Das reich bebilderte Buch "Sündiges Berlin" ist ein voyeuristisches Zeitzeugnis vom Allerfeinsten und widmet sich der wohl offenherzigsten Phase unserer Hauptstadt: dem Berlin der Weimarer Republik ...
"Ich bin gerade aus dem Lande der Nackten zurückgekehrt, wo Männer, Frauen, Kinder, Greise, Familienväter und -mütter, Jungfrauen und Heranwachsende sich so zeigen, wie Gott sie schuf; sie baden, lachen, rudern, trinken und bereiten ihre Mahlzeiten im Zustande völliger Unbekleidetheit. Suchen Sie dieses Paradies auf Erden nicht auf den Antipoden. Es liegt bloß eine zwanzigstündige Reise von Paris entfernt. Im Herzen Europas: in Deutschland, um genau zu sein." Louis-Charles Royer, Au pays des hommes nus, 1929
Berlin, Bundeshauptstadt, Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland, Stadtstaat, bevölkerungsreichste und flächengrößte Stadt Deutschlands, ehemals durch eine Mauer getrennt und eine Weltstadt in Sachen Kultur, Politik, Medien, Wissenschaften und Sünde. Letzteres gilt auch und vor allem für die Zeit der Weimarer Republik, woran dieses reich bebilderte, prachtvolle Buch voller Zeitzeugenfotografien und Karikaturen ebenso erinnert wie die interessanten Abhandlungen zu allem, was man über das Berlin der 20iger Jahre wissen muss. Das Beste: Ihr könnt ein Exemplar des Buches gewinnen.
Die Inspiration für "Sündiges Berlin"
Der US-amerikanische Theaterwissenschaftler Mel Gordon war 1994 als Skriptautor und Regisseur eines Nachtclub-Auftritts der deutschen Königin des Punk, Nina Hagen, verantwortlich. Das Stück hörte auf den Titel "Die sieben Süchte und fünf Berufe der Anita Berber" und hatte das bewegte Leben von Anita Berber zum Inhalt, eine der glanzvollsten Persönlichkeiten aus der Zeit der Weimarer Republik. Die gebürtige Leipzigerin verletzte als Schauspielerin, Tänzerin und Selbstdarstellerin ganz bewusst gesellschaftliche und künstlerische Konventionen ihrer Zeit und trat in Hotelfoyers, Nachtclubs und Kasinos auf – bevorzugt nackt.
Anita Berber galt als verrucht, Vamp und Femme fatale, das Sinnbild des puren Exzesses und der neuen, begehrenden Frau zugleich und als die Verkörperung des weiblichen Bohèmiens. […] Ihre Hemmungslosigkeit verkörperte den wilden Drang ihrer Generation zu leben, ohne Gedanken an eine schon verlorene Zukunft. Sie war schon immer so, wie die Deutschen erst durch die Inflation wurden: verschwenderisch. Ricarda D. Herbrand (rdh, 2003): Göttin und Idol. Anita Berber und Marlene
Doch irgendwann hatten die Berliner genug von ihr und wurden der Berber überdrüssig. Sie starb 1928 völlig verarmt. Doch diesen Aspekt blendeten Nina Hagen und Mel Gordon aus. Sie sahen in ihr vielmehr die erste postmoderne Frau, deren Leben zelebriert werden musste, am besten in Form eines Kabarettabends, bei dem die wilden zwanziger mit den neunziger Jahren verschmelzen sollten.
Nur wenige Zeitzeugnisse künden vom sündigen Berlin
Dafür war natürlich ausführlichste Recherchearbeit notwendig. Dabei stellte Mel Gordon zu seiner Überraschung fest, dass erstaunlich wenige Schmuddelbilder aus der Weimarer Epoche erhalten waren. Selbst in zeitgenössischen deutschsprachigen Büchern zum Thema Weimarer Republik war nur eine kleine Anzahl der Art provokanter Bilder enthalten, die Gordon für die Umsetzung seiner Produktion benötigte.
Aus einer zunächst wenig aufwändig geglaubten Arbeit wurde eine mühsame Rechercheaufgabe, die erst Monate später zu dem gewünschten Ergebnis führte. Mithilfe privater Kontakte in Europa und unterstützt von Antiquariaten gelang es Gordon letztendlich ganze Kisten voller außergewöhnlicher Dokumente aus dem Berlin der Weimarer Zeit zusammenzutragen: Erotikzeitschriften, Postkarten, Programmhefte von Kabaretts, sexy Hotelbroschüren, galante Journale, verbotene Reiseberichte, illustrierte Sittengeschichten, Untergrundzeitungen, populäre, wöchentlich erschienene Krimis und frivole Reiseführer.
Material genug für sein Bühnenstück und mindestens ein Buch, rund um ...
Sex, Rausch & Perversionen im sündigen Berlin der 20iger
In der Mitte Europas, so warnte man damals die gebannt lauschenden Zuhörer, befand sich eine alptraumhafte Stadt, ein veritabler Sumpf zügelloser Gier und abwegiger lüsterner Neigungen. Der amerikanische Schriftsteller Ben Hecht, der sich selbst als Lebemann beschrieb und damals als Auslandskorrespondent für die "Chicago Daily News" arbeitete, bezeichnete die weitläufige Stadtlandschaft der Vor-Nazizeit kurz und knapp als "erstklassige Brutstätte des Bösen".
Verrucht und zwielichtig – so lebt das Berlin der 20iger Jahre bis heute fort. Bis heute gilt das damalige Berlin als Sinnbild für eine verkommene Stadt – als die moderne Antwort auf die Hure Babylon oder Sodom und Gomorrha. Kein Wunder, dass sich Regisseure, Musiker und Modeschöpfer noch heute von diesem dekadenten Charme inspirieren lassen.
"Sündiges Berlin" erzählt vom moralischen Zusammenbruch einer Stadt durch den Ersten Weltkrieg, der harten Inflationszeit und dem Aufstieg des Berliner Amüsierbetriebs zum internationalen Publikumsmagneten. Nach Berlin kam man nicht, um vornehm zu speisen. In Berlin lockte das sündige Abenteuer…
Themen der Rundreise durchs "Sündige Berlin"
Dabei sind die Filme, die diesen Zeitabschnitt hochleben lassen, ebenso Thema wie die Stars und Sternchen ebenjener Zeitzeugnisse, die noch heute unsere Vorstellungen dieser Epoche prägen. Genannt seien beispielsweise "Der blaue Engel" und sein Star Marlene Dietrich.
Neben diesen Betrachtungen der Zeitzeugnisse dieser Zeit geht es natürlich um das Berlin der Weimarer Republik und dessen Entwicklung zur "Stadt der Huren", um die aufkommende "Girlkultur", die rasant wachsende Berliner Schwulen- und Lesbenszene, die Offenheit der Berliner in Sachen Nacktheit und FKK und um die entstehende BDSM-Szene voller bis dato unbekannter Perversionen. Dank dieser sexuellen Offenheit entwickelte Berlin eine enorme Anziehungskraft auf Gäste aus aller Welt. Doch auch düstere Kapitel wie die zunehmende Kriminalisierung Berlins (Prostitution, Serienmorde, Drogenmissbrauch, kriminelle Machenschaften) werden nicht ausgespart.
"Und nun kommen wir zu der schäbigsten Unterwelt aller Städte – jener des Nachkriegs-Berlin. Seit der Friedenserklärung findet Berlin sein Heil in den schlimmsten Ausschweifungen, die man sich nur vorzustellen vermag. Der Deutsche ist abstoßend in seiner Amoral, er wünscht seine Halbwelt und seine zwielichtigen Vergnügungen ohne jegliche Kultur oder Verfeinerung; er genießt das Obszöne in einer Form, die nicht einmal die Pariser dulden würden." Netley Lucas, Ladies of the Underworld, 1927
Gordon gelingt es dabei spielend, beim Betrachter/Leser seines Buches Interesse für diese schillernde Zeit zu wecken. Er liefert zahlreiche Informationen und detaillierte Erläuterungen und taucht erstaunlich tief in Themen wie Fetisch, Homosexualität, Perversion, Drogen und sogar Okkultismus im damaligen Berlin ein. Das macht alles einen sehr deftigen, ja sogar verkommenen Eindruck, wird aber vermutlich genau deshalb dem damaligen Sittenbild mehr als nur gerecht. Eine fesselnde, voyeuristische, deftige, spannende und vor allem interessante Zeitreise … und eine nette Ergänzung zum üblichen Stadtführungsprocedere.
Alle Details zu "Sündiges Berlin"
"Sündiges Berlin – Die zwanziger Jahre: Sex, Rausch, Untergang" bietet auf 288 Seiten Voyeurismus im Großformat – unzählige Photographien, Aktbilder, zeitgeschichtliche Dokumente, tiefgründige Recherche und lasterhafte Anekdoten vom Berlin des Jahres 1919 bis 1933, als die Machtergreifung Hitlers den Lastern der Weimarer Republik ein jähes Ende setzte.
Ebenfalls enthalten ist ein 40-seitiger Reiseführer durch die sündigen und einschlägigen Lokalitäten des nächtlichen Berlins sowie eine 60-minütige Audio-CD mit Originalaufnahmen als Begleitmusik für den Trip ins "Sündige Berlin".
Sündiges Berlin - Die zwanziger Jahre: Sex, Rausch, Untergang
Originaltitel: Voluptuous Panic: Erotic World of Weimar (2008)
von: Mel Gordon
288 Seiten, Festeinband, Großformat 28×28 cm mit Audio CD
Erschienen im: Index Verlag
ISBN 978-393687822-6
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Taucht ein ins "Sündige Berlin"
Alle, die dank des Berichtes Interesse an den sündigen Seiten Berlins bekommen haben, sei noch eine Veranstaltung nahe gelegt. Am 25. Februar 2012 findet im Vorprogramm der Bohème Sauvage No.54 im Grünen Salon der Berliner Volksbühne eine Lesung und Bilderschau aus dem hier vorgestellten Buch statt! Dabei ist für eine stilvolle und durchaus aufreizende Atmosphäre gesorgt, sollen doch alle Gäste in stilechter 20er-Jahre-Garderobe erscheinen und wird man natürlich auf Dirnen, Gauner, Flapper und Gigolos treffen … Taucht also selbst ein in das "Sündige Berlin".
Gewinnt einmal das Buch "Sündiges Berlin"
Gemeinsam mit dem Index Verlag verlosen wir ein Exemplar von "Sündiges Berlin". Wenn ihr dieses interessante Buch gewinnen möchtet, solltet ihr folgende Frage beantworten können:
Wer führte Regie bei dem im Text erwähnten Filmklassiker "Der blaue Engel"?
Eure Lösung schickt ihr bitte per Clubmail mit dem Betreff "Berlin" an freeman.
Einsendeschluss ist Mittwoch, der 25. Januar 2012 um 23:59 Uhr.
Bei mehr als zwei richtigen Einsendungen entscheidet das Los und der Rechtsweg ist wie gewohnt ausgeschlossen.


















