Anna Bunt, die Autorin von "Subjektiv", hat lange devot gelebt, ohne dies so zu definieren. Erst nach Jahren wurde ihr bewusst, dass es für ihre Neigungen einen Namen gibt, und dass sie mit ihren Vorlieben nicht allein ist. Heute ist SM ein ganz normaler Bestandteil ihres Lebens. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie in dem Roman, den wir euch hiermit vorstellen wollen.
Die Autorin
Anna Bunt wurde 1980 in Süddeutschland geboren. Ihre erste große Liebesbeziehung war intensiv und verstörend, weil Anna ihre devote Neigung noch nicht benennen konnte. Sie begann, sich mit ihren komplizierten Sehnsüchten auseinanderzusetzen – ein langer, schwieriger und doch lustvoller Prozess, den sie in ihrem autobiographischen Roman einfühlsam schildert. Heute lebt sie in einer glücklichen Beziehung, denn sie hat ihren Dom für’s Leben gefunden.
Drei Fragen an Anna Bunt
- JOYclub: Wie viel von Ihnen steckt in der Figur Anna?
Die Figur von Anna ist zwar fiktiv, aber in gewissen Dingen weist sie Ähnlichkeiten mit mir auf, oder vielmehr mit der Person, die ich einmal gewesen bin. Im Buch werden die besonders tief greifenden Aspekte ihrer Persönlichkeit beschrieben, um die wichtigsten Stationen ihrer Entwicklung zu markieren. Es ging mir darum, Annas Weg zur selbstbewussten Sub zu zeigen - was ja auch ein Aspekt meines Weges zu mir selbst war.
- JOYclub: Wie fühlt man sich mit der Erkenntnis, devot zu sein?
Ich denke, die Reaktion darauf ist sehr individuell und auch davon abhängig, aus welchem sozialen Umfeld man stammt und welche Moralvorstellungen man erlernt hat. Für mich persönlich war die Erkenntnis, dass ich dominiert werden möchte, zunächst schwer zu akzeptieren. Zuvor habe ich jahrelang SM praktiziert, ohne das jedoch als solches zu definieren. Die Frage, ob ich SM vielleicht gut finde und ausprobieren sollte, hat sich mir daher nie gestellt. Erst später wurde mir klar, dass ich devot bin – was mich erst mal geschockt hat.
Ich habe sehr viel und sehr lange darüber nachgedacht, ob ich möglicherweise aus krankhaften Motiven handle, und ob ich Gefahr laufe, mir selbst zu schaden, ohne es zu merken. Meine erste Reaktion darauf war Rückzug. Nach einiger Zeit habe ich aber festgestellt, dass die Menschen in meinem persönlichen Umfeld viel weniger starre Moralvorstellungen haben als ich,
- JOYclub: Können Sie jungen Frauen, die merken, dass sie devot oder dominant sind, einen Rat geben?
Sie sollten keine Angst haben vor dem, was sie da spüren, und sich unbedingt auf die Suche nach Gleichgesinnten machen, Fragen stellen und viel nachdenken. Im persönlichen Kontakt mit Gleichgesinnten ist dann eine gesunde Portion Skepsis empfehlenswert, bevor man sich auf jemanden einlässt. Das Wichtigste aber ist: Es gibt keine festen Regeln, es gibt nur Individualität.
Man sollte auf seine innere Stimme hören und sich von niemandem erzählen lassen, was man aus irgendeinem Grund tun muss und wie man ein "richtiger SMler" wird. Man sollte sich immer gleichberechtigt austauschen können. Das "Spiel" kann erst dann beginnen, wenn beide Parteien eingewilligt haben und man sich darüber bewusst ist, was man tut.
Inhalt
Mit achtzehn verliebt sich Anna in den gut aussehenden Andi. Schon nach kürzester Zeit ist die Rollenverteilung zwischen ihnen klar: Andi bestimmt und Anna folgt. Gleich beim ersten Sex mit ihm erlebt sie einen Orgasmus, ihren allerersten überhaupt mit einem Mann.
Im Laufe ihrer turbulenten Beziehung benutzt Andi sie - wann, wo und wie er will. Doch Anna bereiten die körperlichen Schmerzen, die er ihr dabei zufügt, ein unerklärliches Wohlgefühl. Aber Andis Leben hat auch seine Schattenseiten, die Anna unerträglich findet und die schließlich zur Trennung führen.
Am Boden zerstört macht Anna sich wieder auf die Suche nach der Erfüllung ihrer Sehnsüchte: Sexabenteuer, Affären und Beziehungen reihen sich aneinander, doch niemand kann Andi das Wasser reichen. Am Ende findet Anna sich selbst - eine selbstbewusste devote Frau. Und dann ist da auch noch Logan, ein neuer Mann. Endlich einer, der ihre "Seele streichelt".
Themen des Buches
- Sadomasochismus und Romantik: Passt das eigentlich zusammen?
- Lebensentwürfe jenseits der Normalität: Ist SM mehr als ein Hobby?
- Mein Weg zu mir - mein Weg zum SM: Kann man devot und selbstbestimmt leben?
- Über die Stellung der Sexualität in der Gesellschaft: Ist SM kein Tabu mehr?
- Die neue Freizügigkeit: Warum schreiben Frauen heute so offen über ihr Sexleben?
Kritik
Unsere Userin sweetkiss07 hat sich des Buches angenommen. Hier ihre Meinung zu "Subjektiv"
Die erste Seite aufgeschlagen und schon ist man als Leser an das Buch gefesselt. Die Autorin schafft es mit wenigen Worten, dass man sich sofort in Anna hineinversetzen kann. Über die ganzen Kapitel hinweg fühlt man mit ihr, spürt sowohl ihre Erregung als auch ihre Ängste und Zweifel. Die sexuellen Handlungen sind so geschrieben, dass sie den Leser alles andere als kalt lassen, ohne dabei in die Sprache eines billigen Erotiktextes zu verfallen.
Anna Bunt gewährt gerade über diese sexuellen Handlungen einen Einblick in das Seelenleben einer Sub. Warum man sich nicht nur der Situation entziehen will, sondern sie gezielt herbeiführt, sie genießt und sich hingibt. Die Empfindungen der Demütigung werden sehr offen und gut dargestellt. Beim Lesen weckt sie geradezu die Sehnsucht danach. Und gerade diese Darstellung der devoten Empfindungen, addiert mit der offenen Beschreibung sexuell erniedrigender Handlungen macht den entscheidenden Unterschied zu herkömmlichen BDSM Büchern aus.
Gerade devote Frauen, welche noch in der Findung ihrer Sexualität sind, werden sich sicherlich in dem einen oder anderen Kapitel wieder finden. Aber auch für eine erfahrene Sub ist das Buch durchweg interessant. So manchen Schmunzler wird sie sich nicht verkneifen können, spätestens als Anna die verschiedenen "Herren" aus ihrer Internetsuche vorstellt.
Allerdings ist es auch erschreckend, zu sehen, mit welcher Naivität sie den einen oder anderen Dom trifft oder sich gar mit ihm einlässt. Das gibt einem doch zu denken und zeigt, dass die eigene Sicherheit immer vorgehen sollte, denn nicht jeder hat so viel Glück wie Anna mit ihrem Schutzengel.
Aber es zeigt auch, dass eine devote Frau sehr wohl ein gutes Selbstbewusstsein besitzt und dem Klischee vom eingeschüchterten Mauerblümchen widerspricht. Sie zeigt deutlich, dass es ihr Wille ist, sich einem Mann hinzugeben, dass sie nicht alles mit sich machen lässt, dass es Tabus gibt und dass man sie zu respektieren hat.
Was in diesem Buch sehr gut reflektiert wird, ist die Sehnsucht nach "dem Herren". Nachdem sie zu Beginn ihrer Sexualität von ihrer großen Liebe enttäuscht wird, versucht sie einen vergleichbaren Ersatz zu finden. Kann sich aber seelisch und körperlich nicht ganz von ihrem Ex abseilen. Was folgt ist eine Auflistungen von Männern, die ihr Leben durchkreuzen. Gerade gegen Ende ist die Auflistung fast ein wenig zuviel.
Subjektiv ist auf jeden Fall sehr flüssig geschrieben und liest sich sehr angenehm. Ich persönlich hatte es an einem Tag durch, da ich einfach gerne wissen wollte, wie es mit Anna weitergeht. Ich wollte sie endlich in sicheren Händen … in den Händen IHRES Herren wissen. Deshalb konnte ich "Subjektiv" einfach nicht zur Seite legen!
Leseprobe
Plötzlich fühle ich, wie mir ein heißer Tropfen auf die Brust fällt. Es brennt angenehm und lässt dann aber auch gleich nach. Der zweite Tropfen. Dann immer mehr in immer kürzeren Abständen. Das Wachs wird immer heißer, und ich genieße es. Ich spüre meinen Körper so stark wie selten: das angenehme Brennen und wie es langsam nachlässt. Wie es an einer anderen Stelle schon wieder beginnt, während es an der vorherigen noch abklingt.
»Welche Farbe hat die Kerze?«, will ich wissen. »Schwarz«, antwortet er. Ich dachte, sie wäre weiß.
Jetzt konzentriert er sich nur noch auf meine Brüste. Lässt in ganz kleinen Abständen immer schneller das immer heißere Wachs auf mich tropfen. Es geht an die Schmerzgrenze, und ich bin froh, als er sich mehr in Richtung Bauch bewegt. Langsam wandern die Tropfen nach unten. Unter dem Bauchnabel wird das Brennen stärker, und als es tiefer und tiefer geht, halte ich es kaum noch aus. Doch nur ein paar Tropfen lässt er zwischen meine Beine fallen, bevor er die Kerze ausbläst.
Ich liege eine Weile da und befinde mich in einem sehr tiefen Entspannungszustand. Meine Geilheit hat etwas nachgelassen. Es ist alles noch viel schöner, als ich es mir immer erträumt habe, und ich kann gar nicht sagen, woher dieses Glücksgefühl kommt.
Und in dem Moment wird mir bewusst: Dieser Mensch kümmert sich gerade so intensiv um mich, wie es selten jemand getan hat. Ganz ohne seine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Logan hat mich bisher kaum gestreichelt oder angefasst, noch hat er mich geküsst. Aber ich fühle mich wie nach einer Wellnessbehandlung. Es ist wohl das, was man die ›Seele streicheln‹ nennt. Ich bin ihm unendlich dankbar und möchte am liebsten aufstehen, ihn umarmen und meinen Kopf in seinen Schoß legen.
Ich weiß, dass ich heute keinen Orgasmus mehr haben werde und das stört mich nicht mal. Ich brauche ihn nicht. Ich befinde mich in einem Zustand der völligen Entspannung und des absoluten Glücks, den kein Orgasmus hervorrufen könnte. Nie war ich mir meiner devoten Neigung so sicher wie in diesem Moment.
Logan holt mich aus meinen Gedanken: »Geh ins Bad und mach das Wachs ab.«
Blind taste ich mich durch meine Wohnung und finde problemlos den Weg. Ich klettere in die Badewanne und entferne das Wachs gründlich. Dann gehe ich zurück Richtung Wohnzimmer und höre ihn von der Couch aus sagen:
»Komm her. Auf Knien.«
Ich krabble wieder auf ihn zu und taste nach seinem Oberschenkel. Schon lange denke ich nicht mehr an die peinliche Nacktheit. Ich fühle mich wohl, so wie ich bin.
Buchdetails
Subjektiv
Aus dem Leben einer devoten Frau
von Anna Bunt
Taschenbuch, 256 Seiten, Paperback
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Veröffentlichungsdatum: 1.5.2009
ISBN 978-3-89602-552-4
Ihr könnt das Buch über unseren JOYclub-Buchshop für 9.90 EUR ordern.








