29.04.2011

Was heißt eigentlich Bondage?

Weg mit den Vorurteilen! Tipps für gemeinsame Fesselspielchen.

Um den Begriff Bondage ranken sich die seltsamsten Vorstellungen. Zumindest dann, wenn man weiß, dass dieses Wort für "Fesselpraktiken" oder weniger dramatisch "Fesselspielchen" steht.

Was heißt eigentlich Bondage?

Fesselspiele lassen bei vielen Menschen Erinnerungen an die eigene Kindheit hochkommen: Räuber und Gendarm mit Plastikhandschellen, Cowboy und Indianer mit einem Baum, der als Marterpfahl herhalten musste, Seeräuber-Abenteuer, bei denen die gefangene Prinzessin natürlich irgendwann gefesselt in einem "Verlies" landete.

Manch einer erinnert sich an das seltsam aufgeregte Kribbeln, wenn er wehr- und hilflos angebunden war, wenn alles kämpfen nichts nutzte, Mutters Wäscheleine zu fest saß, als dass man sich hätte befreien können und vielleicht auch wollen.

Glaubt man den Statistiken und Befragungen zum Thema Sexualität, wie sie immer mal wieder veröffentlicht werden, können sich mehr als die Hälfte der Erwachsenen vorstellen, ihr Liebstes zu fesseln oder von ihm gefesselt zu werden. Und manch eine sexuelle Phantasie handelt von Wehrlosigkeit und dem Spiel mit einem möglichst hilflosen "Opfer".

Bondage und seine Bedeutung

Eigentlich kommt das Wort Bondage aus dem Englischen und heißt wörtlich Leibeigenschaft, Gefangenschaft, Knechtschaft oder Sklaverei, aber so weit wollen es die meisten Liebhaber dieser sexuellen Spielart nicht kommen lassen. Im sexuellen Sinne steht Bondage für alle Möglichkeiten den Körper eines sich freiwillig hingebenden Partners durch geeignete Hilfsmittel in seiner Bewegungsfähigkeit einzuschränken, ihr oder ihm eine bestimmte Körperhaltung aufzuzwingen und diese Situation auf in weitestem Sinne sexuelle Weise zu nutzen.

Bondage beginnt schon bei "bleib so liegen, beweg dich nicht" oder bei den über dem Kopf festgehaltenen Händen des Liebsten, doch die Möglichkeiten jemanden liebevoll oder auch etwas derber zu fesseln sind vielfältiger und lassen der spielerischen Phantasie ausreichend Platz, bis hin zur absoluten Bewegungsunfähigkeit des Gefesselten.

Bondage kann Ausdruck eines Machtspieles sein und deswegen gehört diese Technik für viele Leute in den Bereich des einvernehmlichen Sadomasochismus (SM), obwohl es mindestens genauso viele Menschen gibt, die keine Verbindung zum SM sehen (wollen?).

International taucht Bondage in der Abkürzung BDSM als das "B" auf und wird in der Verbindung "Bondage and Disciplin" manchmal als Synonym für SM benutzt.

Vorurteile in Bezug auf die Fesselspiele

Doch es gibt von der Seite manches eingefleischten Sadomasochisten auch Vorurteile gegen Bondage: Bondage sei langweilig, habe nichts mit wirklicher Abgabe von Macht zu tun, Bondage gehöre nicht zu SM etc. Andere machen einen Unterschied zwischen dem was sie abwertend "Fesselspielchen" nennen und "echter" Bondage.

Ich finde, jeder kann das Kind so nennen, wie es ihm gefällt. Keiner ist gezwungen, das Spiel mit dem Fesseln, Anbinden, Anketten, bewegungslos Machen, mit Hilflosigkeit und der Geborgenheit und dem Gehaltenwerden durch Fesseln, mit dem Gefühl gefangen zu sein, verpackt, verschnürt, eingeflochten, irgendwo befestigt zu sein, mit dem Terminus Technicus "Bondage" zu benennen oder es dem Sadomasochismus zuzurechnen. Hauptsache es macht den Beteiligten Spaß und geschieht freiwillig unter der Einhaltung von Sicherheitsregeln, die gewährleisten, dass es nicht zu ungewollten Hautabschürfungen, Nervenquetschungen, Sehnenreizungen, Gelenkdehnungen oder gar Strangulationen kommt.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich immer noch gerne an eine Freundin aus der Zeit vor meinem SM-Comingout, die mich nach einer Woche bat, sie doch ans Bett zu fesseln, denn nur so könne sie zum Höhepunkt kommen. Mir gefiel das natürlich sehr gut.
Als ich ihr dann einige Jahre später von meinen weitergehenden Neigungen erzählte, fand sie das alles befremdlich und beängstigend. Als ich sie darauf hinwies, dass sie ja selbst auf Fesseln steht, meinte sie, das hätte mit dem ganzen SM-Kram nichts zu tun, das wäre nur ihre besondere Spielart der Sexualität.

Bondage-Spielregeln

Damit Bondage auch wirklich beiden Beteiligten Spaß macht und sowohl gesundheitlich als auch psychisch sicher ist, gibt es einige grundsätzliche Spielregeln zu beachten. Neben anatomischen und technischen Informationen, die man sich etwa aus meinem Ratgeber "Das Bondage-Handbuch" holen kann, finde ich nach etwa zehn Jahren, in denen ich Bondage-Workshops (in Hamburg und wo man mich sonst noch bucht) gebe, dass jede gute Fesselsituation grundsätzlich als Basis vier Kernpunkte berücksichtigen muss:

1. Erotisches Fesseln sollte immer in einer Umgebung stattfinden, in der beide Partner sich wohl und aufgehoben fühlen. Das ist besonders dann wichtig, wenn man gerade erst neu mit dem Fesseln seines Liebsten beginnt.

2. Der Partner, der sich fesseln lässt, sollte in der Lage sein, den Aktiven regelmäßig über seinen Zustand zu informieren. Zu dieser Art des Feedbacks gehören alle Erlebnisse, die als Störung empfunden werden, angefangen von eingeschlafenen Händen bis hin zu emotionalen Unsicherheiten. Gedankenlesen kann kaum einer.

3. Der aktive Partner muss in der Lage sein, auf dieses Feedback einer Störung umgehend zu reagieren, also etwa bei einschlafenden Händen diese sofort zu befreien.

4. Vor einer Fessel-Session ist es notwendig gemeinsam herauszufinden, worin denn der Kick beim jeweiligen Partner besteht.

Zu dem 4. Punkt noch ein paar weitergehende Anmerkungen:
Sicher gibt es Leute, die sich fragen, wozu überhaupt Bondage? Die Antworten darauf können so individuell ausfallen, wie es die Menschen nun mal sind.

Steht für den einen Bondage-Spezialisten die möglichst umfassende Bewegungseinschränkung im Vordergrund, liebt der andere vielleicht die Verformungen des Körpers, die einschnürende Seile hervorrufen können. Wieder ein anderer liebt den Druck, den die Fesselung auf ihn ausübt, sucht die Geborgenheit einer Ganzkörperfesselung. Manche möchten gerne einmal kopfüber oder kopfunter den Boden unter den Füßen verlieren, schweben zwischen Zimmerdecke und Boden, schwerelos sein. Manch einer genießt die Dehnung seines Körpers oder das seltsam taube Gefühl welches kurzfristiges Abschnüren eines Gliedes bzw. Körperteils auslöst. Es gibt diejenigen, die sich in eine Bondage hineinfallen lassen und die, die gegen sie ankämpfen.

Weitere Themen

Self-Bondage
Self-Bondage ist eine spezielle Praktik aus dem BDSM-Bereich. Wir erklären, was Self-Bondage bedeutet, worin der Reiz besteht und welche Gefahrenquellen es gibt.

Fesseln
Fesseln, auch unter dem englischen Begriff Bondage bekannt, gehört als sexuelle Spielart in den dominant-devoten Kontext des
BDSM.

Camel Bondage
Es bedarf einer bestimmten Technik und damit auch grundlegender Fertigkeiten für das Camel-Bondage. Die Fesselung der weiblichen Brust will gut beherrscht sein und sollte nicht ohne Anleitung praktiziert werden.

Kommentare

....Bondage als...

..Spielvariante, zur Steigerung der Lust oder aber auch als Zeichen der Dominanz gegenüber dem Partner...

Es kann so viele Varianten geben was es auslöst. Egal ob beim gebundenen Teil oder bei dem der Verknotet. Mir als aktivem Part gibt diese Art des Spiels einfach die Möglichkeit den Körper meines Gegenübers nach meinen Vorstellungen zu fixieren und dann antsprechend zu "bespielen" *ja*
Alleine schon beim binden der Ersten Knoten und legen der ersten Windungen kommen mir immer wieder neue Idenn wie ich was mal anders machen könnte... ich liebe diese unzähligen Möglichkeiten, die sich einem mit ein klein wenig Kreativität bieten.

Schlußendlich bleibt nur eines was Bondage grundsätzlich betrifft:

Love ist, or hate ist.

Dazwischen ist denke ich nicht wirklich Platz für etwas anderes...

LG
Misterio
Fesselspiele

halt ich schon für eine sehr Luststeigernde Variante Erotischer Spiele,mit der ich mich nun schon mein halbes Leben beschäftige.
Es ist schon sehr Erregend,Sie so zu binden,das Sie sich meiner Blicke und Berührungen nicht entziehen kann.Dabei müssen es nicht immer diese sündhaft teuren Seile sein,welche natürlich ihren Optischen Reiz haben,da tun es dann auch mal die Gürtel vom Morgenmantel oder die Elastischen Binden aus dem Verbandskasten (praktischer weise wird hier die Schere zum schnellen befreien gleich mitgeliefert)
Für Sie ist es die Möglichkeit,sich völlig hinzugeben,die Verantwortung mal abzugeben,sich einfach treiben zu lassen.

LG Thomas
wir bevorzugen das abbinden der brüste.

eine kpl. fesselung des körpers haben wir weder bei ihm noch bei ihr geschafft. meist sind wir wenns losgehen soll schon so geil das wir übereinander herfallen. es kann nur sein wenn die zeit es erlaubt, das nach dieser nummer mal sie mal er ins bett fixiert wird die augen verbunden um dann nochmals so richtig durchgefickt zu werden.

Es muss ja nun ncht jeder alles mögen *g*

noxx *huhu*
Geht gar nicht...

*schock*

Bondage ist eines meiner absoluten No go's...ich kann keine Form von Enge oder Eingeengt-Sein, sei es körperlich oder seelisch, echt oder gespielt, ertragen. Ein Mann bräuchte nur so ein Seil in die Hand nehmen, und er würde nur noch einen Lufthauch von mir wahrnehmen... *panik*

Aus Neugierde habe ich mir mal Bilder hier im Bondage-Forum angeschaut, das ging nicht lange gut, ich bin recht schnell wieder raus, ich empfand es unangenehm, befremdlich, unheimlich. Mir wird da alleine vom Hinschauen leicht übel. *umpf*

Hingabe und Geborgenheit finde ich nur im genauen Gegenteil: desto mehr mir jemand Freiräume in jeder Hinsicht lässt, desto mehr kann ich vertrauen und mich fallen lassen. *liebguck* Ich würde nie einem Menschen so viel Macht über mich geben, und ich würde einem Menschen gegenüber, der so vor mir liegt, entweder nur Mitleid oder Verachtung empfinden. *hae*

Als junge Frau habe ich mal ein paar Versuche in Richtung devot/dominant gemacht, aber alles, was dabei körperlich ausgeführt wird und einengt oder weh tut, hat mich nur abgestossen bzw. in die Flucht getrieben. *nene*

Ich habe den Artikel gelesen und die Worte verstanden, aber der Sinn von Bondage bleibt mir verschlossen...mein Kopf möchte da tolerant sein, aber in meinem Magen bildet sich da ein Knoten...
Busen Bondage

Hallo, tut mir leid wenn diese Fragen schon gestellt wurden:
Welches Buch ist zu empfehlen wenn man von Bondage im Allgemeinen NULL Ahnung hat, aber daran interessiert ist und nicht riskieren möchte aufgrund mangelnder Kentnisse Schäden an den gefesselten Körperstellen zu verursachen?

Also ohne zu Wissen wie man richtig fesselt sollte man dies auch lassen. Von einem Messer würde ich aber dennoch abraten egal wie gut man meint damit umgehen zu können. Aber ich denke hier hat jeder seine eigene Meinung dazu und meine ist ein Messer ist vielleicht ein wenig schneller aber eben auch mit mehr Risiko verbunden.

Auch das ist mit dem richtigen Messer kein Problem *g*

Ahm, ich meinte die Panik von Sub - nicht deine. Das wäre mit nem Messer in der Hand schlecht bzw. könnte hässlich werden *zwinker*

Hmm.. mein Rettungsmesser hat n Gurtschneider, funktioniert wunderbar für Seil... und der Trick an der Kiste ist ganz einfach nicht in Panik zu geraten, nur weil etwas schiefläuft. Mal davon abgesehen, dass ich davon ausgehe, dass Leute, die gescheite Messer besitzen auch wissen, wie man sie händelt *g*
  • Neu hier? Kein Problem!
Webtipps
Janinas Forum (Forum zu allen Fragen zum Thema Bondage)
Das Fesselmuseum (Alles womit man Menschen fesseln kann)
Bondage im Forum
Vielen Dank!
 
Was heißt eigentlich Bondage?
Dieser Beitrag wurde uns vom PO-Magazin zur Verfügung gestellt.
Zum PO-Magazin