23.01.2012

Zeichen der Lust

Die Körpersprache und wie wir uns ohne Worte verführen

Dass uns unsere Körpersprache in vielelei Hinsicht verraten kann, ist sicherlich bekannt. Ja, und so signalisiert sie unserem Gegenüber - meist völlig unbeabsichtigt - auch, ob wir Lust auf Sex haben. Die Redaktion des PO-Magazin hat den Versuch unternommen, die Zeichen der Lust und Verführung zu deuten.

Sie hat sich schon längst verraten

"Du Spinner". Meine hübsche Begleitung funkelt mich böse an und mustert meine Erscheinung. "Du wärst sowieso kein Typ für mich." stellt sie dabei abfällig fest und lehnt sich beleidigt an die Bar. Ich werde sie heute dennoch flachlegen. Nicht weil ich ihr vorher eine Keule über den blonden Schädel ziehen muss oder sie mit teuren Longdrinks ins Sex-Delirium abfülle, sondern weil sie es einfach will. Unbedingt. Sie hat sich schon längst verraten.

Zeichen der Lust
 

Das Ritual war das übliche. "Gib mir einen Drink aus" sagte Sylvia, welche ich aus dem Fitnessstudio kannte und mit der ich nun in einer kleinen Cocktailbar mein erstes Date hatte. "Ich gebe Frauen nix aus." erwiderte ich gelangweilt. "Das macht sie zu Nutten. Gratisdrinks sind eigentlich eine Bezahlung für etwas freundliche Aufmerksamkeit. Du willst doch keine Nutte sein." Sie sah mich etwas entgeistert an und ich fuhr lächelnd fort. "Naja, wir können es ja so machen: Ich lade dich ein. Allerdings gibst du mir dafür auch etwas. Für jeden Drink einen Kuss zum Beispiel. Und wenn's geht nicht im Gesicht. Ich bekomme von Mädchenspucke so schnell Zungenausschlag." Ich sah ihr keck in die Augen und wartete auf meine Ohrfeige. Ihre Reaktion ist bekannt.

Das Ritual der Verführung

Zeichen der Lust

Warum bin ich so frech zu dem Mädchen? Nicht weil ich sie beleidigen will. Ich mag sie. Sehr sogar. Alles was wir da tun ist einfach nur das berühmte Balzspiel. Wir umtanzen uns und prüfen, ob wir für uns taugen. Wir fordern uns heraus. Wir machen uns heiß, geben uns gleich wieder eine kalte Dusche um anschließend dann wieder aneinander zu entflammen. Das Ritual der Verführung. Was wir uns dabei sagen, spielt nur eine geringe Rolle. Genau 7%. Viel wichtiger ist, was wir dabei tun. Das macht den Rest aus. Unsere Gesten und Blicke sagen mehr als alle Worte dieser Welt. Wir kommunizieren unbewusst mit der direktesten, der schönsten und geheimnisvollsten Sprache die es gibt: Mit der Körpersprache.

Wenn wir flirten, senden wir uns geheime Zeichen. Botschaften die pur und rein sagen, was wir voneinander halten und wie wir gerade drauf sind. Menschen können mit ihrem Körper nur sehr schwer lügen, denn er ist der direkte intuitive Übermittler unserer Gedanken und Gefühle. Wer in der Lage ist, bewusst den Körper anderer Menschen zu lesen, kann schnell entschlüsseln, was in ihnen vorgeht und wer sie wirklich sind. Wer es lernt auf dieser Ebene bewusst zu kommunizieren, hat einen klaren Heimvorteil im sozialen Zusammenspiel.

Zeichen der Lust

Im Grunde genommen ist es ganz leicht. Menschen, die sich füreinander interessieren, suchen ihre Nähe. Mit ihrer Gestik betonen sie ihre Schönheit und ihre sexuelle Bereitschaft. Sie sehen sich lange an, beobachten sich dabei und ahmen dann ihre Gestik und Sprache nach. Durch Körpersprache drücken sie klar Ablehnung oder Interesse aus. Doch wie sieht das im Detail aus?

Verfolgen wir einmal ein Date vom ersten Augenblick bis zur Bettkante und beobachten dabei, was der Körper in den drei bekannten Flirtphasen Anmachen, Balzen und Abschleppen so zu erzählen hat.

Anmachen: Mit dem Augenkontakt fängt alles an

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Mit den Blicken fängt es an. Der Augenkontakt. Frauen sehen einen bis zu fünfmal ca. 2 bis 3 Sekunden an und blicken dann nach unten unterwürfig weg. Das ist ihre Einladung. "He, sprich mich an." Der Mann sollte in dieser Zeit reagieren, ansonsten gilt er als verklemmtes Weichei. Der wagemutige Mann sieht die Frau offen an und hält den Blick mindestens 3 Sekunden. Dann blickt er langsam zur Seite weg. Denn er darf im Gegensatz zur Frau nicht unterwürfig erscheinen.

Die Pupillen erweitern sich, wenn wir erregt sind und weit offene Augen zeigen, dass wir an dem, was wir sehen interessiert sind. Überhaupt: Je länger wir uns in die Augen sehen, desto eher verlieben wir uns ineinander. Auch wenn wir sonst beim flirten gerne mal lügen und flunkern - Wenn uns ein Mensch gut gefällt, sollten wir ihm das mit unserem Blick auch immer ganz klar und ehrlich zeigen. Das ist die beste Eintrittskarte zum Herzen des anderen. Nach dem ersten erfolgreichen Blickkontakt sollte der Mann die Frau einfach mit einem Lächeln und einem "Hi!" ansprechen und ein lockeres Gespräch starten.

Durch erste leichte Berührungen schaffen wir nun das erste körperliche Vertrauen. Wir schütteln unsere Hände oder fassen uns beim Reden kurz an die Schulter. Einen Flirtpartner von Anfang an zu berühren ist sehr wichtig, weil man nur so auch als potentieller Sexpartner wahrgenommen werden kann. Um vom Anmachen zum Balzen überzugehen, versuchen wir unsere neue Bekanntschaft von den anderen Menschen zu isolieren. Wir suchen nun die Zweisamkeit und verabreden uns zu einem Date.

Balzen: Unsere Körper kommunizieren

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Beim unserem ersten Treffen sind wir meist aufgeregt und unsicher. Das ist ganz normal.

Unsicherheiten zeigen sich durch verschränkte Arme und übereinander geschlagene Beine. Menschen suchen so Schutz in einer eigenen Umarmung, selbst wenn es nur die kleinen Finger sind, die sich berühren. Wenn dein Gegenüber während des Dates anfängt schneller zu essen oder zu trinken ist er aufgeregt. Meist wegen dir. Ein leichtes Fußwippen dient dazu, aufgeregte Menschen zu beruhigen. Wenn du willst, dass sich dein Gegenüber dir öffnet, ist es wichtig dass du dich ihm zuerst öffnest.

Ist die Stimmung gelockert, beginnen unsere Körper zu kommunizieren. Das berühmteste Zeichen von Interesse ist übrigens neben dem Lächeln das Haarstreichen. Frauen streichen sich durch die Haare und machen sich so unbewusst schön für den Mann. Das ganze Spiel geht sogar noch viel weiter. Sie kratzen sich unbewusst und streichen über ihre Haut. Das alles ist ein Putzritual. Sie möchten in den Augen ihres Flirtpartners hübsch und gesund erscheinen. Männer dagegen spielen gerne ihre Dominanz aus. Sie stehen breitbeinig da. Legen ihre Hände hinter ihren Kopf und machen sich größer, beanspruchen Raum. Ihre Stimme wird dunkler und ruhiger. Sie wollen der Frau so Stärke und Sicherheit vermitteln.

Zeichen der Lust

Je mehr wir uns füreinander interessieren, desto mehr spiegeln wir unsere Körperhaltungen und gleichen auch die Sprache an. Wir wiederholen den Sprachrhythmus und wiederholen die Schlüsselwörter des Partners. Wenn wir im Gespräch unsere Hände auf den Brustkorb legen, sendet das ein Signal von Ehrlichkeit und Treue aus. Der vorgebeugte Körper bekundet ein Interesse an dem anderen.

Füße sind ähnlich wie ein Kompass. Sie zeigen immer dorthin, wo das momentane Interesse ihres Besitzers liegt. Zeigen die Fußspitzen auf dich, bist du der Mittelpunkt. Zeigen sie immer wieder weg, ist das vorgespielte Interesse nur scheinbar. Der zur Seite geneigte Kopf signalisiert Offenheit und Nachgeben. Dein Gegenüber ist von dir fasziniert. Er hat Vertrauen zu dir entwickelt und entblößt die empfindlichste Stelle seines Körpers: Die Halsschlagader. Das ist auch ein erstes klares Zeichen für sexuelle Bereitschaft. Eine schöne Botschaft ist es übrigens, wenn dein Gegenüber an einem seiner Ringe herumspielt. Ohne dass er es weiß, verrät er so, dass er gerade an sexuelle Dinge denkt – natürlich mit dir.

Abschleppen: Verführung ohne Worte

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Wenn wir an Sex denken, berühren wir dabei auch öfters unseren Mund. Überhaupt führen wir dann unbewusst autoerotische Berührungen an uns selber aus. Wir beginnen uns zu streicheln und lenken damit auch die Blicke unseres Flirtpartners auf unsere erotischen Zonen.

Wenn wir den anderen ansehen, wandert unser Blick von seiner rechten Pupille zur linken, dann auf den Mund. Immer wieder. Dieser Blick sagt klar, dass wir unser Objekt der Begierde endlich küssen wollen. Spätestens wenn sich unsere Blicke und Körper wie Magneten immer wieder anziehen und nicht mehr loslassen wollen, ist es Zeit die Klappe zu halten und nur noch unsere Körper miteinander reden zu lassen. So verführen wir uns ohne Worte. Das alles ist natürlich nur ein kleiner rudimentärer Ausschnitt dessen, was uns die eigentlich sehr komplexe Körpersprache vermitteln kann. Sich in der Körpersprache auszubilden lohnt aber sehr, denn nur so kann man mit anderen Menschen ehrlich, offen und absolut direkt kommunizieren.

Und wie hat sich nun Sylvia, mein scheinbar eingeschnapptes Date, verraten? Ganz einfach. Sie ist trotz meiner Neckereien immer in meiner Nähe geblieben. Ihre Lüge wurde so durchschaubar, wie bei einem Kerl, der mit Riesenständer vor dem Mädchen steht und ihr sagt: "Du ich hab heute überhaupt keine Lust auf dich." Egal wie sehr ich sie geärgert habe oder sie mich, wir haben immer unsere Nähe gesucht. Die haben wir auch irgendwann gefunden und unsere Körper haben sich dann richtig gut unterhalten.

Love,
LUCIUS LOVE

Fotos: Leoncool

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Dieser Beitrag wurde uns vom PO-Magazin zur Verfügung gestellt.
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Der Artikel erschien erstmals im PO Magazin Ausgabe November / Dezember 2009 und wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.