19.02.2007

Ejaculatio penunsius interruptus

Oder: Wie bekommt die Wirtschaft wieder einen hoch?

Zum Jahresanfang möchte Matthias Kayer euch mit seiner Kolumne gerne einen satirischen Ausblick auf die erotisch-wirtschaftliche Potenz unseres Bananen-Königreiches geben:

Geschäft ist Geschäft

Ejaculatio penunsius interruptus

Jetzt ist es also soweit: Wie ich schon vor ein paar Monaten leichtsinnigerweise in einer anderen Kolumne die erste insolvente Klopapierfabrik „vorhergesehen“ hatte, müssen wir uns offensichtlich langsam wirklich ernste Sorgen um unsere Wirtschaft machen! Zwar gehen wir alle noch mehr oder weniger regelmäßig auf die Toilette, um unser Geschäft zu verrichten – bei dem man zwar kein Geld verdienen kann, aber immerhin ist es ein Geschäft! – doch nun ist in meiner Heimatstadt Lüneburg der erste erotisch-ökonomische GAU eingetreten: Einer der beiden Sex-Shops, der ältere, seit über zwanzig Jahren „Am Berge“ ansässige, hat die Segel gestrichen!

Sparen am Fortpflanzungstrieb

Ist es wirklich so schlimm um die Finanzen bestellt – insbesondere die der Männer –, dass jetzt nach dem Essen schon am zweitwichtigsten Grundbedürfniss, dem Fortpflanzungstrieb und allem, was damit zusammenhängt, also auch die zweck- und schamlose Verlustierung mit sich selbst oder dem Partner, gespart wird? Hieß es nicht immer „Sex sells“? Was ist aus diesem scheinbar ewig lohnenswertem Wirtschaftzweig geworden? Statt eines stählernen, omnipotenten „Goldständers“ nur noch ein ein dürres, morsches Zweiglein am Rumpf der deutschen Wirtschafts(Mannes-)kraft?

Sollte es tatsächlich wahr sein, dass das Geld für den Lebensunterhalt derart knapp geworden ist, dass der sonst so triebgesteuerte Mann die Notbremse gezogen hat, und aus Sorge vor nicht mehr zu bezahlenden Stromrechungen den Kauf von Videokassetten und DVDs eingestellt hat? Fernseher und Recorder fressen ja bekanntlich nicht sooo viel Strom.

Auffällig ist aber schon, dass gerade in diesem Winter extrem viele Automobile mit mangelhafter Beleuchtung die schlaglochübersäten Straßen unsicher machen. Haben die Autofahrer kein Geld mehr, um ihre defekten Glühlampen zu ersetzen? Oder nutzen sie die Erkenntnis aus, dass der Benzinverbrauch durch Vermeidung von Stromerzeugung seitens der Lichtmaschine gesenkt werden kann?

Ist die Lage derart brenzlig? Wird der Kaffee jetzt dreimal gefiltert, das Abwaschwasser als Fond für die nächste Sauce benutzt und (endlich wieder!) die Phantasie zum Onanieren benutzt oder gar die aufgestaute Lust mit der eigenen Partnerin unter der kuscheligen Decke im unbeheizten Schlafzimmer in wollüstige, kurzfristig wärmende Hitze umgewandelt?

Ausflug ins Lüneburger Rotlicht-Milieu

Zur genaueren Recherche dieser bedrohlichen Entwicklung war ein Ausflug ins Lüneburger Rotlicht-Milieu vonnöten. Das Ergebnis ist niederschmetternd! Trotz nahenden Vollmondes, der ja bekanntlich die Säfte kräftig sprießen lässt, waren die Fenster nur mäßig besetzt. Männer im Revier? Ebenfalls Mangelware. Und die sonst so offenherzigen Damen gaben sich extrem zugeknöpft (was nicht an der niedrigen Außentemperatur lag). Offensichtlich ist die Lage dermaßen angespannt, dass sich keine der Liebesdienerinnen aus Sorge um die wenigen noch verbliebenen Freier zu einem Interview bereit erklärte. Man wolle die Anonymität wahren und die Kunden nicht verschrecken.

Was könnte eine mögliche Lösung dieses Dilemmas sein? Wahrscheinlich wird es auf Folgendes hinauslaufen: ein Krieg mit dem Iran ist unausweichlich, der Irak ist ja schon ruiniert – äh – befreit worden! Saddam Hussein und seine Gefolgsmänner machten einer nach dem anderen Bekanntschaft mit einer speziellen Bondagetechnik, bei der sie bekanntermaßen nur noch einmal kommen – und das rektal! Jedenfalls wird der gottesfürchtige (aber höchstwahrscheinlich impotente) George „Dabbeljuh“ Bush die Hetztiraden des iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad gegen Israel nicht hinnehmen wollen und erneut mit gerechten Zorn zu Werke gehen! Der Unterstützung seines englischen Hofnarren Tony Blair (bei dem man immer den Eindruck hat, dass ihm ein toter Fisch im Hintern steckt) und der (geschlechtsneutralen) deutschen Bundeskanzlerin Angela „Maggie“ Merkel wird er sich sicher sein können.

Gießkannenprinzip für kleine Männer

Bei einem zu erwartenden Sieg über die Mullahs dürfte ein wirtschaftlicher Aufschwung in vielfacher Hinsicht nicht ausbleiben. Der Neuaufbau des Landes wird, genau wie im Irak, ein enormer ökonomischer Kraftakt werden. Schon durch den Sieg über die fanatischen Gotteskrieger mit neuer, zumindest moralischer Potenz ausgestattet, werden die Männer an den Hebeln der Macht für einen üppigen Geldregen sorgen. Nach dem Gießkannenprinzip wird das irgendwann auch beim kleinen Mann angelangt sein, und dann wird auch wieder elektrisch konsumiert!
Zu guter Letzt: es wird bald Frühling, der schon dafür sorgen wird, dass die Hormone wieder in Schwung kommen! In der Zwischenzeit betreibe ich den Fernseher mit einer alten 12-Volt Autobatterie und schenke meiner Freundin ein paar wunderhübsche Dessous, die bei mir im Übrigen „Sachen zum Ausziehen“ heißen!

P.S.: Geiz ist ungeil! Also konsumiert, bis Eure Mastercard schmilzt, und spart auch nicht mit Liebesbezeugungen bei den Partnern!

Weitere Themen

Dildo, Schlampe und Co.
Kürzlich, recherchierte Matthias Kayser in Online-Shops für seine Bücher und stieß ausgerechnet hier im JOYclub auf ein Gerät für Männer. Der "STU – Stamina Training Unit". Was er dazu meint, kannst du in seiner Kolumne lesen.

Was die Esskultur verrät
Diesmal hat Matthias Kayser sich voll und ganz dem Thema "Esskultur und Erotik" gewidmet. Erfahrt hier, was eure Ess- und Kochgewohnheiten beim ersten Date über euch verraten.

Weihnachts-Schweifstern
Matthias Kayser beschehrt euch rechtzeitig zu Weihnachten mit einer Kolumne über die erotischen Auswirkungen eines Schweifsterns mit Phallus-Zauber, der Erotik-Shops ein dickes Umsatz-Plus verschafft. Viel Spaß beim Lesen.

Kommentare

19.02.2007Cerberus
Mein Gott, ich lach mich jetzt noch schlapp... der Artikel ist mal wirklich geil.

Nun zu meinen ganz lapidar aufgestellten Vermutungen, warum die Herren der Schöpfung diesen Winter einfach keine Lust hatten Geld für Sex und allem was dazu gehört auszugeben:

* Das Thema Sex ist so tot geredet, dass es dadurch so normal wie Erbsensuppe wurde und daher auch keinen so großen Reiz mehr ausübt wie noch bis vor kurzem.

* Das Sexualempfinden der Männer spielt derzeit genauso verrückt wie das Wetter welches keinen Winter aufkommen lies, was wiederum dazu führte, dass es zu keine "Schmusestunden" vor dem Kamin kam und damit für die ganzen Singles auch keinen Anlass zum "notfalls" Liebe kaufen gab.

* Die ins Grund- und Trinkwasser gespülten Verhütungshormone und sonstige medikamentöse Bestandteile diverser Medikamente führen bei den Männern zu einen total Crash der Hormone wodurch die Libido genauso den Bach runter ging wie die Hormone im Trinkwasser.

So und nun fällt auch mir nix mehr passendes als Grund ein und daher verabschiede ich mich einstweilen in gespannter Erwartung was wohl auf meine reichlich riskanten Vermutungen kommen mag.

Mit besten Kaffeegrüßen
Kathi

19.02.2007FTC
..wirklich erfrischende Kolumne.... obwohl ich mich mit dem gedanklichen
Exkurs in den Irak im Zusammenhang mit dem Lüneburger Rotlicht Milieu etwas schwer tue.....

FTC

19.02.2007sassenach
Überlegung..... - Diesen Winter sind so viele Männer so frisch verliebt das ihnen ihre Phantasie noch nicht ausgegangen ist und sie ( die Herren ) keine Sexshops brauchen um ihre Phantasie anzuregen. Aus dem gleichen Grund besteht keinerlei Bedarf die Damen auf den Straßen oder in den Fenstern aufzusuchen. Mann ist diesen frühlingshaften Winter einfach voll ausgelastet.

19.02.2007Cerberus
@ sassenach

Ahhhh, Du meinst also, die Männer haben - wie das Klima - einfach den Winter übersprungen und sind von Herbst direkt zum Frühling übergegangen, weshalb kein Bedarf besteht?

Auch eine interessante Vermutung...

20.02.2007LiebespaarLG
Wir als Lüneburger... - Also wir als Lüneburger halten es da ähnlich wie Cerberus!

Das Wetter ließ bisher nun wirklich keinen Winter erahnen
(2 Tage Schnee...! Hallo? Winter?!?!?), und somit wurden die Männer von Mutter Natur sofort vom goldenen Herbst auf den wildtreibenden Frühling umgestellt!

20.02.2007kater001
Ich bin da optimistischer! - Der Sexshop musste zusperren, weil der Markt eben schon gesättigt ist. Zu Weihnachten gab es bereits Frust, der 10.Vibrator für sie und das 15. glitzernde Intimschmuckstück für ihn waren jeweils doch nicht die besten Ideen. Und die restriktiven Umtauschregeln taten ihr übriges: Können denn die Sexshopbetreiber nicht verstehen, dass man einen Dildo oder eine Gummipuppe erst ausprobieren muss, bevor man/frau sagen kann, ob das Ding zusagt?
Hier sind Innovationen gefragt! Und der Service muss verbessert werden! Und die Vertriebswege müssen differenziert werden. Wenn der Kunde nicht mehr in den Sexshop kommt, muss der Sexshop zum Kunden. Also mehr im Stile von Tupperparties organisierte Sextoyparties! Usw., usw.

Das mit dem Rotlichtmilieu ist auch klar. Immer mehr Ehefrauen geben sich, angespornt durch diverse Medien, tabuloser und leben ihre Phantasien aus, dadurch gibt es kaum mehr Praktiken, für die ein "perverser" Mann eine "Professionelle" aufsuchen muss. Man (und frau) holt sich die Lust in intimen Parties zu dritt, zu viert oder zu vielt, da bleiben kaum mehr Wünsche offen - die Axt im Haus erspart den Zimmermann.

20.02.2007chrisan
Nette Kolumne... - Erst einmal... der Schreibstil ist klasse, war wunderbar zu lesen und hat echt Spaß gemacht... Was die Sex-Shops angeht... Ich glaube, da ja mittlerweile das Internet (Hallo Joyclubuser) weit verbreitet und genutzt wird, brauchen die Herren der Schöpfung (*hüstel*) kaum mehr vor die Tür, um den ein oder anderen Film, Spielzeug oder ähnliches zu bekommen.... (oder für ihre Damen zu besorgen) ....der nette Postfrosch in seine gelb-blauen Uniform bringt doch schon das Gewünschte und fast anonym bestellte und zwar direkt nach Hause... insofern verwundert es nicht, wenn auch alt eingesessene Shops zu knappsen haben und das Handtuch werfen....

Insofern... nicht immer alles im Netzt der Netze kaufen, sondern mal wieder bei Tante Beate stöbern, die Shops haben sich nämlich in den letzten Jahren ziemlich verändert....

25.04.2007vello
Cerberus - Lach Kathi,,,,, du hast mir aus dem Mund gesprochen. Was Du geschrieben hast, war ganz richtig. Deine Vermutungen liegen gar nicht so falsch. smile


  • Neu hier? Kein Problem!
Matthias im JOYclub
Ejaculatio penunsius interruptus
Matthias findet ihr unter dem Namen Matthias_LG hier im JOYclub.