Wie heißt er? Verlassender? Trenner? Aus Sicht des Ex-Partners wäre wohl Verräter oder Schuft die passende Bezeichnung. Wer sich nach einer langen Beziehung trennt, tut sich oft schwer damit - und ist trotzdem der Böse. Ein schlechtes Gewissen, Mitleid mit dem Anderen sowie Angst vor der Reaktion und dem Urteil gemeinsamer Freunde sorgen dafür, dass Trennungsgespräche immer wieder hinausgezögert werden. Oder sie finden gar nicht statt.
Doch wenn die Beziehung am Ende ist, bleibt kein anderer Weg, meint die Autorin Sandra Lüpkes aus Göttingen. Mit guter Vorbereitung sei die Trennung dann für beide leichter zu ertragen, sagt sie.

Wir bleiben Freunde
Das eine Paar streitet ständig, beim anderen herrscht eisige Kälte. Manchmal stellt einer von beiden aber auch nur fest: Ich mag den anderen, aber es ist keine Liebe. Von dieser Erkenntnis bis zur Trennung liegt dann meist ein weiter Weg. Schließlich fordert die Aufgabe der Beziehung einen hohen Preis, sagt Angelina Borgaes, Psychotherapeutin aus Hamburg.
Die einschneidenden Lebensumstellungen, der Verlust anderer Beziehungen und das Leid des Partners tragen dazu bei, dass sich viele Menschen schwer damit tun. Doch in einer Beziehung zu bleiben, aus der man eigentlich herausgehen möchte, sei Betrug an sich selbst und an dem Anderen.
Vor der Trennung sollte man sich über alles klar sein
Lüpkes rät, für diese Entscheidung eine Auszeit zu nehmen. "Es ist eigentlich egal, wohin man verschwindet. Hauptsache, man hat genügend Zeit, sich selbst zu überzeugen", schreibt sie. Das sei nicht nur für einen selbst wichtig, sondern auch für den Partner, wenn er fragt: "Hast du dir das auch gut überlegt?"

Wer in seiner Beziehung unzufrieden ist, muss sich zuerst über seine eigenen Bedürfnisse klar werden, rät Arndt Linsenhoff, der bei der Organisation Pro Familia in Heidelberg eine Trennungsberatung anbietet. Und wer fair ist, formuliert diese Bedürfnisse rechtzeitig gegenüber dem Partner: "Ich fühle mich eingeengt, zu wenig beachtet, bevormundet!" - wie der andere auf solche Aussagen reagiert, zeige dann oft schon, ob es eine Lösung geben kann.
Die "richtige" Trennung ist gut vorbereitet
Wenn nicht, kommt die Trennung dann zumindest nicht unvorbereitet. Schmerzen bereiten wird sie trotzdem, und deswegen sollte sie gut vorbereitet werden. "Kündigen Sie das Gespräch an: 'Lass uns morgen Abend mal reden'", rät Linsenhoff. Bohrt der andere, um was es geht, gelte es, konsequent auf den folgenden Tag zu verweisen.
Statt des heimischen Sofas empfiehlt Friedrich Enzner für ein solches Gespräch einen öffentlichen Raum, etwa ein Restaurant. "Da hat keiner einen Heimvorteil und man kann im Notfall gehen", sagt der Sozialpädagoge der Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Stadt Nürnberg.
"Es ist aus!", "Das war's!", "Ich möchte mich von dir trennen!" - Sandra Lüpkes rät, sich die Worte und die Begründung zurechtzulegen: "Es wird nicht funktionieren, in wenigen Minuten all die Beweggründe herunterzurattern, die man sich in monatelanger Grübelei erarbeitet hat." Besser sei es, sich auf wenige Argumente zu beschränken. Die sollten nicht als Vorwürfe formuliert werden: "Statt: 'Du hast immer', sagt man besser 'für mich war es...'", erklärt Enzner.
Nachwehen

Tränen, Wut, Vorwürfe - wer verlassen wird, fühlt sich nach dem ersten Schock verraten. "Viele fangen an zu streiten, weil das leichter zu ertragen ist als die Schuldgefühle", sagt Linsenhoff. Andere laufen weg. "Wenn man den anderen geliebt hat, dann gebietet es die Fairness, das Gespräch auszuhalten." Vorwürfe mit Gegenvorwürfen zu beantworten, führt zu endlosen Diskussionen. "Die Vorwürfe muss man sich in dieser Situation anhören", findet Enzner. Was man davon annimmt, könne man sich hinterher überlegen.
Bricht der Andere in Tränen aus, wird es ungleich schwieriger. Denn wer aus einer Beziehung aussteigt, kann keinen Trost geben. "Man kann den Anderen nicht einfach in den Arm nehmen", sagt Linsenhoff. "Da liegt immer ein Versprechen drin" - und das Risiko sei groß, dass man gemeinsam im Bett landet. An dieser Stelle helfe es dem Ex-Partner viel mehr, wenn man auf Distanz geht, sagt Lüpkes.
Soll der Verlassende nach dem Gespräch bei einem Freund oder im Hotel übernachten? Linsenhoff rät davon ab: "Ich würde den Anderen dann nicht alleinlassen." Dem Verlassenen hingegen könne es gut tun zu gehen und bei Freunden unterzuschlüpfen.
Die zweite Chance
"Bitte gib mir noch eine Chance!": Fleht der Verlassene seinen Ex-Partner an, fällt es schwer, konsequent zu bleiben. Das sollte er aber, findet die Autorin Sandra Lüpkes: "Erstmal muss man durch die Trennung durch - ohne Wenn und Aber." Arndt Linsenhoff von der Organisation Pro Familia sieht das anders, zumindest, wenn der Verlassene ernsthaft zeigt, dass er etwas ändern möchte. Ist er zum Beispiel bereit, eine Therapie zu machen? "Dann würde ich noch eine Chance geben."
Trennung ist für beide schwer
"Jemanden zu verlassen, ist genauso schwer, wie verlassen zu werden", sagt die Psyotherapeutin Angelina Borgaes aus Hamburg. Die Trennung löse bei beiden Beteiligten Trauer aus, denn die Hoffnungen auf eine lange Liebesbeziehung haben sich für sie nicht erfüllt. So könne es für beide durchaus zwei Jahre dauern, die Beziehung zu verarbeiten, sagt Arndt Linsenhoff von der Organisation Pro Familia.
Buchtipp

Ich verlasse dich.
Ein Ratgeber für den, der geht.
Sandra Lüpkes
Verlag: Krüger
Erschienen im März 2008
224 Seiten
13,90 EUR
ISBN: 978-3-810-51148-5
(Carina Frey, dpa)
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