"Liebe ist kein Solo. Liebe ist ein Duett. Schwindet sie bei einem, verstummt das Lied." Nach jeder zerbrochenen Beziehung kommt die Frage auf, was um alles in der Welt ist schief gelaufen? War das Scheitern der Beziehung gar bereits von Anfang an vorprogrammiert? Im Einzelfall dazu Aussagen zu treffen, soll und kann hier nicht im Mittelpunkt stehen. Wir fragen uns trotzdem: Weshalb funktionieren einige Partnerschaften anscheinend tadellos, während es bei anderen nicht so gut läuft?
Dieses Geheimnis zu lüften ist das große Ziel von Paarforschern, die verschiedenste zwischenmenschliche Beziehungen, in erster Linie aber Paarbeziehungen, betrachten und auswerten. Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Robert Wegner, der an dieser Stelle weitere Teilnehmer für seine Diplomarbeitsstudie sucht.
Der Anfang vom Ende oder das Ende vom Anfang
"Sag mal tickst du noch ganz richtig?!" - ein Statement, das in Beziehungen für einen Moment die Zeit anhalten und einen möglichen Wendepunkt einleiten kann. Eine mitschwingende Botschaft zwischen "Du tickst nicht ganz richtig, du bist nicht in Ordnung." und "Ich fühle mich gerade von dir unverstanden.". Eine Aussage, die in manchen Partnerschafen der Anfang vom Ende und in anderen das Ende vom Anfang ist.

In der klassischen Paarforschung werden alle möglichen und unmöglichen Zusammenhänge untersucht, ob, wann, wie, warum und wie lange Paare zusammenpassen, nicht zusammen passen, aber dennoch zusammen bleiben, oder sich trennen. Die Suche nach dem heiligen Gral, der blauen Blume, der (vermeintlich) einzig wahren Liebe. Im Volksmund der Spagat zwischen den Grundregeln "Gleich und gleich gesellt sich gern" und "Gegensätze ziehen sich an".
Wenngleich Unterschiede in manchen Bereichen vorhanden und wichtig sind (man denke nur an die Rollenverteilung im BDSM), so zeigen die Ergebnisse der Wissenschaft, dass in vielen Aspekten eine Ähnlichkeit förderlich ist. Paare, die sich in ihrem Äußeren ähneln, also in etwa als gleich attraktiv empfunden werden, passen scheinbar besser zueinander, als jene, die deutlich in ihrer Attraktivität variieren. Übrigens: Für diesen Faktor beschenkt uns Mutter Natur mit einem reichlich sinnvollen Geschenk - Der rosaroten Brille! Demnach erscheint einem der Partner attraktiver, netter und witziger, als er (vermutlich) ist. (Leider trifft das dann ja auch im Gegenzug auf uns selbst zu.) Diese sogenannte "positive Illusion" schenkt uns Vergnügen ... und Zeit. Zeit, in der wir uns fortpflanzen könn(t)en. Bis zu 2,5 Jahre hält dieser Zustand angeblich an... Wir fragen und fürchten uns: Was passiert dann? Mutation?
Bedeutende Faktoren für Paarbeziehungen

Ebenfalls von Bedeutung, wenngleich das Phänomen Cougar dagegen spricht (wobei, nun da Demi und Ashton auch bewiesen haben, dass es dann doch nicht so problemlos ist, wie es scheint): Das Alter, oder besser gesagt, der Erfahrungsschatz und das Erlebt-Haben-Konto. Auch wichtige Faktoren, die, je größer eine Übereinstimmung mit dem Partner erreicht wird, für eine mehr oder minder intakte Partnerschaft sorgen: Größe, Gewicht, Alkohol- und Tabakkonsum, Intelligenz, gewisse Persönlichkeitsfacetten wie Launenhaftigkeit und Ordnungssinn, Bildungsgrad, politische und religiöse Ansichten etc.
Auf der Suche nach der großen Liebe
"Muss ich nun also mit Waage, Maßband, Intelligenztest und Persönlichkeitsfragebogen durch die Stadt rennen, um einen für mich passenden Partner zu finden?" Sicherlich ist das eine Möglichkeit, allerdings würde eine entsprechende Vermessung wohl mehr als sonderbar anmuten und verspräche selbst bei Erfolg keinen zwingenden Erfolg.
Wenn ich gerne feiern gehe, treffe ich in Clubs oder auf Veranstaltungen vermutlich eine Vielzahl von Menschen, mit denen ich mich gut verstehe. Wenn ich lieber ein Buch in der Bibliothek lese, treffe ich wahrscheinlich dort Menschen, die auf meiner Wellenlänge liegen (es sei denn, diese müssen mal wieder in die Bibliothek, was nachlesen, obwohl sie eigentlich lieber beim Konzert wären, oder im Park, oder am See... Dann ist das Objekt der Begierde allerdings unfreiwillig dort, weshalb der potentielle neue Liebhaber dann wohl eher doch keiner werden wird). Und wenn ich beides gerne mache, habe ich es einfacher und schwieriger zugleich, je nachdem, welche Vorstellungen ich von meinem Partner habe.
Das Beispiel der Örtlichkeit ist natürlich plakativ und überzogen, soll aber deutlich machen, dass ähnliche Menschen ähnliche Interessen haben und demzufolge ähnliche Kontexte aufsuchen. Nicht jeder geht von sich aus auf Parties, Konzerte, ins Theater, Kabarett, zum Fußballspiel, Gottesdienst oder ist Mitglied im hiesigen Karnevalsverein.
Verstand vs. Herz - Little Brains
Schaut man sich an, welches Organ für unsere Orientierung in der Welt verantwortlich ist, und lässt man die Aussage "Männer denken nur mit ihrem Schwanz" beiseite, so lautet die geschlechtsübergreifende Antwort: Das Gehirn. Je nachdem, wie die Windungen in ihm verdrahtet sind, was wir erlebt haben und wie wir dementsprechend "ticken", sehen wir die Welt so wie wir sie sehen und interessieren wir uns für ähnliche oder unterschiedliche Dinge. Aus konstruktivistischer Perspektive gibt es dabei kein universelles richtig oder falsch, sondern nur unterschiedliche Arten und Weisen der Wahrnehmung und Interpretation. Wenn man so will "persönliche Vorlieben" im (Er-)Leben der Welt.
Dementsprechend, so die Hypothese des Studenten, ist auch die jeweils individuelle Ausprägung des Gehirns dafür verantwortlich, zu wem wir uns intuitiv hingezogen fühlen und mit wem wir eine Beziehung eingehen. Diese Annahme untersucht er im Rahmen seiner Diplomarbeit "Kopf beeinflusst Herz - Die Rolle von Metakompetenzen in Paarbeziehung".
Befragung zum Thema

Wenngleich Statistiken für den Einzelfall keine Aussagekraft haben, so benötigen aussagekräftige Statistiken eine ausreichend große Stichprobe. Aus diesem Grund bat er uns um Mithilfe und wir freuen uns gemeinsam mit ihm, wenn sich an dieser Stelle neugierige Paare finden, die den angehenden Psychologen beim empirischen Teil seiner Arbeit unterstützen und an seiner Studie teilnehmen. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine heterosexuelle Partnerschaft von mindestens sechs Monaten Dauer, in der beide Partner über 18 Jahre alt sind. Die Ergebnisse werden uns mitgeteilt.







