Die Gruppe Kurzgeschichten im JOYclub stellt uns allen hier regelmäßig eine ihrer besten, erotischen Geschichten vor. Die letzte Geschichte war Tango um Fünf und erfreute sich regen Zuspruches. Zeit also für eine weitere Geschichte! Diese fällt erneut aus dem Rahmen des üblichen Textumfanges bei Magazinbeiträgen im JOYclub. Doch wie zuletzt gilt: Nehmt euch die Zeit, lehnt euch zurück und genießt die folgende Geschichte namens:
L’initiation de Marie
Wie eine Gefangene in der Bastille, die im Dämmern Ihrer eigenen Gedanken aufschreckt, hört Marie das Schließen eines Schlüssels in der Wohnungstür. Ein Schauer läuft ihr über den Rücken, als sie sein „Marie, bist Du fertig“ hört. Bevor sie mit dem nächsten Atem herauspressen kann „ja hier oben“, vernimmt sie auch schon seine hastigen Schritte auf der Treppe und im nächsten Augenblick steht er in der offenen Tür ihres Schlafzimmers. Ein Gefühl der Liebe durchfließt sie, als sie seine Gestalt wenige Schritte vor sich sieht: groß, schlank, souverän und der schwarze Anzug lässig getragen und dennoch elegant, wie dies nur Männer können, die gewöhnt sind, in Uniform gerade zu stehen.
Sie liebt ihn: „Michael, mein unheiliger Michael“! Wie ein zurückprallender Pingpongball schlägt die Flut ihres Liebesgefühles jedoch in Zweifel um, als sie den missbilligenden Zug um seinen Mund entdeckt. Ebenso flüchtig wie beschämt huscht ihr Blick forschend zu seinen Augen, um sich dann wieder schnell auf seine Schuhe zu heften. Er zieht sie von dem Metallbett, auf dem sie sitzt, und dreht sie mit einem Griff herum, so dass sie - ihm den Rücken zukehrend - vor ihm kniet. „Ich sag’s dir zum letzten mal: Schwarz steht dir nicht zu ................. noch nicht! Wie willst du enden, wenn du als Königin beginnst?“Und mit einem Ruck hat er die Knoten ihrer schwarzen Samt - Corsage geöffnet, die Marie gerade noch vor ihrer Brust auffangen kann. Schon ist er mit ein paar Sätzen an Marie vorbei, am Kleiderschrank und zieht mit sicherem Griff ihren dunkelroten Crincle – Rock heraus und wirft ihn ihr mit der Bemerkung: „sonst nichts“ über den Kopf.
Eilig rollt sich Marie die Strümpfe von den Beinen, verschwindet der schwarze String verschämt in ihrer Hand und mit zwei eleganten Schritten steigt sie in den Rock und hat ihn im nächsten Moment schon über ihre Hüften gezogen. Wie ein Schulmädchen steht sie nun am Pfosten ihres Himmelbettes, bis er sich auf die Querstrebe setzt und sie zu sich heranzieht. Vorwitzig schauen die rotlackierten Nägel ihrer nackten Füße unter der Rüschenborte ihres langen, weit fallenden Rockes hervor! Michael betrachtet ihre Lippen. Marie schließt die Augen und wagt es nicht, ihn dabei anzusehen, aber alles an ihr, die feinen weißen Haare an ihren Armen, ihre Brüste, ihr fließendes Haar und die Lippen selbst scheinen seine Berührung zu erwarten.
Er zieht Marie weiter zu sich heran und sie spürt doch nur, wie seine Hand ihre Wange zärtlich berührt und sein Daumen über ihre Unterlippe wischt. „So ist’s besser“ hört sie Michael, dem ein Lächeln über die Lippen huscht, als er ihren verschmierten roten Lippenstift wie ein Kunstwerk betrachtet. Und endlich, sie atmete innerlich auf, legte er ihr selbst das rote Halsband an, das er extra für Marie anfertigen ließ und das ihr signalisiert: folge mir, es gibt eine exercice!
Schon zieht er sie hinter sich her, die Treppe hinunter in den couloir, wirft ihr den grauen Kurzmantel über die Schultern und eilt mit den Worten „wir sollten uns beeilen“ zur Wohnungstür hinaus. Unendliche Zeit vergeht, bis der Fahrstuhl schließlich mit einem hellen „Bing“ in der 9. Etage ankommt. „Hoffentlich ist keiner drin“ denkt Marie, als sich die Türen öffnen und .................. tatsächlich niemand darin ist. Erst jetzt erkennt sie beim Hineingehen im Spiegel des Lifts die Spuren von Michaels Hand in ihrem Gesicht und einem verschämten Heben ihrer Hand kommt er mit einem strengen „Non“ zuvor. „Was mach ich hier, was mach ich hier“ geht es durch ihren Kopf, als der Fahrstuhl sich scheinbar in Zeitverzögerung in Bewegung setzt.
„Bing“ erwacht sie aus ihren kreisenden Gedanken und erschrickt, als der Fahrstuhl im Erdgeschoss hält und sich die Türen öffnen. „Bonjour Madame Miscovich“ hört sich Marie sagen, als sie der alten Dame gewahr wird, die in ihrer Absicht, den Fahrstuhl zu betreten, kurz innehält und dann doch mit einem Lächeln gegenüber Marie und Michael Position bezieht. Mit einem kurzen Blick auf Maries nackte Füße und ihren verschmierten Lippenstift und nach einem erneuten, wohlwollenden Lächeln teilt Madame Miscovich an Michael gewandt mit: „Nun junger Mann, zu unserer Zeit hatten wir auch sehr viel Spaß daran, ohne Schuhe durch den Sommerregen zu gehen. Aber heute scheint ja Gott sei Dank die Sonne! Den Regen müssten sie demnach noch bestellen.“
„Bing" setzte der Fahrstuhl seine Reise in die Tiefgarage fort. „Nun, gegen ihren Zauber bin auch ich machtlos, Madame, aber ich bin mir sicher, auch nach diesem Sonnenschein wird es regnen ............................ heute Nacht! Ihre Blicke begegneten sich und alle drei mussten lachen.
In der Tiefgarage angekommen lenkte Michael sie sanft zu einem schwarzen Wagen, dessen Fahrer auf dem Kotflügel lehnte und in den Wagen stieg, als er beide herankommen sah. Kalt fühlte sich der trockene Betonboden an ihren nackten Füßen an und Marie hatte das Gefühl, mit dem Staub dieses Bodens mit jedem Schritt eins zu werden. Michael öffnete ihr die Tür zum Fond und Marie sah einen Strauß Rosen auf der Rücksitzbank liegen. Als sie mit ihrem - ihm zugewandten - gesenkten Kopf andeutete, dass sie nicht wusste, wie sie die Situation einschätzen sollte, hörte sie Michael sagen „sie sind für Dich.......setz Dich darauf!“ Und wie um von ihrer Überraschung mit einem neuen Schock abzulenken, nahm er ihr den Mantel von den Schultern, den sie nur mit dem Gürtel vorn zugeknotet hatte, so dass sie wieder barfuss und mit nackter Brust vor ihm stand. Mit einem „Wir haben keine Zeit“ bedeutete er ihr Platz zu nehmen, während er selbst um das Fahrzeug herumging, die andere Tür zum Fond öffnete und einstieg. Sie spürte die Dornen der Rosen unbarmherzig durch ihren Rock stechen und wie sie sich in ihre Oberschenkel bohrten!
Da war sie, die sonnendurchflutete „Zola“, in der sich ihr Leben sonst abspielte. Da war die Russin, die jeden Nachmittag an der gleichen Ecke vor dem indischen Restaurant stand, täglich um diese Zeit von einem Maghrebin abgeholt wurde und dennoch immer bestritt, Anschaffen zu gehen. Da die Brasserie von Luc, wo sie Punkt 12 Uhr immer ihren Café trank, vorbei an der Rue de Loummel mit dem Laden von Moustaf, wo sie oft Madame Miscovich traf und ihr die Einkauftüten nach Hause fuhr. Da war der Buchladen von Monsieur Bourienne in der Rue de Théâtre, der auch ihre Madame belle-mère kannte und Marie mit einem verschmitzten Lächeln, „la vie de l’O“, im Beisein von Maries Schwiegermama „unter dem Ladentisch“ verkaufte. Und schon flogen sie unter der Brücke der Métro - Station Linie 10, der Avenue – Emile – Zola hindurch.
„Fühlst du dich damit besser“ hörte Marie ihn plötzlich sagen und schon fühlte sie eine feuerrote und goldene venezianische Maske in ihren Händen. Sie nickte und für einen Augenblick spürte sie wieder die Dornen der Rosen unter ihrem Rock. Michael half ihr, die roten Bänder an ihrem Hinterkopf zu schließen und tatsächlich: sie fühlte sich nun in ihrer Nacktheit doch etwas sicherer vor verstohlenen Blicken in den Fond. Bis, ja bis sie den Blick des Fahrers im Rückspiegel einfing, der sie anlächelte und sich eine Zigarette anzündete. Ihre Gedanken zogen wieder, den feinen Schwaden des ausgehauchten Tabacs hinterher, in die Vergangenheit. Bilder flogen an ihrem Auge vorbei und sie bemerkte nicht, dass der Wagen nun schon am Quai de Grenelle, wieder Richtung Süden fuhr.
Sie sah Michael, wie sie sich kennen lernten. Sie ihn zunächst zurückwies, hinhielt, trotzte und doch nach Monaten vor ihm und seiner unaufdringlichen Beständigkeit der Zuneigung kapitulierte. Sie sah, wie sie stritten, wie sie Teller und Tassen warf und doch wieder vor Glück weinend in seinen Armen lag. Die gemeinsamen Reisen, nur um in fernen Hotelzimmern anzukommen. Mal elegant und mal durch den Wind! Aber immer in Leidenschaft. Die gemeinsamen Spiele, wenn er sie beobachtete und unversehens mit einer Nachricht an einen Ort lockte, wo er erschien und sie bezwang. Und endlich der Moment, wo sie keinen Schmerz mehr in sich und an sich spürte, als er sie an den langen Haaren packte, in seine Arme zog, sie beugte und unendlich küsste, wie sie es noch nie vorher empfunden hatte. „Ich weiß, wer Du bist“ hörte sie ihn wieder sagen und ihre innere Stimme: „was mach ich hier, was mach ich hier, bin ich das?“
Die Stadt hatte sich verändert. Sie sah durch das Fenster die Tristesse von Boulogne – Billancourt und anderen Banlieues vorbeifliegen, die ihr unwirklich erschienen. Nein, da draußen, das war nicht das Leben. Diese moderne Bitterkeit, diese unbegreifbare Fadheit, die man förmlich schmecken konnte, wenn man das Fenster öffnete. Auch wenn es grotesk erschien, weil sie die Dornen stachen. Aber in diesem Wagen zu sitzen, so wie sie war, das war das Leben. Das war Sie. Und erst jetzt hörte sie, dass der Fahrer den CD-Spieler des Wagens angestellt hatte und sich leise klassische Musik wie ein Kontrast zu den Bildern außerhalb des dahinfliegenden Fahrzeuges in ihr Ohr schmeichelte.
Wo führt er sie diesmal hin? Etwa in diese Tristesse? Wieder spürte sie die Wut aufkommen, als er sie das erste Mal in ein Stundenhotel befahl und sie dort fast eine unendlich lange Stunde zwischen Huren und Zuhältern in wenig besserer Kleidung auf ihn warten musste. Diese Ausgeliefertheit. So war sie!
Diese Wut, die oft in ihr brannte und tobte, an der so manche Liebe eines Mannes zerbrach und die doch wie eine Welle an einer Kaimauer zerschellte, wenn er vor ihr stand und ihr mit kurzen Sätzen auftrug mitzukommen. Diese unvorhersehbare Bestimmtheit. So war er!
Hinter Evry wusste sie, dass es in Richtung Fontainebleau ging. Die Landschaft wurde schöner, grüner, freundlicher und sie sah die bis zum Dachfirst ausschließlich aus Natursteinen gemauerten Häuser, die sie an Frankreich so liebte und die dem Land diesen unsterblichen Charme bescherten. Sie fuhren noch einige Zeit durch Waldgebiete, deren Duft durch den Spalt des gesenkten Beifahrerfensters zu ihr in den Wagen drang und deren aromatische Kühle die Blüten ihrer Brust aufgehen ließ. Sie hätten längst in Fontainebleau sein müssen, als der Wagen in die kiesknirschende Einfahrt einer etwas deplatziert wirkenden modernen Villa einbog. Der Wagen hielt und fast im gleichen Moment gibt der Fahrer Michael eine rote Wildlederleine nach Hinten, welche dieser im Halsband bei Marie einhakt. „Vergiss die Rosen nicht“ sagt er im Aussteigen, während er Marie hinter sich herzieht.
Und schon gehen sie zu dritt, Marie in der Mitte wie eine Gefangene von Michael an der Leine geführt, die Treppe zum Eingang hinauf. Marie hielt den Rosenstrauß, dessen Blüten, Stängel, Blätter und Dornen nach ihrer Umarmung dürsteten und den sie noch schnell nach dem Aussteigen gerichtet hatte, vor ihrer nackten Brust.
In einem getäfelten und verspiegelten Foyer warteten zwei Zofen mit fein hochgestecktem Haar, schwarzen kurzen Kleidern und weißen Schürzen auf die Ankommenden. Marie versuchte sogleich in deren Gesichtern zu lesen, was sie wohl erwartete, aber deren Mienen waren ebenso gleichmütig ruhend und unergründlich, wie ein dunkler Bergsee. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und zeichnete ihre Brust.
Michael wies Marie einen Platz zum Niederknien in einer Ecke gegenüber einem Spiegel an und drückte mit den Worten „warte hier“ einer Zofe das andere Ende ihrer Leine in die Hand. Die zweite Zofe ging Michael und seinem unbekannten Chauffeur voran durch eine Schwenktür, deren Flügel sie aufhielt. Alle drei entschwanden dem Auge von Marie. Da kniete sie nun und ihr von den Dornen gepeinigter Po ruhte auf ihren Fersen. Die Symbole der Liebe und Schönheit immer noch vor ihrer Brust haltend sah sie sich selbst in dem geschliffenen Spiegel gegenüber. Der dunkelrote Crinclestoff ihres Rockes umflutete sie von der Taille herab und stach von der Blässe ihrer Haut kontrastreich ab. An dem Bouquet links und rechts leuchteten zart die Blühten ihrer Brust hervor und das rote Halsband saß eher wie eine Krone zwischen ihren Schultern, als dass es ein Zeichen der Pein gewesen wäre, dessen anderes Ende die an der Täfelung lehnende Zofe in der Hand hielt.
Und ihre Maske ... sie verbarg doch eher die Lüsternheit und Anspannung, die in diesem Moment durch Marie flutete, wenn sie sich so sah. So wie sie sein wollte: lüstern und verletzlich! Nicht schutzsuchend wie noch wenige Minuten zuvor im Wagen. „Was wird hier heute mit mir geschehen“, diese Frage zog wie ein Schauer durch ihren Kopf und ihren Körper!
Es mögen wohl dreißig Minuten vergangen sein, da öffnete sich endlich die Flügeltür und die zweite Zofe kam wieder heraus in das Foyer, in dem Marie immer noch kniete. In beiden Händen trug sie ein silbernes Tablett, mit einer schwarzen stoffbezogenen Schachtel darauf und stellte es vor Marie auf ein gepolstertes Bänkchen. „Deine Arme“ sagte sie tonlos, in einem Akzent, der Marie unbekannt war, und öffnete die Schachtel. Als Marie, wie geheißen, die Arme vorstreckte, froh darüber, die Gelegenheit nutzen zu können, ihre Knie auf dem harten Parkett dabei zu bewegen, hatte sie „klack, klack“ an jedem Handgelenk eine Ledermanschette, deren Verschlüsse einschnappten wie Handschellen. An den Innenseiten befand sich jeweils ein Ring mit einem kleinen Schraubkarabiner, der das Fixieren ermöglichte.
„Deine Beine“ vernahm Marie und stand auf. Diese Bewegung war wie eine Erlösung und sie betrachtete ihre Handgelenke. Das Schwarz der Ledermanschetten an ihr war wie ein Fremdkörper und Marie begriff augenblicklich, es waren die symbolischen Hände von Michael, die sie verkörpern sollten und weswegen sie schwarz sein durften. Sie fühlte augenblicklich seine Nähe! Dagegen war ihr rotes Halsband ihr ureigenstes Zeichen und Symbol ihrer Unterwerfung. „Klack, Klack“ schlossen sich die Manschetten auch um ihre Fesseln. Die Zofe mit dem Tablett nahm dieses mit der leeren Schachtel wieder auf und gebot „komm, aber bleib gefälligst hinter uns!“
Schon liefen beide voran, zogen an der Kette und Marie stolperte etwas unbeholfen mit den Manschetten an den Beinen hinterher, indem sie ihren Rock etwas raffte, sonst wäre sie wohl augenblicklich gestürzt. Als sie einen weiteren Gang durchquerten und eine kleine Treppe hinter sich brachten, dauerte es eine Weile, bis sich die Augen von Marie an das Dunkel des Raumes gewöhnten, in welchen sie hineingezogen wurde. Längst hatte sie begriffen, dass das Haus weitläufiger sein musste, als es von außen den Anschein hatte und offenbar in den Hügel hineingebaut war, auf dem es versteckt zu thronen schien. Wo war sie? Die Gedanken rotierten in ihrem Kopf.
Michael lehnte rauchend an einer breiten Säule an einer Wand des Zimmers, dessen Front mehrere zweiflüglige Türen hatte. Sein Blick, den sie nur für Bruchteile einer Sekunde einfing, sagte Marie, dass er sehr zufrieden war mit ihrem Erscheinen. Unzählige Kerzen in schweren Leuchtern erhellten den Raum mit ihrem warmen Licht. Die Wände säumten wie auf alten Burgen Gobelins und rote und schwarze Samtvorhänge, schwere Buffets hier und da. Eine ganze Wandbreite nahm eine Glasfront ein, durch welche Marie die Einfahrt, die sie gekommen waren, sehen konnte und in der Ferne schimmerte die Straßenbeleuchtung. Rechts knisterte ein Kamin.
Davor bot sich Marie ein bizarres Bild! In einem engen offenen Halbkreis standen vier schwere lederne Clubsessel. Im Sessel, welcher mit der Rückseite zum Kamin stand, saß ein schon etwas ergrauter Typ, der aufgrund seiner nach hinten gerafften gelockten Haare, seinem Schnur– und Kinnbart sowie in seinem schwarzen Volanthemd und seinen seitlich geschnürten Lederhosen wie aus der Zeit der Mousquetaires erstanden schien. Links von ihm eine kniende schwarzhaarige Nackte, die vor sich ein silbernes Tablett mit einem riesigen Rotweinkelch hielt. Rechts von ihm eine Nackte von offenbar überseeischer Abstammung, die auf ihrem Tablett einen schweren kristallenen Aschenbecher mit einer langen Tonpfeife darin hielt.
Beide hatten ebenfalls rote Halsbänder wie Marie, deren lederne Leinenenden vereinigten sich schließlich in einem schweren Ring, der an dem geschmiedeten Ständer für das Kaminbesteck eingehängt war. Besonders gefangen nahm sie jedoch die kleine gertenschlanke Frau, die das Haar streng nach hinten zu einer Banane gesteckt hatte. Sie saß mit einem durchgehenden, an Armen und Beinen geschnürten Lederoverall bekleidet im Clubsessel rechts vom „Mousquetaire“ und spielte mit dem Ende einer Leine, deren Halsband einem ebenfalls Nackten gehörte, welcher in der Mitte der Runde den Tisch bildete. Darauf ein Schachspiel mit geschnitzten Figuren, dessen Partie wohl längst im Finale gipfelte. Die geschlagenen Figuren des Spieles lagen ringsherum um den menschlichen Tisch auf dem Boden verstreut. Neben dem Schachspiel hatte die Dame sogar noch Platz für ihr Weinglas auf dem Rücken ihres „Eigentums“ gefunden.
„Das ist Marie, ..................... Marie, das sind Madame et Monsieur Montbrun. Sie sind die Gastgeber, ................. zeige Dich erkenntlich“ hörte sie Michael aus seiner Ecke rufen. „Paff“ krachte das trockene Holz des verzehrenden Kamins dazwischen. Die Wärme und Bestimmtheit von Michaels Stimme, ließen für jeden Anwesenden an Maries Brüsten erkennen, dass sie von seiner Stimme augenblicklich berührt war. Schon kniete sie nieder, beugte ihr Haupt, so dass ihr Haar nach vorn fiel, stand wieder auf, ging auf den Hausherrn zu und kniete sich vor ihn, wie sie zuvor mit dem Rosenstrauß vor der Brust, im Foyer gewartet hatte. Offensichtlich interessiert, beugte sich Monsieur Montbrun nach vorn, stützte den Ellenbogen auf sein Knie, zauberte irgendwo eine Reitgerte her und legte sie Marie unters Kinn, so dass Marie ihren Kopf wieder heben musste.
Augenblicklich schloss sie die Augen. „Schau mich an“ hörte sie ihn sagen. Er mochte wohl um die Fünfzig sein, braune Augen. „Hm, die Grundlagen kennt sie ja zumindest. Kein Schwarz sehr lobenswert!“ Sein Kopf wiegte dabei von Links nach Rechts. Seine linke Augenbraue wanderte dabei skeptisch nach oben. Marie spürte, wie er mit einem Ruck das Band ihrer venezianischen Maske öffnete, so dass sie ihr nach vorn in den Schoß viel. „Ma chère, hast Du die blauen Augen gesehen? Und so groß! Eine Russin ist es nicht, sie hat nicht diese bäuerliche Kartoffelnase!
„Knack, knack“ prasselte der Kamin in der Stille dazwischen. Marie spürte Augenblicklich die Röte der Wut in sich hochsteigen. Sie, eine Russin! Stille! Sie hörte, wie er durch weite Nasenflügel tief einatmete, als wolle er sie an ihrem Duft zu sich heranziehen. „Wo hast du sie her, Michael?“ Sein Blick fixierte dabei den Raucher an der Säule. „Deutschland“ hörte Marie seine einsilbige Antwort. „Das sieht man doch an dem energischen Kinn“, hörte Marie Madame Montbruns Kommentar.
„Ja, ja ihr Frauen seht das! Lässt Du sie zeichnen“ hörte sie ihn wiederum fragen. "Wenn es soweit ist. Aber sie hat bis dahin noch eine Menge zu lernen", hörte sie Michaels erlösende Worte. Über ein Zeichen hatten sie bisher noch nicht gesprochen.
„Und, verleihst Du sie?“ Marie stockte der Atem bei dieser Frage. Auch das war ihr unbekannt. Wo führte das hin? Diese Frage durchschoss sie, wie das Adrenalin ihr Blut! „Nicht an Dich“ hörte sie Michael sagen, dessen Antwort ihr nicht wirklich beruhigende Gewissheit verschaffte. „Haaaah, Hahaha“ brüllte Monsieur Montbrun vor ihr los. „Ich wusste es, Du bist immer noch zu sensibel!“ Und als ob er sich gerade so gar nicht vor Lachen ausgeschüttet hätte, befahl er Marie barsch „geh zu Deinem Herrn!“
Marie versuchte ruhig alle Gefühle zu unterdrücken, ihre Gedanken zu sammeln und überreichte zuerst Madame Montbrun, dann dem Hausherrn eine Rose ihres Bouquets. Schließlich legte sie jedem der übrigen Personen, eine Rose vor die Füße und endlich dem Hausherrn den ganzen Strauß. „Du hast immer ein Händchen für wohlerzogene Damen“, hörte Marie Madame Montbrun an Michael gewandt sagen, nachdem sie zu Michaels Füßen, auf dem Boden Platz genommen hatte. „Ääääh, Erziehung erkennt man anders“ erwiderte ungehalten le Mousquetaire. Dabei nahm er seine Rose und steckte sie dem menschlichen Tisch zwischen die Pobacken. Dieser zuckte augenblicklich ob der Dornen, die ihn stachen und krachend fiel das Schachspiel zu Boden. In einer geistesgegenwärtigen Bewegung konnte Madame Montbrun gerade noch so ihr Weinglas auffangen, bevor es seinen Inhalt über den Teppich ergoss.
„Haaaah, Hahaha“ brüllte der Hausherr wieder schallend los, „Du solltest Deine Sklaven besser erziehen! Sie sind noch zu sensibel!“ „Du Idiot, warum kannst Du einfach nicht verlieren“ rief Madame fast im gleichen Augenblick und es war nicht klar, ob sie das Spiel oder die Situation meinte. „Fauch“ zischte ein Peitschenhieb der Reitgerte von Madame Montbrun durch den Raum und traf den Nackten, der bisher der Tisch gewesen war, quer über den Rücken. „Fauch, fauch“ zehnmal links und rechts. „Miststück, wie kannst Du mich so blamieren“, zischte sie dabei.
Als sie geendet hatte, war sekundenlang nur noch das unterdrückte schwere Atmen des Gepeinigten zu hören. Und als sei nichts Besonderes geschehen, erhob sich der Hausherr und gebot „donc bien, die Partie ist vorbei, gehen wir hinein und amüsieren wir uns." Schon erhoben sich die beiden Zofen, die bisher unauffällig rechts von der Tür, durch die Marie gekommen war, Platz genommen hatten, und eilten an ihnen vorbei. Michael schloss inzwischen wieder das Band von Maries venezianischer Maske, denn Maries Finger waren wohl beim Anblick dieser Züchtigung etwas zu aufgeregt. Eine links, die Andere rechts öffneten die Zofen eine zweiflüglige Tür und augenblicklich drang Musik, Lärm von Gesprächen, der Geruch von Parfums, Tabac und Menschen zu ihnen in den Raum.
Madame und Monsieur voran betraten sie einen großen, ebenso von unzähligen Kerzen und Leuchtern in gedämpftes Licht gehüllten Raum. Ihre Sklaven führten sie nur bis zur Tür und drückten die Leinen den Zofen in die Hand. Marie aber wurde von Michael hereingeführt, der seinen beobachtenden Blick nicht wieder von ihr nahm. Wie Alice im Wunderland nahm sie staunend auf, was sie hier sah. Eine Szene, wie man sich opulente mittelalterliche Feste vorstellte, zog Marie in ihren Bann.
Die Weitläufigkeit dieses Raumes, entzog sich dem Eintretenden, da schwere tiefrote Vorhänge nicht nur die bis zum Boden reichenden Fenster verbargen, sondern auch den Raum aufteilten. Ein schwerer Leuchter in der Mitte des Raumes hing vom getäfelten Plafond. Grobe Tische überall, voll mit Speisen, Schalen voller Obst, Kristallkannen mit rotem und weißem Wein. An den Enden der Tische stets mannshohe Leuchter, auf den Tischen die Kleineren. Und überall die unterschiedlichsten Wesen, die Marie zuvor noch nie gesehen hatte. Viele mit Masken angetan. Menschen in den wunderbarsten Kostümen und Verkleidungen, füllten den Raum, der vom Rauch und den Gerüchen der Menschen erfüllt war. Was für eine Inszenierung!
Niemand hatte wahrgenommen, dass sie zusammen mit den Hausherren eingetreten war, so dass Marie Zeit bekam, diese Szene auf sich wirken zu lassen. Hier lag ein Mann mit unbekleidetem Oberkörper, nur die schwarzen Hosen und Stiefel noch an, im Schoße seiner Maîtresse, welche ihn mit roten Trauben fütterte. Ihr Gesicht wunderbar geschminkt, wie jene der Damen am Hofe Ludwigs XIV. Selbst das kleine Pflasterchen auf der Wange fehlte nicht. Ein enges weißes Korsett schnürte ihre Taille und feste kleine Brüste thronten darüber. Als sich der Kopf ihres Herrn in ihrem Schoß vergrub, konnte Marie sehen, dass sie nur noch mit feinen weißen Strümpfen bis zum Knie bekleidet war. Beide liebten sich auf ihrer gepolsterten Bank und es machte ihnen nichts aus, dass andere ihnen dabei zusahen.
Marie hielt sich bei dem Anblick an Michael fest und setzte sich berührt zu seinen Füßen, wie ein Blumenbouquet, das man darbrachte. Aber während weitere Masken und Kostüme lachend an ihr vorüberflogen und ein Domino sich mit seiner weißen Maske zu ihr herabbeugte, sie eine Weile betrachtete, als wolle er ihre Augen stehlen, um daraufhin zu verschwinden, wie er gekommen war, wurde sie von einer anderen Szene gefangen. Nicht nur, dass hier und da unter den Tischen mehr Leben war, als man beim Eintreten vermuten konnte. Auch hinter den Fenstern und den Vorhängen, die den Raum aufteilten, verbarg sich laut vernehmbar manches verstohlene Geheimnis der Lust.
Unbeeindruckt von Zuschauern, saß auf einer Fensterbank eine Domina neben dem Hausherrn, welcher inzwischen die Begrüßungskur hinter sich gebracht hatte. In seinem Schoß bewegte sich langsam der Kopf einer jungen Frau vor und zurück, welche mit ihren geflochtenen Zöpfen und den ausrasierten Schläfen wohl eher ein Rockabilly – Girl war. Deren wunderschöne Tatoos schimmerten unter der Kleidung hindurch, welche eigentlich nur aus kunstvoll übereinandergezogenen, mehr oder weniger zerfetzten Tüll und Nylonteilen bestand. Von ihrem Hals führte deren Leine bis in die behandschuhte Faust der Domina, welche mit der Anderen, der rechten Hand, die nackte Sklavin von Monsieur Montbrun, jene mit dem überseeischen Flair, fest im Schoß gepackt hielt. Dabei strichen die roten vollen Locken der Domina über die Brust der Sklavin, dessen Spitzen sie genoss.
Plötzlich - Marie erschrak, so versunken war sie in der Szene - tauchte das Gesicht einer ganz in enges Lack gekleideten, ranken Katze mit leuchtend rotem Schmollmund in ihrem Gesichtsfeld auf. Sie hatte sich zu ihr heruntergebeugt und packte Marie am Kinn. „Hmmmmmmmh, Mäuschen mit himbeerrotem Mund. Das gefällt mir“ schmachtete sie mit rauchiger Stimme heraus und drehte die Augen dabei bedeutungsvoll aufwärts zu Michael. Ihr behandschuhter Daumen wischte dabei ebenso über Maries Lippen, wie am Nachmittag die Finger von Michael.
„Da hat der liebe Michael aber wieder einen appetitlichen Fang gemacht!“ „Hau ab Cécile und nimm Deine Pfoten weg, Du hast genug Spielzeug. Wenn ich sie verleihen wollte, hätte ich ihr eine weiße Lilie angehängt“ antwortete Michael ungewohnt barsch. „Hmmm Du warst schon immer sehr revierbewusst mein kleiner Kater", schnurrt Cécile heraus, als sie sich wieder aufgerichtet und Michael vollkommen zugewandt hatte. Dabei strich ihr lackglänzender Zeigefinger elegant von Michaels Ohr zu seinem Mund. Michael lächelte nur versöhnlich und schon war Cécile wieder in der Menge verschwunden. Und wirklich! Erst jetzt fiel Marie auf, dass einige der sich Hingebenden eine weiße Lilie an einem Band am Oberarm trugen.
Michael betrachtete Marie wieder, als wollte er sehen, wie die Bilder auf sie wirkten und sagte schließlich „Komm, der Abend ist noch lang!“ Kurz zupfte er an der Leine von Maries Halsband und sie erhob sich. Wie im Traum, wie eine Fremde, gefangen von nie vorher gesehenen Bildern, die immer schneller an ihr vorbeiflogen, schritt sie hinter Michael durch die Menge. Hier schaute sie eine Colombine an, dort eine bunte Harlekinmaske und wieder dieser Domino mit der langen spitzen Nase. Die Bilder rasten. Marie wurden die Knie weich. Wohl aus Lust und wohl aus Furcht vor dem Unbekannten, was sie heute noch sehen und spüren sollte.
Am Ende des Raumes, dessen Ecken wiederum durch schwere Vorhänge in Separées geteilt waren, befanden sich links und rechts orientalische Diwanecken, in denen wenig bekleidete Frauen und Männer ihren Herren und Damen, welche in den Kissen ruhten, das beruhigende Aroma der Wasserpfeife und andere Genüsse darbrachten. Michael musste immer wieder an Maries Leine zupfen, damit sie im Bann der Bilder nicht stehen blieb.
Endlich erreichten sie eine offene, ebenfalls zweiflüglige Tür, von deren Schwelle aus eine steile Steintreppe in einen Keller führte. Der sich windende Gang, so konnte Marie sehen, war ebenfalls durch Leuchter erhellt. Sobald sie die Stufen erreicht hatten, hörte sie wie abgeschnitten keine Musik mehr. Vielmehr Geräusche der Lust, Schreie der Pein, verdammende Wortfetzen und hier und da schweres Atmen. Was für eine Komposition!
Marie fröstelte auf den kalten Stufen und blieb stehen. Michael drehte sich zu ihr um, zupfte erneut an der Leine und flüsterte „Du bist mein, ich geb dich nicht her, keine Angst!“ Es gelang Marie nicht, im Vorbeigehen in die halboffenen, seitlich abzweigenden Verliestüren hineinzusehen. Nur die Geräusche darin waren zu vernehmen und Marie jagte ein Schauer nach dem Anderen über den Rücken. Hätte sie erklären müssen, ob aus Furcht oder aus lüsterner Neugier, sie hätte die Frage nicht zu beantworten vermocht. Sie erreichten beide schließlich einen Raum, der innen bereits in ein warmes Licht gehüllt war. Leuchter waren entfacht. Auf einem kleinen Tischchen standen eine Schale mit Obst und zwei gefüllte Rotweinkelche. In der Mitte des Raumes ein einfaches Eisenbett mit schlichten weißen Leinenmatratzen. Kunstvoll geschmiedetes Weinlaub und Rosenranken wanden sich um dessen Pfosten. An der Wand allerlei Peitschen und Stöcke und ein großes Andreaskreuz. Als beide die Mitte des Raumes betreten hatten, der einer bizarren Einladung gleich kam, wendete sich Marie um.
In einer Ecke saß Madame Montbrun mit einem Glas Rotwein in der Hand, schaute zu Michael und sagte tonlos, als gäbe es Marie nicht, „Ich habe Dich erwartet, mon cher!“ Michael umfasste mit seiner Hand zärtlich den Hals von Marie, sie spürte seine Lippen an ihrem Ohr und Michael flüsterte „Hab keine Angst, sie wird nur entscheiden, ob du wiederkommen darfst!“
Als Marie am frühen Mittag des folgenden Tages aufwachte, lag sie in einem Zimmer weiß wie Schnee. Gleißend schien bereits die Sonne durch die hauchzarten Voiles, welche sich durch den warmen Wind, der durch die geöffneten Terrassentüren strich, sanft wölbten. Das Licht blendete Maries Augen. Sie lag mit dem Kopf nicht auf der Nackenrolle, sondern auf Michaels innerem Oberschenkel. Hinter ihr liegend strich er ihr sanft über die Stirn, als er sah, dass Marie die Augen geöffnet hatte. Sie fror etwas und zog die Beine dicht an den Körper, als der Wind über ihre Haut strich und sie das Brennen der Spuren der gestrigen Nacht fühlte. Marie hatte immer noch ihr Halsband und die ledernen Manschetten an sich und es war offensichtlich, dass sie so eingeschlafen war, wie Michael sie aus dem Verlies trug.
Überall am Körper, an Beinen, Hüfte, Po und Rücken, spürte sie die Male der letzten Nacht. Sie waren da. Also hatte sie nicht geträumt! Und sie spürte, dass er sie genommen hatte. So wie es ihm gefiel! Bei dem Gedanken daran strich sie sich unbewusst mit wieder geschlossenen Augen über die Knospen ihrer Brust, welche die Gedanken ihrer Leidenschaft preisgaben. Wie Fetzen eines Filmes flogen die Bilder der gestrigen Nacht an ihrem inneren Auge vorbei.
Madame Montbrun hatte sich kurz erhoben und zündete in einem Rosenbecken schwimmende Kerzen an, welche augenblicklich den Raum noch heller und wärmer machten, während Michael einen Rotweinkelch griff und ihn Marie reichte. „Trink“ sagte er „du stehst an der Schwelle zu einer neuen Erfahrung. Aber hab keine Angst; du wirst nur mir gehören!“. Marie trank und sah dabei Madame Montbrun lächelnd im Halbdunkel einer Ecke des Raumes sitzen, dessen schwere Tür sie geschlossen hatte.
Lächelnd wie la Joconde. Ebenso unergründlich und ebenso schön. Als sie den Kelch abgesetzt hatte, nahm ihn Michael aus ihrer Hand, stellte ihn ohne hinzusehen auf das Tischchen zurück und warf sie auf das eherne Bett. Er nahm ihr die Maske ab, riss ihr den weiten Rock vom Leib und packte mit einem Griff ihren rechten Arm. Zog ein Seil durch den Ring der Manschette und befestigte es am rechten Bettpfosten des Kopfendes. Ebenso verfuhr er mit ihrem linken Arm, so dass Marie wie ein gejagtes Tier mit dem Rücken zur Mitte des Raumes kniend zwischen die Bettpfosten gespannt war.
In gleicher Weise erging es ihren Füßen, welche über die Ledermanschetten und Seile an den hinteren Bettpfosten fixiert wurden. Schon war Michael wieder am vorderen Ende des Bettes und legte von der anderen Seite weitere Seile in ihre Kniekehlen, so dass Marie wie in einer etwas gebückten Haltung mit ihren Beinen weder nach vorn noch nach hinten ausweichen oder sie schließen konnte. Das hatte Michael noch nie mit ihr gemacht! Ja, er hatte sie schon gefesselt und genommen. Aber diese exemplarische Körperhaltung, die alles darbot und nichts schütze, bei der nichts verborgen blieb, war doch etwas anderes.
Michael nahm sein Glas, ging um das Bett herum und betrachtete sein Werk mit wohlwollendem Lächeln. Steckte überall zwei Finger zwischen Körper und Fixierseile, um zu prüfen, dass sie zwar fest genug saßen, jedoch nicht einschnitten. Nun setzte er sich auf die Bettkante, betrachtete Maries Gesicht, das ihm ihre Unsicherheit und eine gewisse Wut verriet, die er von seiner Raubkatze kannte. Minuten vergingen so. Minuten der Stille, die Marie gelernt hatte auszuhalten.
„Gefällt es Dir hier?“ „Ja es ist schön hier“, antwortete Marie, um nicht unhöflich zu sein. „Gefallen Dir die Zofen? Findest Du die Hausherren schön“, setzte er nach. „Ja, mir gefällt alles sehr hier“ bestätigte ihm Marie, die noch glaubte, er wolle sie beruhigen. „Dann hast Du sie angesehen“, beharrte Michael weiter.
Marie schoss das Blut durch den Körper, sie wusste urplötzlich, worauf Michael hinaus wollte. „Ääh ja, verzeih, es ist alles so neu ....... ich war ja noch nie ..........“ stammelte sie hervor, bevor sie das vertraute Pfeifen der Reitgerte hörte. Zehnmal links und rechts auf Rücken, Gesäß und Oberschenkel. Wie die Pranke eines Raubtieres brannte die Gerte auf ihrer Haut. Marie biss die Zähne zusammen. Tränen liefen ihr dabei übers Gesicht und ihr Körper wand sich bei jedem Schlag. Vergebens versuchte sie sich dem Biss der feinen, schneidenden Gerte zu entziehen. Michael war ein Meister. War es der Schmerz oder die Schmach wieder auf die Nonchalance seiner Frage reingefallen zu sein, die ihr die Tränen in die Augen trieben? Michael atmete schneller. Marie keuchte etwas, als der Schmerz nachließ.
Sie hörte Schritte hinter sich. Wieder saß Michael auf dem Bettrand. Mit der Hand streichelte er die Stellen, an denen sich die frischen Striemen auf ihrem Körper abzeichneten. Seine Hand zog die sanften Rundungen ihres Körpers nach. Wie ein Maler mit seinem Pinsel, der versuchte, den Schwung seiner Muse zu erfassen. „Wie schön Du bist“ flüsterte er fast zu sich selbst und Marie hörte in seiner Stimme die wärmende Liebe, die sie von Michael kannte. In die er sie stets aufnahm und einhüllte, wie in einen weichen Mantel, in welchen sie sich sehnsuchtsvoll fallen ließ. Seine Hand glitt ebenso sanft zu ihrem Schoß und öffnete Marie. Erst ganz leicht mit einem Finger. Dann mit zweien.
„Es erregt Dich“ stellte er mit tonloser Stimme fest. Marie wagte nicht zu antworten. „Was ist Deine Pflicht“ hörte sie ihn fragen. Marie überlegte eine Weile aufgeregt was er meinte und antwortete: „meine Blicke vor jedermann und allen gesenkt zu halten und den Menschen, die über mich zu bestimmen privilegiert sind, nicht ins Gesicht zu schauen!“ Seine Finger glitten dabei leicht immer wieder in ihren Schoß. Wenn er sie fragte, hielt er sie dort fest gepackt.
„Hm, ma petite chatte“ hörte sie ihn murmeln. Dann lauter: „und warum hast DU gegen diese Regel verstoßen?“ Seine Hand verließ dabei ihren Schoß. Er raffte ihr Haar, das Marie über Gesicht und Brust gefallen war und packte sie daran mit festem Griff. „Und keine Ausflüchte“, flüsterte er in ihr Ohr. „Auch den Fahrer hast Du angesehen!“ „Ich bin zu neugierig und habe keine Disziplin“ presste Marie heraus, als sich seine Hand fester in ihr Haar drehte. „Ja und du bist zu lüstern und hast keine Disziplin! Und ich werde es Dir beweisen“, antwortete er für sie lauter, wobei Michael sich dicht hinter sie kniete.
Sie hatte nicht bemerkt, dass er bereits seine Hose geöffnet hatte. Seine Hände strichen nun die Innenseiten ihrer Schenkel nach oben, verweilten zärtlich an ihrem kleinen weichen Bauch, huschten wieder zu ihrem Schoß, zeichneten weiter die Rundungen ihres präsentierten Gesäßes nach und waren im nächsten Augenblick schon wieder an den Spitzen ihrer Brüste, die sich bereits aufrichteten. Sein Becken bedrängte ihren Po und Marie spürte, wie er sich spannte. Aber noch ließ er sie warten und seine Hände huldigten mit ihren zarten Berührungen der sanften, duftigen Weiblichkeit ihres Körpers. Er musste sie lieben!
„Wehe du kommst“ hauchte Michael in ihr Ohr, als er schließlich doch ihren Schoß öffnete und seine Lippen, seine Zähne und sein Atem ihre Ohrläppchen und ihren Nacken umspielten. Marie krallte sich in die feuerroten Seile, die ihre Manschetten banden und ihre Arme hielten. Ein Schauer nach dem anderen jagte ihr über den Rücken, als sie seinen Hauch im Nacken spürte. Durch den sanften Druck, mit dem er sie öffnete und nahm, wurde sie daran erinnert, dass sie ihm vollkommen ausgeliefert war. Im nächsten Moment der Schauer des Gedankens, dass sie, ja sie, genau das wollte! Die Gefühle rasten in ihr. Keinem davon konnte sie sich entziehen. Schon gar nicht der Lust, die aus ihr floss. Und deren süßen Geruch sie selbst wahrnehmen konnte.
„Wehe du kommst“ wiederholte Michael und Marie versuchte sich ihrer Lust zu entziehen, während er sie liebte. Es gelang ihr nicht. Zu sehr genoss sie seine Wärme, seine Berührungen und Küsse auf den geschundenen Stellen ihres Körpers. Sie keuchte und stöhnte immer lauter. Ihre Hände krallten sich immer fester in die Seile und sie bemerkte, dass ihr Stöhnen unter seinen festen Händen und der Unnachgiebigkeit seines Körpers immer lauter durch den Raum drang. Wie der Ton der Lust und der Sehnsucht in ihrem Keuchen die Oberhand gewann. Wie sie hörbar einer Welle entgegen schwamm, die sie hoch aufwerfen und weit mit sich nehmen sollte. Längst hatte sie die Augen geschlossen und ließ sich tragen. Setzte der Lust, die aus ihr sprach, nichts mehr entgegen. War nur noch ............ ja was war sie?
Innerlich ein bunter Reigen aller Farben der Lust. Ein Paradies der Gefühle, in dem Vögel und Schmetterlinge Nektar fanden und Tränen süß wie Honig waren. Äußerlich ein gefügiges Wesen des Verlangens und der Begierde, von dem man sich nahm, wonach man dürstete. Sie fühlte bereits diese Welle, schwer und süß wie Honig!
Fast hätte sie sich von diesem Gefühl mittragen lassen, als sich Michael ihr plötzlich entzog. Sie spürte das Brennen einer heißen Flüssigkeit, die ihr über Rücken, Lenden und Gesäß rann. Wachs! Michael goss langsam den flüssigen Inhalt einer brennenden Altarkerze über sie aus. Marie schrie gellend. Zuerst vor Schreck, dann vor Schmerz. Alles, was in ihr flüssig geworden war und sich geöffnet hatte, zog sich wieder zusammen und erstarrte. Der anhaltende Schmerz des heißen Wachses schien nicht nachzulassen. Wie ermattet sank sie in die Seile, als es endlich auf ihrem Körper erstarrte und das Brennen nachließ.
„Siehst Du, ich wusste, dass Du Dich hingeben würdest wie eine Hure. Du bist lüstern.! Wem gehörst Du“ raunte Michael ihr im Tenor seiner Stimme ins Ohr. Er musste ihr die Frage dreimal stellen, bis Marie antworten konnte: „Dir!“. Ich gehöre Dir. „Was bist Du“ forschte Michael in ihr weiter. So nackt wie sie vor ihm angeschlagen war, las er in ihr wie in einem Buch, dessen Geheimschrift man durch eine Flüssigkeit lesbar gemacht hatte. Keine Antwort! Marie keuchte nur. In ihr drehte sich ihre ganze Welt. Sie hatte den Überblick über ihre Gefühle, ihre Welt völlig verloren. Sie fühlte sich wie ein wildes Tier, das man in einem Käfig ausstellte, der ihr keine Ecke, kein Ding des Schutzes vor fremden Augen bot. Marie wusste nicht mehr, was falsch und richtig war.
Da hörte sie wieder ein Fauchen in der Luft. Und bevor ihr der Gedanke kam, dass dessen Klang etwas anders war, als alles was sie bisher kannte, pfiff der Rohrstock erneut durch die Luft und biss sich in ihre weiche Haut. Wieder zehnmal links und rechts! Diesmal ließ sie ihren Schreien freien Lauf, hielt nichts in sich zurück. Auch die Tränen nicht. Ihre schrillen Schreie gellten durch den Raum, aus dem ja doch nichts nach außen drang. Wie betäubt empfing sie die letzten Schläge und sank schließlich etwas nach vorn. Michael schlug mit voller Kraft und Marie hatte das Gefühl, dass ihre Haut an den Stellen aufsprang, an denen er sie zeichnete. Sie war erschöpft! Der Durst brannte auf ihrer Zunge. Auf den frischen Spuren seiner Schläge spürte sie plötzlich eine Kühle und fröstelte leicht. Ihre Knie waren bereits wie Butter.
Michael, der dies sah, als seine Hände sanft die frischen Spuren prüften, stellte das Becken mit den Kerzen und einen großen Leuchter näher an das Bett. So im helleren Lichte erschienen die roten Striemen auf der hellen Haut von Maries Körper noch kräftiger und noch intensiver im Kontrast zu ihrer Haut. Michael reichte Marie den Kelch mit dem Wein und sie trank in langen Zügen. Weintrauben fanden den Weg in ihren Mund, erfrischten Marie etwas und wie um einen Rest von ihr und den Früchten zu bekommen, küsste Michael sie verlangend. Wieder war er hinter ihr und umschlang sie mit beiden Armen. Er hatte sein Hemd ausgezogen und Marie genoss die Wärme und Nähe seines Körpers wie einen frischen Verband auf ihrer Seele.
„Du hast mir noch nicht geantwortet“ flüsterte er wieder in ihr Ohr. Und Marie, die seine Wärme in sich aufnahm wie ein kräftigendes Mittel, fühlte, was sie sagen wollte: „ich will sein, was ich für sie sein soll!“ „Ja. Ich sage Dir, was Du für mich sein sollst“ erwiderte Michael, der das ehrfurchtsvolle „sie“ bemerkt hatte. Und wieder: „wehe Du kommst!“
Ein zweites mal empfing ihn Marie in ihrem Schoß und besann sich zunächst, ihre Empfindungen zurückzuhalten. Seine Hände strichen wie sanfte Boten der Lust über ihre Haut, welche nach der Pein noch empfindsamer und wohl auch empfänglicher für Zärtlichkeiten geworden war. Sein Hauch umhüllte sie erneut und seine Haut wärmte sie und linderte ein wenig den anhaltenden Schmerz der Zeichen auf ihrer Haut. Vergeblich! Wieder spürte Marie die Lust an der Festigkeit, der Härte und Unnachgiebigkeit seines Körpers, der sich an ihr und in ihr drängte. Und als ob es Michael bemerkte, steuerte er mit seinen Bewegungen genau darauf zu. Marie seufzte und wand sich an ihm. Die Lust füllte sie an. Und die Gewissheit dieses alles durchströmenden Gefühles, das ihr die Hitze in den Schoß und durch den ganzen Körper trieb, ließ sie wieder lauter seufzen und keuchen.
Ihr Schoß öffnete sich ihm wieder und Marie genoss jede Bewegung von Michael. Sie spürte ihn. Sie spürte ihn so intensiv, wie sie ihn noch niemals gefühlt hatte. Und wieder gab sie sich ihm ganz hin. Mehr noch! Sie kapitulierte innerlich vor seiner Macht, die er über sie hatte. Mit der es ihm immer wieder gelang, in ihr zu lesen. Ja, er war der Einzige bisher, der diesen Zugang zu ihrer Seele gefunden hatte und den Schlüssel zu ihrer Seele besaß. Sie liebte ihn. Sie wollte ihn haben. Jetzt! Und da war sie wieder, die schwere süße Welle aus Honig, bei der sie spürte, dass in ihr alles weich und heiß wurde, sich alles öffnete und schließlich ...............
Patsch! Ein Schwamm mit Eiswasser landete auf ihrem Rücken, nachdem sich Michael erneut entzogen hatte. Nahm ihr den Atem und löschte alle Hitze, die in ihr war! Marie brauchte einige Minuten, um sich zu erholen. Minuten, die Michael nutzte, um sich neben dem Bett auf einen Stuhl zu setzen und Marie zu betrachten, wie sie dort auf dem Bett kniete. An den Armen gebunden, der Körper gezeichnet von den Schlägen, die Beine leicht geöffnet und ihr Schoß, der nicht empfangen und geben durfte, was sie sich ersehnte. Dessen er sich aber bedienen durfte. Wieder vergingen endlose Minuten.
„Du bist schön, aber du bist die Lüsternheit in Person. Und ich werde Dich zähmen“ bemerkte Michael, als er mit seinen Betrachtungen am Ende war. Wie beiläufig, drückte er erneut einen Schwamm mit Eiswasser auf ihrem Rücken aus. Marie schrie wieder vor Schreck und fühlte, wie ihr Körper langsam auskühlte. Da hörte sie schon wieder das markante Pfeifen der Reitgerte. Ihre Schreie gellten durch den Raum. Ihr Körper wand sich schneller hin und her in seiner Fesselung. Sie konnte ihnen nicht entkommen. Die Seile spannten sich nur und hielten sie an Ihren Fesseln und Knien. Zehnmal links und rechts. Diesmal weinte Marie. Er hatte gewonnen! Ihr Körper bebte und zitterte. Sie konnte nicht mehr an sich halten. Die Tränen flossen ihr übers Gesicht und ihre Oberschenkel. Ihr Rücken zitterte, als ob es kein Halten gäbe. Ihr Rücken, Gesäß und Oberschenkel waren rot glühend gezeichnet von den Schlägen.
Michael band sie los und nahm sie in den Arm. Zunächst wand sie ihr Gesicht ab und versuchte sich vergeblich, ihm zu entwinden. Aber sie wollte ihn ja. Seine Nähe! Wie ein kleines Kind, drückte Marie sich schließlich schluchzend an ihn, als Michael nicht nachgab. Ihr Körper war heiß von seinen Schlägen. Aber Marie fröstelte in wilden Schauern. Es tat so gut! In ihrer Verletzlichkeit seine Wärme aufzunehmen, seinen Duft zu atmen und die Stärke seiner Arme zu spüren, die sie festhielten. Ihre Lippen tasteten Michaels Hals und fanden schließlich seinen Mund. Sie flossen förmlich ineinander. Im Kuss schob sie seine Hände zu ihrem Po, die diesen schließlich wärmten. Glück breitete sich in Marie aus. Dieses süße Gefühl, gewollt zu sein und geliebt zu werden. Von ganzer Seele! Sich hingeben zu können. Mit aller, letzter Konsequenz.
Und sie gab sich wieder seinen Boten der Lust hin, die ihrem Körper huldigten. Dessen Konturen nachforschten und -zeichneten. Dessen Tiefen ergründeten. „Ich will Dich noch mal“ hörte Marie ihn raunen. Ihre Augen schlossen sich wie die eines Kindes, das sich nicht traute, eine brennende Frage zu stellen. „Sieh mich an“ und Marie hob den Blick. „Ja du darfst kommen“ antwortete er auf die Frage, die sich Marie nicht laut zu stellen traute. Wenig später, empfing Marie ihn wieder in ihrem Schoß. Bereits das Gefühl der Wärme und Geborgenheit seines Eindringens reichte Marie und sie spürte wie die süße Welle aus Honig sie anhob und fort trug. Hin zu der Insel, dem Paradies der Gefühle, in dem Vögel und Schmetterlinge Nektar fanden und Tränen süß wie Honig waren. An dem Ort, wo alles aus ihr heraus floss und nur noch Glück in ihr blieb.
Als Marie in Michaels Armen die Müdigkeit erfasste, sah sie vor dem Einschlafen Madame Montbrun, die sich auf die Kante des Bettes gesetzt hatte und ihr eine Rose an das Kopfende legte. Sie spürte die Hand von Madame Montbrun an ihrer Wange und ihr Streicheln. „Natürlich darfst Du sie wieder mitbringen“ hörte Marie, bevor sie einschlief.
So wie sie war, nackt, mit den Ledermanschetten und dem Halsband trat Marie auf die Terrasse. Es war sehr warm und den Liedern der Vögel gehörte der Tag. Niemand war im Park. Nur hier und da war ein lautes Lachen einer Frau aus den Fenstern des Hauses zu hören oder das Klappen einer Autotür. Am anderen Ende des Parks, am Eingang den sie gestern hereingekommen waren, sah Marie eine morgendliche Spaziergängerin zwischen den steinernen Torpfosten, die ihren Hund ausführte. Sie ging schnell weiter, als sie offenbar Marie durch das geschmiedete Tor in der Ferne wahrnahm. Marie genoss dessen ungeachtet den Ausblick von der Terrasse über den Park und entdeckte eine wunderbare Lärche an einem kleinen Weiher. Als sie diese erreicht hatte, setzte sie sich zu ihren Wurzeln ins Gras, schloss die Augen und lauschte den Vögeln.
Wie lange hatte sie das schon nicht mehr getan in der Hektik dieses Lebens, den Verpflichtungen? Nein, da draußen, wo die Dame den Hund spazieren führte, das war nicht das Leben. Da führte man Hunde an der Leine und vergöttert sie. Hier, das war das Leben! Hier war sie und hier wurde sie an die Leine genommen und doch vergöttert. Ein verstohlenes Lächeln huschte sanft über ihr Gesicht.
„Geht es Dir gut“ hörte sie hinter sich Michaels Stimme, der sich zu ihr setzte. Sie wandte ihm den Kopf zu und empfing den Kuss, den zu schenken, er ihr gefolgt war. Im Schatten des Baumes waren ihre Augen dunkel, stellte Michael fest. Und er sah sich darin. Sah sich wie in einen heiligen See, den man befragte, wenn man sein wahres Gesicht sehen wollte. Maries Augen waren in diesem Moment wie der See. Und er sah seine eigene Lust der gestrigen Nacht darin. Und die Frage von Marie.
„Wenn du bereit bist, mir zu gehören und nur mir. Nicht wie meine Frau, nicht wie eine Sklavin. Das wäre zu wenig. Wie mein Besitz, wie ein Teil von mir! Dann wirst Du im Leben meine Königin sein.“ Wenige Augenblicke später ließen sie sich unter der Lärche gemeinsam von der süßen Welle aus Honig forttragen. Hin zu der Insel, dem Paradies der Gefühle, in dem Vögel und Schmetterlinge Nektar fanden und Tränen süß wie Honig waren.
© by Ina_la chatte / 2008
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