Self-Bondage, auch selfbondage geschrieben, ist eine sehr spezielle Praktik aus dem BDSM Bereich und bedarf vieler Sicherheitsaspekte. Im Gegensatz zum "normalen" Bondage gibt es hier nämlich keinen weiteren Partner, der an der Fesselung beteiligt ist und somit zusätzlich auf die Sicherheit achten kann.
Wir wollen Self-Bondage etwas genauer beleuchten. Der Szene-Kenner und Veranstalter von BDSM-Events SecretSins erklärt, was Self-Bondage ist, worin der Reiz für viele Menschen besteht, warum es aber auch sehr gefährlich sein und man daher gründlich vorbereitet sein sollte. Der Beitrag möchte keine anleitenden Tipps oder Anregungen geben, sondern vielmehr einen Einstieg in das Thema bieten und Unbedarfte auf mögliche Gefahrenquellen hinweisen.

Insbesondere Anfänger weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass sie sich vor der Selbstfesselung über diesen Artikel hinaus umfassend mit dem Thema sowie einem erfahrenen Self-Bondager auseinandersetzen sollten!
Was ist Self-Bondage?
Self-Bondage bzw. selfbondage ist das englische Wort für "sich selbst fesseln" bzw. Selbstfesselung und beschreibt eine Sexualpraktik aus dem BDSM. Es wird von Menschen praktiziert, die das Gefühl des Gefesseltseins mögen, wobei der Grund dafür ganz unterschiedlich sein kann. Manche Self-Bondager fesseln sich allein, weil sie schlichtweg nicht den passenden Partner für ihre Praktik haben. Andere wiederum fesseln sich selbst, weil sie für das Fesseln gar keinen Partner haben wollen und speziell darin, dass sie alleine in einer "auswegslosen" Situation sind, ihren Kick finden.
Einige Self-Bondager fesseln sich mit allem, womit eine Fesselung möglich ist, angefangen von Baumarktseilen, über Handschellen bis hin zu Profiseilen, die man in Sex- und Erotikshops erwerben kann. Speziell bei Baumarktartikeln, wie beispielsweise Kabelbindern oder Plastikseilen, sollte man extrem vorsichtig sein bzw. gänzlich auf diese verzichten.

Neben rein erotischen Fantasien erfüllt das selfbondage aber auch andere innere Sehnsüchte. So geht es bei vielen beispielsweise um das Gefühl, sich selbst fallenlassen zu können und Selbstvertrauen in sich selbst zu erhalten. Für viele stellt Self-Bondage zudem eine intellektuelle Herausforderung dar, deren "Problemstellungen" aufwendig erdacht und gelöst werden wollen.
Einige Leute sind der Meinung, dass die Abgrenzung vom Self-Bondage zum partnerbezogenen Bondage hauptsächlich darin besteht, dass der Self-Bondager erhöhten Risiken ausgesetzt ist und sich ausgefeiltere Befreiungsmechanismen ausdenken muss.
Auch die Auswahl geeigneter Materialien und Techniken verlangt einen höheren Einfallsreichtum und eine erhöhte Experimentierfreudigkeit.
Warum fesseln sich Menschen selbst?
Vielfach geht es beim Self-Bondage um die Erforschung des Gefühls der Hilflosigkeit oder des Sinnesentzugs. Bei besonders aufwändigen und zeitintensiven Fesselungen kann der Fesselungsprozess sogar dazu führen, dass der Fesselnde eine längere "innere Reise" antritt. Zudem sehen die Praktizierenden in dieser Art des Fesselns eine besonders intellektuelle Herausforderung. Sie können ihr Schicksal nicht in die Hand und damit das Können eines anderen geben, sondern sind ganz und gar ihren eigenen Fähigkeiten unterlegen. Manche Self-Bondager filmen sich auch selbst.

Außerdem hat selfbondage auf einige Fesselnde auch eine positive Wirkung hinsichtlich des Selbstvertrauens. Man vertraut sich selbst aktiv wie auch passiv und geht somit an Grenzen, die man vorher nicht kannte.
Im BDSM-Spiel wird noch eine andere Facette möglich. Personen, die anderen Personen als Top oder Sub über- bzw. untergeordnet sind, benutzen Selbstfesselungen beispielsweise aus folgenden Gründen: Der Top lernt, ohne sich dabei vom Sub fesseln lassen zu müssen, wie sich ein Sub in gefesselten Stellungen fühlt. Auf der anderen Seite können Subs Self-Bondage nutzen, um anstrengende Stellungen zu trainieren oder zu erforschen, wie ihr Körper unter diesen Belastungen reagiert, bevor sie vor ihren "Master" treten. Auch kann sich ein Sub auf diese Art und Weise alleine in eine hilflose Lage bringen und damit dem dominanten Part in der Partnerschaft ein "Geschenk" unterbreiten.
Strict or Sensual – Unterschiedliche Praktiken
Self-Bondage kann mit einem strikten oder sinnlichen Ansatz ("strict or sensual") ausgeführt werden. Beim sinnlichen Self-Bondage kann sich der Fesselnde noch eingeschränkt bewegen. Zudem sind die Befreiungsmechanismen einfach und unkompliziert erdacht, so dass der Praktizierende wenige Risiken eingeht. So sind beispielsweise Seile nur locker verknotet oder die Schlüssel für verwendete Schlösser liegen in greifbarer Nähe.
Um ein striktes Self-Bondage handelt es sich immer dann, wenn keine Befreiungsmechanismen vor Ablauf einer gewissen Zeitspanne eingesetzt werden und die Fesselung wesentlich straffer ist. Gerade weil diese Form des Self-Bondage mit weitaus höheren Risiken verbunden ist, wird es aufgrund des stärkeren Gefühls der Hilflosigkeit tatsächlich von vielen Praktizierenden bevorzugt.

Aber es gibt zudem einen "goldenen" Mittelweg, um das selfbondage sicherer zu gestalten und damit die abgeschwächte Variante des strict Self-Bondage durchzuführen. Dabei werden bei der Vorbereitung zusätzliche Möglichkeiten eingebunden, um sich jederzeit befreien zu können… quasi eine "Reißleine". Die meisten setzen diesen "Notausstieg" jedoch so ein, dass – sollte er zum Einsatz kommen – eine direkte Konsequenz in Form einer Selbstbestrafung erfolgt. Mit dieser Maßnahme geht man dann zwar auf Nummer sicher, zögert den Punkt aufgrund der zu erwartenden Strafe allerdings relativ lange hinaus und neigt nicht zu frühzeitigen Befreiungsmaßnahmen, um sich damit auch die "Spannung" am Self-Bondage zu nehmen. Eine Form der Bestrafung könnte sein, dass das eigene Equipment danach zerstört wird.
Eine straffere Fesselung in Form des abgeschwächten strict Self-Bondage ist auch durch eine zeitliche Begrenzung möglich. Bei diesem Zeitspiel arbeitet man beispielsweise mit dem eingefrorenen Schlüssel im Eiswürfel, um sich nach Abschmelzen des Eises jederzeit problemlos befreien zu können. Ein weiteres Zeitspiel besteht für einige Self-Bondager darin, ein möglichst langes Seil beispielsweise um die Beine zu verknoten. Das Lösen der Knoten dauert geraume Zeit, aber am Schluss hat man sich selbst befreit.
Vielfach werden diese Techniken auch mit anderen BDSM-Toys verknüpft, beispielsweise Augenbinden, Mundknebel, Klammern oder ähnlichem.
Risiken beim Self-Bondage
Personen, die sich selbst fesseln, müssen sich zu jedem Zeitpunkt bewusst sein, dass sie sich durchaus in Gefahr begeben. Wie eingangs angeklungen birgt Self-Bondage ein wesentlich höheres Risiko als das partnerschaftliche Zusammenspiel: Es fehlt einfach die Person, die hilft, wenn etwas schief geht. Denn eine wichtige Prämisse ist, den gefesselten und hilflosen Partner nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Der auf beide Partner bezogene BDSM-Grundsatz "SSC – safe, sane, consensual" (sicher, gesund und einvernehmlich) ist beim Self-Bondage aufgrund der nicht vorhandenen weiteren Person nur eingeschränkt anwendbar. Dieser Vorsatz ist nur durch eine geminderte Risikobereitschaft des Praktizierenden zu ersetzen.
Zudem kann die Auswahl der Materialien zu einem erhöhten Gefahrenpotential führen. Dazu zählen gewisse Seilarten aus dem Baumarkt, die nach dem Verknoten schwer oder sogar gar nicht ohne Schere zu lösen sind. Auch andere Fesselungshilfsmittel lassen sich zwar einfach verschließen, aber schwierig ohne Werkzeug öffnen, so beispielsweise Handschellen, Manschetten aus Leder, Kabelbinder, Ketten und Schlösser. Viele dieser Materialien beinhalten ein hohes Verletzungsrisiko. So können sich Kabelbinder oder ungesicherte Handschellen weiter schließen als geplant. Aber auch andere Bondage-Mittel können falsch angelegt werden, verrutschen und so Gliedmaßen einschnüren.

Das Hauptproblem bei der Verwendung von Seilen ist die Fesselung der Hände in einer Art und Weise, die die spätere Befreiung nicht so einfach macht. Vielfach kommt dann ein Messer oder eine Schere zum Einsatz, die mitunter gefährlich nah an den Schlagadern eingesetzt werden müssen.
Ein zusätzliches Risiko bei einer Selbstfesselung tritt beispielsweise dann ein, wenn die Hände unerwartet taub werden und damit die Möglichkeit genommen ist, die Entfesselung zu veranlassen. Zudem gibt es Personen, die als zusätzlichen "Kick" die Atemkontrolle nutzen, d.h. sie erschweren oder unterbinden ihre Atmung kurzzeitig. Viele empfinden hierbei eine gesteigerte Stimulation, dennoch: Diese Praktik ist äußerst gefährlich und hat bereits zu Todesfällen geführt. Manchmal gilt es nämlich an Kleinigkeiten zu denken. Ein unglücklicher Umstand bei einer Knebelung kann beispielsweise eine verstopfte Nase sein, die Panikreaktionen auslöst. Dabei könnten Seile so verrutschen, dass sie die Atemwege abschnüren. Folglich sollte von Knebeln lieber abgesehen werden.
Des Weiteren sind Schädigungen aufgrund von Durchblutungsstörungen möglich. Insbesondere das Abschnüren von Extremitäten darf nicht unterschätzt werden.
Aus diesen Gründen ist die Eigensicherung überlebenswichtig, auch wenn dadurch für viele der eigene "Kick" möglicherweise gedämpft wird.
Sicherheit beim Self-Bondage: Ratsame Maßnahmen
Eine schrittweise Annäherung an diese Sexualpraktik, eine umfassende Selbsteinschätzung sowie das gekonnte Vorausplanen und Einbeziehen von Eventualitäten zeichnet einen guten Self-Bondager aus. Außerdem sollte man alle erdachten oder recherchierten Techniken, Sicherungsmaßnahmen und Releases einmal "trocken" getestet haben, also ohne dabei gebondaged zu sein.
Folgende grundlegende Möglichkeiten zum sicheren Ausstieg aus dem Self-Bondage werden in verschiedenen Foren öffentlich diskutiert:

- Eine bekannte Person wird über den Zeitpunkt der Selbstfesselung informiert. Erfolgt nach einer gewissen Zeit kein Anruf seitens des Fesselnden, vergewissert sich der Informierte, der so genannte Coverer, eigenständig, ob alles in Ordnung ist.
- Es wird ein Telefon im Aktionsbereich der Fesselung aufgestellt. Freunde können nun Kontrollanrufe tätigen. Diese sollten einen Schlüssel zur Wohnung besitzen und jederzeit einschreiten können, wenn niemand den Anruf entgegen nimmt.
- Die sicherste Variante wäre, dass der Coverer im Nebenzimmer sitzt und somit vermieden wird, dass er im Stau stecken bleibt und zu spät zum Fesselungsort gelangt.
- Einsteiger, die keine Kontakte im SM-Bereich haben oder sich grundsätzlich noch nicht geoutet haben, sollten sich einen Vertrauten suchen. Hierfür kann man beispielsweise in den Bondage- und BDSM-Gruppen des JOYclub Kontakte knüpfen. Zudem bieten externe Gruppen bzw. Vereine, wie der SMart Rhein-Ruhr e.V. entsprechende Dienste an. Hier treten Privatpersonen für Privatpersonen kostenfrei ein und sind meistens auch mit der Praktik vertraut.
- Es wird außerdem dazu geraten, mehrere Befreiungsmechanismen zu installieren, um im Falle des Ausfalls des einen Mechanismus, eine Alternative zur Selbstbefreiung zu haben. Unglückliche Szenarien sind beispielsweise: Das Eis, in dem der Schlüssel eingefroren wurde, schmilzt zu langsam oder man hat die Tageszeit falsch eingeschätzt und es ist zu dunkel geworden, um die Zahlenreihe auf dem Zahlenschloss zu sehen.
- Wer auf diese Auswahl an Möglichkeiten nicht oder nur schwer zurückgreifen kann, der sollte in jedem Fall eine sichere Ausstiegslösung als zusätzliche Option wählen, ein so genannter "Notrelease". Hierfür sollte man am besten einen erfahrenen Self-Bondager zu Rate ziehen.
Nicht zuletzt muss auch auf die Auswahl der Materialien geachtet werden. Auf Baumarktartikel sollte gänzlich verzichtet werden. Vielmehr empfiehlt es sich, Materialien zu verwenden, die innerhalb der Szene kommuniziert werden. Zur eigenen Sicherheit ist also insbesondere Einsteigern der Kontakt zu erfahrenen Leuten aus dem Bondage- bzw. Self-Bondage sehr zu empfehlen, um auf deren Erfahrungen und Können zurückzugreifen.
Beliebte Befreiungsmechanismen beim Self-Bondage
Im Ausdenken von Fesselungstechniken und Befreiungsmaßnahmen sehen viele Self-Bondager einen großen Anteil ihrer Herausforderung. So groß wie die Welt der Fantasien, so groß ist auch das Spektrum dieser Möglichkeiten.
Zum Abschluss seien ein paar beliebte Befreiungsmechanismen erwähnt. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Empfehlungen, sondern lediglich um oft angewendete Methoden, die die Fantasie und Herausforderung für Self-Bondager verdeutlichen sollen. Eine Anwendung dieser Möglichkeiten sollte nur unter Befolgung der oben genannten Sicherheitsmaßnahmen erfolgen.

Eiswürfel:
Die Idee in einen Eiswürfel einen Schlüssel einzufrieren, den man zum Aufschließen eines eingesetzten Schlosses benötigt, ist weit verbreitet. Eine abgewandelte Möglichkeit: Eine Socke wird mit Eis gefüllt, über diese dann ein Schlüsselring gestülpt. Die Socke wird so befestigt, dass sie gefesselt nicht erreichbar ist, der Schlüsselring beim Schmelzen des Eises jedoch so auf den Boden oder das Bett fällt, dass dieser erreichbar und die Befreiung damit möglich ist.
Zahlenschlösser:
Im Zusammenhang mit Zahlenschlössern beziehen Self-Bondager meist zwei Komponenten mit ein: Zum einen die Zeit, die benötigt wird, um die Zahlenkombination zu finden, zum anderen die Verfügbarkeit von Licht, um die Zahl auch eingeben zu können. So setzen beispielsweise manche die Zahlen des Schlosses auf unbekannt zurück und versuchen durch Ausprobieren der richtigen Kombination das Schloss zu öffnen. Unter Berücksichtigung möglicherweise schwindenden Tageslichtes stellt man vorab eine Zeitschaltuhr ein, die dann Licht im Raum erzeugt.
Schlüssel am Uhrzeiger:
Alternativ zu anderen "Schlüsselspielen" nutzen manche auch die Variante, bei der man den Schlüssel an einem Uhrzeiger befestigt. Die Uhr wird dabei so aufgestellt sein, dass der Schlüssel in einem bestimmten Winkel herunter fällt und erreichbar ist. So kann man dann den Schlüssel greifen, ohne dass man ein weiteres Werkzeug, wie beispielsweise eine Schnur benötigt.
Unangenehmes Getränk:
Diese Befreiungsmethode mag für einige Self-Bondager nicht spektakulär sein, ermöglicht aber das Befreien in einer Situation, in der andere Mechanismen fehlgeschlagen sind. Der Praktizierende legt den Zweitschlüssel in eine unangenehme Flüssigkeit, zum Beispiel Urin. An den Schlüssel gelangt man nur, nachdem man das Behältnis leer getrunken hat. So entfesselt man zwar sicher, empfindet aber das Ziel, um zur Entfesselung zu kommen, eventuell als Bestrafung.




