendwie blöd. Als wir dann endlich darüber geredet haben, musste ich feststellen, dass die beiden nicht halb so viel Sex hatten, wie ich mir das ausgemalt hatte. Ich hatte mich nur nicht getraut zu fragen und sie nicht, es zu erzählen. Da mussten wir erst eine Linie finden, was und wie viel erzählt und gefragt werden kann.
Marina: Ich habe eine Ebene mit Johannes, dass wir mit solchen Situationen sehr konstruktiv umgehen können. So eine Außenbeziehung rückt die Themen wieder in den Vordergrund, die wir beiseite geschoben hatten. Diese Kleinigkeiten: Wer macht was und wann, wer hält was ein oder auch nicht. Plötzlich waren diese ungeklärten Dinge massiv im Weg. Verstärkt durch die andere Person. Wir haben aber den Weg gefunden, an diesen Stellen hinzusehen, was eigentlich dahinter steckt.
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Kapitelauszug: "Schritt für Schritt und gegen jede Regel"
Gerd (47, Ingenieur) Sybille (50, Ingenieurin) und Lydia (43, Softwaretesterin)
Gerd: Das Thema der Verantwortung für den anderen ist immer da, bei beiden. In dem Sinne, dass man sich darum kümmert, dass sich der andere wohl fühlt und dann dazu auch eine Meinung hat, weil man ja ein gewisses Verantwortungsgefühl hat. Aber ich fühle mich dann nicht wie in einer Art Vaterrolle, um wie aus einer patriarchischen Sicht heraus zu sagen: „Der ist aber nichts für dich“. Sondern es ist mehr die Sicht des Freundes, der nicht möchte, dass es dem anderen schlecht geht.
Lydia: Wenn wir schon in verwandtschaftlichen Kategorien reden, dann würde ich das brüderlich – schwesterlich nennen. So fühlt sich das für mich eher an. Sybille ist für mich wie eine Schwester im Hintergrund. Und er hat mir Sybille ja auch gleich von Anfang an „mit verkauft“.
Gerd: Ja, mich gab es ja nicht allein.
Lydia: Und das hat mich auch nicht gestört. Weder bevor ich Sybille kennen gelernt hatte, noch danach. Sie war auch keine Konkurrentin für mich. Da war ich eher rückwärts auf Ulla eifersüchtig, weil er immer so fürchterlich gelitten hat. Und am Anfang hat er mich immer noch verglichen und gejammert, das war nicht so gut zu vertragen.
Gerd: Aber es muss gewirkt haben, denn sie hat ja dann gesagt: „Dir wird ich es zeigen, ich hab das noch viel besser drauf“.
Lydia: Ich bin eben auch konkurrenzorientiert, ich gebe das unumwunden zu, bei mir funktioniert das tatsächlich. Ich gewinne entweder oder gehe. Und dann fühle ich mich einfach gut.
Sybille: Mir reicht es zu wissen, dass ich die Nummer eins bin.
Lydia: Mir auch.
Gerd: Wenn man da nicht ab und zu einen Ansporn gibt, dann bewegt sich nichts. Aber es sind ja auch beide Nummer Eins.
Sybille: Und mir ist auch wichtig, dass ich nicht allein auf diesem Sockel stehe. Man könnte sagen, wir sind wir eine Familie.
Gerd: Auch wenn wir uns nicht ständig sehen. Mit Lydia treffe ich mich einigermaßen regelmäßig in Abständen von ein bis zwei Wochen oder auch ein Wochenende lang, bei Sybille ist es eher schwankend. Da gibt es Zeiten, wo wir uns drei – vier Wochen gar nicht sehen, aber dann verreisen wir zum Beispiel eine Woche zusammen.
Sybille: Früher war das regelmäßiger, als er mit Ulla zusammen war, da haben wir uns öfter in der Woche getroffen und am Wochenende war er mit Ulla zusammen. Da war irgendwie alles organisierter. Aber ich finde das jetzt nicht schlechter als damals. Manchmal mag ich ein organisiertes Leben, aber auch nicht immer.
Gerd: Ein wichtiges Thema ist ja auch die Erotik. Nicht dass wir alle drei etwas miteinander haben, aber in gewisser Weise parallel. Und es ist ganz interessant, dass wir alle drei ein Interesse daran haben, das Spektrum der eigenen Erfahrungen zu erweitern, auch Grenzerfahrungen zu machen. Mir war auch lange Zeit nicht bewusst, dass Sybille sich da ein Stück entwickelt hat und ich dann plötzlich feststellen muss, sie beschäftigt sich mit ähnlichen Dingen wie ich – also Dinge aus dem SM – Bereich.
Sybille: Und zwar ganz praktisch, nicht bloß in der Phantasie. Die hab ich sowieso wenig, ich bin ja Ingenieurin.
Lydia: Gerd interessiert beim Bondage immer das Geknüpfe, und das interessiert mich nun überhaupt nicht. Mich interessiert mehr, wie sich das im Ergebnis für mich anfühlt. Und natürlich wie es aussieht, ich bin ja ein Augenmensch.
Sybille: Da bin ich aber auch Augenmensch, also für mich muss das auch schön sein und nicht einfach nur praktisch. Auf der Gefühlsebene brauche ich immer einen Anreiz. Ich muss irgendwas sehen oder hören, was mich stimuliert, und dann kommt dabei etwas raus. Genau kann ich es gar nicht sagen, vielleicht teilweise etwas Dominantes. Ich bin aber jetzt beim SM nicht auf eine Rolle fixiert, ich wechsle da munter, je nach Stimmung und kann auch ganz schön dominant sein und will es auch. Allerdings nicht bei Gerd.
Gerd: Ich lasse mich auch nicht gut führen. Bei mir ist das ganze mehr eine mentale, emotionale Angelegenheit. Wenn ich von Grenzerfahrung gesprochen habe, dann geht es mehr um psychische Grenzerfahrung. Das ist ein Thema, mit dem ich mich schon lange beschäftigt habe. Ich habe früher sehr intensiv Karate gelernt und das ist ja für den Betrachter von außen ja mehr erst mal eine technische Angelegenheit, aber für den, der sich darin ausbildet, ist es eine Frage der inneren Einstellung, der Mentalität, der Meditation und dies hat mich damals auch gleichermaßen interessiert – ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Technischen und den inneren Prozessen zu haben. Das bezieht sich auch auf die Sexualität. Eine rein technische Sexualität zu haben ist für mich völlig undenkbar, die Frage des Erlebens und was man dabei empfindet, spielt eine sehr große Rolle. Bis hin zum Tanzen. Tango tanzen. Wo eben auch ganz klar ist, wer führt und es auch kann. Wenn die Dame nicht folgt, nützt das ganze Führen nichts. Das funktioniert eben nur, wenn da ein enges Zusammenspiel ist. Dahin zu kommen, sich durch kleine Signale klar zu machen, wer hat jetzt die Führung, wer lässt sich führen, folgt, ist viel spannender als jetzt mit Brachialgewalt zu zeigen „ich bin hier der Meister, und mehr interessiert mich nicht.“ Und so zieht sich das in allen Bereichen durch. Das ist in der Sexualität so, das ist beim Tanzen so. Es ist die gleiche Energie. Die Japaner sagen, es gibt viele Wege und alle führen zum selben Ziel. Für mich ist das Eine vertikaler Sex, das Andere horizontaler. Oder vertikaler und horizontaler Tango. Und auch da spielen ja die ästhetischen Reize eine große Rolle. Da ziehen sich die Mädels dann hübsch an, mit Netzstrümpfen und hochhackigen Schuhen.
Lydia: Das macht Gerd eben auch attraktiv, diese Haltung.
Gerd: Wenn ich mal irgendwann keinen mehr hoch kriege, dann kann ich wenigstens noch Tango tanzen. .
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Details zum Buch
Wenn man mehr als einen liebt
Frauen und Männer erzählen von ihrer Art, Partnerschaft freier zu leben
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Paperback
Erschienen Dezember 2008
302 Seiten
Preis: 9,90 EUR
ISBN-10: 3896028588
ISBN-13: 978-3896028587
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