BDSM-Liebhaber mögen das Machtgefälle, das sich aus Dominanz und Unterwerfung ergibt. Dieses wird in der Regel in sexuellen Rollenspielen ausgelebt. Der sogenannte Paypig unterwirft sich jedoch in sehr ungewöhnlicher Weise seiner Herrin...
Ungewöhnliche Angebote im Internet
"Herzlich Willkommen auf der Homepage von Lady Sandra, dem Eintrittstor zu deiner Paypig-Welt!"
Gut. Dominas in Lack und Leder ist der Fetisch-Freund gewöhnt, wenn er sich ins unendliche Netz der gemeinen Wünsche und Leidenschaften begibt. Ob Sklavenzentrale, Marquis-Zirkel oder aber Dominagalerie: Mit einigen wenigen Google-Klicks ist man im virtuellen Kerker, wo es Angebote gibt, von denen der Normalbürger sicher noch nie gehört hat.

Bei Lady Sandra lesen wir Folgendes: "Hallo du Nichts! - Du bist auf der Suche nach einer gnadenlosen Geldherrin, die Dich aussaugt und benutzt? - Dann bist Du bei mir richtig..... Ich bin die Lady, ich liebe es, wenn meine Sklaven mir Luxus schenken und mich verwöhnen und ich sie so richtig benutzen und auf dem Minimum halten kann. Ich bin schön, intelligent, dominant und ich will alles und ich will es jetzt von dir."
Interessant! – Ich kenne viele Webseiten von Dominas mit eindeutigen Dienstleistungs-Angeboten: Erziehungsspiele im Studio, Wochenend-Aufenthalt im Sklaven-Käfig und Hausdiener-Ausbildungen. Alle diese Angebote haben den Zweck einen Betrag X für eine Leistung Y von der einen in eine andere Brieftasche zu transferieren. Man zahlt und bekommt einen besonderen oder auch gewöhnlichen Wunsch erfüllt. Auch bei Online-Angeboten, wo man Domina-Videos herunterladen oder sich in einem kostenpflichtigen Chat beteiligen kann, lassen Kosten, Zweck und Nutzen leicht erkennen.
Paypigs wollen anonym bleiben

Was unterscheidet den normalen Domina-Studio-Besucher vom Zahlschwein? – Eine devote Neigung können wir in beiden Fällen ohne weitere Nachprüfung unterstellen. Während der reale Studio-Gast vor Ort erscheinen muss, um seine besondere Behandlung zu erfahren, zieht es der Geldsklave in der Regel vor anonym zu bleiben.
Ferdy89 ist irgendjemand und für den Ablauf des Prozedere ist dies auch völlig ausreichend. Bankdirektor Müller mag im Studio zwar auch einfach "der Herbert" sein, aber er ist eben leibhaftig vorhanden. Während Herbert für sein Geld ans Kreuz gefesselt oder aber mit dem Paddel geklopft wird, hat Paypig Ferdy eigentlich keinen direkten Nutzen von seinem Vorgehen.
Wie läuft das "Paypiggen" ab? – Der Geldsklave landet auf der Seite seiner Angebeteten. Es macht klick und er ist davon überzeugt der abgebildeten Lady in besonderer Weise dienen zu müssen. Er begibt sich in eine Gedankenwelt, erkennt seine Berufung und sucht auf der Seite umgehend nach Bankverbindung oder weiteren Zahlungsmöglichkeiten.
Geldherrin lässt sich beschenken
Schön, dass es Partnerprogramme und Schnittstellen zu Online-Shops, Paypal und Ähnlichem gibt. So kann die Geldherrin Artikel mit Bild einstellen, die direkt mit Shops verbunden sind und die es dem Sklaven ermöglichen sofort zu bestellen. Auch Paypal ermöglicht Geldtransfer in Minuten und die Geschenk-Gutscheine von Amazon sind auch ein Hit! Profaner sind 0900-Nummern mit festgelegtem Betrag pro Anruf. Aber Kleinvieh macht hier eben auch Mist.
Welchen Nutzen die Geldherrin hat, liegt klar auf der Hand: Neben Haushaltsartikeln, Büchern, Wein-Geschenkkisten, Reisegutscheinen und Blumen, kommt auch "Bares" in die Kasse. Außer einigen arroganten Serien-Mails und eindringlichen Zahlappellen auf gleichem Weg, hält sich der organisatorische Aufwand in Grenzen. Lästige Schweine werden ohnehin frühzeitig aussortiert. Frau will nicht ständig mailen und dumme Fragen beantworten, es sei denn, dass ein besonders großer Nutzen erkennbar ist. Aber hier wird die Auswertung diffizil, da man es ja mit anonymen Personen zu tun hat.
Sklave bestraft sich durch finanziellen Schmerz selbst

Doch welchen Nutzen hat unser Sklave? – Er schickt einer anonymen und vielleicht nur virtuell vorhandenen Lady Geschenke und Geld. Alles, was er dafür bekommt, sind Bilder und Texte auf einer Homepage. Vordergründig richtig!
Aber: es gibt auch den Aspekt des finanziellen Schmerzes, den man nicht außer Acht lassen darf. Geld schicken nicht etwa nur Leute, die zu viel davon haben, sondern auch "Pigs", die es heimlich aus der Familienkasse entwenden. Das kann dann wahrlich "schmerzen" und das ist wohl auch Sinn und Zweck der Übung. Man bestraft sich selbst, hat dabei aber das Gefühl, bestraft worden zu sein.
Eigentlich eine harmlose Sache, wenn die Paypig-Anbieter nicht mit Abhängigkeiten und Ausnutzen von Bedürfnissen spielen würden (was natürlich auch im realen Domina-Studio jederzeit geschehen kann). Schnell kann aus einem kleinen Spiel mit ein Paar Fleurop-Blumen eine intensive Zahllast entstehen, vergleichbar einer Sucht, die hier eines virtuellen "Dealers" bedarf. Eine gewisse Skrupellosigkeit darf da auf Anbieterseite nicht fehlen, denn: hier wird eigentlich nur Luft verkauft, die jemand anderes aber unbedingt haben will!
Strafbar ist es nicht, Leute in dieser Art und Weise abhängig zu machen, aber eine moralische Bewertung möchte ich lieber nicht vornehmen. Ohne Nachfrage kein Angebot!
Aber was sind "Paypigs" für Menschen? – Ein reales Exemplar aufzutreiben, war nicht einfach, ist uns aber mit ein wenig mehr Mühe dann doch gelungen.
- 1. Teil: Paypig
- 2. Teil: Im Gespräch mit einem Sklaven





