Nach ihrem erotischen Roman Vögelfrei, mit dem unsere Kolumnistin Sophie Andresky ihr Romandebüt feierte, legt sie nun mit "Fuck Your Friends" einen sexy Thriller nach, in dem sich zwei Paare einander in den verschiedensten Konstellationen hingeben, um ganz allmählich in einen düsteren Albtraum abzudriften, der aus einst innig Liebenden Feinde werden lässt. Wir stellen den Roman vor und haben fünf Exemplare zum Verlosen bereitliegen.
Darum geht es in "Fuck Your Friends"
Ellen und Hyper sind seit 15 Jahren ein glückliches Paar. Der Sex ist prickelnd, beide sind einander unheimlich vertraut und man geht gemeinsam durch dick und dünn. Was auch dringend nötig ist, befindet sich Hyper doch an einem echten Tiefpunkt. Sein letzter Großauftrag als Feuerwerksmaestro wurde abgesagt und all seine extrem aufwändigen und teuren Vorbereitungen waren für die Katz. Ein beruflicher Tiefschlag, von dem sich Hyper nur schwer erholt und der Ellen alles abverlangt. Emotional, da sie im Umgang mit dem sich zurückziehenden und verschlossener werdenden Hyper extrem vorsichtig agieren muss, und finanziell, weil sie mit ihrer Erotikboutique fortan für die Schulden Hypers aufkommen muss.
An Hypers 40. Geburtstag sollen all diese Probleme in den Hintergrund rücken. Das hat sich Ellen fest vorgenommen und sie erfüllt ihrem Partner dessen größten Wunsch: Einen Besuch in einem Swingerclub. Schon auf dem Weg dahin fällt man im Taxi leidenschaftlich übereinander her und auch im Club kennen beide keinerlei Hemmungen und leben ihre Sexualität vollkommen aus. Vor allem mit Irina, einer blutjungen Spanierin und Burlesquetänzerin, die sowohl Ellen als auch Hyper schier um den Verstand vögelt.
Diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen. Man beschließt, sich auch außerhalb des Swingerclubs wiederzusehen und erfährt, dass Irina ebenfalls in einer Partnerschaft lebt. Oscar, ihr Mann, ist laut Irinas Erzählungen das genaue Gegenteil der heißblütigen und lebenslustigen jungen Frau, der sie aufgrund seiner Rationalität gar in ihrer Lebenslust zu beschneiden scheint und mit dem sie sich aktuell im Streit befindet. Wie erstaunt ist Ellen, als sich der grobschlächtige Unmensch als zwar rationaler, dennoch sehr sensibler und aufregend erotischer junger Mann herausstellt, der Ellen sofort schöne Augen macht.
So kommt es, wie es kommen muss. Hyper vergnügt sich mit Irina, Ellen vergnügt sich mit Oscar, Oscar vergnügt sich mit Hyper und Ellen vergnügt sich mit Irina und irgendwann liegen alle zum Wollknäuel vereint in den Laken. Diese Liaison lässt alle vier aufleben! Oscar und Irina finden wieder zusammen, Ellen und Hyper fühlen sich wie in einen Jungbrunnen gefallen und jeder der vier würde unumwunden zugeben, dass er in die anderen drei Bestandteile des Partnertauschvierecks verliebt ist.
Irgendwann unterstützt man sich auch in allen anderen Bereichen des Lebens und so kommt es, dass alle vier auf einmal auch finanziell hervorragend da stehen. Alle Sorgen scheinen von den vier Seelen abgefallen ... wäre da nicht ein Foto, das die Illusion des vollkommenen Glückes für die vier Liebenden brutal in sich zusammenfallen lassen wird ...
Die Autorin Sophie Andresky über "Fuck Your Friends"
Welches Genre bedient "Fuck your Friends"?
Das, was ich schreibe, ist im Prinzip feministische Pornografie (und nein: das ist kein Widerspruch!), wobei der neue Roman "Fuck Your Friends" fast eine eigene Gattung ist, die ich als "romantic Porn" bezeichnen würde. Es gibt darin sehr viele, sehr explizite, masturbationstaugliche Sexszenen, bei denen VerbalerotikerInnen sicherlich auf ihre Kosten kommen, aber sie sind darüber hinaus verbunden durch eine emotionale, dramatische Handlung.
Die vier Hauptfiguren des Buches sind echte Menschen mit Wünschen, Bedürfnissen, Unzulänglichkeiten und einer eigenen Biographie, Menschen, die sich entwickeln und scheitern oder über sich hinauswachsen. Ihre Liebe zueinander ist kein unverbindliches Swingen, sondern eine Beziehung, die weit darüber hinausgeht. Der Unterschied zum herkömmlichen Liebesroman liegt darin, dass ich nicht abblende. Bei mir geht nicht das Licht aus, wenn die Hüllen fallen – und die fallen oft.
Sophie über den Unterschied zwischen Pornos und erotischer Literatur
Pornofilme kann man nur konsumieren, sie lassen sich im Kopf kaum verändern. Die oft sehr stereotypen Bilder überlagern die eigenen Phantasien bzw. lassen die erst gar nicht entstehen. Beim Lesen gestaltet man die Szenen mit, man kann hin- und herswitchen zwischen den einzelnen Figuren, Einstellungen ausschmücken oder andere weglassen. Ein Buch verändert sich mit seiner Leserin. Wenn ich eine Geschichte mit 15 lese und dann noch einmal mit 50, ist das ein ganz anderer Text. Und manchmal ist viel mehr von einem selbst in der Erinnerung, als wirklich gedruckt dasteht.
Ich erinnere mich an eine Szene, die ich als Jugendliche unglaublich heiß fand. Da schreitet eine Frau nur mit einem Bademantel bekleidet eine Treppe hinunter. Unten stehen ihr Freund und ein fremder Mann. Und ihr Freund zieht den Gürtel ihres Bademantels auf und entblößt sie vor dem Fremden. Das fand ich gleichzeitig schockierend und erregend. In meiner Erinnerung war das eine große, seitenlange, hochpornografische Szene. Aber als ich das Buch neulich noch einmal zufällig fand und diese Stelle suchte, waren das nur zwei Sätze. Und der Gürtel des Bademantels lockert sich nur etwas, von aufziehen, zur Schau stellen usw. war da überhaupt nicht die Rede. Das ist die Magie von Büchern.
Sophie über ihre offene Sprache
Ich verstecke mich nicht hinter irgendwelchen Chiffren, bei denen schon jeder wissen wird, was gemeint wird, ich benenne Körperteile und Handlungen. Und ich führe da keinen Kreuzzug für erotische Völkerverständigung, ich habe überhaupt keinen pädagogischen Ansatz, sondern ich habe Spaß dabei, es macht mich an, wenn ich Sexszenen schreibe, und ich glaube, das merkt man.
Ich bin selbst eine Verbalerotikerin, ich möchte diese ganzen schlimmen, dreckigen, säuischen Wörter sagen und hören. Beim Sex ist das schön und beim Schreiben und Lesen auch. Außerdem sehe ich Sex auch nicht so bierernst. Wenn etwas absurd oder bizarr ist, dann darf man sich darüber auch lustig machen, finde ich. Wenn mir beim Schreiben eine Pointe begegnet, dann denke ich immer: gut, jetzt steht der Bulle da, jetzt reite ich ihn auch. Und die Dinge, die sich da zwischen Männlein und Weiblein abspielen, die Balzrituale, das Gegockel und Gegacker, das hat doch sehr komische Seiten.
Sophie über Partnertausch
Kein Partner ist vollkommen, er kann noch so perfekt sein, irgendwo gibt es eine Leerstelle, etwas, das er nicht befriedigen oder ausfüllen kann. Und die Idee ist doch verführerisch, dass man solche Punkte mit einem anderen Partner ergänzt. Es geht dabei nicht nur um den anderen, sondern auch um mich selbst. Ich bin mit dem einen Mann vielleicht die anschmiegsame, rücksichtsvolle Partnerin und mit dem anderen eine ungezügelte, gierige Jägerin.
Vier Menschen, die sich lieben, die miteinander in Beziehung stehen, sind für eine Erotikautorin natürlich auch eine Traumbesetzung, denn man hat unendlich viele Konstellationen und Kombinationsmöglichkeiten, und alles ist hochemotional. Die Spielarten potenzieren sich, die Konflikte auch. Die Figuren spiegeln sich ineinander und das schraubt die Intensität immer höher. Dass es am Ende krachen muss, war von Anfang an klar, denn vier Leute, die sich dolle lieb haben und friedlich miteinander Radieschen züchten, sind zwar vielleicht nett, aber keine spannende Geschichte.
Sophie über ihre Recherchen zum Buch
Manches recherchiere ich im Selbstversuch. Vor allem, wenn ich mich frage, wie sich etwas wohl anfühlt. Für "Fuck Your Friends" war ich zum Beispiel erstmals bei einer Depiladora und habe mir den Intimbereich waxen lassen. Das war lehrreich – und schmerzhaft! Aber seitdem weiß ich: Sex ist nackig untenrum einfach besser. Von der Recherche hatte ich privat also auch etwas.
Bei inhaltlichen Fragen suche ich mir gern Fachmänner und -frauen. Hyper, einer der Hauptfiguren, arbeitet als Pyrotechniker, den Job habe ich mir genau erklären lassen und das fertige Manuskript wurde von der Feuerwerksfirma auch noch einmal auf Richtigkeit gegengelesen. Ich hasse es, wenn in einem Roman sachliche Fehler drin sind, deshalb bin ich da lieber etwas zu pingelig.
Von "Vögelfrei" zum Partnertausch
Zwar soll man nicht immer vergleichen, da das Debüt von Sophie Andresky als Romanautorin mit dem Buch Vögelfrei aber alles andere als lange her ist, macht man es unbewusst dennoch. Dabei fällt zunächst auf, dass Frau Andresky für ihre neue Geschichte auf eine verschachtelte Erzählweise mit vielen Zeitsprüngen und Handlungsortwechseln vollkommen verzichtet und ihren neuen Roman vollkommen chronologisch aufzieht. Das mag auf den ersten Blick weniger reizvoll sein, macht aber absolut Sinn, da man so wie die Protagonisten unaufhörlich in die sich zunehmend verdichtende und immer spannender werdende Story hineingezogen wird.
Diese präsentiert sich mit zunehmender Seitenzahl mehr und mehr als ein sexy Thriller, der zunächst alle handlungstragenden Figuren und den Leser in trügerischer Sicherheit wiegt. So werden erst einmal alle Figuren genauestens verortet. In kurzen und enorm treffsicheren Worten entwirft Sophie Andresky extrem plastische und lebendige Figuren, die sich mit jeder weiteren aufgezählten Eigenschaft vor dem Auge des Zuschauers zusammensetzen und durchweg glaubhaft agieren. Dabei liegt der Fokus sehr deutlich auf Ellen, was ein wenig überrascht, da man bei der Figurenkonstellation vermutlich ein vier Personen Stück mit stetig wechselndem Fokus erwartet hätte. Mit fortlaufender Lesezeit merkt man aber, dass diese Fokussierung auf Ellen dringend notwendig ist, um den Thrilleranteil der Geschichte besser umsetzen zu können.
Dieser schleicht sich mit einer düsteren Vorahnung in die Geschichte ein und kommt aufgrund eines winzigen Details zum Ausbruch. Und fortan nimmt "Fuck Your Friends" richtig Fahrt auf. Denn die Autorin lässt den Leser relativ lange im Unklaren, was die großen Zusammenhänge angeht, weshalb es ihr gegen Ende sogar gelingt, einige hübsche Wendungen und Überraschungen einzubauen. Leider nehmen in diesem Abschnitt eingestreute Sexeskapaden immer mal wieder das Tempo raus und irgendwie wirken einige dieser Sexszenen im "Showdown" seltsam fehlplatziert.
Andere dagegen tragen wieder zur Spannung bei, wohl auch, weil sie sich mit dem Wissen, das man als Leser hat, teilweise genauso falsch anfühlen, wie für Ellen, die ihre Sexualität irgendwann nutzt (nutzen muss), um den ganzen Geheimnissen auf die Spur zu kommen. Dadurch bekommen einige der Sexszenen im letzten Abschnitt eine durchaus spannende Grundkomponente. Dennoch hätte es meines Erachtens einige der Sexeinlagen nicht gebraucht ...
Ganz im Gegenteil zu den Sexszenen des Einstiegsteils, wenn das Liebesviereck zusammenfindet und sich irgendwann auf dem Höhepunkt der gegenseitigen Zuneigung befindet. Diese Abschnitte sind wundervoll emotional, muten ungemein realistisch an und sind extrem gefühlvoll in ihrer Schilderung des gegenseitigen Verliebens der Protagonisten. Zudem fließen die Seiten hier vor schmutzigem, direktem und alles verzehrendem Sex nur so über.
In allen möglichen Konstellationen fallen die Protagonisten übereinander her und von Swingerclubbesuchen bis zu BDSM Einlagen und Dark Room Fingereien wird eine ganze Menge an heißen Szenen aufgefahren, die Sophie Andresky gewohnt wortgewaltig, detailliert und mit wahrlich wenig Zurückhaltung ausschmückt.
Ein prickelnder Erotikthriller
Die eine Hälfte prickelt vor Sex, die andere Hälfte prickelt vor Spannung. Ein prickelndes Buch also, mit sehr heißen Sexszenen und einer zunehmend stärker und spannender werdenden Geschichte, die den Zuschauer direkter packt als noch in "Vögelfrei", weil man hier direkt an der Entwicklung der Geschichte beteiligt ist und nicht erst - wie im Debütroman von Frau Andresky - die Puzzleteile zusammensuchen muss (wobei auch das nicht ohne Reiz war)! Was beide Romane gemein haben, ist eine wirklich starke Frauenfigur, die weiß, was sie will, sich aber dennoch auch verletzliche Seiten bewahrt hat und die aus den Geschehnissen ihre ganz eigenen Lehren in Bezug auf ihre persönlichen Grenzen ziehen wird.
Will man "Fuck your Friends" etwas ankreiden, dann dass die Sexszenen gegen Ende gerne ein wenig zurückgenommen hätten werden können, da sie hier ab und an dem Spannungsbogen im Weg stehen. Und gegen Ende findet Sophie Andresky zu lange keinen wirklichen Abschluss. Einige Seiten lang spürt man immer wieder, dass an einem gerade gelesenen Punkt die Gelegenheit für ein ENDE schlicht verpasst wurde und die Autorin vielleicht zu sehr darum bemüht ist, für jede Figur einen passenden Schlusspunkt zu finden.
All das kann den durchweg gelungenen Gesamteindruck aber keineswegs trüben! "Fuck your Friends" ist reueloser, spannender und bewusst "schmutziger" Lesespaß für die aktuell so grauen Wintertage ...
(Eine Leseprobe findet ihr auf der nächsten Seite!)
Gewinnspiel
Wir können von dem hier vorgestellten Roman "Fuck your Friends" fünf Ausgaben verlosen! Wenn ihr eine dieser fünf Ausgaben gewinnen wollt, solltet ihr uns folgende Frage beantworten und eure Lösung per Clubmail mit dem Betreff "Fuck your Friends" an
freeman
schicken!
Das Gewinnspiel ist beendet, die Gewinner findet ihr im angeschlossenen Thread..
Viel Erfolg!
Die Preise können nicht ausgezahlt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
- 1. Teil: Fuck Your Friends
- 2. Teil: Lest in "Fuck your Friends" hinein






