Eine Geschichte über die ewige Liebe wurde für den Fotografen WolfTek zur Inspiration für seinen Fotoband "Philemon und Baucis". In der Folge fing er ein Jahr lang den Lebenszyklus der Bäume an den verschiedensten Orten in Europa fotografisch ein und machte in seinem Fotostudio rund 20.000 Bilder von Menschen, egal ob Einzelpersonen oder Paare. Durch die Kombination dieser Zutaten entstanden "Zwitterwesen", halb Mensch, halb Baum.
So verwandelt sich eine Pinie an der Via Appia im Frühsommer in ein akrobatisches Paar, zur Herbstzeit verschmilzt ein Mensch mit einem über den See gestürzten Baum und im Winter lässt der frisch gefallene Schnee nur noch die Konturen der Baum-Menschen erahnen. Derartige Metamorphosen sind Thema dieses Buches, das wir euch hier ans Herz legen wollen.
Philemon und Baucis
Der Dichter Ovid schrieb in den von ihm verfassten "Metamorphosen", die das mythologische Wissen der Antike sammelten, auch die Geschichte von Göttervater Zeus nieder, in der er mit seinem Sohn Hermes auf Erden wandelte und in einer Stadt einkehren wollte. Doch die Stadtbewohner, unwissend, wer da vor ihnen stand, wollten den beiden partout keinen Einlass gewähren.
Nur Philemon und seine Frau Baucis, ein altes Ehepaar, das in ärmlichen Verhältnissen am Rand der Stadt lebte, nahm die beiden auf und bewirtete sie mit all dem, was es zur Verfügung hatte. Irgendwann erkannten sie die Götter hinter ihren Gästen und entschuldigten sich für das karge Mahl. Doch die Götter zürnten ihnen nicht. Vielmehr belohnten sie das Paar für seine Gastfreundschaft und verwandelten die alte Hütte in einen goldenen Tempel.
Als sich das noch immer innig verliebte Paar wünschte, niemals getrennt zu werden, gewährten ihnen die Götter auch diesen Wunsch. In der Folge werden beide Liebende am gleichen Tag sterben und sich in zwei nebeneinander wachsende Bäume verwandeln. Philemon wird in eine Eiche und Baucis in eine Linde verwandelt.
Neben dieser Geschichte standen auch die Baumgeister der griechischen Mythologie, die so genannten Dryaden, Pate für diese Bildserie. Als Hamadryaden waren sie Teil eines Baumes und starben auch gemeinsam mit ihm. Sie galt es anzurufen, wenn man beispielsweise einen Baum fällen oder Äste für Feuerholz nutzen wollte. Tat man das nicht, bestraften die Dryaden jeden Sterblichen, der den Bäumen ein Leid zufügte.
Wie diese Absätze erahnen lassen, ist WolfTek ein wahrer Literaturliebhaber, der sich nur zu gerne von Texten zu bildhaften Arbeiten inspirieren lässt. Den Schwerpunkt bilden dabei vor allem die literarischen Perlen der Antike, die er im Original liest und für seine Bildideen verwertet.
Der Künstler
Wolf Tekook wurde 1951 in Düsseldorf geboren und lebt und arbeitet in Krefeld. Nach Jahren des Zeichnens und Fotografierens entdeckte er Ende der 80er Anfang der 90er Jahre die sich in der Entwicklung befindende Bildbearbeitung am Computer für sich. In diesen Pioniertagen, als weder die digitale Fotografie noch die heute gebräuchlichen Bearbeitungshilfsmittel zur Verfügung standen, war Improvisieren und viel Vorstellungskraft angesagt.
Heute, mit schnellem Rechner, hochauflösenden Digitalkameras und einem Grafiktablett, mit dem man wie einst auf Papier zeichnen kann, setzt nur noch die eigene Vorstellungskraft die Grenzen. Er selbst begann sich 1998 mit der digitalen Fotografie auseinanderzusetzen. Diese lieferte ihm dann das Ausgangsmaterial für seine eigentliche Arbeit.
Bei dieser fügt WolfTek - ausgehend von seinen Fotografien - zusammen, was ursprünglich nicht zusammen gehört. Das Ergebnis sind Collagen, Überlagerungen, Verfremdungen. Und auch wenn die Umsetzung der unterschiedlichen Themen zu optisch sehr unterschiedlichen Ergebnissen führt, gibt es in WolfTeks Arbeit eine alles verbindende Klammer - sein Hauptthema: die menschlichen Emotionen und die Vielfalt menschlicher Aktionen und Interaktionen.
Seit 2004 stellt sich WolfTek mit seinen Arbeiten regelmäßig der Kritik des Publikums. Auf Ausstellungen in Deutschland, dem europäischen Ausland und den USA sollen in näherer Zeit auch Präsentationen im lateinamerikanischen Raum folgen.
Arbeitschwerpunkte
WolfTek bezeichnet seine Kamera, sein eigenes Fotostudio, diverse Bildbearbeitungsprogramme und viele Ideen im Kopf als die wesentlichsten Rüstzeuge für sein Schaffen. Er arbeitet immer themenorientiert und versucht, viele Aspekte zu einer Idee auszuloten, Varianten zu zeigen.
Dabei bedient er sich nicht nur mythischer Geschichtensammlungen. Beispielsweise wurden die Bilder seiner Serie Carmina Burana durch die mittelalterliche Lieder- und Gedichtsammlung aus dem Jahre 1230 inspiriert, die im Kloster Benediktbeuren aufgefunden wurde und die unter anderem auch Carl Orff zu seiner Oper inspirierte. Und in seiner Reihe West-östlicher Diwan gibt es Bilder zu alten Texten aus dem fernen Orient zu bestaunen.
Weitere Arbeiten
Ein ähnliches Miteinander von Bildern und Poesie wie in dem hier vorgestellten Bildband gibt es in WolfTeks Buch HAUTKontakt. Hier geht man sogar noch ein Stück weiter, werden hier doch die Bilder von WolfTek flankiert von den in Versen zusammengefassten Impressionen der Hamburger Autorin Johanna Renate Wöhlke, die ihr beim Betrachten der Werke kamen. Das Thema sind die Spannung und Attraktion zwischen den Geschlechtern. Fortsetzungen dieser bildlich-textlichen Kooperation sind geplant und schon in Arbeit.
Buchdetails

Wolf Tekook
Philemon und Baucis
Hardcover
148 Seiten
Größe 20 x 27 cm
Verlag: Shaker Media- Verlag
Veröffentlichung: Mai 2009
ISBN: 978-3868582437


























