
Alle Jahre wieder schleicht es sich langsam ein…das kleine Weihnachtsabendmonster in Form von streitenden und heulenden Kindern, streitlustigen Schwiegermüttern, Geschenken, die niemand brauchen kann und betrunkenen Verwandten. Das Fest der Liebe, des Friedens und der Familie entpuppt sich allzu oft als das Gegenteil der gewünschten Feststimmung: Anstelle von Freude beherrschen Kleinkriege und Perfektionsstress den heiligen Abend. Grund genug, es dieses Jahr besser zu machen und das sonstige Weihnachtsmann-Desaster zum harmonischen Miteinander werden zu lassen.
Das „perfekte“ Weihnachten?
Oftmals entsteht Stress und Zoff durch zu hohe Erwartungen, die von allen Beteiligten in das Fest des Jahres gesetzt werden. Aber Hektik und Ärger sind meistens hausgemacht: Vor allem bei großen Familienfesten fühlen sich die Gastgeber häufig für alles und jeden verantwortlich uns streben danach, Heiligabend zu etwas „ganz Besonderem“ zu machen. Das „perfekte“ Weihnachtsfest wird es wohl nie geben: Löse Dich daher von überzogenen Ansprüchen, denn letztlich kommt es auf das liebevolle Miteinander an und nicht auf das perfekte 5-Gänge-Menü.
Jedes Jahr Gänsebraten?

In den meisten Familien wird jedes Jahr versucht, das Vorjahresfest zu übertrumpfen – immer aufwändigere Dekoration, einfallsreichere Rezepte und bloß keine Langeweile, aber dann doch Gemütlichkeit. Dabei sind es an Weihnachten die Rituale und Bräuche, die es so besonders machen und gerade Kinder freuen sich auf die typischen Abläufe und Wiederholungen, die sie kennen und lieben. Jedoch kann auch das ganz schnell ins Gegenteil umschlagen. Nämlich dann, wenn versucht wird zwanghaft an diesen Ritualen und „Weihnachts-Standards“ festzuhalten: Geh es locker an, und lass dir nicht das Fest mit deinen Lieben durch Kleinigkeiten vermiesen. Losgelöst von Perfektionismus kannst Du zusammen mit Deinem chaotischen Verwandtenhaufen den Weihnachtsabend ganz gelassen begehen.
Heilige Nacht – Zündstoff für Familienzwist
Mach Dir keine Illusionen, in kaum einer Familie gehen die Weihnachtstage in butterweicher liebevollster Harmonie vorüber. So wirst Du bestimmt auch dieses Jahr nicht verhindern können, dass sich die lieben Kleinen gegenseitig ihre Geschenke aus der Hand reißen, Schwiegermama das Essen schlecht fand und die seit Jahrzehnten verfeindeten Großonkels werden sich auch nicht wegen deinem Gänsebraten wieder versöhnen. Lade am besten nur Menschen ein, die du wirklich gerne um dich hast. Und wenn ein Konflikt auftaucht, bleib gelassen und unterdrück das Problem nicht, sondern gib Zeit, es zu klären. Im Zweifelsfall kann eine angespannte Situation auch immer mit einer Portion Humor und großzügigem Darüberhinwegsehen gelockert werden.
Gänsebraten oder Tiefkühlpizza

Nun gut, letztere muss es in der heiligen Nacht nicht unbedingt sein, aber gerüchteweise sind an der Menüplanung schon ganze Familien zerbrochen. Es muss ja auch nicht immer der Gänsebraten mit zehn Vorsuppen sein, an denen die Hausherrin den gesamten Abend herumrührt.
Mach Dir das Leben einfacher:
- Koche vor, so dass nur nach das nötigste direkt am Weihnachtsabend frisch gemacht werden muss.
- Statt dem Braten kann es auch etwas „familienfreundliches“ sein, Raclette oder Fondue lassen sich gut vorbereiten, werden einfach in die Mitte gestellt und man kann stundenlang mit den lieben Verwandten am Tisch schlemmen ohne dass Muttern ständig in die Küche rennen muss.
- Kocht gemeinsam – lade deine Familie nicht nur zum Essen, sondern zum gemeinsamen Kochen vorher ein. Das spart Zeit, macht zusammen doppelt Spaß und schließlich ist geteiltes Leid halbes Leid. Ideal wenn vorher vereinbart wird, dass jeder seinen Teil zum Festmahl beiträgt und etwas Leckeres mitbringt.
- Damit Du nach dem Essen noch ein Ass im Ärmel hast, setze die Bescherung erst nach dem Essen an, somit hast Du noch ein kleines Druckmittel: „der Weihnachtsmann kommt nur zu denen, die fleißig mit abgeräumt haben….“
Und wer so gar keine Lust auf Küchenarbeit an diesem „ganz besonderen Abend“ hat, dem bieten immer mehr Nobelrestaurants einen Lieferservice für das Festtagsmahl an.
Oh wie schön, die zehnte Krawatte, Tante Gerda...

Natürlich gehört das Beschenken zum Fest dazu wie der Tannenbaum, aber genauso die Enttäuschung über ebendiese mehr oder weniger liebevollen Geschenke. Aber nimm es auch hier mit asiatischer Gelassenheit und einem Lächeln. In den wenigsten Fällen will Tante Gerda Dir mit der hässlichen Krawatte wirklich Böses, also nimm es nicht persönlich, bedanke Dich artig und verscherble das ungeliebte Ding bei der nächsten Betriebstombola oder bei Ebay.
Andersrum gilt das übrigens ganz genauso, erwarte nicht zuviel Begeisterung über die tolle Feinrippunterwäsche, die du deinem Mann ausgesucht hast. Denn je größer die Erwartungen, desto enttäuschter wirst Du auch in diesem Fall hinterher sein, wenn man Dir nicht vor Dankbarkeit schluchzend um den Hals fällt. Außerdem freust Du dich dann umso mehr, wenn der Beschenkte sich ehrlich über dein Geschenk freut.
Zank und Zoff am Festtagstisch lässt sich auch schon von vornherein im Keim ersticken:
- Triff bereits vorher Vereinbarungen mit deiner Familie, beispielsweise wer was mitbringt, was es zum Essen geben soll etc.
- Teile Aufgaben in der Familie auf, lass Kinder und Ehemänner Plätzchen backen oder Baum und Haus schmücken, das nimmt schon eine ganze Menge Arbeit ab.
- Streitfrage Mitternachtsmesse: zu lang, zu langweilig, zu verstaubt. Wie wäre es denn mal mit dem Besuch einer Kindermesse. Die fängt meistens schon am Nachmittag an, ist deutlich schneller vorbei, und mitkommen kann, wer auch wirklich Lust dazu hat.
Natürlich gibt es keine Geld-zurück-Garantie für das diesjährige Weihnachtsfest, aber doch zumindest einen kleinen Rettungsanker im Strudel der Fest-Vorbereitungen – mach das Beste draus! Und ein bisschen positiver Stress und Aufregung gehört schließlich auch dazu…
Wem das Alles immer noch zuviel ist, der kann Weihnachten ja immer noch in trauter Ein- oder Zweisamkeit an irgendeinem Karibikstrand verbringen.





