Die erotische Kurzgeschichtensammlung "Schwarz ist die Farbe der Liebe" beinhaltet 15 lesenswerte, ehrliche und tabulose Geschichten über Dominanz und Unterwerfung. Vier in der SM-Welt anerkannte Autorinnen tragen mit ihren Geschichten ein Sammelsurium an verschiedenen Sichtweisen der schwarzen Liebe zusammen. Unser Mitglied kithi_k stellt euch das Buch näher vor.
Geschichten, die Grenzen überschreiten
15 grenzüberschreitende Erzählungen sind in dieser aufregenden Anthologie versammelt: "Der Yoga-Kurs" von Anna Bunt handelt von einer Frau, die ihr Familienleben aufs Spiel setzt, um dem Alltag zu entfliehen. In einem heruntergekommenen Haus wartet sie jeden Mittwoch mit verbundenen Augen auf fremde Männer und ihren Herrn.
In "Dein Blick, vor all den Jahren" beschreibt Cornelia Jönsson die zufällige Begegnung einer Frau mit ihrer unvergessenen Jugendliebe. Es ist die Intimität der kindlichen Indianerspiele im Wald, die sie als Erwachsene mit Machtspielen vergeblich wiederzufinden versucht.
Anouk S. erzählt in "Angekommen" die Geschichte von Sarah, einer jungen Frau, die sich mit 13 unglücklich in ihre strenge Reitlehrerin verliebt. Erst viele Jahre später, in der Großstadt, findet sie das Wort für ihre brennende Sehnsucht: Sadomasochismus.
Kyrill heißt der Internetfreund, den Julia Strassburgs Protagonistin in "Marionette auf Zeit" nach einem Jahr intensiver Chats endlich kennenlernen will. Es ist eine heiße Sommernacht, in der sich ihre Wünsche beinahe erfüllen und sie sich in eine gefügige Puppe verwandelt.
"Schwarz ist die Farbe der Liebe" enthält diese und mehr ungewöhnliche Geschichten über die dunkle Seite der Liebe und die Schönheit des Schmerzes. Triebe werden kombiniert mit Zärtlichkeit, viel Gefühl und es herrscht eine offene Atmosphäre in jeder Story.
Unser Mitglied kithi_k hat das Buch für euch genauer in Augenschein genommen. Hier ihre Erkenntnisse …
"Schwarz ist die Farbe der Liebe" im JOYclub-Test
"Schwarz ist die Farbe der Liebe" ist ein Buch mit SM-Erzählungen bzw. Kurzgeschichten von Cornelia Jönsson, Julia Strassburg, Anna Bunt und Anouk S. Die erfahrenen SM-Autorinnen erzählen hier über das leidenschaftliche Spiel mit Dominanz und Unterwerfung. Die erste Liebe wird durchlitten, Blind Dates entwickeln sich zu Abenteuern, Freundschaften werden auf die Probe gestellt und aufwühlende Dreiecksbeziehungen führen zur totalen Selbstaufopferung. Es sind Geschichten, die Grenzen überschreiten und die dunkle Seite der Erotik ergründen.
Cornelia Jönssons Geschichten kitzeln das Kopfkino
Cornelia Jönsson, Jahrgang 1980, lebt in Berlin und veröffentlichte bereits zahlreiche Bücher zum Thema SM, darunter ihre erfolgreiche "[Spieler unter sich|Spieler]]"-Trilogie.
Die ersten drei Kurzgeschichten von Cornelia Jönsson im Buch "Schwarz ist die Farbe der Liebe" drehen sich zumeist um die Vergangenheit ihrer Figuren und die Sehnsucht danach, was gewesen wäre, wenn…
Sie regt zum Nachdenken an und kratzt das Thema der Selbstaufopferung / der Selbstaufgabe an. Die Figuren sehnen sich nach etwas, was sie in ihren Augen nicht haben können. Sie verzehren sich nach der ersten großen Liebe, die sie Jahre später wieder treffen, aber sie unternehmen nichts, um wieder Kontakt zu den jeweiligen Personen zu bekommen. Doch sie erinnern sich gerne an die Zeit der ersten Liebe/Verliebtheit und stellen sich vor, wie es hätte sein können ... ohne der Person ihr jetziges Glück zu missgönnen.
Cornelia Jönsson hat die Fähigkeit mit klaren Worten Erinnerungen aufleben zu lassen und streut dabei SM-Praktiken und ein wenig Erotik mit ein, ohne dass dies aufdringlich erscheint. Es sind Kurzgeschichten, die einen selbst in Erinnerungen schwelgen lassen.
Die folgenden Kurzgeschichten der Autorin drehen sich um die Zwiespältigkeit in einer Person, die die Dominanz mit sich bringen kann. Es entsteht der Eindruck, dass es schwierig zu meistern ist, die Dominanz, das schlechte Gewissen und die Zärtlichkeiten in einem für alle Beteiligten explosiven/geilen Gleichgewicht zu halten. Zudem deutet die Autorin auch die Verantwortung der dominanten Person der devoten Person gegenüber an.
Cornelia Jönssons Erzählungen lassen mich in die Charaktere ihrer Kurzgeschichten einfühlen, so dass ich nachempfinden kann, warum sie so oder so gehandelt haben, obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes gewollt hatten. Sie zeigt mir, dass die mir bisher unbekannte Welt des SM Aspekte hat, die auch ich bereits kenne, ohne der SM-Szene anzugehören. Und gerade die letzte Kurzgeschichte von ihr hat es mir angetan, lässt mein Kopfkino anlaufen und jagt mir Schauer über den Rücken.
Julia Strassburg entführt in neue Welten
Julia Strassburg wurde 1978 in Hannover geboren und studierte Grafikdesign in Hamburg. Ihr erster Roman "Was sie will" erschien 2010.
Ihre Geschichten führen mich in eine völlig neue, mir unbekannte Welt. In der ersten Geschichte erzählt sie sehr anschaulich über das Treffen von Internetbekanntschaften, die alles übereinander wissen, sich aber nie gesehen haben. Dabei streut sie einiges ein, was SM so auszumachen scheint.
Auch in der zweiten Geschichte entführt sich mich in eine Welt voller Kopfkino, in der für mich noch wesentlich deutlicher die Gewohnheiten und die "Normalitäten" der SM-Szene geschildert werden. Eine Mischung aus Schlägen und Zuneigung, aus Alltag und Flucht in eine andere Welt, aus Rollen und dem eigenen Ich.
In ihrer dritten Geschichte geht es um eine jahrelange Freundschaft zwischen zwei Freundinnen, die irgendwann geprägt ist durch ihre Vorlieben zu schlagen bzw. geschlagen zu werden.
Meiner Meinung nach schreibt Julia Strassburg sehr anschaulich und hat für mich eine echte Kopfkinogarantie. Es lohnt sich, ihre Geschichten zu lesen.
Anna Bunt und ihr Gefühlschaos
Anna Bunt wurde 1980 in Stuttgart geboren und lebt heute auf Rhodos. 2009 erschien ihr Debütroman "Subjektiv".
Sie hat einen Schreibstil, der mich nicht die Worte lesen lässt, sondern einen Film in meinem Kopf startet. Gerade ihre zweite Geschichte ist ein Wirrwarr aus gegensätzlichen Gefühlen, das man einfach nur als Gefühlschaos deklarieren kann.
Anna Bunt liefert Hammer-Geschichten, die zum Träumen einladen, auch wenn nicht alles in diesen Geschichten mein persönlicher Fall ist.
SM im Teenageralter beschäftigt Anouk S.
Anouk S., 1980 im Rheinland geboren, promovierte in Philosophie und legte 2009 den Erzählband "Der Gedanke" vor.
Ihre Geschichten drehen sich sehr um das Bedürfnis nach Schmerz. Wie dieser Wunsch schon im Teenageralter entstehen kann und wie sich die Teenager selbst verleugnen, weil sie angeblich nicht der "Norm" entsprechen. Sie beschreibt sehr authentisch diverse SM-Praktiken, wie sie wohl auch in der Realität Menschen mit dieser Neigung ausleben.
Anouk S. liefert sehr anregende Geschichten für Personen, die auf Schmerzen stehen, bzw. darauf stehen, Schmerzen zuzufügen. Mein persönlicher Fall ist diese SM-Facette nicht, da ich nicht auf Schmerzen stehe, die über einen gelegentlichen Klaps hinausgehen.
Ein Buch für Leser, die SM lieben und leben
Das Buch hält sehr viele Anregungen für Leute aus der SM-Szene parat, die die verschiedenen Facetten des SM lieben und leben. Ich persönlich gehöre dieser Szene nicht an, doch bin ich an dem Bereich "Dominanz und Devot" sehr interessiert und habe durch einige Erzählungen einen kleinen Einblick in diesen Bereich gewährt bekommen.
Den Preis von 9,95 EUR ist das Buch in jedem Fall wert und auch für Leute wie mich, die nicht in der SM-Szene aktiv sind, hält das Buch viele Anregungen und Kopfkinomomente bereit. In meinen Augen lohnt es sich durchaus, sich dieses Buch zu kaufen und in diesem zu stöbern. Mir sagen zwar nicht alle Erzählungen zu, aber doch so viele, dass ich mir das Buch kaufen würde, wenn ich es nicht bereits hätte.
Alle Details zu "Schwarz ist die Farbe der Liebe"
Schwarz ist die Farbe der Liebe
Ungewöhnliche Geschichten über die dunkle Seite der Liebe und die Schönheit des Schmerzes
von: Cornelia Jönsson, Julia Strassburg, Anna Bunt, Anouk S.
Taschenbuch, 288 Seiten
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Auflage: 1 (11. April 2011)
ISBN: 978-3842355910






