Sex gegen Geld, der Gedanke faszinierte Jackie E. schon ziemlich lange, bis sie beschloss, die Faszination ins Realleben zu übertragen. In ihrem erotischem Roman "Hurentaten" berichtet sie nun von ihren Erlebnissen als käufliche Liebesdienerin. Diese entpuppen sich als Aufeinanderfolge von ziemlich vielen Männern, ziemlich viel Sex und einer Menge wilder, braver, langweiliger, kurioser, spannender, skurriler und geiler Erlebnisse. Unser Mitglied Kunthea hat das Buch für uns einer genaueren Prüfung unterzogen.
Die Autorin von "Hurentaten"
Jackie E., geboren 1985 in einer österreichischen Kleinstadt, lebt und studiert in Wien. Studium, Orchesterproben und Freunde, das war ihr einfach nicht genug.
So kam sie vor mehr als drei Jahren auf die Idee, es einfach einmal auf für sie ziemlich unkonventionelle Art und Weise mit den Männern zu versuchen. Warum sich nicht bezahlen lassen für etwas, das Spaß macht? Und Sex machte ihr Spaß!
Jackies Erlebnisse als Hure
In Jackies "Hurentaten" geht es um Männer - viele Männer. Es geht um Sex - viel Sex. Es geht um Geld, aber eigentlich nur am Rande. Ein paar Scheine wechseln den Besitzer. Dies passiert meist eher beiläufig, wie ein Ritual.
Viel wichtiger als das Geld sind die Erlebnisse, die man als Frau mit Männern haben kann, die man unter solchen Umständen kennenlernt.
Wilde, brave, langweilige, kuriose, spannende, skurrile, geile Erlebnisse. Davon erzählt Jackie ausgiebig in ihren "Hurentaten".
Wir baten unser Mitglied Kunthea das Buch für uns zu besprechen. Ihre Erkenntnisse findet ihr fortfolgend.
"Hurentaten" in der JOYclub-Kritik
Ich habe mich riesig gefreut, als ich das 250 Seiten dicke Buch endlich in den Händen hielt. Selbstverständlich konnte ich es kaum erwarten, mit dem Lesen zu beginnen. Da das Buch in ziemlich viele, relativ kurze Kapitel aufgeteilt ist, fällt es außerdem leicht, es rasch durchzulesen. Diese einzelnen "Geschichten" sind allerdings auch der Hauptpunkt meiner sowohl positiven als auch negativen Kritik.
"Hurentaten" lässt einen roten Faden missen

Jackie E. hat in diesem Buch sehr viele äußerst unterschiedliche Erlebnisse in Form von Kurzgeschichten zusammengefasst. Dabei wurde mir leider bis zum Ende die Absicht dahinter nicht ganz klar. Anfangs hatte ich noch den Eindruck, dass die Erlebnisse chronologisch geordnet seien und einer roten Linie folgen - gegen Ende fiel mir jedoch immer stärker auf, dass ein Plot oder eine Rahmenhandlung nicht existierten.
Dadurch fehlte einerseits immer wieder mal die Motivation zum Weiterlesen - andererseits kann man aufgrund dieses Aufbaus natürlich immer wieder einmal einfach eine Geschichte aus dem Buch herauspicken und sich amüsieren.
Die Einblicke in das Leben einer Prostituierten wirken sehr glaubhaft
Damit wären wir beim nächsten Punkt meiner Kritik angelangt: "Dem Unterhaltungsfaktor". Ich fand es sehr spannend, einmal einen Einblick in das Leben einer Prostituierten zu bekommen, welche dieser Nebenbeschäftigung tatsächlich mit Spaß nachgeht. In diesem Punkt hat Jackie E. meine Erwartungen tatsächlich übertroffen.
Ich konnte ihren Gedankengängen folgen, nachvollziehen, weshalb sie sich für einzelne Handlungen entschied und sogar ein bisschen mit ihr mitfiebern. Immer wieder wurden in den Kurzgeschichten außerdem keine konkreten Erlebnisse geschildert, sondern zum Beispiel die häufigsten Fragen der Freier erläutert oder Tipps zu einem Deep Throat gegeben. Dies half einerseits, die Hintergründe besser zu verstehen und war andererseits sogar ganz lustig beschrieben.
Der übrige, zum Teil doch recht nüchterne Stil trug viel dazu bei, das Ganze glaubhaft wirken zu lassen. Unglücklicherweise waren dadurch auch nur wenige der Geschichten wirklich amüsant - und anturnend wirkten sie für mich alles in allem kaum. Gegen Ende des Buches wurden die unzähligen Beschreibungen, wie es mit Freier x und Freier z war, sogar ein bisschen langweilig - hier hätte mit Sicherheit eine Rahmenhandlung für mehr Spannung gesorgt.
Eine unterhaltsame Mischung bei nebulöser Zielgruppe

Da die Autorin einen Blog schreibt, habe ich mich außerdem gefragt, wie viele der Geschichten für regelmäßige Blogleser überhaupt noch neu sind. Andererseits ist eine gedruckte Version natürlich etwas anderes als ein digitaler Blog.
Alles in allem bin ich mir nicht ganz sicher, wer die Zielgruppe des Buches ist. Für jemanden, der hauptsächlich einen erotischen Roman sucht, wird der Anteil an kuriosen Freiern und Hintergrundinformationen zu hoch sein. Für diejenigen, welche gerne mehr Informationen in Sachen Prostitution hätten, sind die sich doch etwas wiederholenden Sexszenen wahrscheinlich zu viel. Und ob jemand, der auf der Suche nach Tipps für einen Deep Throat ist, tatsächlich auf das Buch stößt, ist fraglich.
Wenn man sich dessen jedoch bewusst ist und den Kurzgeschichtenstil mag, bietet das Buch eine ganz unterhaltsame Mischung.
© Kunthea
Lest in "Hurentaten" hinein
Vor dem Date …
Ich kontrolliere mein Intimleben: Gestern geduscht, noch sauber und wohlriechend. Schamlippen noch glatt. Sehr schön. Wenn nicht, wird das alles in mittlerer Eile nachgeholt. Manchmal bin ich noch nicht geschminkt, dann wird das ebenfalls nachgeholt. Jetzt werfe ich mich in Strümpfe und heftig hohe Schuhe, dazu meistens ein hübscher Rock und ein passendes Oberteil. Manchmal auch bravere Schuhe, wenn es so gewünscht ist oder zum Outfit besser passt.
Wenn ich zu einem unbekannten Ort muss, studiere ich jetzt meine gekritzelte Wegbeschreibung oder suche mir die beste Route im Internet. Tasche kontrollieren: Für ein Date habe ich mindestens 6 Kondome dabei, de facto meistens so viele, wie in das Taschenfach reingehen. Außerdem ist ein kleines Plastiksäckchen mit Gleitmittel, Latexhandschuhen und einem Vibrator immer dabei. Puder fürs Gesicht ist in jeder Tasche vorhanden, Lippenstift nicht immer der richtige. Ich lege ihn nach Lust und Laune auf dem Weg auf. Handys! Alles da.
„Na, du bist ja wieder mal zu einem Termin unterwegs. Pfeifst schon wieder! Da merkt man mal, worüber du dich im Leben wirklich freust.“ Alex ist ins Zimmer gekommen und grinst breit.
„Habe ich schon wieder gepfiffen?“, frage ich entgeistert.
„Ja! Wie jedes Mal. Wenn wir wo hingehen, pfeifst du nie.“
Ich mache ein betroffenes Gesicht. Ich pfeife jetzt schon, ohne es zu merken? „Ach komm, ich pfeife sonst auch beim Anziehen!“, begehre ich auf.
„Nein, du pfeifst nur, wenn es ans Ficken geht.“ Alex ist unbarmherzig. Ich bin konsterniert. Alex redet mir mit amüsierter Stimme zu: „Aber schau, das macht doch nichts. Nun mach dich doch nicht selbst fertig. Ich weiß doch eh schon, dass du eine kleine Schlampe bist, und ich mag dich so. Mein Schlamperl.“
Er schließt mich in die Arme und ich nutze die Gelegenheit, ihm ein paar genüssliche, besonders sexy Küsse abzuluchsen. Es ist ein ständiger Kampf, mein Bedürfnis nach sexy Küssen mit dem vorhandenen Angebot in Einklang zu bringen, da muss ich auf der Hut sein. „Schlechtes Gewissen“ ist bei Alex immer ein guter Anlass, um ein paar solche zu erhaschen.
Ich reiße mich los und mache mich auf den Weg. In meiner Brust und zwischen meinen Beinen prickelt es vor Neugierde, Spannung und hoffentlich gerechtfertigter Vorfreude.
Auf ein Neues!
Alle Details zu "Hurentaten"
Hurentaten
von: Jackie E.
Taschenbuch, 252 Seiten
Verlag: Ubooks Verlag
Auflage: 1 (2. Mai 2011)
ISBN: 978-3-86608-153-6







