15.01.2009

Wir bleiben Freunde

Die Trennung gründlich vorbereiten

Wie heißt er? Verlassender? Trenner? Aus Sicht des Ex-Partners wäre wohl Verräter oder Schuft die passende Bezeichnung. Wer sich nach einer langen Beziehung trennt, tut sich oft schwer damit - und ist trotzdem der Böse. Ein schlechtes Gewissen, Mitleid mit dem Anderen sowie Angst vor der Reaktion und dem Urteil gemeinsamer Freunde sorgen dafür, dass Trennungsgespräche immer wieder hinausgezögert werden. Oder sie finden gar nicht statt.

Doch wenn die Beziehung am Ende ist, bleibt kein anderer Weg, meint die Autorin Sandra Lüpkes aus Göttingen. Mit guter Vorbereitung sei die Trennung dann für beide leichter zu ertragen, sagt sie.

Wir bleiben Freunde

Wir bleiben Freunde

Das eine Paar streitet ständig, beim anderen herrscht eisige Kälte. Manchmal stellt einer von beiden aber auch nur fest: Ich mag den anderen, aber es ist keine Liebe. Von dieser Erkenntnis bis zur Trennung liegt dann meist ein weiter Weg. Schließlich fordert die Aufgabe der Beziehung einen hohen Preis, sagt Angelina Borgaes, Psychotherapeutin aus Hamburg.

Die einschneidenden Lebensumstellungen, der Verlust anderer Beziehungen und das Leid des Partners tragen dazu bei, dass sich viele Menschen schwer damit tun. Doch in einer Beziehung zu bleiben, aus der man eigentlich herausgehen möchte, sei Betrug an sich selbst und an dem Anderen.

Vor der Trennung sollte man sich über alles klar sein

Lüpkes rät, für diese Entscheidung eine Auszeit zu nehmen. "Es ist eigentlich egal, wohin man verschwindet. Hauptsache, man hat genügend Zeit, sich selbst zu überzeugen", schreibt sie. Das sei nicht nur für einen selbst wichtig, sondern auch für den Partner, wenn er fragt: "Hast du dir das auch gut überlegt?"

Wir bleiben Freunde

Wer in seiner Beziehung unzufrieden ist, muss sich zuerst über seine eigenen Bedürfnisse klar werden, rät Arndt Linsenhoff, der bei der Organisation Pro Familia in Heidelberg eine Trennungsberatung anbietet. Und wer fair ist, formuliert diese Bedürfnisse rechtzeitig gegenüber dem Partner: "Ich fühle mich eingeengt, zu wenig beachtet, bevormundet!" - wie der andere auf solche Aussagen reagiert, zeige dann oft schon, ob es eine Lösung geben kann.

Die "richtige" Trennung ist gut vorbereitet

Wenn nicht, kommt die Trennung dann zumindest nicht unvorbereitet. Schmerzen bereiten wird sie trotzdem, und deswegen sollte sie gut vorbereitet werden. "Kündigen Sie das Gespräch an: 'Lass uns morgen Abend mal reden'", rät Linsenhoff. Bohrt der andere, um was es geht, gelte es, konsequent auf den folgenden Tag zu verweisen.

Statt des heimischen Sofas empfiehlt Friedrich Enzner für ein solches Gespräch einen öffentlichen Raum, etwa ein Restaurant. "Da hat keiner einen Heimvorteil und man kann im Notfall gehen", sagt der Sozialpädagoge der Erziehungs- und Familienberatungsstelle der Stadt Nürnberg.

"Es ist aus!", "Das war's!", "Ich möchte mich von dir trennen!" - Sandra Lüpkes rät, sich die Worte und die Begründung zurechtzulegen: "Es wird nicht funktionieren, in wenigen Minuten all die Beweggründe herunterzurattern, die man sich in monatelanger Grübelei erarbeitet hat." Besser sei es, sich auf wenige Argumente zu beschränken. Die sollten nicht als Vorwürfe formuliert werden: "Statt: 'Du hast immer', sagt man besser 'für mich war es...'", erklärt Enzner.

Nachwehen

Wir bleiben Freunde

Tränen, Wut, Vorwürfe - wer verlassen wird, fühlt sich nach dem ersten Schock verraten. "Viele fangen an zu streiten, weil das leichter zu ertragen ist als die Schuldgefühle", sagt Linsenhoff. Andere laufen weg. "Wenn man den anderen geliebt hat, dann gebietet es die Fairness, das Gespräch auszuhalten." Vorwürfe mit Gegenvorwürfen zu beantworten, führt zu endlosen Diskussionen. "Die Vorwürfe muss man sich in dieser Situation anhören", findet Enzner. Was man davon annimmt, könne man sich hinterher überlegen.

Bricht der Andere in Tränen aus, wird es ungleich schwieriger. Denn wer aus einer Beziehung aussteigt, kann keinen Trost geben. "Man kann den Anderen nicht einfach in den Arm nehmen", sagt Linsenhoff. "Da liegt immer ein Versprechen drin" - und das Risiko sei groß, dass man gemeinsam im Bett landet. An dieser Stelle helfe es dem Ex-Partner viel mehr, wenn man auf Distanz geht, sagt Lüpkes.

Soll der Verlassende nach dem Gespräch bei einem Freund oder im Hotel übernachten? Linsenhoff rät davon ab: "Ich würde den Anderen dann nicht alleinlassen." Dem Verlassenen hingegen könne es gut tun zu gehen und bei Freunden unterzuschlüpfen.

Die zweite Chance

"Bitte gib mir noch eine Chance!": Fleht der Verlassene seinen Ex-Partner an, fällt es schwer, konsequent zu bleiben. Das sollte er aber, findet die Autorin Sandra Lüpkes: "Erstmal muss man durch die Trennung durch - ohne Wenn und Aber." Arndt Linsenhoff von der Organisation Pro Familia sieht das anders, zumindest, wenn der Verlassene ernsthaft zeigt, dass er etwas ändern möchte. Ist er zum Beispiel bereit, eine Therapie zu machen? "Dann würde ich noch eine Chance geben."

Trennung ist für beide schwer

"Jemanden zu verlassen, ist genauso schwer, wie verlassen zu werden", sagt die Psyotherapeutin Angelina Borgaes aus Hamburg. Die Trennung löse bei beiden Beteiligten Trauer aus, denn die Hoffnungen auf eine lange Liebesbeziehung haben sich für sie nicht erfüllt. So könne es für beide durchaus zwei Jahre dauern, die Beziehung zu verarbeiten, sagt Arndt Linsenhoff von der Organisation Pro Familia.

Buchtipp

Wir bleiben Freunde

Ich verlasse dich.
Ein Ratgeber für den, der geht.

Sandra Lüpkes

Verlag: Krüger

Erschienen im März 2008

224 Seiten

13,90 EUR

ISBN: 978-3-810-51148-5

Das Buch bei Libri.de kaufen.

(Carina Frey, dpa)

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Kommentare

wie immer kommt es drauf an, oder ?

Es ist schwer, sich zu lösen, es ist schwer, miteinander umzugehen in der neuen Situation, es ist schwer, zu verzeihen und all das was geschehen ist vergessen zu machen. Man hat sich ja nicht grundlos getrennt voneinander.

Einerseits, andererseits lechzt jeder von uns nach Anerkennnung und das was man als Geliebtsein beschreibt und man muss sich lösen vom Partner, ohne ihn zwingend und vorsätzlich verletzen zu wollen. Geht das wirklich ? Manchmal wohl schon, kommt auf den Partner an.

Meine Erfahrung zeigt mir, dass das nur schwer möglich ist. Man kriegt das doch zumeist nicht hin, wie man sich das eigentlich vorgestellt hat. Alles kommt anders im Leben, als man denkt. Und obwohl man das im Vorfeld vielleicht anders vereinbart hat, ist plötzlich alles Abgesprochene obsolet.

LG und schlaft (mit wem auch immer) gut mustang
Es wäre schön...

...wenn das Freunde bleiben funktionieren würde. Schließlich hat der (Ex)Partner einem ja mal so viel bedeutet und das hört auch nicht einfach mit der Trennung auf. Aber am Ende quälen sich doch vermutlich nur beide Seiten (natürlich abhängig davon warum man sich getrennt hat). ...aber das zu akzeptieren fällt oft schwer - das weiß ich nur zu gut.

Das kommt wohl ganz drauf an aus welchen Gründen die Beziehung auseinander gegangen ist. Mein Ex und ich haben auch nach unserer Trennung noch freundschaftlichen Kontakt. Er hat mich eine ganze Zeit in meinem Leben begleitet und ich möchte ihn auch nicht mehr missen. Auch wenn es als Paar einfach nicht mehr geklappt hat, schätze ich ihn als Menschen doch sehr und ich bin froh, dass wir so miteinander umgehen können. Kann aber auch verstehen wenn das nicht geht, weil man die Trennung noch nicht verarbeitet hat oder der Andere sich eben einen Bug geleistet hat, den man nicht verzeihen kann. Mir tut es so auf jeden Fall gut und hilft mir auch, die vergangene Zeit nicht zu bereuen..
Freundschaft.........

Freundschaft ist was was man nicht erzwingen kann es gibt auch menschen die aus einen date eine freundschaft enstehen lassen..............ich bin der meihnung wenn man in guten auseinander ist aus einer beziehung warum nicht..............

Freundschaften sind manchmal viel mehr Wehrt wie eine Beziehung........

lg püppi
MÖGLICH???

mein standpunkt ist es geht nicht mit jeder ex aber mit den meisten und dann ist immer noch die frage ob man das durch halten würde sie zusehen ohne das die gefühle von der zeit der beziehung wieder hoch kommen. wenn das auf beiden seiten ohne gefühle geht dann wäre das eine super lösung aber wenn die gefühle wirder kommen dann is das schon scheiße
Freunde?

Ich bin der Meinung.
Sollte es zu einer Trennung kommen,das man sich erstml aus dem Weg geht das sich einiges beruhigt und der Verlassene seinen schmerz verarbeitet und dann kann man immer noch normal miteinander reden.

Aber komplett Kontakt würde ich nich sofort wollen..außer wir hatten vorher schon so viel das wa uns nich mehr unterhielten ect..sollten wir uns einvernämlich getrennt haben,dann kann der Kontakt bestehen bleiben aber es kommt letzendlich immer auf die personen an wie die das verkraften..

ich bräuchte anfangs erstma abstand un dann kangsam wieder normal aber nich zu viel kontakt..

Trennung bedeutet leider meistens vorausgehenden Dauerzoff und das lässt sich dann nicht unbedingt abstellen, weil man sich jetzt getrennt hat. Klar flauen die aufgekochten Emotionen ab, vor allem mit der Zeit.

Aber wie heißt es so schön? "Aus Freundschaft kann Liebe werden, aber aus Liebe niemals Freundschaft."

Sicher ist das wohl in Einzelfällen anders, bei mir hat es bislang nicht funktioniert.
Hmmm ..

Ich finde, GENAU NACH einer Trennung sollte der Kontakt erstmal abgebrochen werden. Jedenfalls ne kleine zeitlang.

Weil man sonst irgendwie keinen richtigen Abschluss findet - - finde ich.

Ansonsten kann ich nur dazu sage ich verstehe mich mit einem meiner ExFreunde jetzt besser als zuvor xD

Da sag ich mal: "Denn Nagel auf'm Kopf getroffen!"
Ungewiss. Spannend. Wunderschön.

Der Ausgang einer Trennung nach einer längeren, intimen Beziehung ist immer ungewiss, und deswegen auch spannend. Das ist eigentlich der schönste Teil der Trennung ! *kopfklatsch*

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