15.06.2011

Fremde Haut

Der Traum vom Dreier …

Die Autorin Christine Janson, deren Buch Mehr Lust auf Liebe wir euch bereits ausführlicher vorgestellt haben und die für uns sogar schon aus einem Bordell berichtete, schreibt in ihrem erotischen Roman "Fremde Haut" über Larissa. Diese war schon immer neugierig auf alles, was Lust verschafft und träumte dabei schon lange von einem ganz besonderen Erlebnis: Der Liebe zu dritt oder der "amour à trois". Wir stellen den Roman vor.

Christine Janson: Autorin und Verlegerin erotischer Literatur

Christine Janson
Christine Janson

Christine Janson ist Autorin von erotischen Romanen und Ratgebern und arbeitet in Frankfurt als Erotikcoach. Die Autorin in Christine beobachtete immer häufiger, dass deutsche Verlage die Tendenz haben, mehr und mehr Mainstream zu werden und vor allem Bestseller aus den USA einzukaufen, die sie übersetzen lassen und unter die Leute bringen.

Eine Entwicklung, die ihr gar nicht gefiel, weshalb sie beschloss, einen eigenen Verlag zu gründen, der ein sehr breites Spektrum von erotischer Literatur abdecken sollte. Diesen versteht sie als Plattform für die verschiedensten erotischen Subkulturen wie BDSM, Fetisch, Swinger, Queer und natürlich auch für ganz "normale" Liebe, Lust und Leidenschaft. Die Bücher aus Christines Verlag sind auf allen großen ebook Plattformen wie z.B. libri, ciando und im apple store zu kaufen.

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Wir baten unser Mitglied SinasTraum, uns ihre Meinung zum Roman mitzuteilen ...

Darum geht es in "Fremde Haut"

Larissa ist Ende 20 und hat ein wunderbares Leben. Sie erzählt uns als Ich-Erzählerin, dass sie Redakteurin und Moderatorin bei einem Fernsehsender ist, eine teure Altbauwohnung hat und einen Freund, den sie liebt. Die beiden sind immens gut aussehend, haben großartigen Sex und halten ihre zwei Jahre alte Beziehung unter anderem dadurch frisch, dass sie nicht miteinander wohnen.

Fremde Haut
Fremde Haut

Außerdem hat Larissa zwei Arbeitskolleginnen, Melanie und Anja, mit denen sie auch privat gut befreundet ist und mit denen sie auch intime Dinge vertrauensvoll bespricht. So auch ihre Nervosität angesichts eines neuen TV-Formates, das sie als Moderatorin übernehmen soll. Eine Sex-Talkshow namens "Böse Mädchen kommen überall", in der sie mit ihren Studiogästen aus dem Nähkästchen über pikante Themen plaudern soll.

Obwohl sie keine unbedarfte Jungfrau ist, glaubt Larissa, nicht erfahren genug zu sein, um so eine Talkshow souverän und glaubwürdig verkaufen zu können. Ihr Chef hat derlei Bedenken nicht, aber um ihr noch einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, schenkt er ihr zwei Karten für einen "erotischen Event der Extraklasse" und so treffen wir Larissa und ihren Freund Pascal als erstes auf der Fahrt zu einem Blind-Dinner im Schloss Milkersdorf.

Im Wagen während der Fahrt schon aneinander aufgeheizt, folgt im Hotelzimmer noch vor Beginn des eigentlichen Events die erste Sexszene der beiden, während der wir erfahren, dass Larissa gern ganz Frau in starken Männerarmen ist und sich zuweilen als Hündin fühlt, wohingegen Pascal in ihr eher ein verrücktes wildes Tier sieht. Inklusive "Grrrr".

Anschließend begleiten wir die beiden zu ihrem Blind-Dinner. Mit verbundenen Augen werden sie zu Tisch gebeten. Nach jedem Gang des 5-Gänge-Menüs werden die Tischpartner gewechselt und nachdem ein Paar vielversprechend verkündet hat, dass hier frei nach dem originellen und total aussagekräftigen Motto "Alles kann, nichts muss" agiert wird, werfen die beiden sich ins Geschehen. Alles immer noch mit verbundenen Augen, versteht sich. So auf ihre übrigen Sinne konzentriert, erlebt Larissa anonyme Momente der Lust sowie Berührungen und Liebkosungen von verschiedenen Männern.

Der Traum vom FFM

Am nächsten Tag nimmt sich Larissa vor, ihrem Pascal einen besonders schönen Abend zu bereiten. Kaum erscheint Pascal zum Abendessen, gibt es natürlich Sex. Danach sind Gespräche möglich, während derer Larissa Pascal gesteht, dass sie sich ein wenig überfordert fühlt mit der Thematik ihres neuen TV-Formats.

Pascal schlägt daraufhin folgendes vor: jeder von ihnen soll fünf geheime sexuelle Fantasien auf einen Zettel schreiben und sollte eine von ihnen übereinstimmen, würde die gemeinsam in die Tat umgesetzt. So erhofft sich Larissa mehr Inspiration für ein gutes Einstiegsthema in ihre erste Sendung. Die Fantasien werden geschrieben, dann vorgelesen und es findet sich wirklich eine, die bei beiden auf dem Zettel steht. Beide könnten sich sehr gut vorstellen, Sex zu dritt zu haben - unter Einbeziehung einer zweiten Frau.

Larissa fühlt sich sofort inspiriert und entschließt sich, diese Idee auch gleich bei der am folgenden Tag anstehenden Redaktionskonferenz als Kernthema für ihre erste Show zu präsentieren. Man ist begeistert.

Auch Pascal scheint mehr als angetan und leitet sogleich erste Schritte zur Umsetzung des Vorhabens ein. Er surft im Internet und legt ein Suchprofil auf einer Erotik-Plattform namens "funclub.de" *zwinker* an. Es entsteht auch sofort Mailkontakt mit einer attraktiven Solo-Dame, der selbstverständlich auch sofort in Mailsex endet. Plakative Dinge wie "Fick mich hart, Du Tier!" und "Ich wird Dich in all Deine Öffnungen ficken, Du geiles Luder" werden ausgetauscht.

Verlockungen …

Larissa schläft schlecht in der folgenden Nacht und wir werden zu der Vermutung verleitet, dass sie doch etwas ambivalente Gefühle hat, was das Treffen mit einer anderen Frau anbelangt. Sie fühlt sich etwas erholungsbedürftig und verabredet sich mit Freundin Anja zu einem Wellnesstag. So entspannt ist sie mit der Welt fast schon wieder ausgesöhnt, aber dann entdeckt sie plötzlich ihren Freund in einiger Entfernung auf einer Liege und zwar in Begleitung einer anderen Frau, die sich bei näherer Betrachtung als die Dame aus dem "funclub" entpuppt. Larissa fühlt sich hintergangen und betrogen und verlässt die Location.

Es folgen tränenreiche Momente und Schwüre, den fiesen Betrüger nie wieder in ihr Leben zu lassen, doch schon am nächsten Tag lassen ein Blumenstrauß und ein zerknirschter Brief von Pascal ihre Vorsätze zu Staub zerfallen. Sie beschließt, ihm zu verzeihen, ihn aber noch ein wenig zappeln zu lassen. Sie sucht Zerstreuung im "funclub" und erlebt weiteren Mailsex mit einem unbekannten Interessenten.

Mit Pascal ausgesöhnt versucht Larissa eine erneute Kontaktaufnahme über den "funclub". Eine Frau zeigt Interesse und Larissa verabredet sich mit ihr. Pascal ist leider verhindert, was die Dame aber auch nicht weiter zu stören scheint. Im Verlauf des Dates wird klar, dass die Frau tatsächlich ausschließlich Interesse an Larissa hat und auch auf der Stelle versucht, sie zu verführen. Larissa ist geschmeichelt und auch nicht uninteressiert, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Als der erreicht ist, flüchtet sie. Danach berichtet Pascal, dass er im "funclub" eine weitere potentielle Kandidatin entdeckt habe. Das Treffen floppt aber.

Bei einem erneuten Treffen mit ihren Freundinnen Melanie und Anja erzählt Melanie von einer neuen Bekanntschaft, mit der sie einen interessanten Abend in einem Stripclub verbrachte. Dabei fiel Melanie wohl eine besonders schöne und begehrenswerte Tänzerin auf. Und weil Larissa befürchtet, ihr Dreier-Vorhaben nicht mehr umsetzen zu können, weil die Zeit bis zum Start ihrer Talkshow allmählich knapp wird, kontaktiert Melanie die schöne Tänzerin und arrangiert ein Treffen zwischen ihr, Larissa und Pascal ...

Ist "Fremde Haut" erotische Lektüre von Wert oder Erotikfastfood?

Der Stil von "Fremde Haut" ist nicht einfach und die Bilder des Buches sind bis an die eine oder andere Schmerzgrenze heran klischeebeladen. Die Frauen sind immer feucht und willig, werden gern als Luder oder Stuten bezeichnet und tuscheln über ihre gehobenen Mittelklasseproblemchen bei Prosecco und schicken Häppchen. Die Männer sind alle Hengste, haben fünf Minuten nach dem Orgasmus wieder eine stramme Latte und wissen alle, wo die Auster ihre Perle hat.

Klischees bestimmen die Szenerie und Figurenzeichnung

Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, ob die Zielgruppe, also jene, die sich mit den Figuren des Romans identifizieren soll, wirklich existiert. Nun ja, Klischees bilden sich ja zumeist aufgrund einer Häufung von tatsächlich existenten Bildern oder Archetypen. Also es gibt diese unabhängige sexy Frau, die einen tollen Beruf hat, entsprechend verdient, eine schicke Altbauwohnung und haufenweise Wäsche von Agent Provocateur ihr Eigen nennt, die mit Schampus und Dildo in ihrem hauseigenen Jacuzzi sitzt und es sich zu Erinnerungen an den letzten Thailand-Urlaub mit ihrem Lover, der ein ähnlich perfektes Leben führt, selbst besorgt, sicher irgendwo. Es gibt vielleicht auch ein paar mehr davon.

Aber es gibt vermutlich mehr Frauen, die sich von den doch sehr stereotyp gezeichneten Charakteren nicht unbedingt angesprochen fühlen. Sie perfekt, er natürlich auch. Perfekter Body, perfekter Schwanz, durchgestylte Designerwohnung mit Hightech-Espressomaschine, blablabla…

Ich gestehe, ich war ein wenig gelangweilt und suchte nach einer Rechtfertigung dafür, Figuren so anzulegen. Ich fand eigentlich nur eine Erklärung: der Roman ist mit Absicht so angelegt, dass er vor dem inneren Auge abläuft wie diese Softporno-Episodenfilmchen, die manchmal auf dem Blue Channel laufen. Da haben auch immer alle perfekte Körper und ficken in perfektem Ambiente. Dementsprechend steril wirkt das ganze dann auch. Sicher, manche Szenen wandern einem trotzdem direkt zwischen die Beine, machen einen geil und kicken das Kopfkino. Aber irgendwie erinnert das an … Erotikfastfood.

Schmeckt ok, aber nur kurz. Und hinterher weiß man eigentlich nicht mehr, wieso man es unbedingt essen musste. Mit dem wahren Leben und auch mit real gelebter Erotik hat die Geschichte eigentlich keine Minute etwas zu tun. War das die Intention einer Autorin, die als Erotikcoach arbeitet, sich mit Tantra auskennt und Menschen zu einer tieferen und erfüllteren Sexualität verhilft? Ich gebe zu, dass ich das schwer zusammenkriege im Kopf. Zu selten blitzen da menschliche Momente auf: etwa wenn Larissa Eifersucht beschreibt oder Zweifel, aber auch besondere Momente ihres ganz persönlichen Kopfkinos.

Zu oft hören bzw. lesen wir die immer gleiche Litanei vom geilen Luder, vom willigen Luder, vom nimmersatten Luder ... und selbst unglaubliche Floskeln wie das abgelutschte Swingermotto "Alles kann, nichts muss" bleiben uns nicht erspart.

Soft-Porno mit emotionalem Tiefgang gegen Ende

Lediglich in der letzten erotischen Episode, in der es endlich zu der Begegnung mit einer zweiten Frau kommt, schafft es die Autorin, die Emotionen recht glaubhaft zu transportieren, die ein Paar bei einer gelungenen Begegnung zu dritt oder zu viert bewegen. In der Beschreibung der besonderen Intimität, der Art und Weise, wie ein solches Erlebnis verbindend wirken kann und der Beziehung eine ganz spezielle Vertrautheit gibt, wie befreiend es ist, ohne Eifersucht einfach den Partner in der Berührung mit einem anderen, fremden Menschen zu genießen, gewinnt die Autorin etwas an Tiefe und Glaubwürdigkeit.

Man hätte sich das auch für den Rest des Buches gewünscht, fragt sich aber gleichzeitig, wieso dieser stilistische Bruch am Ende sein musste? Braucht ein Soft-Porno ein Ende mit emotionalem Tiefgang?

Und so muss der Leser dann für sich entscheiden, ob das Ende mit dem Buch aussöhnt oder eine Art überflüssiges Anhängsel für eine ansonsten recht flotte und rasant herunterzulesende literarische Wichsvorlage darstellt.

© Rezensentin: SinasTraum

Auf der nächsten Seite findet ihr eine Leseprobe aus "Fremde Haut".

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Kommentare


Echt?

Merkt man gar nicht.

Süßer.

geb mir mühe süße das du alles verstehst.

Nö, gar nicht. Kann ja mal passieren.

Ich wollte nur mal nachfragen.

Hätte ja sein können dass ich da einfach was nicht verstehe...
sorry süße

findest das jetzt schlimm?

@sabsebond

?

Im Thread geirrt?

*g*
wäre das auch mal machbar

warten so sehr auf sie

Wenn die Mähne da ist, wo ich denke, dann hole ich mal meinen Intimrasierer!

„Mein Hengst, ich will jetzt endlich mit Dir über die Wiese galoppieren und mich an Deiner wilden Mähne festhalten. Yeah!“..."

*rumgrins*
Mensch jetzt fallen wir aber gleich über uns her...

Nun, sicher...

Das ist ja auch mein Lesefazit gewesen.

Ich möchte jedoch betonen, dass ich nicht den Anspruch habe, mich auf Niveau eines Bukowski oder Miller bewegen zu müssen, wenn ich erotisch schreibe. Ich tue das ja auch, nebenbei bemerkt. Und ich habe diesen Anspruch definitiv nicht. Ich habe da eine gesunde Selbsteinschätzung, wie ich glaube.

Ich glaube aber, dass man auch auf Mainstream-Geschmacksebene gute oder nicht so gute Unterhaltungsliteratur schaffen kann.

Ich für meinen Teil habe den Wunsch an meine eigenen Texte, den Leser atmosphärisch wirklich erreichen zu wollen. Er soll sich hineinfantasieren können in meinen Plot und er soll sicher auch erregt werden.

Nach dem Feedback, das ich hier und anderswo bekommen habe, scheint mir das zu gelingen und zwar ohne dass ich abgeschmackte Formulierungen verwenden muss.

Wie schon gesagt: ich halte es für schwierig, gut über Sex zu schreiben. Auch ich kenne die Gefahr, ins Klischeehafte abzugleiten. Man muss da ständig sein eigener Polizist sein...

Oder aber man muss so "mutig" sein wie die Autorin hier und muss kopfüber hineinspringen in die Klischeesauce und muss das dann noch verkaufen können. Sie kann, denn immerhin hat sie einen Verlag gefunden.

Das ist etwas, was sie mir voraus hat. *g*

So ehrlich muss man dann einfach auch mal sein.

Für mich allerdings ist das ein Beweis dafür, dass nicht alles gut sein muss, was heutzutage so verlegt wird. Der Markt für Erotikliteratur boomt und anscheinend verleitet das Verlage dazu, anspruchslos zu werden...
Fazit

Erotische Geschichten die das Leben schreibt sind hier täglich im Joy zu lesen und wem das nicht reicht kann sich durch die entsprechenden Sendungen im TV zappen.

Wir sind voll von den gängigen Klischees wie der Sex heute zu funktionieren hat damit sich ein erotisch knisternder Spannungsbogen überhaupt noch aufbauen kann. Ob da solch eine erotische Literatur wie die Vorgestellte noch etwas zu bieten hat ist aus der Kritik bzw. kurzer Leseprobe von @SinasTraum wohl eher mit NEIN zu beantworten.

Autoren wie Bukowski oder Miller haben ihren Leser seinzeit natürlich eine Welt aufgezeigt die dem "normalen" sexuellen Menschen zumindest noch als völlig verrucht vorgekommen ist und beim Lesen wirklich noch die sexuelle Fantasie zum Kreiseln gebracht hat (funktioniert aus meiner Sicht auch heute noch).

Literatur wie das Rezensierte bewirkt dagegen nur noch einen Lachanfall.
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