Das Motiv des Monats August unseres JOYclub-Kalenders für das Jahr 2011 steuerte die Fotografin Britta_Hannover bei, deren Schaffen wir euch in diesem Fotografenportrait etwas näher vorstellen wollen.
Die Fotografin, die lieber mit Menschen mit "Makeln" arbeitet und weniger mit top gestylten Models, hat vor allem ein Herz für die Subkulturfotografie, was in ihrem Fall aus ihrer Vorliebe für Hardcore-, Ska- und Oi-Musik erwuchs. Ihr Ziel ist es dabei, spannende Bilder zu erschaffen, die im Gedächtnis bleiben.
Beispiele für ihre Bilderwelten präsentieren wir euch hier und lassen die Fotografin ausführlich zu Wort kommen.
- Inhaltsverzeichnis
- Einmal Holland und zurück
- Von der Konzertfotografie zur Aktfotografie
- Autodidaktisch zum Erfolg
- Die Fotografin liebt das Festhalten intimer Momente
- Bilder statt Worte…
- Die Werkzeuge der Fotografin
- Makellose Models interessieren Britta nicht
- Spontane Ideen bestimmen die Shootings der Fotografin
- Brittas Veröffentlichungen und ein Blick in die Zukunft
- Kommentare
Einmal Holland und zurück

Ich wurde am 2. Oktober 1973 in Hannover geboren und bin dort auch aufgewachsen. An mein Fachabitur schloss ich eine Tischlerlehre an. Mit 22 Jahren bekam ich mein erstes Kind, heiratete mit 23 und bekam mein zweites Kind. 2001 verschlug es mich mit Kind und Kegel nach Den Haag in die Niederlande. 2005 kehrte ich mit meinen Kindern und ohne Mann zurück nach Hannover. Seitdem bin ich Alleinerzieherin von aktuell zwei Teenagern.
Von der Konzertfotografie zur Aktfotografie
Im März 2006 habe ich mir meine erste Kamera gekauft, damals die EOS 350 D, und habe vor mich hin fotografiert. Ein bisschen dies, ein bisschen das - ohne großes Ziel und ohne Plan, hatte ich doch bis auf die Familienfotografie keinerlei Erfahrung mit den Dingern.
Durch meine Vorliebe für Hardcore-, Ska- und Oi-Musik hat es sich dann ergeben, dass ich ein paar Live Bilder von verschiedenen Bands gemacht habe. Mit der Zeit kamen von jenen Anfragen, ob ich nicht Bilder für die CDs oder Myspace Profile der Bands machen könne.
Allmählich kam auch die Frage auf, ob ich auch "privat" fotografieren würde. Also habe ich das auch einmal ausprobiert. Nach und nach kamen dann immer mehr Anfragen - für Aktfotos, Hochzeiten usw. Und da ich von Natur aus neugierig bin und alles einmal ausprobieren muss, habe ich nie nein gesagt.
Autodidaktisch zum Erfolg
Ich habe nie einen Workshop besucht oder ein Buch über Fotografie gelesen (nicht einmal die Anleitung meiner Kamera). Ich habe immer wieder probiert und geschaut, was passiert, wenn ich dies oder das mache. Ich halte mich daher auch an keinerlei fotografische Regeln (sofern es so etwas überhaupt gibt), sondern fotografiere so, wie es MIR gefällt. Und wenn die Ergebnisse auch noch anderen gefallen, freut mich das natürlich sehr!
Für mich besteht der Reiz mittlerweile darin, mit wenig viel zu erreichen. Ich habe weder eine teure Ausrüstung noch ein riesiges Studio, keine teure Blitzanlage und bin viel zu faul für aufwändige Sets.
Die Fotografin liebt das Festhalten intimer Momente
Ich mache viel Subculture- und Bandfotografie. Genauso wie Teilakt oder PornArt.
Wie man an meinen Bildern erkennen kann, arbeite ich viel mit Menschen mit Tattoos, Piercings oder Bodymods. Die halte ich am liebsten fotografisch fest.
Skinheads (keine Nazis!!!), Renees (weibliche Skinheads), Rockabillys, Bellas und die ganze Szene drumherum setze ich ebenfalls gerne in Szene.
Ich arbeite zudem viel mit Paaren zusammen - nicht nur Szenepaare - und liebe es, intime Momente abzulichten.
Bilder statt Worte…
Ich kann mich schlecht mit Worten ausdrücken, also lasse ich meine Bilder für mich sprechen. Einen festen Stil habe ich dabei nicht. Da ich ständig ausprobiere, ändert sich die Art meiner Bilder auch immer mal wieder. Von klassischen Low-Key-Aktbildern aus dem Studio bis zu richtigen Trashbildern in Ruinen gibt es bei mir alles zu sehen. Ich liebe vor allem Detail- und Bodypartaufnahmen.
Vorbilder habe ich keine, wobei ich mir schon vor 20 Jahren immer wieder gerne die Bilder von Robert Mapplethorpe angeschaut habe.
Die Werkzeuge der Fotografin
Ausgerüstet bin ich derzeit mit einer ganzen Wagenladung an Kameras: Canon EOS 40D, Canon EOS 5D Mark II, Canon 50/1.8, Tamron 18-200, Tamron 28-300, Tamron 28-75 / 2.8, Tokina 12-24/4, Canon Speedlite 430EX und der Canon Speedlite 430 EX II. In meinem Studio mit schwarzem und weißem Hintergrund sowie diversen Untergründen findet man außerdem 2 x 500 Watt Dauerlicht, 3 x Walimex cy 300 Softboxen, einen Reflektor, einen BeautyDish etc. Die Nachbearbeitung erledige ich auf einem IMac mit Photoshop CS 5.
Ich fotografiere super gerne Onlocation, wobei es nichts Aufwändiges sein muss. Mein Ess- und mein Wohnzimmer müssen öfter mal als Location herhalten, genauso wie der Hinterhof, Fahrradkeller, Dachboden und Keller.
Makellose Models interessieren Britta nicht
Ich will keine Modeltypen (eine Nadja Auermann kann meiner Meinung nach jeder gut in Szene setzen. Das ist für mich keine große Kunst - Sorry Mr. Helmut Newton
) Ich liebe es, mit Leuten zu arbeiten, die wenig bis keine Erfahrung vor der Kamera haben.
Ich finde es viel spannender, Persönlichkeiten zu fotografieren, gerne auch mit "Makeln" wie Bauch, Narben, Schielblick oder was auch immer. Aus jenen etwas rauszuholen und Bilder zu schaffen, die im Gedächtnis bleiben, finde ich viel spannender. Von einer depressiven Frau, die sich aus Frust die Haare abrasiert hat, Bilder zu machen und ihr damit zu zeigen, wie wahnsinnig gut sie ausschauen kann (ohne Make-up o.ä.) und dann ein "Wow" zu bekommen, ist für mich eines der größten Komplimente. Ich arbeite auch sehr gerne mit Männern - mit Charakter … keine Sunnyboys.
Es gibt für mich keine schlechten Models - nur schlechte Fotografen. An jedem Mensch findet sich etwas, das sich ins rechte Licht rücken lässt. Und es ist meine Aufgabe, GENAU DAS zu finden und dementsprechend in Szene zu setzen. Dazu muss man flexibel sein und darf nicht nur die üblichen Wege gehen.
Ein Model, das mit mir arbeiten möchte, muss auf Chaos vorbereitet sein. Die Ideen in meinem Kopf schlagen manchmal Purzelbäume. Da kann es auch schon mal vorkommen, dass wir eigentlich erotische Bilder im Schlafzimmer machen wollten und auf einmal sitzt sie mit Lockenwicklern und Kippe im Mund auf'm Klo. So kann es auch mal vorkommen, dass bis spät in die Nacht geshootet wird, wenn beide Seiten Bock darauf haben. Kurzum: Die Chemie zwischen mir und dem Model muss einfach stimmen.
Spontane Ideen bestimmen die Shootings der Fotografin
Einen festen Ablaufplan für ein Shooting gibt es bei mir nicht. Ich gehe es sehr entspannt an. Erstmal einen Kaffee oder ein Bier trinken, ein wenig quatschen und dann geht’s los. Ein bestimmtes Bild habe ich vor den Shootings nicht im Kopf. Die besten Ideen entwickeln sich beim Shooting. Nicht selten gibt es ein zweites oder drittes Mal, damit man die gemeinsam gesponnen Ideen auch alle umsetzen kann.
Die Bilder gibt es bei mir direkt nach dem Shooting auf CD. Ein paar der Bilder bearbeite ich, solange das Model noch bei mir ist, um gemeinsam zu schauen, was uns beiden zusagt. Die restlichen Bilder maile ich dann zu.
Ich bügle keinen am Rechner glatt! Ich verlängere keine Beine, mache keinen Bauch kleiner oder Brüste größer. Mal einen Pickel wegretuschieren, das ist okay für mich. Aber jemanden am Rechner total zu verändern, ist nicht mein Ding.
Brittas Veröffentlichungen und ein Blick in die Zukunft
Ich habe schon einige meiner Arbeiten veröffentlichen können. Sei es im PO-Magazin, im JOYclub Kalender (2010 und jetzt auch 2011), im "Art Worx" Merchandising Katalog, auf der Online Präsenz von "Gusti Leder", auf "Kinkats.net" oder im "Wacken 2010" Programm. Bereits 2008 setzte ich meine Idee von einem eigenen Aktkalender um, der sehr gut ankam. Demnächst werden einige meiner Bilder in einem Bildband zu dem Thema "Skinheads und Girls" erscheinen.
In naher Zukunft möchte ich unbedingt noch Menschen mit "Fehlern" erotisch fotografieren: Egal ob Frauen, denen die Brust amputiert wurde, Rollstuhlfahrer oder Menschen mit großen Narben … Eine körperliche Behinderung ist in meinen Augen kein Hinderungsgrund, um Erotik ausstrahlen zu können.











































