Die JOYclubGruppe Kurzgeschichten stellt uns allen hier regelmäßig eine ihrer besten, erotischen Geschichten für den kleinen Lesespaß zwischendurch zur Verfügung. Nach dem Tango um Fünf, der L’initiation de Marie und dem ibizenkische Dinner ist es diesmal eine Geschichte, namens der Tisch, die eure Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchte! Viel Spaß!
Der Tisch
Kapitel 1
Endlich hatte sich mein Traum erfüllt. Ich hatte eine Wohnung gefunden, die genau meinen Vorstellungen entsprach: Super Schnitt, Lage total ok, sogar mit Terrasse und kleinem Garten und auch noch bezahlbar. Ich Glückskind! Dank meiner Kumpels ging der Umzug problemlos über die Bühne.
Da stand ich nun, abends, nachdem der letzte Helfer gegangen war, fix und fertig, aber überglücklich, zwischen Kartons, Kleidersäcken, Pizzaschachteln vom Umzugsessen und vielen, vielen Ideen für mein neues Reich. Ich fischte aus der Kiste mit der Aufschrift „Krimskrams“ eine dicke Kerze, schnappte mir einen Stuhl und setzte mich auf die Terrasse. Im Kerzenschein tanzte der Schatten des Himbeerstrauchs. Es gab doch tatsächlich einen Himbeerstrauch in meinem Garten! Meine Gedanken wanderten zurück zu Werner. Die Trennung verlief ruhig und harmonisch. Man wünschte sich Glück und versicherte sich gegenseitig, sich bald mal auf ein Bier zu treffen. Wissend, dass man es bleiben lassen würde.
„Scheiße! Verschlafen!“ schoss es mir durch den Kopf, als ich von unvertrauten Geräuschen geweckt wurde. Es dauerte einige Sekunden, bis ich realisierte, dass ich auf der Matratze auf dem Boden meiner neuen Wohnung lag und ich eine Woche frei genommen hatte für den Umzug. Fein. Die Sonne schien, im Bad stand der mit „Bad“ gekennzeichnete Umzugskarton und in der Küche der mit „Kaffee – WICHTIG!“. Erst mal die Espressokanne aufstellen. Gasherd. Ich liebe es, mit Gas zu kochen. Während das Wasser langsam durch die Kanne nach oben sprotzelte, um als schwarzbraunes Lebenselixier meinen Tag in einen Guten zu verwandeln, weihte ich die Duschkabine ein.
Ich genoss das Gefühl des feuchten Rasens, als ich barfuss, ein schnell herausgezupftes Kleidl übergezogen, in einer Hand die Kaffeetasse, in der Anderen eine Zigarette, durch meinen kleinen Garten schlenderte. Tomaten. Ich will Tomaten anpflanzen. Das „Dingdong“ meiner neuen Klingel erinnerte mich an die Verabredung mit Klaus, meinem „Heimwerkerkingkumpel“. Wir schafften allerhand an dem Tag. Er baute auf, ich räumte ein.
„Oh je Mel! Ein Umzugsopfer gibt es: Deinen Esstisch.“
Ein Riss verlief quer durch die Holzplatte. „Aber kann man da nicht irgendwie…?“
„Vergiss es Melanie, der Tisch ist hin.“ Egal. Neue Wohnung – neuer Tisch. Tabula rasa sozusagen. Am Abend sah alles schon ziemlich wohnlich aus.
Meine Freundin Gabriella brachte bei ihrem ersten Besuch Brot und Salz zur Einweihung meines neuen Heimes mit. Sie war ebenso begeistert wie ich über die Lage, die Raumaufteilung und den Garten. „Hast du auf de Tische getanzt oder slimmere Dinge gemakt? Isch kann die Kapuut mitnehme und in die Kamine verbrenne.“ sagte sie in ihrem bezaubernden Akzent, nachdem sie den Tisch entdeckte. „Ach, das war Schicksal. Der Tisch musste einfach zerbrechen. Zu viele Sorgen wurden an ihm besprochen. Zu viel Streit musste er anhören.“
„Mel, isch kenne eine gigantise Möbelmannschweißer. Lass dir make Tisch aus Eisen. Sieht supercool ausse. Hier hast du Nummer.“ Sie legte eine Visitenkarte auf mein Knie, küsste mich sizilianisch freundschaftlich links und rechts, schnappte den Holztisch und weg war sie. >Möbel zum Weitervererben< stand auf der Karte. Darunter nur der Vorname und die Telefonnummer. Daneben das Foto eines Thrones. Was soll ich damit? Ich will doch keinen Tisch für eine Burg!
Die finalen Dekoarbeiten füllten meine Tage aus. Ich war happy. Nur das Essen auf den Knien ging mir langsam auf die Nerven. Ich brauchte schleunigst einen Tisch. Aber ich wollte etwas Besonderes. Nichts X-beliebiges aus einem Möbelhaus mit Hip-Hop-Sound. Ich kramte die Visitenkarte wieder hervor und beschloss, einfach mal anzurufen.
Ich ließ es sehr lange klingeln. Als ich schon auflegen wollte, meldete sich eine ruppige Stimme mit „Wer stört?“. Einigermaßen verblüfft stammelte ich meinen Namen und den Grund meines Anrufes. „Ich mach keine Normalomöbel. Geh doch zu Karstadt oder Gallery M!“ Wütend knallte ich den Hörer auf die Station und zerriss die Visitenkarte in kleine Schnipsel. So ein Arsch. Das hätte er auch freundlicher sagen können!
Abends machte ich es mir wieder auf der Terrasse gemütlich. Ein Frühstücksbrett mit kleinen Häppchen auf den Knien, fiel mir der unverschämte Typ wieder ein. Pah – Normalomöbel! Woher nahm sich der Kerl das Recht, meinen Einrichtungsgeschmack zu beurteilen? Vom Rotwein ermutigt, beschloss ich, noch einmal anzurufen. Nur hatte ich die Visitenkarte leider unbrauchbar gemacht. Für das nächste Mal nahm ich mir Zerknüllen vor. Fast so dramatisch, aber reversibel. Mir fiel die im Telefon gespeicherte Liste der geführten Anrufe ein und ich ging sie durch, bis ich seine Nummer auf dem Display hatte. Ich drückte auf Wiederwahl und bekam nach dreimaligem Klingeln Anschluss. „Was gibt es?“ „Hör zu, Du Eingebildeter…ok, sorry, ich bin’s. Die mit dem Tisch. Ich will keinen Normalotisch. Ich will einen Tisch, der mit mir mein neues Leben anfängt!“
„Melanie?“ „Ja verdammt.“ Stille.
„Es tut mir leid, dass ich so unfreundlich war. Ich hatte nur gerade…egal, also du willst einen Tisch. Keinen aus dem Möbelhaus. Von mir gefertigt. Weißt du denn welche Art Möbel ich herstelle?“
„Auf deiner Karte war ein Stuhl. Sah aus wie für einen Ritter gemacht.“
„Hast du dir den Stuhl näher betrachtet? Ist dir etwas aufgefallen?“
„Nein. Ich hab deine Karte fast pulverisiert nach deiner Anschnauze!“
„Hmm…welche Vorstellung hast du von deinem >neuen Leben<?
Das ging mir dann doch zu weit. Ich wusste es doch selbst nicht. Ich hatte nur eine Ahnung von dem, was ich nicht mehr wollte. Wie und warum sollte ich das mit einem Wildfremden besprechen?
„Ok, wenn du magst, komm morgen Nachmittag vorbei und mach dir selbst ein Bild von meinen Arbeiten.“ Er nannte mir seine Adresse und wir verabredeten uns.
Kapitel 2
Die angegebene Adresse lag etwas außerhalb. Ich musste zwei Mal nach dem Weg fragen. „Der verrückte Schweißer? Ja. Gradaus und an der großen Linde rechts ab. Da kommens genau hin.“
Es sah aus wie ein kleines Hexenhäusel. Die Tür stand weit offen. Auf mein „Hallo“ hin öffnete sich ein Auge des großen roten Katers vor der Türe. Keine Antwort. Ich sah mich im Garten um. Wildwuchs. Schöne Blumen. In der Mitte ein Brunnen, von Sukkulenten umrahmt.
Da hörte ich ein zischendes Geräusch. Mein Gehör führte mich um das Haus herum. Vorbei an unzähligen Tomatenstauden mit prallen, sonnengereiften Früchten, die die Zweige gnadenlos nach unten zogen. Ich konnte nicht anders. Ich musste eine Tomate pflücken und biss genussvoll hinein, als ich um die Hausecke bog. Da war also seine Werkstatt. Kauend sah ich mich um. In der Ecke stoben Funken wie die eines gewaltigen Sternwerfers. Davor eine Gestalt in blauer Latzhose und Sichtschutz vor den Augen. Ich nahm den Geruch von geschmolzenem, bearbeitetem Metall wahr.
„Hallo?“ Das Bitzeln stoppte und der Mann drehte sich zu mir um. „Melanie?“ „Mel, wenn es dir nichts ausmacht.“ Er kam auf mich zu, stoppte ganz nah vor mir und lachte. „Was ist so lustig?“ Er hob seine Hand, berührte meinen Mundwinkel, leckte seinen Finger ab und meinte lakonisch: „Tomatendiebin! Ich bin Frank. Du willst also einen Tisch. Wozu soll er dienen?“ Wozu soll er dienen? Verdattert stammelte ich „Na, zum Essen. Zum Schreiben. Zum Klönen.“. „Was hat Essen, Schreiben und Klönen mit deinem neuen Leben zu tun?“
Seine Augen fixierten mich gnadenlos. Das irritierte mich. Ich spürte die Röte über meine Wangen aufsteigen. „Hör zu, ich möchte einfach einen Tisch, der genau für mich gemacht ist.“ Er nahm meine Hand und führte mich in den hinteren Teil seiner Werkstatt. Was ich dort sah, überstieg das Fassungsvermögen meiner Fantasie: Stühle, Kreuze, Liegen, ein Bettgestell, alles aus dicken Ketten und Eisenstangen in runder und eckiger Form zusammengeschweißt. Zugeschnittene Holzplatten in allen möglichen Farben und Maserungen dienten als Sitz- oder Ablageflächen. Er erklärte mir, dass der Vielfalt der Fixierungsmöglichkeiten durch die Kettenglieder und eingearbeiteten Ösen keine Grenzen gesetzt wären. Jetzt erst kapierte ich! SM-Möbel!
Ich stammelte etwas von einem dringenden Termin, den ich vergessen hatte, und verließ fluchtartig die Werkstatt und den Hof. Scheiße. Warum habe ich es nicht an seiner Visitenkarte erkannt? Sadomasochismus. Damit hab ich doch nichts am Hut!
... Obwohl – meine Neugier war geweckt ...
Kapitel 3
Während der Heimfahrt versuchte ich mich durch das Singen von Johnny Cash-Songs abzulenken. Ghostriders in the sky.
Endlich daheim, schob ich eine Techno-CD in den Player und putzte sinnlos saubere Flächen. Brotzeit auf den Knien. Vom Bett aus ließ ich mich von CSI New York berieseln, bevor ich einschlief. Während ich in unruhige Träume hinüberglitt, tauchten in mir wieder und wieder diese Möbel auf. >Verschiedenste Fixierungsmöglichkeiten<. Ich sah mich gespreizt auf diesem Thron. Die Beine weit geöffnet. Er stand lächelnd vor mir. Ich hatte seinen Geruch noch im Empfinden. Eine Mischung aus heißem Metall und Schweiß. Wohlige Wärme empfing mich.
Plötzlich tauchte meine Mutter auf. Sie brachte mir meinen Lieblingskuchen. Warum wunderte sie sich nicht darüber, dass ihre Tochter gefesselt war? Lächelnd stellte sie den Kuchen zwischen meinen Schenkeln auf dem freien Dreieck des Holzthrones, welches meine gespreizten Beine freiließen, ab. Mein Schluchzen ignorierend wandte sie sich Frank zu: „Du bist ein guter Junge.“ Und weg war sie. Sein Gesicht erschien nah an meinem. „Tomatendiebin! Ich werde Dir zeigen, was ich mit Tomatendieben mache!“ Blitzschnell griff er an meine Vagina und zwickte meinen Kitzler. Mein Becken schob sich nach vorne um dem Zug nachgeben zu können. Er lachte und zog immer fester. In den Schmerz mischte sich Lust.
Plötzlich war er weg. Ich war auf einer Wiese und mein Exfreund Werner stand mir gegenüber. Seine Gesichtszüge waren hässlich. Er fing an mich zu schubsen. Erst wich ich aus, versuchte, den Halt nicht zu verlieren. Keith Richards schwebte vorbei und sang: „I´m loosin´ the grip. Irgendwann wurde es mir zu bunt und ich packte, mit großartigen Kräften ausgestattet, Werners Kehle. „Hör mir gut zu, du Windwurm. Warum kriechst du nicht einfach unter den Stein zurück, unter dem du rausgekrochen bist? Ich hab deinen Kleingeist so satt!“
Dann war ich plötzlich Kind und baute eine Bude aus Stöcken im Wald. Ein Reh kam vorbei und bewunderte meine Hütte. Das Reh verwandelte sich in Frank, nahm mich an der Hand und führte mich in seine Werkstatt zurück. Dort angelangt wunderte ich mich über gar nichts mehr. Ich war kein Kind mehr, sondern eine Frau. Eine Frau mit ausgeprägten Lustgefühlen. Ich liess mich willig an ein Andreaskreuz fesseln. Er sah mir die ganze Zeit in die Augen und beobachtete die Unruhe und meine Angst, die sich darin spiegelte. Und dann die aufkeimende Lust. Er küsste mich. Es war der unglaublichste Kuss, den ich je erlebt habe.
Plötzlich war er weg. Es war dunkel. Ich hatte Angst und ich fror. Dann war ich plötzlich in einem Bett. Eine Art Halbkugel, die an der halbrunden Decke befestigt war und somit einen Kreis bildete. Frank umarmte mich und ich fühlte mich wohl und geborgen. Ganz behutsam kuschelte er sich an mich. Sein ganz spezieller Körpergeruch erregte mich. Ich schlang meine Beine um ihn und dirigierte seinen erigierten Schwanz dorthin, wo ich ihn haben wollte. Als er in mich eindrang war ich plötzlich auf einer Wolke. Ganz alleine. Die Wolke löste sich auf und ich fiel und fiel. Ich wollte schreien, aber kein Laut kam aus meiner Kehle.
Schweißgebadet wachte ich auf. Nässe auf meinem Bauch und zwischen meinen Schenkeln spürend.
Kapitel 4
Ich überließ es der Dusche, die Spuren meiner Träume zu entfernen. Langsam wieder in die Realität einzutauchen. Schön eincremen und Zähne putzen. Als ich gerade gemütlich am Pinkeln war, klingelte das Telefon.
„Wie stellst du dir deinen Tisch vor?“ „Frank?“
„Wer sonst? Oder hast du mehrere Tische in Auftrag?“ Er lachte. Ich mochte sein Lachen.
„Also, er sollte für mindestens sechs Personen zum Essen geeignet sein. Er soll stabil sein und auch einen eventuellen Umzug überstehen. Ich möchte das Gestell aus Eisen, grob geschliffen, lasiert und eine Glasplatte darauf.“
„Und sonst nichts?“ „Wie, sonst nichts? Was sollte ich mit einem Tisch sonst vorhaben?“ Da begriff ich und es wurde heiß zwischen meinen Beinen.
„Komm doch heute noch mal vorbei und wir machen erst mal eine Skizze. Um drei Uhr, ok?“
Der fette rote Kater lag breitbeinig auf dem Weg zur Werkstatt. Dass ich über ihn hinweg stieg, quittierte er nur mit einem Ohrenzucken. Ein sehr relaxtes Tier. Ich fand Frank am Schreibtisch. Er skizzierte einen neuen Thron. Sein Lächeln war bezaubernd, als er sich zu mir umdrehte. „Mel, schön, dass du da bist. Also. Wie soll dein Tisch nun aussehen?“ Er stand auf und sein Geruch machte mich wieder nervös. Aber er konnte ja nichts von meinem Traum wissen. Oder?
„Was war das mit deinem neuen Leben? Wie sah dein altes Leben aus?“ Sein Blick schien mir punktgenau in meine Seele zu blitzen und ich fing einfach an, zu erzählen. Dass mir das oberflächliche Einerlei zum Hals raushinge. Dass mich kein Mensch bislang erkannte. Dass ich mich ja selbst nicht erkannte. Dass ich verunsichert sei. Dass mich eine Sehnsucht treibt, von deren Ursprung ich nichts wissen würde.
Sein Blick war so intensiv. So nah. Ohne ein weiteres Wort küsste er mich wie in meinem Traum. Ich vergaß Zeit und Raum. Dieser Kuss war so vollendet. So unendlich. Ich lachte und gleichzeitig flossen die Tränen. Ich fühlte mich so angekommen wie nie zuvor im Leben.
Ganz sachte öffnete er mein Kleid und ließ es herabgleiten. „Schön, dass du keine Unterwäsche trägst. Komm, ich zeige dir deinen Tisch. Ich habe ihn ohne Skizze angefangen, weil ich weiß, was du willst.“ Er führte mich in die Ecke, in der hochkantig der Rahmen meines Tisches lehnte. Massives Eisen. Sanft hob er meine Arme und umschloss sie mit weichen Ledermanschetten. „Ich weiß, du hast diese Ösen nicht bestellt. Aber ich habe sie für dich angebracht.“ Mit einem satten Klick befestigte er die Manschetten am Tischgestell. Er umarmte mich, dirigierte mit leichtem Druck meine Beine auseinander, befestigte auch an meinen Fesseln Ledermanschetten und klickte sie ebenfalls an dem Gestell fest.
Zunächst befiel mich panische Angst. Ich fühlte mich ausgeliefert. Er könnte nun alles mit mir anstellen. Niemand würde mich hören, würde ich um Hilfe rufen. Aber ein Blick von ihm genügte, um mir meine Ängste zu nehmen. Plötzlich wusste ich, dass mir nichts passieren würde. Er würde mir nur gut tun. Auf einmal empfand ich dieses Ausgeliefertsein als Befreiung. Ich fühlte mich wohl. So wohl wie nie zuvor in meinem Leben. Er ließ seine Latzhose vom Körper gleiten. Wir betrachteten uns. Sein Körper faszinierte mich. Diese Sehnigkeit. Dieser Glanz auf seiner Haut. Dieser Geruch. Er betrachtete meinen Körper ebenso eingehend. „Du bist so schön. Und du bist devot. Ich zeige dir deine Erfüllung.“ Blitzschnell griff er meine Brustwarzen und zog daran. Der Schmerz kam so plötzlich dass ich aufschrie. Aber fast zeitgleich breitete sich diese heiße Welle aus. Sie erfasste meinen Körper und endete in meiner Klitoris. Ich konnte spüren, wie sie anschwoll. „Dieser Glanz in deinen Augen. Ich wusste es. Ich wusste es!“
Er ließ eine Hand spielerisch über meine Klitoris wandern. Es pochte. Ganz sanft strich er über meine Schamlippen. Die Nässe mit einem Finger aufnehmend. Er sah mir in die Augen, leckte seine Finger ab, entfesselte mich und meinte: „Genug für heute. Keine Angst, ich lasse Dich nicht hier im Dunklen stehen wie in deinem Traum. Mir genügt der Geruch und der Geschmack deiner Geilheit. Du wirst wieder kommen. Ich weiß es!“
Woher zum Teufel kannte er meine Träume?
Kapitel 5
Ein Vogel pfiff einfach anders als die Anderen. Ich öffnete die Augen und horchte angestrengt. Neben dem Zizibäh der Kohlmeisen, dem Amselgesang und dem verhassten Taubengurren drang eine Melodie an mein Ohr. My fathers eyes. Eric Clapton. Wie zum Teufel konnte ein Vogel… ich sprang aus dem Bett, zog mir meinen Morgenmantel über und öffnete die Terrassentür und sah Frank. Er saß auf dem Stuhl, rauchte eine Zigarette und pfiff “My fathers eyes“.
„Guten Morgen. Hast Du gut geschlafen?“ Sein Lächeln war entwaffnend. „Kann ich einen Kaffee haben? Ich bin süchtig nach dem Zeug.“
Wortlos drehte ich mich um, lud die Espressokanne und schob Pilgrim von Clapton in den Player. Automatisch berührten meine Finger eine Brustwarze. Nein. Ich hatte es nicht geträumt. Ich konnte die Nachwehen des Schmerzes noch spüren. Bis der Espresso durch war, verschwand ich kurz im Badezimmer. Katzenwäsche. Zähne putzen. Haare kämmen.
„Verdammt, was machst du hier? Woher zum Henker weißt du, wo ich wohne?“ Ich war mir nicht sicher, ob mein Ärger gut genug gespielt war. Ich hielt ihm die Tasse hin und setzte mich auf den Baumstumpf, der mir als provisorischer Terrassentisch diente. „Der dicke rote Kater hat es mir verraten. Der weiß alles!“ Da konnte ich ein glucksendes Lachen nicht mehr unterdrücken.
Langsam stand er auf und schlenderte zum Himbeerstrauch. Er pflückte eine Dunkelrote. „Schau. Sie sieht so gut aus. Rot und prall. Wenn du sie isst, schmeckst du die Süße. Aber du weißt nicht, ob sich nicht ein kleiner Wurm drin versteckt. Aber wenn du sie aus Angst vor dem Wurm nicht isst, wirst du nie erfahren, wie süß eine Himbeere sein kann! Wovor hast du Angst? Dir eingestehen zu müssen, dass deine Lust auch über Schmerz geweckt werden kann? Dass auch Schmerz dich zu deiner Lust führen kann? Willst du dein Leben lang auf der sicheren Seite sein? Verzichten? Auf die Süße verzichten wie auf die Ungewissheit? Zeig her, ich will sehen, wo der Tisch hin soll.“ Lächelnd steckte er sich die Himbeere in den Mund und schlenderte durch die Terrassentür.
Er sah sich im Zimmer um, strich mit der Hand über eine Skulptur, hob ein paar CD´s auf und begutachtete einen von mir gelöteten Spiegel.
„Hier.“ Er drehte sich zu mir um und hob fragend eine Augenbraue. „Genau hier soll er stehen.“ Mein kleiner Hüpfer war mir schon peinlich, bevor ich den Boden wieder berührt hatte. Frank lächelte, nahm mein Gesicht in die Hände küsste mich leicht auf den Mund. „Da drüben wäre besser! Sieh mal. Wenn er dort drüben steht, gegenüber des Torbogens zu deinem Schlafzimmer, könnte ich dich vom Bett und auch vom Sofa aus betrachten. Und ich könnte besser um den Tisch herumgehen, ohne ständig die Pflanzen anzustoßen. Das mögen Pflanzen nämlich nicht. Übrigens empfehle ich dir eine Tischplatte aus Holz. Eine Glasplatte ist zu kalt. Sowohl für deine Arme wenn du am Tisch isst oder arbeitest, als auch für deinen süßen Arsch, wenn du darauf liegst.“
Da war es wieder. Dieses Herzklopfen Ich sah mich auf dem Tisch liegen. Arme und Beine am Tischrahmen fixiert. Er stand am schmalen Ende und sah mir genau zwischen meine Beine. „Ja genau. Und dann werde ich dir Klammern setzen.“ „Was? Was meinst du? Woher… ich meine, verdammt…“ „Keine Angst. Ich bin kein Hellseher. Man sieht dir deine Gedanken einfach an. Deine Augen glänzen. Dein Mund wird weicher.“
Diesmal nahm ich ihn bei der Hand. Ich ließ den Morgenmantel fallen, kuschelte mich in die Restwärme des Bettes und wartete auf ihn.
Kapitel 6
Ich streckte mich wohlig aus unter seinen Berührungen. Ganz zart strich seine Hand seitlich die Kurve meines Körpers entlang. Ich spürte, wie sich meine Poren zur Gänsehaut zusammenzogen. Seine Hand umschloss meine Brust und er ließ seine Zunge über die Knospe wandern. „Du bist so zärtlich… ich dachte…“ „Du dachtest, außer SM törnt mich nichts an? Es törnt mich an, deine Lust zu wecken. Ob durch Zärtlichkeit, Dominanz, durch den Blick in deine Seele… du törnst mich an. Weil du fähig bist zu empfinden ohne darüber nachzudenken. Weil du dich mir und deinem Gefühl ganz hingeben kannst. Weil ich die Lust in deinen Augen beobachten kann. Weil sie deinen Körper zittern lässt und feine Schweißperlen auf deinen Bauch zaubert.“
Ich schmiegte mich an ihn und spürte die Wärme und Stärke seines Körpers. Seine Hand erkundete die Rundungen meines Pos. Ich schnurrte leise und genoss die sanfte Hitze, die sich in mir verbreitete. Meine Schenkel öffneten sich und er verstand die Geste. Diese Berührungen. Er umspielte meine Schamlippen. Strich kurz über meine pochende Klitoris. Ich drängte mich seiner Hand entgegen. „Melanie. Sei nicht so ungeduldig! Ich werde dir eine Lektion in Geduld erteilen.“ Seine kräftige Hand umschloss meine Handgelenke, zog sie weit über meinen Kopf. „Ich werde dich nun fesseln. Nicht mit Seilen, Haken oder Ledermanschetten. Du wirst deine Arme genau so liegen lassen. Du wirst diese unsichtbaren Fesseln akzeptieren!“
Er küsste meine Augen zu. Langsam wanderte seine Zunge über meinen Hals. Es kitzelte. Kleine Küsse trafen meine Brüste. Plötzlich biss er leicht in eine Brustwarze. Ich bäumte mich auf und spreizte die Beine etwas weiter. „Schhhhh….bleib ruhig.“ Ich spürte seine langen Locken, die seidig über meinen Bauch strichen. Er pustete leicht über meine Vagina. Ich spürte, wie sich meine Beckenbodenmuskeln zusammenzogen, um sich sofort wieder zu entspannen. Ich öffnete mich ihm ganz. Seine warmen Lippen umschlossen meine Klitoris. Seine Zunge massierte sie genüsslich. Er saugte daran, biss leicht hinein und ließ einen Finger in mich hineingleiten. Wieder und wieder stieß er zu. Das war zu viel. Ich erkannte meine Stimme kaum als ich ein kehliges „Bitte – jetzt! Weiter! Bitte!!!“ hervorstieß. Seine Bewegungen wurden schneller. Er tauchte zwei Finger in meine Nässe und ich nahm seinen Rhythmus auf. Ein Vibrieren erfasste meinen Körper. Dieses spezielle Gefühl stieg in mir auf. Meine Fußsohlen kribbelten. Ich spürte Hitze und Kälte gleichzeitig. Ich merkte, wie dieser kleine Punkt in meinem Inneren anschwoll.
Ein Glucksen war zu hören. Ich riss meine Augen auf und ein tiefer Laut der Extase erfüllte den Raum. Mein Blickfeld verengte sich und am Ende sah ich wirre Muster und Farben explodieren. Ich spürte den Schwall Flüssigkeit, der aus mir herausschoss. Er traf seinen Bauch. Irgendwann öffnete ich meine Augen wieder. Er lächelte mich an. „Könntest Du den eisernen Griff deiner Möse um meine Finger etwas lockern? Schatz, an der Geduld müssen wir wohl beide noch arbeiten!“
Claptons „River of tears“ drang zu mir vor. Mein „River“ bestand nicht aus Tränen…
Kapitel 7
Ich fischte mit den Zehen den Morgenmantel aufs Bett, um ihn auf das nasse und mittlerweile kalte Bettuch zu legen. Wir kuschelten uns seitlich aneinander und genossen die Nähe. War ich verliebt? Nein. Das ist nicht möglich nach so kurzer Zeit. Oder doch? Er interessierte mich. Erregte mich. Ich fand ihn witzig, anziehend und unglaublich sexy. Aber verliebt? Ich schob den Gedanken beiseite und genoss seine Hand auf meiner Brust. Kein noch so dünnes Blatt hätte zwischen meinem Rücken und seinem Bauch Platz gefunden. War es eine Stunde? Mehrere? Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Irgendwann wachte ich durch einen kleinen Kuss auf meinem Ohr auf.
„Mel, ich mag dich sehr. Da ist eine Anziehungskraft zwischen uns, ich kann sie nicht beschreiben. Klar hat es auch mit Lust zu tun. Aber du interessierst mich einfach. Ständig erwische ich mich dabei, bei der Arbeit die Gedanken zu dir schweifen zu lassen. Ich bin eingefleischter Single. Aber ich frage mich oft, was du wohl gerne isst. Wie du als Kind warst. Wovon du träumst. Manchmal schließe ich die Augen in der Werkstatt und spüre deine zarte Haut. Du bringst mich zum Lachen und zum Nachdenken. Ich wünsche mir dass es dir gut geht. Ich möchte dich glücklich sehen. Verdammt. Ich möchte dich glücklich machen!“
„Schhhh…hör auf. Lass uns genießen, was wir fühlen. Und nicht darüber nachdenken, ja? Für mich kommt eine Beziehung nicht in Frage. Ich bin gerade aus einer geflüchtet. Auch wenn sie eigentlich schon seit Jahren vorbei war. Legst Du eine CD ein? Ich hab Hunger. Ich mach uns Frühstück.“
Tom Petty war genau das, was zu unserer Stimmung passte. Ich ließ Badewasser ein und überlegte, wie wir in der Wanne frühstücken könnten. Lächelnd schob er ein übrig gebliebenes Regalbrett über den Badewannenrand in die Mitte. Ich mochte es, wie praktisch er veranlagt war. Wir kicherten, fütterten uns gegenseitig, ich las ihm meine Lieblingsstellen aus „Die Bibel nach Biff“ vor und ich musste mir eingestehen, dass ich lange nicht so gelöst und zufrieden war.
„Lass uns zum botanischen Garten fahren! Da ist eine Schmetterlingsausstellung!“ Er brummte zustimmend, während er mich abtrocknete. „Ok, lass uns gehen. Wundert mich gar nicht, dass Du Schmetterlinge magst. Bist ja selber einer.“ Er küsste meine Nasenspitze. In seinem Auto herrschte ein charmantes Chaos. Um meine Füße klimperten unzählige leere Red Bull–Dosen, Post-it´s bedeckten das Armaturenbrett und CD´s lagen umher.
Fasziniert beobachteten wir die Abermillionen leuchtenden Schmetterlinge und fühlten uns wie in einer anderen Welt. Das Geräusch ihrer Flügel war mit keinem anderen vergleichbar. Es war wie ein sehr zartes Flüstern. Und wir standen mittendrin und konnten nicht aufhören, zu lächeln.
In den nächsten Wochen trafen wir uns nur selten. Frank hatte einen größeren Auftrag zu erledigen und kam anscheinend selten dazu, an meinem Tisch weiterzuarbeiten. Sobald ich eine leise Sehnsucht nach ihm verspürte, versuchte ich mich davon abzulenken. Ich ging viel aus, traf meine Freundinnen und fing wieder an zu schreiben.
Als ich im Garten werkelte, klingelte das Telefon. „Mel, kannst Du herkommen? Ich habe eine Überraschung für Dich!“ Es war schön, seine Stimme zu hören. Auf der Fahrt ärgerte ich mich, dass ich mich nicht umgezogen hatte. Ich hatte Grasflecken auf der Jeans und meine erdverschmierten Hände am Shirt abgewischt.
Der Tisch. Bestimmt war der Tisch fertig. Ich drehte die Musik lauter und sang lauthals mit.
„Süß siehst du aus.“ Er nahm meinen Kopf in die Hände und wir küssten uns mit sehr viel Gefühl und Leidenschaft. „Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr du mir gefehlt hast. Komm, ich zeig dir was.“ Aber anstatt zur Werkstätte zu gehen führte er mich in sein Haus. Mitten im Wohnzimmer stand er. Mein Tisch. Er war unglaublich schön. Das dunkle Holz der dicken Tischplatte schimmerte im Sonnenlicht. Darunter verborgen der Rahmen. Nur die Ösen waren zu sehen.
„Warum steht er hier? Kannst du ihn mir liefern?“
„Melanie. Er steht da, wo er hingehört. Wo Du auch hingehörst. Zu mir. Deinen Umzug erledigen wir am Wochenende.“
Mit einem leisen Klirren legte er die Ledermanschetten auf unseren Tisch.
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© by Subkulturkatze 2006
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