08.06.2011

Paypig

Sklaven der besonderen Art

BDSM-Liebhaber mögen das Machtgefälle, das sich aus Dominanz und Unterwerfung ergibt. Dieses wird in der Regel in sexuellen Rollenspielen ausgelebt. Der sogenannte Paypig unterwirft sich jedoch in sehr ungewöhnlicher Weise seiner Herrin...

Ungewöhnliche Angebote im Internet

"Herzlich Willkommen auf der Homepage von Lady Sandra, dem Eintrittstor zu deiner Paypig-Welt!"

Gut. Dominas in Lack und Leder ist der Fetisch-Freund gewöhnt, wenn er sich ins unendliche Netz der gemeinen Wünsche und Leidenschaften begibt. Ob Sklavenzentrale, Marquis-Zirkel oder aber Dominagalerie: Mit einigen wenigen Google-Klicks ist man im virtuellen Kerker, wo es Angebote gibt, von denen der Normalbürger sicher noch nie gehört hat.

Alle Bilder von: Leoncool
Alle Bilder von: Leoncool
 

Bei Lady Sandra lesen wir Folgendes: "Hallo du Nichts! - Du bist auf der Suche nach einer gnadenlosen Geldherrin, die Dich aussaugt und benutzt? - Dann bist Du bei mir richtig..... Ich bin die Lady, ich liebe es, wenn meine Sklaven mir Luxus schenken und mich verwöhnen und ich sie so richtig benutzen und auf dem Minimum halten kann. Ich bin schön, intelligent, dominant und ich will alles und ich will es jetzt von dir."

Interessant! – Ich kenne viele Webseiten von Dominas mit eindeutigen Dienstleistungs-Angeboten: Erziehungsspiele im Studio, Wochenend-Aufenthalt im Sklaven-Käfig und Hausdiener-Ausbildungen. Alle diese Angebote haben den Zweck einen Betrag X für eine Leistung Y von der einen in eine andere Brieftasche zu transferieren. Man zahlt und bekommt einen besonderen oder auch gewöhnlichen Wunsch erfüllt. Auch bei Online-Angeboten, wo man Domina-Videos herunterladen oder sich in einem kostenpflichtigen Chat beteiligen kann, lassen Kosten, Zweck und Nutzen leicht erkennen.

Paypigs wollen anonym bleiben

Paypig

Was unterscheidet den normalen Domina-Studio-Besucher vom Zahlschwein? – Eine devote Neigung können wir in beiden Fällen ohne weitere Nachprüfung unterstellen. Während der reale Studio-Gast vor Ort erscheinen muss, um seine besondere Behandlung zu erfahren, zieht es der Geldsklave in der Regel vor anonym zu bleiben.

Ferdy89 ist irgendjemand und für den Ablauf des Prozedere ist dies auch völlig ausreichend. Bankdirektor Müller mag im Studio zwar auch einfach "der Herbert" sein, aber er ist eben leibhaftig vorhanden. Während Herbert für sein Geld ans Kreuz gefesselt oder aber mit dem Paddel geklopft wird, hat Paypig Ferdy eigentlich keinen direkten Nutzen von seinem Vorgehen.

Wie läuft das "Paypiggen" ab? – Der Geldsklave landet auf der Seite seiner Angebeteten. Es macht klick und er ist davon überzeugt der abgebildeten Lady in besonderer Weise dienen zu müssen. Er begibt sich in eine Gedankenwelt, erkennt seine Berufung und sucht auf der Seite umgehend nach Bankverbindung oder weiteren Zahlungsmöglichkeiten.

Geldherrin lässt sich beschenken

Schön, dass es Partnerprogramme und Schnittstellen zu Online-Shops, Paypal und Ähnlichem gibt. So kann die Geldherrin Artikel mit Bild einstellen, die direkt mit Shops verbunden sind und die es dem Sklaven ermöglichen sofort zu bestellen. Auch Paypal ermöglicht Geldtransfer in Minuten und die Geschenk-Gutscheine von Amazon sind auch ein Hit! Profaner sind 0900-Nummern mit festgelegtem Betrag pro Anruf. Aber Kleinvieh macht hier eben auch Mist.

Welchen Nutzen die Geldherrin hat, liegt klar auf der Hand: Neben Haushaltsartikeln, Büchern, Wein-Geschenkkisten, Reisegutscheinen und Blumen, kommt auch "Bares" in die Kasse. Außer einigen arroganten Serien-Mails und eindringlichen Zahlappellen auf gleichem Weg, hält sich der organisatorische Aufwand in Grenzen. Lästige Schweine werden ohnehin frühzeitig aussortiert. Frau will nicht ständig mailen und dumme Fragen beantworten, es sei denn, dass ein besonders großer Nutzen erkennbar ist. Aber hier wird die Auswertung diffizil, da man es ja mit anonymen Personen zu tun hat.

Sklave bestraft sich durch finanziellen Schmerz selbst

Paypig

Doch welchen Nutzen hat unser Sklave? – Er schickt einer anonymen und vielleicht nur virtuell vorhandenen Lady Geschenke und Geld. Alles, was er dafür bekommt, sind Bilder und Texte auf einer Homepage. Vordergründig richtig!

Aber: es gibt auch den Aspekt des finanziellen Schmerzes, den man nicht außer Acht lassen darf. Geld schicken nicht etwa nur Leute, die zu viel davon haben, sondern auch "Pigs", die es heimlich aus der Familienkasse entwenden. Das kann dann wahrlich "schmerzen" und das ist wohl auch Sinn und Zweck der Übung. Man bestraft sich selbst, hat dabei aber das Gefühl, bestraft worden zu sein.

Eigentlich eine harmlose Sache, wenn die Paypig-Anbieter nicht mit Abhängigkeiten und Ausnutzen von Bedürfnissen spielen würden (was natürlich auch im realen Domina-Studio jederzeit geschehen kann). Schnell kann aus einem kleinen Spiel mit ein Paar Fleurop-Blumen eine intensive Zahllast entstehen, vergleichbar einer Sucht, die hier eines virtuellen "Dealers" bedarf. Eine gewisse Skrupellosigkeit darf da auf Anbieterseite nicht fehlen, denn: hier wird eigentlich nur Luft verkauft, die jemand anderes aber unbedingt haben will!

Strafbar ist es nicht, Leute in dieser Art und Weise abhängig zu machen, aber eine moralische Bewertung möchte ich lieber nicht vornehmen. Ohne Nachfrage kein Angebot!

Aber was sind "Paypigs" für Menschen? – Ein reales Exemplar aufzutreiben, war nicht einfach, ist uns aber mit ein wenig mehr Mühe dann doch gelungen.

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Kommentare


einen ehemann findet man leichter *zwinker*

weil es weder eine liebesbeziehung oder partnerschaft noch einen trauschein gibt.

ansonsten könnte man über die parallelen zu vielen ehen wohl wirklich durchaus eine weile sinnieren... *ggg*
omg

Also wenn ich das richtig verstanden habe, ist Paypig sein, so etwas Ähnliches wie ein Ehemann. Warum man das jetzt so nennt und nicht mehr "Ehemann", ist mir allerdings nicht so recht klar.

Rein vom finanziellen her ist es so das sich der Aufwand um ein reines paypig zu finden sich überhaupt nicht lohnt. Da wäre es vielleicht einer von 100fakes der mal 50,- überweist.
Was es öfters gibt und was ich auch mit meiner philosophie vereinbaren kann: Männer die ausgenutzt werden wollen, für ihr Geld aber trotzdem eine angemessene Gegenleistung bekommen. Den Aufwand lohnt es sich aber ebenfalls nur wenn man mit Herz und verstand dabei ist.
Der Stunden Lohn ist schlecht,
total geil ist es aber sich das Geld selber vom Konto nehmen zu können.
Dieses ist für beide Seiten ein unbeschreibliches Gefühl.

Das hat mit dumm allerdings wenig zu tun, sondern eher mit Risikobereitschaft, wobei diese auch durch mehrere Faktoren reduziert wird.

Die "Masche" ist keineswegs neu. Ich las davon das erste Mal Anfang der 90er Jahre, als ich mich allgemein informierte, was für Fetische es denn so gibt. Nicht auszuschließen, dass es das auch in den 80ern oder 70ern oder noch früher schon gab. *zwinker*

Irgendein Dummer wird sich ja wohl finden, mir für nichts und wieder nichts Geld zu überweisen?!

Ganz so einfach ist es offenbar nicht - so wie ich diesen Fetisch verstand, musst du als Lustobjekt für die bewussten Herren dann auch taugen. Kurz gesagt: Du kriegst ihr Geld, damit sie dich als Wichsvorlage für ihren Fetisch haben. *zwinker*

Könnte dir natürlich trotzdem egal sein, ich wollte aber dann doch nochmal drauf hinweisen, dass das mit "Dummheit" nicht zwingend etwas zu tun hat. Ist halt ein Fetisch der Lust beschert, wenn sie etwas Bestimmtes tun. *schulterzuck*

Ich gerate mangels Verständnis zunehmend in die Versuchung, meinen Status als Hobby-Domina gegen den einer Gelddomina auszutauschen und mir mein derzeitiges ALG-II etwas aufbessern zu lassen. Irgendein Dummer wird sich ja wohl finden, mir für nichts und wieder nichts Geld zu überweisen?!

Nee, also, ich versteh ja so einiges, was Sklaven wollen, und noch etwas mehr, was Dominas wollen, aber diese neue Masche verschließt sich vollständig meinem Horizont.

Moneyslavery gehört zu den sexiest Fetischen.
Leider ist der Ruf dieser Szene etwas zerstört worden durch unkenntnis und Abzockerei.
Moneyslavery ist viel mehr und aufwendig. Ein wahres Machtgefühl wenn man das Paypig abhängig machen kann, Vertrauen, Ehrlichkeit gehören hier auch dazu, das Spiel mit den Finanzen ist besonders erregend . Hier gehts nicht ums schnelle Geld sondern um die Kontrolle. Dem Sklaven Grenzen setzen, sein Geld verwalten und damit umgehn.
In manch einer Ehe läuft das genauso...also wo liegt das Problem *ggg*

Leider wird seitens der neumodischen Möchtegern-Herrinen viel ausgenutzt und gelogen, das führte dazu das es auch viel mehr Fakes und Tastenwichser seitens der Sklaven gibt.

Wo ist die Leidenschaft geblieben?

Pro und Contra gibts immer zu diesem Thema, dennoch leben und leben lassen, es würde sich eh nie einer melden der damit nichts anfangen kann *zwinker*

Ich habe bis jetzt noch keinen weiblichen Moneyslave kennen gelernt oder getroffen. Würde es zwar nicht ausschließen, dass sie vorhanden sind, aber wenn dann sind sie wohl sehr sehr selten.

Servus,

es würde mich interessieren, ob es weibliche Moneyslaves gibt oder ob dieser Titel der Herrenwelt vorbehalten ist.

Grüße
Erfahrungen

Und wer sich hierfür interessiert wendet sich an mich *zwinker*.
  • Neu hier? Kein Problem!
Danksagung
Paypig
Dieser Artikel stammt aus dem PO Magazin November / Dezember 2009 und wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
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