Das PO-Magazin hält in seiner neuesten Ausgabe ein großes Special über unsere Paar-Beziehungen bereit. "Endlich Fremdgehen", "Das Ende einer Beziehung", "Gedanken an die Ex" und "Zurück zur Ex" heißen die einzelnen Teile der vierteiligen Nabelschau um Treue, Langeweile, Kompromisse und Neubeginn.
Wir beschäftigen uns in diesem Artikel mit dem das Special abrundenden Abschnitt "Zurück zur Ex", denn wenn Man(n) im Nachhinein genau darüber nachdenkt, war sie eigentlich perfekt, die Ex. Sie war die Frau, die man wollte und die dieses tiefe Gefühl der Befriedigung auslöste, als man sie endlich hatte. Sie war der Mensch, bei dem man am Ende zwar todunglücklich war, aber mit dem man auch Momente vollkommenster Liebe und tiefster Verbundenheit geteilt hat. Doch ist er möglich … dieser Schritt, der da heißt:
Zurück zur Ex
"Mit Wünschen soll man vorsichtig sein – sie könnten in Erfüllung gehen!" Volksweisheit
"Bei meiner Exfrau war es aber eben immer sauber!"
"Dann geh doch zu deiner Exfrau zurück!"
"Das hat doch jetzt damit nichts zu tun – es war halt nur immer sauber bei ihr!"
"Ach – und bei mir ist es nicht sauber, oder was? Ich kann machen, was ich will – ich werde niemals an deine Exfrau heranreichen können! Pack deine Koffer, und geh – ich kann dieses Thema nicht mehr ertragen!"
Die Tür fiel zu und er packte das Nötigste zusammen, während er seinen Gedanken nachhing…
… seine Ex war auch alleine, auch ihre neue Beziehung war gescheitert …
… ob er sie mal anrufen sollte, ihr mal zufällig über den Weg laufen sollte …?
Lohnt die Wiederaufnahme gescheiterter Beziehungen?
Die Ex ist eine gefährliche Frau – allgegenwärtig, doch nicht anwesend, völlige Vergangenheit und doch zukunftsweisend, unantastbar einerseits und voller Fehler andererseits.
Oft konnte diese Person einem nichts recht machen und hat es doch auf besondere Weise immer getan. Man fühlte sich zwar nicht immer verstanden, doch die Ex wusste immer, was man brauchte und hat es einem gegeben … zum Schluss sogar die so lang ersehnte eigene Freiheit.
Studien zufolge würde jeder zweite Mann zu seiner Ex zurück, wenn er es könnte. Von den Männern, die es getan haben, sind 90 % der Ansicht, sie hätten es besser gelassen, denn was einen einmal von der Ex getrennt hat, das hat es auch beim zweiten Mal getan. Oftmals war auch – bei ehrlicher Selbstbetrachtung – Bequemlichkeit damit verbunden und eine gewisse Angst, etwas Neues anzufangen.
Damit bilden diese Männer die Basis für die Äußerungen der meisten Psychologen: Es hat keinen Zweck, eine einmal gescheiterte Beziehung wieder einzugehen, es wird mit aller Wahrscheinlichkeit zu einer erneuten Trennung kommen.
Warum scheitern viele Neuanläufe?
Die Antwort ist so logisch wie simpel: Die Ex ist dieselbe geblieben, und der Mann, der die Ex hatte, hat ebenfalls seine eigene Persönlichkeit behalten. Menschen ändern sich nicht. Es gibt verschiedene Bereiche, in denen sie sich bemühen können, eine Verbesserung herbeizuführen. Möglicherweise wird jemand, der niemals den Müll runter bringen wollte, irgendwann um des Friedens willen damit anfangen und auch die falsch ausgedrückte Zahnpastatube kann mit Ausdauer und Geduld zu einer richtig ausgedrückten werden, aber einen Menschen in der Grundstruktur zu ändern – das wird nicht funktionieren, und das ist gut so, denn Individualität macht einzigartig, und jeder Mensch ist einzigartig, weil er ist, wie er ist.
Bei logischer Betrachtung ist Individualität unabdingbar – gerade in einer Partnerschaft, denn sie trägt entscheidend dazu bei, einander ergänzen zu können … sollte diese Eigenschaft allerdings dazu führen, dass man den anderen seiner eigenen Individualität beraubt oder einengt, sie vielleicht ändern möchte, weil sie mit der eigenen nicht kompatibel genug ist, dann kommt es in den meisten Fällen zur Trennung, und man tut gut daran, sich dessen bewusst zu bleiben.
Durch die Trennung wird auch das Recht auf das Ausleben der eigenen Individualität wieder deutlich und lebendig – auch, wenn man in den ersten schmerzhaften Momenten nach der Trennung gerne auf dieses Recht verzichten würde.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Eine Ausnahme besteht darin, wenn es hauptsächlich durch äußere Umstände zur Trennung gekommen ist. Nehmen wir hier das Beispiel der Schwiegermutter, die sich immer und überall einmischte und dadurch ihrer Schwiegertochter das Leben zur Hölle gemacht hat, weil ihr Sohn auf Mutters Seite stand und nicht da, wo er hingehört hätte – auf Seiten der Ehefrau nämlich.
Dass die Ehefrau dabei irgendwann den Kürzeren gezogen und danach das Weite gesucht hat, ist nachvollziehbar, aber dass die Liebe der Ehepartner dadurch nicht automatisch gestorben ist, ist ebenso nachvollziehbar und absolut möglich.
Nun ist die Schwiegermutter gestorben und somit automatisch auch der äußere Umstand, der für die Trennung verantwortlich war – das kann eine durchaus erfolgreiche zweite Chance für die Ehe bedeuten, sofern die Wunden, die die Tote hinterlassen hat, angeschaut werden.
Was macht den Neustart unmöglich?
Sollte eine Trennung aufgrund von Persönlichkeitsmerkmalen oder Charaktereigenschaften erfolgt sein, dann ist eine glückliche Wiedervereinigung jedoch kaum zu erwarten – hat sie vorher das Konto abgeräumt, um ihre Liebe zu Boutiquen und Schuhläden auszuleben, ist davon auszugehen, dass diese Liebe größer bleiben wird als die zum Partner.
War sie nie eine gute Köchin, wird sie nicht plötzlich Herrn Lafer Konkurrenz machen können und bei einer hingebungsvollen Fremdgängerin wird immer eine unterschwellige Angst vor dem nächsten Treuebruch die Dritte im Bunde sein.
Auch Eigenschaften wie Sanftmut, Verständnis, Milde oder Güte werden nicht über Nacht ins Gehirn verpflanzt, wenn Streitlust, Provokation und Zynismus zur Trennung geführt haben sollten.
Am Rande sei bemerkt, dass im Falle von Suchtkrankheiten, Gewalttätigkeit und/oder Verbrechen absolut von einem Neuanfang Abstand genommen werden sollte, wenn diese Gründe zur Trennung geführt haben, auch wenn die Ex in "normalen" Stunden hinreißend und unwiderstehlich war.
In solchen Fällen ist es ratsam und unverzichtbar, fachlich kompetente Hilfe in Form von Therapien und Gesprächen mit medizinischem und psychologischem Fachpersonal in Anspruch zu nehmen, sollte ernsthaft der Wunsch nach einem Neuanfang bestehen. Entsprechende Adressen kann man über Hausärzte, Suchtberatungsstellen und das Internet ausfindig machen.
Vor- und Nachteile von "Zurück zur Ex"
Natürlich hat die Ex einige gravierende Vorteile gegenüber jeder anderen Frau: Man(n) kennt sie, er weiß, wie sie riecht, wie sie sich anfühlt, wie sie redet, lacht und welche Vorlieben sie hat. Man(n) erspart sich sämtliche, mitunter anstrengende und nervenaufreibende Kennenlernphase, jede Erklärung der eigenen Geschichte, jede Hintergrundinformation, die eine neue Frau haben will – die Ex kennt ihn, und das ist nicht nur bequem, sondern auch sehr vertraut.
Jede neue Frau ist erstmal fremd. Es ist möglicherweise irritierend, wenn die neue Frau im Schlaf redet, wo die Ex immer friedlich schlummerte. Fremd macht manchmal Angst, fremd ist nicht sofort gemütlich.
Aber vielleicht diskutiert die neue Frau nicht ständig über unnötige Sachen, vielleicht flirtet sie nicht mit dem besten Freund, vielleicht zieht sie ihre Haare aus der Bürste und wirft den Teebeutel in den Abfalleimer, anstatt ihn in der Spüle liegen zu lassen. Möglicherweise riecht ihr Parfum exotischer und nicht so blümchenhaft oder ihr Kleidungsstil ist weiblicher und nicht so sportlich, was dem eigenen Kleidungsstil viel zuträglicher ist. Vielleicht küsst sie leidenschaftlicher, und man(n) fühlt sich wieder wie ein Mann – begehrenswert und stark, weil sie sich schwach in den eigenen Armen anfühlt. Vielleicht lacht sie herzlicher und liebt Hunde, ohne daran zu denken, dass dieser Haare in der Wohnung verliert.
Von übertriebener Vorsicht und echten Chancen
Jede Kaffeekanne ist mit Patex oder Sekundenkleber wieder zu kleben, sollte mal der Henkel abgebrochen sein, aber sie wird nie wieder so brauchbar sein wie vorher. Man wird sie immer vorsichtig behandeln und immer ein bisschen Angst haben, ob man gleich den Henkel oder die Kaffeekanne in der Hand hält, und so ist es mit einer gekitteten Beziehung auch.
Man wird oft zu vorsichtig sein, nicht so locker, wie es sein sollte. Ganz schnell wird man an die Punkte stoßen, an denen man sich schon beim ersten Mal dicke Beulen geholt hat. Automatisch werden sich Szenen ins Gedächtnis schieben, die verletzend oder abstoßend waren. Es wird wieder Auseinandersetzungen über unnötige Dinge geben, weil man nicht gelernt hat, anders damit umzugehen.
Doch nur darüber wäre – wenn man erfahrenen Psychologen und Paartherapeuten Glauben schenkt – überhaupt ein erfolgreicher zweiter Versuch möglich: Alte Wunden müssen aufgedeckt und behandelt werden. Gespräche darüber müssen offen und ehrlich geführt werden. Anstelle eingefahrener alter Muster - wie das Couchpotatoesyndrom - müssen neue Muster wie regelmäßige Unternehmungen eingebaut werden und anstatt Schweigen aus Bequemlichkeit zu praktizieren, muss eine rege Kommunikation Einzug halten, denn Kommunikation ist für die Beziehung das, was der Fugenputz auf dem Fliesenboden ist: es hält zusammen und macht belastbar.
Wenn das so praktiziert würde, dann wäre es machbar, den Expartner und die erneute Beziehung als etwas Neues wahrzunehmen, was sich lohnt und was den Funken wieder zu einem wärmenden Feuer machen kann.
Wenn das nicht der Fall ist, wird man zwangsläufig irgendwann wieder da angekommen sein, wo man beim ersten Mal die Baustelle verlassen hat. Ob man das nun möchte, oder ob man sich die Arbeit macht, für die gleiche Baustelle dieses Mal besseres Arbeitsmaterial zu besorgen – das ist natürlich wie alles andere im Leben eine ganz persönliche Entscheidung, die gründlich durchdacht werden sollte.
Von: Jutta Großer











