Am 27. Juni 2006 fand in dem Swingerclub OrangeX1 der "Salon de Roissy" statt. Im Verlaufe dieser Veranstaltung wurde ein Theaterstück mit Modenschau inszeniert, welches die Gäste in die erotische Welt der "O" entführen sollte. Unser Mitglied JJan hat für euch einen kleinen Erfahrungsbericht geschrieben.
Vorbereitungen
Ich bin schon sehr gespannt, denn heute Abend findet im Orange X1 bei Frankfurt der "Salon de Roissy" statt, ein Theaterstück mit Modenschau und erotischen Gedichten. Veranstalterin ist Jandia56, die bis auf die Korsetts alle Röcke und Kleider des Stückes eigenhändig im Stile der O entwirft und schneidert. Kennen gelernt habe ich sie vor ein paar Wochen und von ihr erfahren, dass Männer dort mit einem schwarzen Anzug gut angezogen seien. Für mich wird es der erste Besuch in einem BDSM-Club überhaupt sein. Auch einen Swingerclub habe ich noch nicht von innen gesehen.
Meine Gedanken wandern zu meinem Kleiderschrank... Oh Schreck, ich hab' nix anzuziehen! Und zum Dresscode passt es erst recht nicht! Naja, hmm, vielleicht zum schwarzen Anzug ein weißes Hemd und von der letzten Beerdigung hab' ich ja noch eine schwarze Krawatte, die ich mal auf schmal umnähen ließ. Hm, nee, damit lassen die mich nie rein. Heute dreht es sich um Kleider der O und der Adel hat ja damals auch nicht schwarzweiß getragen, denke ich mir. Also weiche ich notgedrungen auf ein purpurfarbenes Hemd mit Krawatte zum schwarzen Anzug aus.
Ankunft und erste Eindrücke
Die knapp 370km nach Wölfersheim vergehen wie im Flug. Der Club ist ruhig gelegen, am Rande des Dorfes, etwas zurückgesetzt von der Straße, mitten in einem Gewerbegebiet. Direkter Nachbar ist ein BMW-Händler. Beste Lage also, außerdem kann ich dort meinen Wagen ganz unauffällig abstellen.
Ich bin nämlich ziemlich spät dran und die Leute parken schon am Straßenrand. Jandia steht im Eingangsbereich und kann so alle Ankömmlinge persönlich begrüßen. Das hat Stil. Sie zeigt mir die Freiluft-Bar und den Bereich am Außenpool, wo die Show stattfinden wird. Und sie stellt mich meinen Paten für diesen Abend, einem Paar, zur Seite. Dann verschwindet sie, weil die Show bald beginnt.
Der Club ist sehr gut besucht, aber zum Glück nicht überfüllt, obwohl doppelt so viele da sind wie angemeldet. Das hat zur Folge, dass das warme Buffet leer gefuttert ist. Macht aber nix, bin ohnehin nicht sehr hungrig. Wer meinen Fahrstil kennt, wird das verstehen. Alex, der Clubbesitzer, lässt das Buffet trotzdem nachher während der Show auffüllen.
Auf mich macht er einen sehr warmherzigen Eindruck, als ich an der Bar ein paar Worte mit wechsle. Ich vermute, ich könnte ihm jede peinliche Anfängerfrage stellen, die mir einfällt - er würde sie mir geduldig beantworten. Außerdem freut er sich irgendwann später für alle hörbar darüber, dass er heute ausschließlich die Besten der Besten zu Gast hat. Er ist also nicht nur nett, sondern hat offenkundig auch die treffsichere Fähigkeit, Menschen einzuschätzen. ;)
Während ich noch an der Bar auf mein Getränk warte, läuft ein Mann vorbei. Schwarzer Anzug. Weißes Hemd. Schmale schwarze Krawatte. Ich schaue in die Runde der vor dem Gebäude in schwarzen Sesseln und Sofas sitzenden Gäste. Die Männer tragen überwiegend schwarzen Anzug mit schwarzem oder weißem Hemd, bzw. wenn's etwas legerer sein soll, lange schwarze Lederhosen mit authentischem weißen Rüschen- oder Gutsherrenhemd.
Die Frauen... Oh mein Gott, oh mein Gott. Ich liebe Korsetts. Und Nylonstrümpfe mit Strapsen. Und Halterlose. An Frauen. Manche tragen auch Fesches in Lack, Leder oder Latex. Holla, bei einigen Damen liegen sogar die Brüste frei und eine Frau in Latexoberteil und -minirock trägt zwei Argumente vor sich her, die so hart aussehen, als könne ein Güterzug daran zerschellen.
Der Salon de Roissy
Als die Show beginnt, stehe ich mit meinen Paten am Pool, gegenüber der Terrasse, die als Bühne fungiert. Meine Patin trägt übrigens ein rot glimmendes Korsett (!) mit einem roten Rock, den Jandia geschneidert hat, mein Pate einen schwarzen Anzug mit weißem Hemd. Wenn ich groß bin, will ich auch mal eine Freundin mit einem Korsett - oder besser mehreren - und auch schon länger Tango Argentino tanzen können.
Jandia's Mann und Dom leitet das Theaterstück ein. Er spielt den Erzähler und den Besitzer des Salon de Roissy, in welchem der Marquise de Sisteron seine kürzlich erworbene Sklavin einzukleiden gesucht. Diese trägt nur einen Stofffetzen (Marke Dobby, der Hauself) und frei sichtbar eine 1A Intimfrisur. Ich liebe es, wenn Frauen ihre Prioritäten richtig setzen. Jandia selbst ist im Salon "angestellt" und knallt der am Boden kauernden Sklavin einen Hundetrinknapf hin. Hoffentlich gibt das keine Probleme mit der Sklavengewerkschaft, weil die meinen, dass sich eine Sklavin den Hundetrinknapf selbst hinknallen muss.
Es werden mehrere Kleider im Stil der O gezeigt, bzw. Kombinationen aus Röcken und Korsetts (Korsetts, ihr wisst schon, die liebe ich). Für alle, denen es wie mir nicht bekannt war, Kleider der O sind so geschnitten, dass man den Stoff wie einen großen Vorhang zur Seite schieben kann, um den Schoß offen zu legen.
Tja, hätten sie damals die Rüstungen auch so multifunktional entworfen, wären die Ritter nicht ausgestorben. Jedes der vielen Kleider wird vom Salonbesitzer und vom Marquise miteinander besprochen und fachgerecht kommentiert.
Mehrere Male erholen sich die Theaterakteure beim Lustwandeln außerhalb der Bühne von den Strapazen der Kommentiererei und eine Dame, die im wirklichen Leben eine Galerie führt, trägt mit schöner Stimme erotische Gedichte und Geschichten vor.
Darin züchtigen Männer ihre Damen, Männerfinger kümmern sich "rührend" um Frauenschöße und in einem Zugabteil werden unkeusche Handlungen vorgenommen, die vom Schaffner leider unbemerkt bleiben. Am besten gefällt mir ein Gedicht mit Reim innerhalb der Zeile statt von Zeilenende zu Zeilenende. So was wie
"Ich lieg' immer noch wach, und ach, wärst Du jetzt bei mir."
Nur viel besser. Im weiteren Verlauf des Theaterstückes bekommt die Sklavin zwar keine Socke, dafür aber eine tolle Korsett-Rock-Kombination, Jandia ein paar Peitschenhiebe auf ihr Hinterteil und der Marquise alles. Wie im richtigen Leben. Danach zeigen mir meine Paten den Club von innen.
Nach dem Stück ist vor dem Stück
Im Erdgeschoss befinden sich die Garderobe und ein kleines abschließbares Spielzimmer, das man mieten kann. Im Obergeschoss eine weitere Bar, gemütliche Sitzflächen, auch mit Tischen, wie in einem anständigen Café, und das große schummrige Spielzimmer. Im Café-Teil sind sehr viele Gäste anwesend und unterhalten sich gepflegt.
Meine Paten führen mich ins Spielzimmer und wir nehmen am Rande des Raumes Platz an der kleinen Bar. Gut, dass ich sie habe, alleine wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass es in Ordnung, eher sogar gewünscht ist, dass man zuschaut. Solange jedenfalls alles im gesitteten Rahmen bleibt. Und das ist den ganzen Abend über der Fall. Die Zuschauenden, mal zwei, drei, mal bis zu anderthalb Dutzend, sitzen und stehen in gebührendem Abstand zum Geschehen, verhalten sich ruhig und genießen entspannt die Show.
Gegenwärtig ist ein Paar mittleren Alters am Spielen. Sie sehen völlig normal aus, von der besonderen Kleidung mal abgesehen, und würden in einem Kirchenchor in keinster Weise negativ auffallen. Die Frau liegt größtenteils unbekleidet, bäuchlings auf einem an der Decke aufgehängten und gepolsterten Brett. Ihre Füße stehen auf dem Boden. Der Mann, schwarze Hose und schwarzes Hemd, schlägt ihr nacheinander mit Peitschen, einem linealförmigen schwarzen Gegenstand und was er sonst noch in die Finger bekommt, auf den Po. Und das mit einer Selbstverständlichkeit als würde er ihr eine Tasse Kaffee einschenken. Oder Tee.
Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich so etwas real sehe. Daher ist mein Motto des Abends: "Ruhig verhalten. Zuschauen. Lernen." Meine Paten erkundigen sich mehrmals, ob es mir noch gut ginge und erklären mir das eine oder andere, ebenso wie Jandia, die einige Male hereinschaut.
Die Frau aus dem ersten Paar gibt die ganze Zeit keinen Schmerzenslaut von sich. Ich glaube vielmehr manchmal ein leises lustvolles Stöhnen zu hören. Hin und wieder hält ihr Partner inne und fährt ihr mit der Hand beruhigend bis sanft über Po und Oberschenkelrückseite. Und auch mit zwei ausgestreckten Fingern zwischen die Beine! Mitten im Spiel steht er sogar direkt hinter ihr und macht eindeutige, langsame Bewegungen mit der Hüfte.
Ob er sie wirklich nimmt, sehe ich nicht; seine Hose hat er noch an. Gegen meinen Verdacht spricht, dass später niemand an der Stelle ausrutscht. Aber egal, Kopfkino! Als die beiden gehen, macht sie einen glücklichen, fast stolzen Eindruck.
Noch während das erste Paar sich vergnügt, macht sich ein weiteres Paar bereit. Ihre Handgelenke werden per Ledermanschette hoch unter einen Querbalken gehängt. Diese Beiden haben sich mehr auf subtilere Folter spezialisiert. So fährt er ihr mit einem kleinen Nervenrad, auf das sie heftig reagiert, über den Rücken oder zwirbelt und kneift ihre Brustwarzen mit den Fingern.
Ein anderes Paar lässt es auch sehr gemütlich angehen. Er verbindet ihr die Augen und fesselt sie mit den Händen an Gefängnisfenster-Gitterstäbe. Anschließend ist er lange Zeit nicht zu sehen. Im Laufe der Nacht wird es noch oft passieren, dass Frauen irgendwo angebunden und vergessen werden.
Als der junge Mann seine Mitspielerin wieder gefunden hat, züchtigt er sie und widmet sich ihren Lippen mit seinen Fingern und seiner Zunge. Ob er auch die Lippen in ihrem Gesicht berücksichtigt hat, daran kann ich mich nicht mehr erinnern.
Anschließend verschwinden die Beiden, um später am Abend erneut zu erscheinen. Dann ist ein Peitschenstiel oder ein ähnlicher Dildoersatz im Spiel, während sie mit nach oben gebundenen Händen da steht. Meine Paten bewegen sich irgendwann zu einem gegenüber liegenden Winkel des Spielzimmers und berühren sich unsittlich. Ein schöner Anblick.
Eine andere Frau wird mit dem Rücken an eine Säule fixiert, ihre Hände werden in ihren Nacken gebunden und hingebungsvoll gemartert. Es vergeht einige Zeit, bis an ihr eine zweite Frau Bauch an Bauch festgebunden wird. Beiden sind die Augen verbunden, und was die dann miteinander machen...
Ich kann gar nicht hinsehen. Ich suche nämlich hektisch meine Brille in den Innentaschen meines Anzugs. Nach der gegenseitigen Begrüßung werden die beiden mit Paddeln von ihren Besitzern auf Po und Oberschenkelrückseite geschlagen, wobei sie sich winden und aneinander reiben.
Ein Dom mittleren Alters, graue Haare, der einen erfahrenen Eindruck macht und sein Können schon bei der eigenen und einer fremden Sub an den Mann, Pardon, die Frau bringen konnte, entdeckt eine allein stehende Frau. Sie ist in einem Käfig aufrecht und frei stehend angebunden, die Hände über ihrem Kopf. Er schreitet hörbar an sie heran. Es ist nicht seine eigene Frau. Jetzt bin ich gespannt. Er wird sie doch nicht etwa berühren? Nein, er wirft nur einen prüfenden Blick auf ihre Augenbinde und entfernt sich wieder hörbaren Schrittes.
An dem Abend finden etwa noch einmal so viele Vergnügungen wie von mir beschrieben statt. Sie sind teils aus dem SM-Bereich, teils zeigefreudige Fingerspiele bei den Damen, Fesselspiele, Sinneseinschränkungen, ...
Und doch, niemand hat offen "richtigen" Sex miteinander, zumindest nicht im von meinem Platz aus einsehbaren Großteil des Spielzimmers. Alle Männer haben durchgehend die Hosen an - im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Dies torpediert etwas das schöne Bild, dass Männer immer nur "das eine" wollen. Manchmal wollen sie scheinbar auch "das andere" und kümmern sich hauptsächlich um die Frau. Oder um die eines anderen, wenn sie dazu aufgefordert werden.
Die umgekehrte Machtverteilung in Form von Domina und Sklave entdecke ich an diesem Abend nicht. Sehr mollige Paare habe ich im Spielzimmer nur eins gesehen, wobei dieses ein gutes Leder-Outfit hatte. Gemessen am Bevölkerungsdurchschnitt sind mollige Menschen dort leicht unterrepräsentiert. Ebenso wie sehr junge Erwachsene. Gerade mal ein sehr junges Paar "verirrt" sich dorthin und schaut dann interessiert zu.
Das Fazit des Abends
Für mich war es ein unglaublich interessanter und lehrreicher Abend. Die Stimmung war sehr entspannt und gemütlich. Gefesselte Sklavinnen wurden nicht ungefragt von Fremden berührt. Niemand hat sich den Aktiven aufgedrängt oder sich zuschauend einen von der Palme gewedelt. Das Geschlechterverhältnis war ausgewogen - und das obwohl der Eintrittspreis für Männlein und Weiblein identisch war.
Ob ich selbst einmal aktiv am SM-Geschehen teilnehmen werde, kann ich nicht sagen, momentan ist meine sadistische Ader nicht ausreichend ausgeprägt. Aber Lustschmerz ist ja nur ein kleiner Teil von BDSM. Mein besonderer Dank geht an meine beiden Paten P. und M., den Akteuren auf der Bühne und im Obergeschoss und natürlich an Jandia.















