09.08.2011

Schlampen-Internat

Sexuelle Ausschweifungen hinter Internatsmauern

Fernab der behüteten Heimat und elterlichen Fürsorge reifen Kinder im Internat zu jungen Erwachsenen heran. Dass sie im Zuge dessen dort dann auch ihre Sexualität entdecken, ist ein Thema, das der erotischen Literatur schon Werke wie Sandra Henkes "Mädcheninternat" beschert hat. "Schlampen-Internat" schlägt nun in eine ähnliche Kerbe und thematisiert Erotik hinter Internatsmauern. Wir haben die Sie des Profiles Glutsturm gebeten, das Buch für uns in Augenschein zu nehmen.

Es geht hoch her im "Schlampen-Internat"

Folgt der Autorin Mandy Fox hinter die Mauern eines strengen Internats ... Hier treiben es nicht nur Schüler, sondern auch deren Lehrer miteinander. Von den Eltern ganz zu schweigen ... In dieser Erziehungsstätte haben es alle faustdick hinter den Ohren!

Erotischer Roman? Fehlanzeige!

Schlampen-Internat
Schlampen-Internat

Lese ich die obige kurze Inhaltsangabe des Buches "Schlampen-Internat", dann denke ich an einen erotischen Roman mit zahlreichen frivolen Passagen. Schüler, die gegenseitig ihre sexuelle Lust entdecken, heiße Partys veranstalten und ein heimliches, sexuell-freizügiges Teenie-Leben im Internat genießen. Dazu kommen Lehrer, die sich ebenfalls in die Story eingliedern und Eltern, die zu Lehrerveranstaltungen geladen werden, sich kennenlernen und für mehr offen sind.

Ein strenges Internat bedeutet für mich, dass ich den Rahmen des Romans beschrieben bekomme. Ich möchte mir das Internat und all seine Gepflogenheiten, Lehrer und Regeln vorstellen können, ehe die ach so strenge Lehrerin sich einen Neuankömmling im Internat ins Bett holt. Zwar lerne ich in diesem Buch jeden einzelnen Charakter kennen - doch dies beschränkt sich fast ausschließlich auf äußerliche Merkmale.

Die sogenannte Protagonistin, die im Schlampen-Internat gleich mehrmals von Bett zu Bett (oder Baum zu Baum) hüpft, ist für mich eine vollkommen Fremde. Ich kenne jeden Winkel ihres Körpers, der sehr detailliert beschrieben wird, doch ihre Gedanken, ihre Geschichte und ihr Charakter sind mir fremd.

Kurze Storys ohne Tiefgang

Ich habe erwartet, dass sich dieser Roman zu einer Geschichte zusammenfügt. Anstatt einer vollständigen Story mit Anfang und Ende, Tiefgang und Zusammenhängen, erhalte ich im Buch "Schlampen-Internat" nichts weiter als aneinander gereihte Sex-Geschichten verschiedener fiktiver Schüler, Lehrer und Eltern. Die Haupt-Protagonistin Julie vergnügt sich - ihr Bruder vergnügt sich - dessen Zimmergenosse vergnügt sich - usw.

Sicher hängen all die Charaktere miteinander zusammen, doch die Kapitel sind wahllos und vor allem lieblos aneinandergereiht - eine schlechtere Story kann es in einem Roman gar nicht geben. Das Problem ist ganz klar die falsche Erwartungshaltung. Auf dem Buchcover steht klar und deutlich "Erotischer Roman". Weshalb, frage ich mich? Wie wäre es stattdessen mit "55 heiße Kurzgeschichten" oder "Schüler, Lehrer, Eltern - 55 sexy Storys"?

Meine Erwartungen an die Worte "Roman" und "erotisch" wurden leider nicht erfüllt. Erotisch ist für mich NICHT die Kerze, die in einer sonst eher pornografischen Situation angezündet wird. Erotisch ist für mich auch NICHT das raschelnde Laub, welches sich beim schnellen Sex am Baumstamm durch die Luft bewegt.

Rein körperlich gesehen hat die Autorin (bzw. der Autor – denn ich meine zu behaupten, dass das Buch von einem Mann geschrieben wurde und Mandy Fox nur ein Pseudonym ist) es gar nicht schlecht gemacht. Das Buch ist so vulgär geschrieben, dass es schon fast wieder gut ist. Zwar bleibt für meinen Geschmack die Story absolut auf der Strecke und der Begriff "Roman" darf für dieses Buch nicht ansatzweise verwendet werden. Dafür regen die frivolen und ziemlich vulgären Kurzgeschichten durchaus die Gedanken an.

Prengel, Muffe und Lattenrohr

Über die Aussprache im "Schlampen-Internat" lässt sich definitiv streiten. Unterhalte ich mich mit meinem Mann oder einer Freundin über das Buch und deren Ausdrücke, dann schmunzeln wir über die extreme Kreativität des Autors. Wir schütteln den Kopf und belächeln die Ausdrücke, die von vulgär, abstoßend, zärtlich bis hin zu absurd gehen.

Lese ich das Buch alleine - still und nur für mich - dann sind diese Ausdrücke in genau diesem Buch durchaus passend. Gerade weil es nur einfache Kurzgeschichten ohne viel Tiefgang sind, darf diese vulgäre Aussprache benutzt werden. Würde ich eine gesamte zusammenhängende Story mit diesen Ausdrücken lesen müssen, dann wäre ich spätestens bei der Hälfte des Buches genervt.

So lese ich Kapitel für Kapitel und akzeptiere in diesem Fall die extremen Begriffe von Brust, Schwanz und sämtlichen anderen Körperteilen. Seht ihr? Selbst ich finde für gewisse Dinge keine Namen, bin aber auch mehr mit dem Fühlen beschäftigt, als mir vulgäre Namen für meine ... ähm ... Möse, Muffe, Grotte, Schacht, Dose, Fotze, Furche, Loch auszudenken ... mit Sicherheit habe ich noch mindestens zehn weitere Begriffe vergessen.

Wenn wir noch mit Fickmilch, Lustprengel, Lötkolben, Ficköl, Mösensaft, Mädchentitten weitermachen, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung von der Ausdrucksweise des "Schlampen-Internats". Übrigens könnte ich das ewig weiterführen – dafür schlage ich irgendeine Seite des Buches aus, tippe auf eine Zeile und habe mit Sicherheit wieder ein neues Wort parat.

Porno-Feeling incoming!

Aus Pornos sind wir mitunter absolut unmögliche Szenen gewöhnt. Das Gute daran: wir erwarten auch gar nicht mehr als kreativen, simplen und heißen Sex. In Frauen-Pornos kommen noch ein paar Federn und attraktive Männer hinzu und das Vorspiel dauert eine halbe Stunde länger. Die Fakten jedoch sind immer wieder gleich - so auch im "Schlampen-Internat". Außerdem gibt es jede Menge Logik- und Inhaltsfehler, die mich entweder belustigen oder aber sogar nerven:

  • Frauen sind immer schlank, haben durchtrainierte Bäuche, muskulöse Beine. Seltsamerweise "nur" kleine Brüste.. da hat sich wohl die Vorliebe des Autors eingeschlichen.
  • Männer haben immer "armlange- oder gurkendicke Prengel".
  • Alle Frauen und Männer sind immer rasiert oder so alt, dass sie es nicht mehr müssen.
  • Alle Frauen und Männer sind immer geil, immer willig, fühlen sich niemals schlecht, alle Frauen sind immer feucht, Männer haben immer einen Ständer - außer sie schlafen - und selbst dann lassen sich ihre Schwänze eine halbe Stunde lang massieren und spritzen dann tatsächlich ab ... schlafend!
  • Frauen können Männern auch einen blasen, wenn sie gerade einen Knebel im Mund haben ... sehr interessant.
  • Peitschenhiebe verursachen im Buch immer richtig blutige Striemen. Machen die Jungs da etwas falsch oder hat der Autor eine zu heftige Einstellung zum Thema? Ich werde auch gerne gepeitscht und das nicht zu knapp - geblutet hat mein Popo davon noch nie.
  • Anal-Sex ist die einfachste Sache der Welt und auch beim ersten Mal kein Problem, solange möglichst hart und schnell zugestoßen wird. Rantasten? Nö, nicht im "Schlampen-Internat".
  • Alle Männer mögen Prostata-Spiele. Soso …
  • Frauen spritzen immer ab und das möglichst meterweit. Sie triefen den Teppich voll, stöhnen immer absolut brünstig und stehen immer auf das Schlucken von Sperma. Willig, geil und für absolut alles offen!

Thematisch sehr grenzwertige Storys

Grundsätzlich finde ich es sehr gut, dass diese Kurzgeschichten sehr viele verschiedene Arten von Sex ansprechen und für jeden Geschmack etwas auf Lager haben. Bei einigen Geschichten musste ich mich aber wirklich zusammenreißen, um nicht doch vorzublättern.

Der "erotische Roman" beginnt damit, dass der große Bruder auf die kleine Schwester im Internat aufpassen soll. Nach einer Autopanne (die nicht näher beschrieben wird) landen beide im Hotel und im Bett. Praktischerweise sind sie nur Stiefgeschwister und können sich dieses Treiben leisten. Nun gut. Im Internat angekommen wird der große Bruder von der ach so strengen Lehrerin vernascht.

Ältere Frauen ... gut, okay ... warum nicht jeden sexuellen Geschmack ansprechen? Ich hätte bis hierhin gerne schon mehr vom Internat selbst gelesen, doch Kapitel für Kapitel geht es weiterhin nur um einzelne Sex-Storys. Die "kleine Schwester" bekommt ihr Zimmer gezeigt und landet flink mit ihrem Mentor im Bett. Den sieht sie danach zwar nie wieder, aber das hat immerhin ein Kapitel gefüllt.

Zwar weiß der Leser nicht warum und wieso, doch die kleine Schwester hat Probleme in Biologie und schaut bei einem Schüler vorbei, der gerade Mathe lernt. Beide landen im Bett, probieren SM- und Anal-Sex aus und holen glatt einen dritten Mitspieler zu sich. Plumper geht's gar nicht.

Zwischendurch gibt es ein paar Storys von Eltern oder Lehrern, die ebenfalls ihre sexuellen Gelüste ausleben. Entweder alleine mit einer Banane, während der Mann daneben liegt, oder einfach zu zweit, ganz simpel.

Schlucken musste ich dann, als ich feststellte, dass die nächste Geschichte von dem Zimmergenossen des großen Bruders handelte, der gerade seine Mutter besuchte. Leibliche Mutter wohlgemerkt. Ich habe mich mehrmals vergewissert, dass ich gerade tatsächlich eine Story lese, in der Mutter und Sohn übereinander herfallen und sich anal, oral und klitoral befriedigen.

Als anschließend zwei Seiten Herbstwälder beschrieben wurden und die dicken geilen Euter von Kühen auf der Wiese, wurde mir schon etwas anders. Kommen da etwa noch Tiergeschichten? Oder kramt bald jemand noch eine Leiche raus? Macht das Buch wenigstens vor Kindern Halt oder geht's vom Sohn noch weiter hinab in Sachen Altersgrenze?

Hier kommt das Positive

Ja, ich weiß. Ich verteile gerade jede Menge Kritik und habe fast nichts Gutes über das Buch zu sagen. Aber eben nur fast! Wenn man einmal vom Lötkolben, der Muffe und der Fickmilch absieht, dann ist der reine Sex-Akt wirklich sehr gut beschrieben. Abgesehen von den heftigen Story-Ausnahmen haben mir die Fantasien auch sehr gut gefallen. Wenn die Lehrerin im Bett neben ihrem Mann liegt und ein Buch über Swinger liest, dann muss ich schmunzeln.

Zwar wecke ich dann lieber meinen Mann, als zu einer Banane zu greifen, aber Lust hat die Passage trotzdem gemacht. Auch die Geschichten über das Auspeitschen und Fesseln fand ich sehr erotisch, wenn ich auch die blutigen Striemen im Text als wenig antörnend empfunden habe.

Nachdem ich akzeptiert hatte, dass ich keinen erotischen Roman mehr bekommen würde, sondern "nur" eine Aneinanderreihung verschiedener Sex-Storys, konnte ich mich mehr und mehr auf das Buch einlassen. Ich habe es als Anregung für die Gedanken empfunden, weil durchaus wirklich sehr viele Fantasien angesprochen werden. Dreier, SM, Bondage, ältere Frauen, oral, anal, Prostata-Massagen, Duschen, Massieren, Sex im Freien oder mit ungewöhnlichen Leuten usw. - ich denke, dass es wirklich eine ganz schöne Sammlung der Gelüste verschiedener Menschen ist.

Falscher Titel, heftige Ausdrucksweise, aber nette Kurzgeschichten

Thematisch ziemlich in Ordnung, aber von der Ausdrucksweise her absolut nicht gängig. An diesen Slang muss man sich erst einmal gewöhnen, wenn man denkt, dass man einen erotischen Roman gekauft hat. Mein Mann und ich haben aus Spaß tatsächlich einmal ein paar dieser Wörter beim Sex in den Mund genommen und mussten dabei so lachen, dass es schon wieder gut war.

Wenn ich ihn bitte, seinen "harten geilen Lustprengel in meine triefende Muffe zu versenken wie ein brünstiger Elch"... ähm ... ja ... dann schaue ich mir doch lieber einen Porno an - dort fallen wenigstens die plumpen Ausdrücke weg, aber die Handlung ist die Gleiche. Und genau das ist mein Fazit: Gefühlte 100 zehnminütige Pornos aneinandergereiht und aufgeschrieben. Kurz, einfach, locker und sexy.

© Glutsturm

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Kommentare

@Glutsturm

Tolle Rezzi - Kompliment !

Du hast die Mängel dieses Werks wirklich erstklassig zusammengefasst.

Besonders die immer absurder werdenden Ausdrücke fand ich am Ende wirklich immer nur noch lustig.

Liebe Grüße, Peter *wink*

(der froh ist, mit seiner eigenen Bewertung des Buches offensichtlich nícht ganz alleine zu sein.)
Buch abzugeben

Hallo, ich hatte das "Vergnügen" das Buch VOR dieser Rezension zu kaufen und anzulesen.. dass ich nicht weit kam, ist der Tatsache geschuldet, die hier öfters angemerkt wird:

Es handelt sich NICHT um einen erotischen Roman.. weder noch.

darum liegt das Buch jetzt halb angelesen neben meinem Bett. Wer es mir (für weniger als den vollen Preis versteht sich, aber inkl. Porto) abkaufen will, ist herzlich eingeladen, mich anzuschreiben.

Ansonsten kann ich Glutsturm nur beipflichten.. danke für die Rezension. Sehr gut gemacht.

Grüße
cat
Kompliment an die Rezensentin

Eine wirklich differenzierte Kritik, die zu Lesen wahre Freude bereitet! *top*

Muss man da auch wieder das letzte Kapitel bestellen bzw. im Internet runterladen? Das hatte ich so bei anderen Büchern aus diesem Verlag.
Kritik online!

Hallo liebe Lesefans,

hier ist die versprochene Kritik zu dem Buch "Schlampen-Internat", das letztlich dann doch gehalten hat, was der feinsinnige Titel versprach ...

Kritik zu Schlampen Internat

In diesem Sinne:
freeman

Das Buch werden Glutsturm für uns in Angriff nehmen. Über das Ergebnis setzen wir euch bald in Kenntnis.

Für alle Interessierten im Thread: Die Lesetestaufrufe im Auge behalten. Sehr bald geht es weiter!

In diesem Sinne:
freeman
Bewerbung

Hallo,

ich (die weibliche Hälfte) habe den Textausschnitt gelesen und fand diesen bereits sehr inspirierend. Würde gern das ganze Buch lesen (dauert ca. 1 Nacht*grins*) und dann innerhalb von 2-3 Tagen einen ausführlichen Testbericht zur Verfügung stellen.

Viele Güße
Kurzkritik

von mir - ich besitze das Buch bereits und habe es gelesen.

Von meiner Seite keine Empfehlung, aber ich möchte den anderen Lesern nicht mit Details vorgreifen.

Der Titel und das Titelbild sind vielversprechend, aber leider wird dieses Versprechen am Ende nicht gehalten.

LG, Peter *wink*
Schlampeninternat?

Der Titel sagt ja schon einiges aus. Der Auszug den ich gelesen habe animiert mich nicht wirklich zum weiterlesen, da es sich wohl in eine Masse ähnlicher Bücher einreiht und nichts wirklich spektakuläres bietet. Nichts destotrotz würde ich gerne als Testleser für Euch schreiben wie ich das Buch fand. Einen Zeitraum von 3-4 Tagen sehe ich als ein realistisches und zu setztendes Leseziel. Eine Beschreibung innerhalb einer Woche ist folglich machbar bei einem Buch wie diesem. Da ich selbst kurzgeschichten schreibe (mit etwas deftigerem Inhalt) glaube ich zu wissen was ein gutes Buch ausmacht und behaupte eine sachliche, beurteilung über ein Buch abgeben zu können.


Gruß und einen schönen Restfeiertag wünsche ich Euch allen.

Schlampen-Internat..... hörts sich auf jeden Fall interessant an!
Auf so einem Internat wäre ich auch gerne gewesen in meiner Jugendzeit..... *g*
Als einziger Kerl...! *zwinker*
  • Neu hier? Kein Problem!
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