25.06.2012

Erotik mit allen Sinnen erleben

Durch ein Erotik-Coaching sich und die Lust neu entdecken

Klar, Sex und Erotik können wir wohl alle... glauben zumindest die meisten von uns. Dennoch: Der ein oder andere hat vielleicht Schwierigkeiten seinem Partner bestimmte Vorlieben zu verraten oder einer möchte mehr Sex als der andere. Bei der notwendigen Kommunikation stoßen einige mitunter an ihre Grenzen.

Sucht man hier nach Hilfe, stolpert man schnell über sogenannte Erotik-Coachings. Nur... Was genau verbirgt sich dahinter? Und wie läuft dieser spezielle Nachhilfe-Unterricht ab? Erotik-Coach Christine Janson gibt Einblicke in die unterschiedlichen Facetten dieser Arbeit und erklärt anschaulich und beispielhaft, mit welchen Sorgen Klienten zu ihr kommen und wie sie ihnen bei der Selbstfindung unter die Arme greift.

Neue Inspirationen durch ein Erotik-Coaching...
Neue Inspirationen durch ein Erotik-Coaching...
 

Was versteht man unter Erotik-Coaching?

»Spreche ich mit Frau Janson?« Der Anrufer am anderen Ende der Leitung ist sichtlich nervös. »Ja, das bin ich. Womit kann ich Ihnen denn weiterhelfen?«, frage ich geduldig. »Tja also, ich habe Ihre Anzeige im Internet gelesen. Sie machen doch auch Tantra?« Spätestens jetzt weiß ich, was als nächstes kommen wird. »Ich würde gerne zu Ihnen zur Massage kommen«, druckst der Anrufer jetzt wieder herum. »Leider sind Sie da bei mir nicht richtig«, erkläre ich dem Mann am Telefon.

Der Erotik-Coach legt keineswegs selbst Hand an, vielmehr geht es darum neue Anregungen zu vermitteln.
Der Erotik-Coach legt keineswegs selbst Hand an, vielmehr geht es darum neue Anregungen zu vermitteln.

»Ich berate Menschen, wie sie mehr Spaß in der Liebe und beim Sex haben können und Tantra-Unterricht gebe ich nur für Paare. Das schöne sinnliche Erlebnis sollen Sie mit Ihrer Partnerin haben und nicht mit mir.« »Oh schade!« Der Anrufer ist enttäuscht, aber er lässt noch nicht locker. »Wissen Sie denn jemanden, den sie mir für eine Tantramassage empfehlen können?« Und weil ich ein netter Mensch bin, gebe ich ihm die Telefonnummer eines Tantra-Massageinstituts, damit er glücklich ist.

Die meisten Menschen möchten Sexualität und Erotik konsumieren und dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Nur ist es nicht das, was ich zu bieten habe. Ich biete keine sexuelle Dienstleistung an, bei der meine Klienten zum Orgasmus kommen, sondern ich möchte Menschen dazu inspirieren ihre sexuellen Neigungen zu entdecken und sie zu leben und frischen Wind in ihre Beziehung zu bringen.

Ich biete dieses Erotik-Coaching im Rahmen eines Gesprächs für Paare und Singles an und Seminare mit praktischen Übungen im Bereich Tantra und SM nur für Paare.

Wie wird man Erotik-Coach?

Es gibt keine staatlich anerkannte Schule, in der man ein Diplom als Erotik-Coach erwerben kann. Diese Berufsbezeichnung ist auch relativ neu und wahrscheinlich definiert sich jeder Erotik-Coach auch etwas anders.

Ich bin kein Sexualtherapeut, aber ich habe verschiedene körpertherapeutische Ausbildungen, z.B. in klassischer Massage, Shiatsu, Feldenkrais, Entspannungstraining und was das Wichtigste ist: Ich habe viel Erfahrung mit den unterschiedlichsten Spielarten der Lust und ich verurteile niemanden für das, was er mir erzählt! Ich habe mich schon immer dafür interessiert, Sexualität und Erotik zu erforschen und mich immer wieder neuen Situationen auszusetzen und die eigenen Grenzen zu erweitern.

Therapeutische Ausbildungen und Erfahrungen in diversen Bereichen der Lust sind die Grundlage für Erotik-Coach Christine Janson.
Therapeutische Ausbildungen und Erfahrungen in diversen Bereichen der Lust sind die Grundlage für Erotik-Coach Christine Janson.

Ich wollte wissen, wie Männer sich so fühlen, wenn sie für Sex bezahlen und deshalb bin ich einmal mit einem Freund in einen Puff gegangen und habe einer Frau Geld gegeben, damit wir sie vögeln dürfen. Ich habe mal eine Woche lang eine erotische Parallelwelt von Macht und Unterwerfung gespielt, ich weiß wie man eine Peitsche zu schwingen hat und lasse mich auch selbst ab und zu von starken Händen führen. Ich liebe es, anderen Schmerzen zuzufügen, mich dabei exhibitionistisch filmen zu lassen und ich liebe Orgien. Richtig gute Orgien, bei denen nicht nur gefickt wird, sondern bei denen ein Gefühl der Ekstase entsteht und man danach mit einer tiefen inneren Befriedigung nach Hause geht.

Ich war 20 Jahre lang mit zwei Männern verheiratet, ich kenne Zeiten der Monogamie und Zeiten, in denen ich fünf Liebhaber gleichzeitig hatte. Ich habe mir viele Male das Herz brechen lassen und es doch jedes Mal wieder für eine neue Liebe geöffnet! Und wenn ich eines Tages sterbe, dann habe ich auf ein reiches und erfülltes Leben zurückgeblickt. Wir bereuen vor allem die Dinge, die wir nicht gelebt haben! Und das versuche ich auch meinen Klienten zu erklären…

Wieder zuhören lernen

Am Anfang einer Beziehung fällt uns Sex leicht und wir fallen bei jeder passenden und vor allem auch unpassenden Gelegenheit übereinander her. Aber später im Alltag verändert sich das natürlich und meistens hat einer von beiden mehr Lust als der andere.

Das ist ein ganz wichtiges Thema bei vielen Paaren, die zu mir kommen. Ich beginne meistens mit einem Kommunikationsritual, bei dem die Partner wieder lernen, miteinander zu reden und vor allem auch dem anderen zuzuhören, ohne ihn zu unterbrechen. Versucht das mal, dem anderen einfach nur zuzuhören, ohne Zwischenkommentare, ohne »aber ich meine…« und ohne »jetzt will ich aber auch mal was sagen…«

Einfach nur zuzuhören ist gar nicht so einfach! Derjenige, der redet darf lernen, den Raum für sich zu nutzen und von sich SELBST zu erzählen, von den eigenen Gefühlen, Gedanken und Empfindungen. Es geht nicht darum anzuklagen und dem anderen Schuld zu geben, sondern einfach darum, sich selbst ohne Angst vor Streit und Stress ausdrücken zu dürfen und Empathie zu entwickeln für die Sichtweise des Partners.

Empathisches Zuhören ohne Zwischenkommentare kann man lernen...
Empathisches Zuhören ohne Zwischenkommentare kann man lernen...
 

Meistens werde ich abgewiesen

»Seit unsere Tochter auf der Welt ist, hat sich unser Sexleben verändert«, klagt Jochen und schaut dabei traurig auf seine Frau. »Schauen Sie sie an, wie hübsch sie ist. Wenn ich sie sehe, habe ich eigentlich immer Lust auf Sex mit ihr, aber meistens werde ich abgewiesen. Und das verunsichert mich in meiner Männlichkeit.

Ich traue mich schon gar nicht mehr, sie auf Sex anzusprechen.« Rita, seine Frau hört aufmerksam zu und dann erzählt sie, wie sie das empfindet.

Er will sofort Sex mit mir

»Ich habe schon Panik davor, mit meinem Mann zu kuscheln. Wenn immer ich den geringsten Körperkontakt habe, will er sofort Sex mit mir. Dabei gibt es doch auch so viele andere schöne Dinge, die man zusammen machen kann.

Man kann sich einfach nur mal im Arm halten, streicheln oder küssen. Ich fühle mich permanent unter Druck gesetzt und das tötet bei mir alle Lust ab. Vor allem seit unsere Tochter auf der Welt ist, habe ich das Gefühl, kaum noch mehr Zeit für mich selbst zu haben.«

Wenn ein Partner mehr Nähe möchte als der andere und das auch immer bekundet, erreicht er eher das Gegenteil und statt mehr Zweisamkeit und Sex zu haben, zieht sich der andere zurück. Es ist viel klüger, ein wenig auf Distanz zu gehen und dem anderen wieder die Chance zu geben, aus sich selbst heraus Sehnsucht zu empfinden.

Mit einer anderen Frau Sex haben?

Ich bin wie gesagt keine Psychotherapeutin, aber ich habe ein gutes Gespür für Menschen und Beziehungen und ich scheue mich auch nicht davor, einem Paar unkonventionelle Vorschläge zu machen. »Wie wäre es denn, wenn Sie sich ein wenig rarer machen. Und wäre es denn für Sie auch vorstellbar, mal mit einer anderen Frau Sex zu haben? Das würde den sexuellen Druck aus Ihrer Beziehung nehmen und vielleicht bekommt Ihre Frau dann auch wieder mehr Lust auf Sie?« Interessanterweise war Rita von diesem Vorschlag sogar recht angetan, denn auch sie wünschte sich wieder, neue Gefühle für Ihren Mann entwickeln zu können.

Aber Jochen war eher zögerlich und eigentlich war er völlig auf seine Frau fixiert. Aber trotzdem dachten die beiden darüber nach und bei der nächsten Sitzung standen sie meinem Vorschlag offener gegenüber und ich überlegte mir ein Szenario, bei dem die beiden in einem sicheren Rahmen Erfahrungen machen konnten. Ich schickte Jochen zu einem Bekannten, der Männern Dominanz beibringen kann, sie in ihrer Männlichkeit stärkt und gleichzeitig auch gute Kontakte zu Escort-Damen hat.

Unter Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse aller Beteiligten neue Erfahrungen machen...
Unter Berücksichtigung der Wünsche und Bedürfnisse aller Beteiligten neue Erfahrungen machen...

Jochen berichtete mir und seiner Frau später davon: »Ich durfte einer Frau sagen, dass sie sich vor mich knien soll und mir die Hose aufmacht. Das fand ich zunächst recht verwunderlich, aber dann muss ich sagen, hat mir das schon gefallen. Ich musste ihr genau sagen, was sie zu tun hat. Sie hat mir dann einen geblasen.« »Und wie war das für dich?«, fragte ich nach? »Oh, ich glaube diese Sitzung bei Ihrem Bekannten hat mir ziemlich gut getan.«

Jochens Augen leuchteten, so wie ich das in den früheren Sitzungen bei ihm noch nie gesehen hatte. »Hättest du was dagegen, wenn ich da nochmals eine Stunde buche, Rita?« Rita war seit langem wieder ein wenig eifersüchtig bei der Vorstellung, dass ihr Mann mit einer anderen Frau so intim wurde. »Also das scheint dir dann wohl doch sehr gut gefallen zu haben, das mit der anderen Frau?«, meinte sie ein wenig patzig.

Aber immerhin half diese kleine Eskapade, dass bei den beiden wieder Gefühle ins Rollen kamen, die längst verloren gegangen waren. Und erst vor kurzem hat sich Jochen mal wieder bei mir gemeldet, um mir zu sagen, wie dankbar er und seine Frau sind, dass ihre Beziehung sich inzwischen sehr positiv verändert hat.

Flirttraining für Singles

Neulich war ein junger Mann bei mir, der unbedingt eine passende Partnerin kennenlernen wollte. Aber obwohl er sehr sympathisch wirkte, schien das nicht so recht zu klappen. »Ich versuche meistens in einem Club Mädels anzusprechen, aber ich habe einfach nicht den Mut dazu. Deshalb trinke ich ganz viel Alkohol und dann komme ich aber auch irgendwie nicht gut rüber«, erzählt er mir. »Vor allem wenn ich dann auf Frauen zugehe, die mir wirklich gut gefallen.«

Lernen, auf Menschen zuzugehen

Fremde Menschen anzusprechen kann man trainieren. Meistens haben wir Hemmungen und Angst, uns zu blamieren. »Es ist wichtig generell zu lernen auf Menschen zuzugehen und sie anzusprechen. Völlig absichtslos! Vielleicht mal nach dem Weg fragen. Oder ihnen ein nettes Kompliment machen.

Wenn wir es genießen können, ohne eine besondere Absicht zu verfolgen, einfach nur offen zu sein für neue Begegnungen, dann beginnen wir etwas auszustrahlen, was Menschen magisch anzieht. Je mehr wir auf ein Ziel fixiert sind und etwas unbedingt haben wollen, desto weniger bekommen wir es meistens auch. Die anderen scheinen das instinktiv zu fühlen und schrecken davor zurück.

Erotik-Coaching mit praktischer Übung

Auch offen auf Leute zuzugehen, kann man trainieren, beispielsweise mit Hilfe eines Erotik-Coachs.
Auch offen auf Leute zuzugehen, kann man trainieren, beispielsweise mit Hilfe eines Erotik-Coachs.

»Und am besten machen wir jetzt sofort eine praktische Übung«, schlage ich dem jungen Mann vor. Normalerweise findet das Erotik-Coaching im Rahmen eines Gesprächs in meiner Praxis statt, aber in diesem Fall machte ich eine Ausnahme.

»Wir gehen jetzt am Fluss spazieren und Sie müssen mindestens zehn Personen ansprechen. Zuerst war mein Klient entsetzt. »Muss das denn gleich heute sein?«, fragte er ängstlich. Aber dann fand er Gefallen an der Aufgabe und wir spazierten am Main entlang.

»Können Sie mir sagen, wo man hier gut essen gehen kann?« fragte er eine hübsche Joggerin, die recht genervt auf ihren Pulsmesser schaute und sich gestört fühlte. Nervös auf der Stelle trabend erklärte sie uns, dass sie sich hier nicht auskennt. »Sie sollten vielleicht eher Menschen ansprechen, die nicht gerade sehr beschäftigt sind«, riet ich.

Der nächste Versuch verlief schon viel besser. Zwei Mädels führten einen Hund aus und waren einem kurzen Flirt nicht abgeneigt. »Hey, ich bin nur heute Nacht in Frankfurt. Gibt es dafür hier in der Nähe einen guten Club, den ihr mir empfehlen könnt?«, fragte er. Aus dieser Frage entwickelte sich ein angeregtes Gespräch. »Nach der Telefonnummer fragen«, flüsterte ich meinem Klienten ins Ohr. Irgendwie fanden die Mädels es schon komisch, dass ich dabei war und anscheinend kein Problem damit hatte, dass mein Begleiter mit ihnen flirtete, aber sie rückten dann doch kichernd ihre Telefonnummern heraus und mein Klient war begeistert.

»So einfach habe ich mir das gar nicht vorgestellt«, schwärmte er und ging mit einem echten Erfolgserlebnis nach Hause. Inzwischen hat er sich wieder bei mir gemeldet, denn Frauen kann er inzwischen gut ansprechen, allerdings ist noch nicht seine Traumfrau dabei gewesen.

Darf ich Ihre Füße küssen?

Manchmal passieren auch recht kuriose Dinge in meiner Praxis. Vor einigen Wochen suchte mich ein älterer Herr, so um die sechzig auf und bat mich, dass ich ihm Tipps gebe, wie er eine Freundin findet, die mit seiner ganz speziellen Neigung umgehen kann.

»Wie sind Sie eigentlich auf mich gestoßen,«, fragte ich ihn, einem Impuls folgend. »Ich habe sie im Internet gefunden und da haben Sie so ein wunderschönes Video über "Fußfolter" in YouTube«, erzählte er mir leicht errötend. In der Tat hatte ich im Rahmen meines Erotikblogs mich mit einem sehr begnadeten Fußfolterer getroffen, der meine Füße mit Küchenquirl, Gabeln, Käsereibe und anderen Haushaltsutensilien malträtierte und damit Frauen zum Orgasmus bringt.

Erotik-Coaching ist sehr facettenreich. Auch Menschen mit einem Fußfetisch können zu den Klienten zählen.
Erotik-Coaching ist sehr facettenreich. Auch Menschen mit einem Fußfetisch können zu den Klienten zählen.

»Oh, das hat Ihnen wohl gefallen«, mutmaßte ich und ahnte bereits welche Neigungen mein Klient hatte. In der Tat war er devot und die meisten "normalen" Frauen fühlten sich abgeschreckt davon, dass er gerne als Sklave behandelt werden wollte. Natürlich war er auch anspruchsvoll und seine Dame sollte elegant gekleidet sein, nicht billig rüberkommen und Esprit haben. Sie sollte eine Mischung von liebevoller Dominanz verkörpern und nicht grob mit ihm umgehen.

Nachdem wir einige Möglichkeiten einer passenden Kontaktanzeige erörtert hatten, sagte ich ihm: »Ich werde Ihnen jetzt eine Hausaufgabe geben, die sie bitte bis zum nächsten Termin üben werden.« Eigentlich wollte ich ihm nur einige positive Affirmationen mitgeben, die er jeden Morgen nach dem Aufstehen sagen sollte, z.B. »Ich liebe mich mit allen Seiten meiner Sexualität«.

Doch bei dem Wort »Hausaufgaben« begannen seine Augen auf einmal zu leuchten und er versprach bald wieder zum Coaching zu kommen. Bereits am Abend erhielt ich einen Dankesbrief, und die Bitte, ob er nicht zwei Mal die Woche zum Nachsitzen kommen könne. Später könnte er mir als Strafe für nicht bestandene Prüfungen doch vielleicht auch mal die Füße massieren…»Sie haben mir so viel positive Energie gegeben«, schrieb er mir. »Bei Ihnen fühle ich mich wohl und ich will von den Dominas wegkommen, bei denen ich so viel Geld lasse. Sie tun mir bestimmt besser.«

Ich muss gestehen, dass ich für einen kurzen Augenblick sogar darüber nachgedacht habe, sein Angebot von regelmäßigen Coachingsitzungen anzunehmen, denn es war ein sympathischer Mensch und es hätte ein regelmäßiges Einkommen bedeutet. Aber dann entschied ich mich dagegen, denn natürlich wollte er mich für seine persönliche Befriedigung missbrauchen und vor allem als Erotik-Coach muss man sich stark abgrenzen und klar sein. Ich biete meinen Klienten keine Lustbefriedigung, sondern die Chance sich weiterzuentwickeln und authentischer zu lieben.

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