Um den Begriff Bondage ranken sich die seltsamsten Vorstellungen. Zumindest dann, wenn man weiß, dass dieses Wort für "Fesselpraktiken" oder weniger dramatisch "Fesselspielchen" steht.
Fesselspiele lassen bei vielen Menschen Erinnerungen an die eigene Kindheit hochkommen: Räuber und Gendarm mit Plastikhandschellen, Cowboy und Indianer mit einem Baum, der als Marterpfahl herhalten musste, Seeräuber-Abenteuer, bei denen die gefangene Prinzessin natürlich irgendwann gefesselt in einem "Verlies" landete.
Manch einer erinnert sich an das seltsam aufgeregte Kribbeln, wenn er wehr- und hilflos angebunden war, wenn alles kämpfen nichts nutzte, Mutters Wäscheleine zu fest saß, als dass man sich hätte befreien können und vielleicht auch wollen.
Glaubt man den Statistiken und Befragungen zum Thema Sexualität, wie sie immer mal wieder veröffentlicht werden, können sich mehr als die Hälfte der Erwachsenen vorstellen, ihr Liebstes zu fesseln oder von ihm gefesselt zu werden. Und manch eine sexuelle Phantasie handelt von Wehrlosigkeit und dem Spiel mit einem möglichst hilflosen "Opfer".
Bondage und seine Bedeutung
Eigentlich kommt das Wort Bondage aus dem Englischen und heißt wörtlich Leibeigenschaft, Gefangenschaft, Knechtschaft oder Sklaverei, aber so weit wollen es die meisten Liebhaber dieser sexuellen Spielart nicht kommen lassen. Im sexuellen Sinne steht Bondage für alle Möglichkeiten den Körper eines sich freiwillig hingebenden Partners durch geeignete Hilfsmittel in seiner Bewegungsfähigkeit einzuschränken, ihr oder ihm eine bestimmte Körperhaltung aufzuzwingen und diese Situation auf in weitestem Sinne sexuelle Weise zu nutzen.
Bondage beginnt schon bei "bleib so liegen, beweg dich nicht" oder bei den über dem Kopf festgehaltenen Händen des Liebsten, doch die Möglichkeiten jemanden liebevoll oder auch etwas derber zu fesseln sind vielfältiger und lassen der spielerischen Phantasie ausreichend Platz, bis hin zur absoluten Bewegungsunfähigkeit des Gefesselten.
Bondage kann Ausdruck eines Machtspieles sein und deswegen gehört diese Technik für viele Leute in den Bereich des einvernehmlichen Sadomasochismus (SM), obwohl es mindestens genauso viele Menschen gibt, die keine Verbindung zum SM sehen (wollen?).
International taucht Bondage in der Abkürzung BDSM als das "B" auf und wird in der Verbindung "Bondage and Disciplin" manchmal als Synonym für SM benutzt.
Vorurteile in Bezug auf die Fesselspiele
Doch es gibt von der Seite manches eingefleischten Sadomasochisten auch Vorurteile gegen Bondage: Bondage sei langweilig, habe nichts mit wirklicher Abgabe von Macht zu tun, Bondage gehöre nicht zu SM etc. Andere machen einen Unterschied zwischen dem was sie abwertend "Fesselspielchen" nennen und "echter" Bondage.
Ich finde, jeder kann das Kind so nennen, wie es ihm gefällt. Keiner ist gezwungen, das Spiel mit dem Fesseln, Anbinden, Anketten, bewegungslos Machen, mit Hilflosigkeit und der Geborgenheit und dem Gehaltenwerden durch Fesseln, mit dem Gefühl gefangen zu sein, verpackt, verschnürt, eingeflochten, irgendwo befestigt zu sein, mit dem Terminus Technicus "Bondage" zu benennen oder es dem Sadomasochismus zuzurechnen. Hauptsache es macht den Beteiligten Spaß und geschieht freiwillig unter der Einhaltung von Sicherheitsregeln, die gewährleisten, dass es nicht zu ungewollten Hautabschürfungen, Nervenquetschungen, Sehnenreizungen, Gelenkdehnungen oder gar Strangulationen kommt.
In diesem Zusammenhang erinnere ich mich immer noch gerne an eine Freundin aus der Zeit vor meinem SM-Comingout, die mich nach einer Woche bat, sie doch ans Bett zu fesseln, denn nur so könne sie zum Höhepunkt kommen. Mir gefiel das natürlich sehr gut.
Als ich ihr dann einige Jahre später von meinen weitergehenden Neigungen erzählte, fand sie das alles befremdlich und beängstigend. Als ich sie darauf hinwies, dass sie ja selbst auf Fesseln steht, meinte sie, das hätte mit dem ganzen SM-Kram nichts zu tun, das wäre nur ihre besondere Spielart der Sexualität.
Bondage-Spielregeln
Damit Bondage auch wirklich beiden Beteiligten Spaß macht und sowohl gesundheitlich als auch psychisch sicher ist, gibt es einige grundsätzliche Spielregeln zu beachten. Neben anatomischen und technischen Informationen, die man sich etwa aus meinem Ratgeber "Das Bondage-Handbuch" holen kann, finde ich nach etwa zehn Jahren, in denen ich Bondage-Workshops (in Hamburg und wo man mich sonst noch bucht) gebe, dass jede gute Fesselsituation grundsätzlich als Basis vier Kernpunkte berücksichtigen muss:
1. Erotisches Fesseln sollte immer in einer Umgebung stattfinden, in der beide Partner sich wohl und aufgehoben fühlen. Das ist besonders dann wichtig, wenn man gerade erst neu mit dem Fesseln seines Liebsten beginnt.
2. Der Partner, der sich fesseln lässt, sollte in der Lage sein, den Aktiven regelmäßig über seinen Zustand zu informieren. Zu dieser Art des Feedbacks gehören alle Erlebnisse, die als Störung empfunden werden, angefangen von eingeschlafenen Händen bis hin zu emotionalen Unsicherheiten. Gedankenlesen kann kaum einer.
3. Der aktive Partner muss in der Lage sein, auf dieses Feedback einer Störung umgehend zu reagieren, also etwa bei einschlafenden Händen diese sofort zu befreien.
4. Vor einer Fessel-Session ist es notwendig gemeinsam herauszufinden, worin denn der Kick beim jeweiligen Partner besteht.
Zu dem 4. Punkt noch ein paar weitergehende Anmerkungen:
Sicher gibt es Leute, die sich fragen, wozu überhaupt Bondage? Die Antworten darauf können so individuell ausfallen, wie es die Menschen nun mal sind.
Steht für den einen Bondage-Spezialisten die möglichst umfassende Bewegungseinschränkung im Vordergrund, liebt der andere vielleicht die Verformungen des Körpers, die einschnürende Seile hervorrufen können. Wieder ein anderer liebt den Druck, den die Fesselung auf ihn ausübt, sucht die Geborgenheit einer Ganzkörperfesselung. Manche möchten gerne einmal kopfüber oder kopfunter den Boden unter den Füßen verlieren, schweben zwischen Zimmerdecke und Boden, schwerelos sein. Manch einer genießt die Dehnung seines Körpers oder das seltsam taube Gefühl welches kurzfristiges Abschnüren eines Gliedes bzw. Körperteils auslöst. Es gibt diejenigen, die sich in eine Bondage hineinfallen lassen und die, die gegen sie ankämpfen.
- 1. Teil: Was heißt eigentlich Bondage?
- 2. Teil: Vor dem Bondage die Vorlieben absprechen





