Heute stellen wir euch mit sackmann7 den Fotografen vor, der für unseren JOYclub-Kalender für das Jahr 2009 das Oktobermotiv beigesteuert hat.
Außergewöhnlich an seiner Arbeit ist sein Hang zu Inszenierungen und die Liebe zum Detail, die wichtigsten Grundlagen für seinen Anspruch, mit seinen Bildern Geschichten zu erzählen. Anhand verschiedener Hintergründe und zahlreicher Accessoires sowie des Einsatzes von Wind- und Nebelmaschinen setzt er seine Ideen und jene seiner Models fantasievoll um.
Wir stellen den Fotografen einmal genauer vor und gewähren euch einen kleinen Einblick in sein Portfolio voll von märchenhaften und mythischen Bildern, die von knallig bunten Pin Up Fotografien lanciert werden.
Der Fotograf und sein Weg
Sein Name ist tatsächlich Sackmann, Stephan Sackmann und er lebt und arbeitet als freier Fotograf in Hamburg St. Pauli.
Angefangen mit dem Aufwachsen hat Stephan 1969 in einem Kaff in der Nähe von Oldenburg. Hier verbrachte er in der sich anschließenden Jugendzeit viele Nachmittage damit, Portraits von weidenden Milchkühen der benachbarten Bauern in ein Skizzenbuch zu zeichnen.
Anfang der Neunziger zog es ihn nach Hamburg, wo er sich beim ersten nächtlichen Schlendern über die neonhelle Reeperbahn niemals hätte träumen lassen, selbst einmal Teil dieser Welt zu werden. Eigentlich war er nach Hamburg gekommen, um Illustration zu studieren. Bei seinen Zeichenprofessoren fiel er durch sein "zwanghaft richtig zeichnen" unangenehm auf, woraufhin ihm einer der Lehrenden nach einer Aktzeichnen-Stunde empfahl, diesen Drang durch die Fotografie zu kompensieren. Diesem Rat ging Stephan nach, machte seinen Abschluss im Bereich Fotodesign und hat von da an quasi nicht mehr gezeichnet.
Ein einschneidendes Jahr sollte 1997 für ihn werden. Aufgrund diverser privater Katastrophen hängte er die Fotografie förmlich an den Nagel und hielt sich fortan mit den verschiedensten Nebenjobs über Wasser.
Diese Phase hatte vor sieben Jahre dann endlich ein Ende, als er seine jetzige Freundin kennen lernte. Sie unterstützte und förderte ihn auf jede nur erdenkliche Weise ("Tritte in den Arsch mit eingenommen") und macht dies noch immer.
Sie war es auch, die ihn ermutigte, seinen Job als Filialleiter eines Fotofachgeschäftes, den er mittlerweile inne hatte, zu kündigen und den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.
Seine Schwerpunkte
Zu Stephans ersten festen Abnehmern gehörten einige Musikmagazine, für die er inzwischen auf Hunderten von Konzerten fotografierte. Auch portraitierte er etliche Bands für Zeitschriftencover. Da er sich selbst der "schwarzen Szene" zugehörig fühlt, waren dies vorrangig Gothicmusiker wie In Extremo, Lacrimosa oder auch, worauf er besonders stolz ist, da er bisher der einzige deutsche Fotograf ist, dem dies vergönnt war, Martin Gore von Depeche Mode vs. Douglas Mc Carthey von Nitzer Ebb.
Grundsätzlich versucht Stephan mit seinen Bildern Geschichten zu erzählen. So hat er beispielsweise die Sänger von Subway to Sally, Schandmaul, Letzte Instanz und Zeraphine, die er zusammen portraitieren sollte, in einem Wirtshaus Karten spielen lassen, statt sie vor neutralem Hintergrund abzulichten. (Zu sehen auf seinem Portfolio unter www.sackmann7.de)
Auch in der Erotikfotografie, die den größten Teil seiner privaten Arbeit ausmacht, verwendet er mit Vorliebe Zitate aus Märchen oder Mythen und fotografiert ganze Bildgeschichten statt einzelner Motive. So hat er inzwischen Dutzende von Sets mit Themen wie Schneewittchen, Rotkäppchen, Johanna von Orleans, die kleine Meerjungfrau etc. vorproduziert und an Zeitschriften und Contentsites in mehreren Ländern verkauft.
Nichtsdestotrotz ist aber das Fotografieren von "ganz normalen" Personen für deren private Zwecke nach wie vor der wichtigste Teil seines Jobs. Und das ist auch der Part, der Stephan am meisten Freude bereitet. Er empfindet es immer wieder als spannende Reise, auf die er sich mit seinen "Models" begibt. Und wenn er nach einem vierstündigem Shooting das erste und das letzte Bild des Tages nebeneinander legt, liegen dazwischen meist Welten.
"Sicher ist es schön und interessant z.B. Meret Becker oder Udo Lindenberg vor der Kamera zu haben - die kann man aber nur schwerlich positiv überraschen. Ich bin jedes mal aufs Neue erfreut und fühle mich geschmeichelt, wenn eine Kundin ein Feedback gibt wie: 'Ich hätte nie gedacht, dass ein Shooting so viel Spaß macht, und dass ich mir selbst auf Fotos so gefallen kann…'"
Des Weiteren hat dem Fotografen die umfangreiche positive Resonanz und der Umstand, dass er mitten auf St. Pauli wohnt und arbeitet, dazu verholfen, dass er zum Stammfotografen einiger "Unterhaltungsbetriebe" im Hamburger Milieu geworden ist. Seit vielen Jahren ist er beispielsweise Haus- und Hoffotograf im "Safari-Cabaret" in der Großen Freiheit und rechts der Reeperbahn gibt es kaum einen Club, in dem er nicht schon Teile der Belegschaft fotografiert hätte.
Sein Stil
"Ich habe ziemlich früh gemerkt, dass ich die großen Meister der klassischen SW-Akt-Fotografie zwar bewundere, mich selbst diese Art zu fotografieren aber langweilt." Darum begann Stephan Anleihen aus der Bildsprache der ihm vertrauten Konzert- und Pin Up Fotografie sowie Elemente aus Comics zu verwenden. So entstand aus Licht, Farbe und vielfach Nebel ein Stil, der zwar wiederkehrend als "total 80er Jahre mäßig" abgeurteilt wird, andererseits aber immer wieder explizit gewünscht wird.
Schwangerschaftsportraits mit buntem Nebel und Seifenblasen beispielsweise sind sicher Geschmackssache, aber gerade dieses "Strange" hebt seine Bilder aus der Masse der Schwarz/Weiß-Bäuche im Gegenlicht ab.
Dazu ist die digitale Bildbearbeitung, die er noch vor einigen Jahren kategorisch ablehnte, zu einem wichtigen Teil seiner fotografischen Arbeit geworden. Der Zweck heiligt dahingehend die Mittel - und sein Ziel ist es, seine Kunden zufrieden zu stellen. Allerdings stimmt er immer mit seinen Abnehmern ab, in welchem Umfang "gemogelt" wird.
Seine Veröffentlichungen
Stephan versteht sich heute weniger als Künstler denn als Dienstleister. Daher hat er kürzlich sogar eine Anfrage eines Galeristen ausgeschlagen. Seine Arbeiten gehören seiner Meinung nach (noch) nicht an die Wände außenstehender Dritter.
Dafür zieren sie etliche Zeitschriftentitel, CD- und DVD-Cover und natürlich Sedcards, Homepages und die Schreibtische der von ihm Fotografierten. Es sei denn, man betrachtet seine in den Schaufenstern der "Großen Freiheit" gezeigten Bilder als Ausstellung - dann ist Stephan vermutlich Inhaber des Titels "bestbesuchter Aussteller in ganz Deutschland". ;-)
Ausblick
"Mein aktuelles Projekt besteht darin - wie jedes Jahr um diese Zeit -, publik zu machen, dass Heiligabend am 24. Dezember ist! Das spricht sich immer viel zu spät rum! Die, die nämlich erst Mitte Dezember anfragen, ob ich noch einen Fotokalender für den Freund fertig stellen kann, müssen leider mit einer Absage rechnen.
Allen anderen sei meine HP www.deine-schokoladenseite.de ans Herz gelegt."
































