11.04.2008

We are Family

Wie unsere Familie uns prägt

We are Family

Wie stark bestimmt unser familiäres Umfeld unsere eigene Persönlichkeit, sind wir unveränderliches Ergebnis unserer Erziehung?

Jeder hat eine, die meisten haben regelmäßig größere und kleinere Streitereien mit ihr und trotzdem kann man sich ihr nicht entziehen – die Rede ist von unserer Familie. Es gibt sie in unterschiedlichsten Ausprägungen, von der Ein-Elternteil-Familie bis hin zur Groß- und Patchworkfamilie, aber sie haben alle eines gemeinsam: Es handelt sich um eine besonders eng zusammenlebende Gruppe mit einem sehr intimen Beziehungssystem, die sich nach eigenen Regeln, Werten, Vorstellungen und Ansichten richtet.

Sind wir tatsächlich seit zwei Jahren mit unserem Partner zusammen, nur weil er sich auf die gleiche Art den Kopf kratzt wie damals Papa, oder weil sie den Schmollmund macht wie Mama, wenn sie was nicht bekommt? Ob folgende Annahmen zutreffen, muss wohl jeder für sich entscheiden.

Die Eltern – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Kinder erhalten durch ihre Eltern einen ersten Blick in die Welt, die sie betreten. Durch sie bekommen sie die wichtigsten Basis-Weltbilder vermittelt, lernen zwischen Wertschätzung und Missachtung zu unterscheiden. Eltern sollen ihrem Kind mit auf den Weg geben, wie es möglichst gewaltfrei Konflikte lösen kann und dass Kompromissbereitschaft und Bereitschaft zu kommunizieren wichtige Pfeiler in der Gesellschaft sind. Je nachdem wie Eltern diese Aufgabe erfüllen, beeinflussen sie auch die zukünftigen Einstellungen und Verhaltenweisen ihrer Kinder, mal mehr, mal weniger positiv.

Geprägt werden:

  • die grundsätzliche emotionale Orientierung des Kindes, abhängig davon, welche Emotionen sie selbst gegenüber dem Kind zeigen
  • Werte, Einstellungen und Verhaltensweisen, da Kinder ihre Eltern immer nachahmen und sich mit ihnen identifizieren wollen; das betrifft auch das Konsumverhalten, wie bei Alkohol oder anderen Genussmitteln
  • die Sexualität und teilweise auch die zukünftige Partnerwahl des Kindes, je nach dem eigenen Umgang mit dem Thema und vorgelebten Rollen der Eltern

Das Beziehungs-Wirrwarr: Vater-Mutter, Tochter-Sohn

Generell ist die Beziehung von Jugendlichen zur Mutter besser als zum Vater, nur etwa jeder zehnte Teenager versteht sich besser mit dem Vater. Doch bezüglich der Geschlechterrolle gilt besonders bei Mädchen: Kaum ein Mann ist so wichtig wie der Vater. Laut der Diplom-Psychologin Dr. Angelika Faas eröffnet ihr der Vater Zugang zu einem für die Tochter schwer zugänglichen Bereich, "zum Phänomen der Männlichkeit".

Als junge Frau kann sie abschätzen wie sie "ankommt", wie ihr Verhalten auf den Vater wirkt. Dies bestimmt grundlegend, wie die Tochter sich später selbst einschätzt, wie sie mit anderen (Männern) zurechtkommt und vor allem welchen Männertyp sie mag und auswählt.

Aber auch bei Jungs funktioniert das ganz ähnlich. Der Sohn beginnt sich zwischen vier und sechs Jahren für die Mutter zu interessieren und sieht den Vater als Konkurrenz. Später identifiziert er sich mit dem Vater und bildet seine Geschlechterrolle aus. Allerdings ist die Prägung nicht so stark wie bei den Mädchen, da Jungs weniger beschützend erzogen werden, früh von der Mutter unabhängig werden und mehr Freiheiten genießen können.

Sie konzentrieren sich in der Orientierung ihrer Männlichkeit früh auf ihren Vater und vor allem auf "ihre Jungs" – wo sie schnell lernen, wie sich ein "richtiger Kerl" zu verhalten hat. Grundsätzlich gilt nach der Psychoanalyse Freuds, dass zwei Faktoren für die kindliche Sexualität entscheidend sind: die Entdeckung, dass es unterschiedliche Geschlechter gibt, und die Beziehung zu seinen Eltern, auf die sich nach Freud die ersten sexuellen Wünsche richten.

Mein Bruder – mein Konkurrent?

Es gibt eine Menge Studien darüber, wie die Stellung in der Geschwisterkonstellation Verhaltensweisen und Charakterzüge beeinflusst. Demnach werden diese Persönlichkeitsmerkmale aus der Position in der Familie auch noch im Erwachsenenalter eingesetzt.

Dabei spielt es jedoch eine große Rolle, ob es sich um Bruder und Schwester handelt - diese sehen sich meistens nicht als Konkurrenten - oder um Geschwister gleichen Geschlechts. Auch wichtig ist, welcher Altersunterschied existiert. Ist er größer als vier Jahre, haben die Geschwister eher den Charakter von Einzelkindern.

  • Der Erstgeborene: Er definiert sich durch Leistung, oft bis zum Burn-out. Er kann gut delegieren und legt Wert auf Ordnung und Disziplin. Er ist auf der einen Seite besonders fürsorglich, auf der anderen Seite neigt er zu Härte und fordert Bewunderung, was sich besonders in seiner Partnerschaft niederschlägt. Er ist eine Führernatur und übernimmt gern Verantwortung.
  • Der Zweitgeborene: Ist eben nur der "Zweite". Er strebt immer danach der Erste zu sein, schneller zu sein und seinen Konkurrenten, den Erstgeborenen, zu überholen. Er arbeitet immer gegen sein Gefühl der Wertlosigkeit und kann daher auch schnell verletzend und aggressiv werden, wenn er sich minderwertig fühlt. Schwer hat er es vor allem in seiner Beziehung, da er eine leicht narzisstische Ader hat und sich ständig im "Kampf um Platz eins" befindet, wodurch er im Berufsleben oft in einer Führungsposition ist.
  • Das Nesthäkchen: Der Jüngste in der Familie ähnelt dem Einzelkind, ist oft lebensfremd naiv und neigt zu übertriebener Eitelkeit. Es fordert viel von seinem Umfeld, ist ein Chaot, launisch und fügt sich gern Autoritäten und älteren Partnern. Nesthäkchen fühlen sich oft nicht ernst genommen und haben daher auch manchmal Sprachstörungen.
  • Das Einzelkind: Der "Einzige" ist ohne Konkurrenz aufgewachsen, hat sie nie kennen gelernt und kann daher auch nicht mit ihr umgehen. Auch im späteren beruflichen und privaten Alltag. Dadurch, dass ihm immer alle Steine aus dem Weg geräumt wurden, ist er als Erwachsener unsicher unselbständig und von anderen abhängig. In Beziehungen fordert er übertrieben viel Zuneigung und hat meist ältere Partner.

Aber keine Sorge, wir sind unseren familiären Einflüssen nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert! Unsere genetische Ausstattung und unser soziales Umfeld haben auch ein Wörtchen mitzureden. In Wirklichkeit bilden unsere Erfahrungen in der Familie eher die Grundlage, auf der wir zukünftige Einwirkungen auf unser Leben wahrnehmen, verstehen und verarbeiten. Je älter man wird, desto mehr spielen andere Instanzen der Sozialisation, wie Schule, Freunde und Kollegen, eine Rolle – die Familie tritt eher zurück.

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Kommentare


diese ganzen schuld zuweisungen sind nicht richtig......

irgend wann ist jeder für sich selber verantwortlich.....

das stimmt so nicht, es ist der teufleskreis in dem man sich bewegt und diesem nicht entrinnen kann, entweder man liebt sich nicht genug, das tust du irgendwann dann doch und wer weiß wie lange das dauert....

schlussendlcih.....

sind wir krank......der eien verdrängt.....der ander bricht ab....immer wieder auf der suche nach dem inneren was uns bewegt...

ich hab prügel bekommen in den keller gesteckt.....usw.......

ich bin heute selber mutter........und arbeite daran es dem kind so angenehm wie möglich zu machen......

das hat zeit...in der pupertät beginnt die eigentlich aufgabe.......dafür braucht man seine kraft...liebe....

soll das wirklich der aktuelle stand der wissenschaft sein? sind das statistisch belegte ergebnisse? ich bin da nicht auf dem laufenden, psychologie hat mich so lange interessiert, bis ich gemerkt habe, daß die meisten leute, die dieses fach studieren zu allererst ihre eigenen probleme lösen wollen und oft genug mit fragwürdigen methoden verhalten zu erklären versuchen.

ich habe die erfahrung gemacht, dass die familie bei vielen leuten in meinem alter kaum eine rolle spielt, viel eher das umfeld. was werte, verhalten, ansichten betrifft, bin ich schon seit 25 jahren ziemlich weit weg von meinen eltern, die eher konservativer sind als z.b. meine grosseltern.... ich habe eben gesehen, es geht auch anders. ich bin der auffassung, je intelligenter ein mensch ist, desto eher ist er in der lage, nicht einfach nur das leben irgendwelcher vorbilder zu kopieren.
Schreibt

doch nicht immer so schlecht über die Eltern. Man hat die nur einmal im Leben.
Keiner ist perfekt in der Erziehung- früher wie heute nicht.....und jeder ist seines Glückes Schmied- und nicht immer alles auf die Eltern abwälzen-das wäre doch zu einfach.
Immer sind an allem die Eltern oder der Partner schuld......

da gebe ich dir vollkommen recht.manche stellen sic h nicht selber.fallen in verhaltenmuster rein die sie eigentlich ablehnen.es ist ja auch manchmal zu bequem einfach mal so zu handeln und zu denken ohne in die alten abläufe zu fallen.
fremdsteuerung

Es ist nie voraussehbar wie sich das Umfeld auswirkt: das fürsorglich liebevoll erzogene Kind kann zum Kiffer werden oder sich situieren, das abgeschobene und hintergangene Kind kann sehr erfolgreich werden oder scheitern.
Warum???
ich arbeite immer wieder mit Menschen die beim "Erwachsenwerden, so zw. 35 und 45 Jahren, große Schwierigkeiten haben, das erlernte Werte- und Handlungsmuster abzulegen und ein eigenes zu schaffen.
Die Entstehung dieser Werte-, Handlungs- und Empfindungsmuster scheint sehr subtil und differenziert zu sein. Ich kann keine "gleichen" Kindheitserlebnisse beschreiben - ähnliche oft, aber auf diese reagieren andere Menschen wieder genau gegenteilig.
Es hängt anscheinend auch mit der Struktur des Erzogenen zusammen, wie er das Erlebte verwertet und mit der Handlungsabsicht der Eltern - die unbewußt sein kann..
Wer Pech hat, hat als Erwachsener immer wieder Emotionen, die ihn fremdsteuern, die sein Handeln bestimmen obwohl er garnicht so handeln, so sein will.
Im Kind solche "Komplexe" zu setzen oder zu hinterlassen, das kann auch sehr "liebevoll" geschehen. Das können Eltern auch wenn sie zärtlich und anscheinend liebevoll sind.
Es ist nicht das Mittel, welches über das Ergebnis entscheidet. Eher sind es vielleicht die Absichten die dahinter stehen. "Liebe" kann richtig (oder eher "falsch") eingesetzt auch ein Mittel für Repression sein.............

der/die erstegeborene ist wie ein alpha tier.
Okay okay...

Nur gut, dass wir alle wissen, das der Herr Freud ja ganz nett und nicht dumm war, in vielen Sachen Recht hatte - nur eben in Vielen und nicht in Allen. Doch das nur nebenbei....

Ich bin recht froh, dass bei mir wohl genetische Ausstattung, als auch soziales Umfeld so gut zusammenarbeiten, dass ich nicht weltfremd-naiv bin und auch keine Sprachstörungen habe. Gut...ab und zu ein wenig eitel und wenn´s sein muss auch launisch. Aber irgendwie muss man ja überleben,ne?! *zwinker*

Ihr dürft raten, was für ein "Typ Kind" ich bin!

Selbstverständlich gebe ich mir Mühe, meine Erstgeborene möglichst mit soviel Liebe, Respekt und Offenheit groß zu kriegen, dass sie ein kommunikatives selbständiges Mitglied der Gesellschaft wird, die sie sich mal zum Leben aussucht. Und bewusste Reflexion der eigenen Erziehung und Verhaltens ist da hoffentlich schon die halbe Miete.

Lg,
Betti
was mich betrifft

Gott bewahre mich davor so zu sein wie mies meine Eltern zu mir waren. Ich liebe kinder, ich mag Hunde
und Bondagelady u die ich kämpfe

die frage stellt sich doch?wird man so wie die eltern,oder meidet man diese charakterzüge?
Vater hat sich verpißt

eibnfach so 3 Meter unter der Erde,
konnte ihn zur Rede stellen fgür die Mißhandlungen.
2te Stiefgmutter hasse ich. Sie hat nmich gleichfaslls mißhandelt und
mir nicht gesagt das Vater vor 2 Jahren verstorben ist. Ich wollte immer ne Aussprache.

Egalö wo ... nur sprechenden Menschen kann geholfen werden,oder ??
Stiefmutter hat mir asuuf link das Erbe hintergegangen ( in Schenkung umgeschrieben)

Täglich werden Kinder mißbraucht sexuell wie psychisch und physisch. warum tut das eigene Fleisch und Blut so etwas ?

  • Neu hier? Kein Problem!